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Merlot
Der Merlot der spanischen Venta d’Aubert aus dem Hinterland des Priorato im kühlen Aragon entstammt einer Selektion der besten Fässer des 1987 gepflanzten Merlot-Weinbergs der Hazienda. Normalerweise geht dieser Merlot in die Spitzencuvée ‚Dionus’. Im Jahrgang 2007 aber gelang er so überzeugend, daß Weinmacher Stefan Dorst beschloß, ihn separat zu füllen, um so das Qualitätspotential der Region unter Beweis zu stellen. 2500 Flaschen hat er von diesem edlen Stoff abgefüllt. Der strotzt mit 14,5 % Alkohol, besitzt milde 5,6 g/l Gesamtsäure und wurde zweieinhalb Jahre in 80 % neuen und 20% gebrauchten französischen Barriques ausgebaut.
Erwarten sie aber bitte keinen weichgespülten ‚Schmuse-Merlot’! Die Venta d´Aubert steht für trockenen, maskulinen Stil und hat ihren Merlot 2007 entsprechend als muskulösen Athleten inszeniert.
Der Wein besitzt eine intensive, dunkelrote Farbe. In seinem würzigen Bukett werben Aromen von dunklen Waldbeeren, Maulbeeren, Zartbitterschokolade und schwarzem Pfeffer um die Gunst des Verkostenden. Auf der Zunge beeindruckt er mit gehaltvoll trockenem Geschmack mit intensiver Gerbstoffdichte, die nicht weich und schmeichelnd daherkommt, sondern würzig und erfrischend kernig. Ein kühler Typus von Merlot, trotz des hohen Alkohols herzhaft strukturiert, komplex extrahiert und bemerkenswert konzentriert in der Substanz. Seine Aromatik erinnert an Wildkirschen und Rumtopf, an frischen Tabak, in dem ein feiner Hauch Eukalyptus und Minze für ätherische Frische sorgt, und das dichte Gerbstoffgerüst wird von feiner Säure unterstützt, die ihm Eleganz und druckvolle Nachhaltigkeit verleiht. Ein erfrischend anderer Merlot aus spanischer Produktion, wie man ihn so potent und dicht gewirkt nicht oft erlebt. Unbedingt vor Genuß dekantieren.
Venta D´Aubert
Michèle Hörler und Michael Rudolf verwalten seit ein paar Jahren die rund 80 ha große Bodega "Venta d´Aubert" in der wilden kargen Landschaft des Bajo Aragon, überragt von den Gipfeln des Puertos de Beceite, nicht weit vom berühmten Priorat entfernt. Weingut und Reben liegen 580 Meter über dem Meeresspiegel und nur knapp drei Kilometer trennen die Bodega von der Terra Alta. Dann läge sie in Katalonien und der Verkauf der Weine wäre um ein Vielfaches einfacher. So liegt sie im Bajo Aragon, und das ist önologisches Niemandsland. Es gibt dort keine eigenständige Appellation. Deshalb sind alle Weine der „Venta D´Aubert“ als Landwein eingestuft, auf spanisch „Vino de la Tierra“. Das ist nettes Understatement, denn ihre Weine gehören seit langem zur Oberliga der spanischen Weinszene, finden sich auf den besten Weinkarten des Landes und im Export, der immerhin 70 % des Umsatzes ausmacht, gelten sie als arrivierte Botschafter spanischer Weinavantgarde. In dieser Ecke Spaniens ist es still geworden in den letzten 50 Jahren. Das Land ist weitgehend entvölkert. Industrie gibt es hier so wenig wie Tourismus. Die Einheimischen treiben Landwirtschaft auf niedrigem Niveau. Die Natur ist wild und unberührt, die Region wirkt arm und verlassen. Es herrschen extreme Klimaverhältnisse im Bajo Aragon. Eisig kalt sind die Winter, heiß die Sommer, und es wehen starke Winde, die Menschen und Reben gleichermaßen fordern. Ein ziemlich mutiger Ort, um Wein zu machen. Ruth Brandestini und Peter Mühlemann aus der Schweiz begannen 1987 hier zu einer Zeit Reben zu pflanzen, als Spaniens Weinwirtschaft noch im Tiefschlaf vor sich hindämmerte. Damals bestand "Venta d´Aubert" aus völlig verwahrlosten Grenache Noir-Reben, der am besten an die harten klimatischen Verhältnisse des Bajo Aragon adaptierten Rebsorte, die in Spanien „Garnacha Tinto“ heißt. Sie ergänzt in Cuvées andere Rebsorten ideal, weil sie weiche, aromatische Fülle in sanfter, präsenter Gerbstoffstruktur beisteuert. Um die schwere alkoholische Wärme der Grenache zu puffern, pflanzten die Schweizer Reb-Pioniere damals visionär, in ihrer Zeit sogar revolutionär, die "kühlen" Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, die damals noch nicht als moderne Globalsorten galten. Tatsächlich erwiesen sie sich als richtig für Terroir und Klima auf „Venta d´Aubert“, denn sie gediehen auf den tonhaltigen, kargen, mit Kalkgestein im Untergrund versehenen Böden ausgezeichnet. Heute sind auf „Venta d´Aubert“ 18 ha mit Reben bepflanzt. Eine neue Bodega mit großzügigem Barriquekeller wurde gebaut und die neuen Schweizer Verwalter Michele Hörler und Michael Rudolf gehen mit profundem Engagement ans Werk. Seit 1999 werden sie vom deutschen Önologen Stefan Dorst beraten, der Alvario Palacios Nachfolge antrat und aus dem Stand für dramatische Qualitätssteigerung sorgte. Aus heutiger Sicht mag die Rebsortenzusammensetzung auf „Venta d´Aubert“ nicht sonderlich originell sein. Von Cabernets, Merlots und Syrahs wimmelt es schließlich inzwischen in Spanien. Doch kein anderer Betrieb in Spanien kann mit ähnlich raffinierter Frische in derart dichter Struktur zu derart realistischen Preisen aufwarten. Die Weine der „Venta d´Aubert“ sind in vielerlei Hinsicht avantgardistisch: Sie sind unerwartet haltbar und entwicklungsfähig; sie entwickeln sich über zehn und mehr Jahre in ungewöhnlicher Konstanz, bleiben dabei erstaunlich frisch und reif und vermitteln stets seltene Trinkfreude; sie sind hochextrahiert und dicht, zugleich aber frisch und elegant im Trunk wie nur wenige andere spanische Weine; sie werden nie von neuem Holz dominiert und ihre Alkoholgehalte bewegen sich in "normalem" Rahmen, was im alkoholverliebten Spanien die Ausnahme ist. Sind es typisch spanische Weine? Schluck für Schluck spiegeln die Weine der "Venta d´Aubert" ihre wilde, hart erkämpfte Herkunft wieder. Deshalb sind sie so authentisch wie typisch. Nur eben anders als andere.
Die Rebe
Merlot
Merlot ist ein Phänomen. Die seit den achtziger Jahren stetig populärer werdende rote Rebsorte ist die einzige weltweit, die international fast überall Zuwachs an Rebfläche verzeichnen kann. Mit weltweit über 200.000 Hektar steht Merlot inzwischen auf Platz 6 der internationalen Rebsorten-Hitliste.
Merlot verdankt seine Popularität seiner fülligen, üppigen Frucht und seinem körperreichen, vollmundigen Geschmack; Merlot ist relativ früh trinkbar und trinkreif, und er reift schneller als der meist mit ihm verschnittene Cabernet, den er bereits in geringem Verschnittanteil früher zugänglich macht. Das hängt allerdings entscheidend von der Qualität des Merlot ab. Merlot kann, wie in vielen italienischen Ausgaben nachzuvollziehen, unglaublich simpel und ordinär ausfallen; dann schmeckt er eindimensional kräuterwürzig, hat keine Süße und keinen Charme und wird zum puren Ärgernis. Auch im Languedoc, aus Spanien oder aus Chile kennen wir ähnlich ärgerliche Merlots, die eher an grasig unreifen Cabernet Franc denn an Merlot erinnern.
Merlot muß in der Produktivität gezügelt und im Wasserhaushalt und in der Blattfläche geschickt gesteuert werden, um nicht zu reif oder zu unreif auszufallen. In Bordeaux protzen Merlots inzwischen mit 15 und mehr Volumenprozent, was Zweifel an deren Reife- und Entwicklungsfähigkeit aufkommen läßt. Merlot wird dort in den letzten Jahren, angefeuert durch Parkers Punktediktat, dem sich viele Produzenten zu beugen scheinen, immer mehr zur Karikatur seiner selbst. Dicke, süße, marmeladige Weine von unnatürlicher Konzentration und Struktur bekommen zwar viele Punkte, doch sie zerfallen schnell, reifen schlecht und werden zum Ärgernis, was die Rebsorte nicht verdient hat. Das beweisen jene erstklassigen Exemplare von Könnern wie z. B. Familie Mitjavile oder Christian Veyry, die edel wirken, kühl, raffiniert geschmeidig und den Vorteil der Merlot auf den spät reifenden Böden der rechten Seite der Gironde gekonnt nutzen und umzusetzen verstehen. Merlot braucht, will sie ihr geschmackliches Potential nutzen, entsprechend geeignete Böden, engagierten Anbau und einen Lesezeitpunkt, der sich an ihrer Aromatik, nicht an ihrer Reife orientiert. Ansonsten verkehrt sich ihr Charakter schnell ins beschriebene Gegenteil.
Merlot ist eine frühreifende Sorte, die deutlich dünnere Beerenschalen besitzt als die Cabernet-Familie. Daraus entsteht der besondere Reiz der berühmten und längst weltweit praktizierten Bordeaux-Blends aus Cabernet und Merlot. Bei langer, gleichmäßiger Reifezeit der Beeren am Stock kann Cabernet ausreifen und liefert dann eindrucksvoll gerbstoffbetonte Cuvées mit Kraft und Potential; bei witterungsbedingt kürzerer Reifezeit der Trauben reift die Merlot sicher aus, während die Cabernets sich unreifer präsentieren, die Cuvée wird dann merlotbasiert sein und entsprechend charmant ausfallen. Merlot reift auf spätreifenden, lehmig sandigen Ton-Böden besonders gut und ergibt dort charakteristisch fleischige Weine, die samtiges, geschmeidiges Tannin in milder Säure bieten. Grundsätzlich ähnelt Merlot aromatisch in der Jugend der Cabernet-Familie, entwickelt aber statt deren herber, aristokratischer Gerbstoffdichte eher ‚süßeren’, etwas malzig an Kaffee, Karamell und Nougat erinnernden Geschmack in samtig weichem Gerbstoffprofil.
Über die Herkunft der Rebsorte ist wenig bekannt. Sie findet im 14. Jahrhundert als ‚Crabatut noir’ erste schriftliche Erwähnung in Bordeaux; im Jahr 1784 nennt man sie bereits 'Merlot' und sie wird zu einer der wichtigen Sorten in Bordeaux, wo sie im 19. Jahrhundert zur dominanten Sorte aufsteigt. Dann kommt die Reblaus, die den Rebsortenspiegel in Bordeaux nachhaltig stört. Alte angestammte Sorten wie Abouriou und Carmenère, der fast vollständig verschwindet, Petit Verdot und Malbec, aber auch Grenache, die damals tatsächlich im Bordelais anzutreffen war, verschwinden weitgehend und werden durch Cabernet Franc, vor allem aber durch Cabernet Sauvignon ersetzt. Heute ist Merlot wieder auf dem Vormarsch, vor allem im Médoc wird er seit zwanzig Jahren verstärkt angepflanzt, so daß er seine einstige Vormachtstellung im Rebsortenspiegel des Bordelais wieder anstrebt.
Lange hat man gerätselt, wer die Eltern der beliebten Rebsorte sein könnten. Erst 2009 gelang der Nachweis, daß die so gut wie ausgestorbene, vermutlich sehr alte, frühreifende Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes, die auch zu den Eltern des Malbec gehört, sowie Cabernet Franc die Kreuzungs-Eltern der Rebsorte Merlot sind.
![]() | Spanien - Bajo Aragon |
![]() | Merlot |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. SRR07210 | |
| Inhalt 0.75l |


















