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'Po de Poeira' Douro branco (weiß)
‚Wir Weinkenner’ - wir trinken alles, wir kennen alles, wir wissen alles, und wir sind vor allem immer schnell in der Ver- und Beurteilung. Tatsächlich aber kennen wir nur einen Bruchteil dessen, was an Weinen auf dem Markt ist, und schon gar nicht (oder kaum) Weißweine aus dem Douro-Tal in Portugal. Sie sind relativ neu auf dem Markt. Es geht dabei nicht um den bekannten Vinho Verde aus der Provinz Minho, sondern um knackig frische Weißweine aus jenen alten, autochthonen Rebsorten, von denen man hierzulande noch nie gehört hat, wie Gouveio, Codega, Rabigato, Folgasão oder Viosinho, aus denen man weißen Portwein zu keltern pflegte.
Was man in diesen faszinierend ‚anders’ schmeckenden Weißweinen erleben kann, macht Appetit auf mehr. Es sind tatsächlich ungewohnt appetitliche Weißweine einer ganz eigenen Struktur in einem ungewohnt anderen Geschmacksbild, das man nicht kennt und an das man sich erst gewöhnen muß. Sie machen Weingeschmack zu physischem Mundgefühl und reizen mit ihrer trockenen, dezent salzig wirkenden Art den Appetit. Sie sind alles andere als fruchtig, eher würzig, wirken fast neutral in Duft und Geschmack, und sind doch alles andere als das. Sie besitzen keinerlei Süße und wirken analytisch trocken, sind zugleich aber mild in der Säure und wirken doch unglaublich präzise in einem cremig erfrischenden, dezent salzig gewürzten Mundgefühl. Wie ein Laserstrahl gehen sie über die Zunge, perfekt fokussiert, kein links, kein rechts, komplex, weich, vielschichtig und trocken im Gefühl, aber fast sämig im Trinkfluß. Sehr eigen, sehr lecker, sehr animierend, und deshalb als lohnende Bereicherung unseres Weißweinangebotes unbedingt einen Versuch wert.
Jorge Moreira keltert auf seinem Weingut Poeira hoch über dem Dourotal aus der aus dem benachbarten Galizien bekannten Rebsorte Albariño einen begeisternd eigenständigen Weißwein. 2010 ist sein bester Jahrgang bisher. Aus 85 % Albariño und 15% Gouveio, 6 Monate in zu 50 neuen Barriques vergoren und ausgebaut. Ein wunderschöner Weißwein, der leicht genug daherkommt, um frisch und agil über die Zunge zu tänzeln, aber Potenz genug besitzt, um in feiner salziger Würze mit feinen Zitrus- und Limonenaromen druckvoll und nachhaltig zu wirken. Zunächst fast neutral im Duft, dreht er binnen Minuten im Glas auf, frisch wie die Gischt einer Meeresbrise, verhalten kräuterwürzig und unglaublich animierend im Charakter. Er verwandelt knackig frische Potenz in saftiges Mundgefühl und löst herzhafte Trinkfreude aus. Seine samtige Seidigkeit läßt ihn kühl, herzhaft trocken und so mild und fein wie knackig wirken.
Jorge Moreira erweist sich in seinen Weißweinen als unbestrittener Meister seines Faches. Wer produziert außerhalb des Vinho Verde bessere Weißweine in Nordportugal als er? Man probiere den Weißwein (‚Branco’) der Quinta de la Rosa, dem er zu völlig neuen Höhen verhalf, oder sein Joint Venture mit Sophia Bergqvist, das als ‚Passagem’ fröhliche Erfolge feiert und auch in weiß zu den Spitzen des Douro gehört. Es sind außergewöhnliche, spannende Weißweincharaktere, die unserem deutschen Weißweinideal so interessante wie vielfältige Akzente hinzuzufügen vermögen. Man bekommt jedenfalls schon Lust auf die nächste Flasche, wenn die alte noch gar nicht geleert ist. Zu diesen mundwässernden Weißweinen läßt sich gar köstlich kochen, also ran an den Herd und die Gläser . . .
Quinta do Poeira
Jorge Moreira, einer der besten jungen Weinmacher der noch jungen Winzer-Szene Portugals. Macht sich seit 2002 international einen Namen als treibende Kraft hinter den Weinen der bekannten Quinta de la Rosa, die er mit souveräner Qualität in die Hitlisten Portugals katapultierte. Sein eigenes Weingut Poeira, bekannt durch den jährlich sich anders kringelnden Staubsaugerschlauch auf dem Etikett, zählt nicht nur zu den besten Portugals, sondern hat auch das Zeug zum international renommierten Klassiker. Den endgültigen Durchbruch könnte ihm der historisch gelungene Jahrgang 2009 bescheren. Ihn bewertete Parkers Wineadvocat mit 94 Punkten, seitdem steht er auf den Suchlisten der Punktejäger.
7.5 Hektar alter Reben und 1.5 Hektar relativ junger Reben auf einem terrassierten Nordhang, der über fast 600 Höhenmeter steil ins Tal fällt, sind das Geheimnis der beeindruckenden Weinqualitäten von Poeira.
Jorge Moreira, der junge Weinmacher, gehört zu den Stillen im lauten Weinzirkus. 1971 geboren, wußte er nach der Schule nicht, was er studieren sollte. So landete er quasi per Zufall beim Wein, denn seine Eltern hatten mit Wein nichts zu tun. Er absolvierte das Studium der Önologie an der Universität von Vila Real, arbeitete nach dem Abschluß aber zunächst als Verkäufer für Holzöfen, bevor er auf Drängen seines Vaters seine erste Anstellung im Wein annahm. Die war Gold wert. Sieben Jahre arbeitete er für die Real Compania Velha, wo er als Weinmacher die Chance bekam, ein Programm hochwertiger trockener Tafelrotweine aufzubauen. Doch erst die Freundschaft mit Dirk Niepoort brachte ihn endgültig zum guten Wein über das enge Tal des Douro hinaus. Der kommunikative Hans-Dampf-in-allen-Gassen führte den jungen Jorge in die Welt der großen Weine aus aller Welt ein und der junge Weinmacher begann Wein von der Pike auf zu lernen. Wißbegierig und ehrgeizig machte er sich binnen weniger Jahre zum versierten Verkoster. Mehr und mehr interessierte ihn dabei der Weinberg statt sein erlerntes Metier, der Keller. Als ihm Ende der Neunziger Jahre die Quinta da Terra Feita de Cima bei Pinhão angeboten wurde, schlug er zu. Ihn reizte der nach Norden ausgerichtete Weinbergshang, weil er nicht die üblichen schwarzen, gerbstoffbeladenen Rustikaltropfen machen wollte, für die das Dourotal bis dahin bekannt war, sondern er wollte feine, elegante Weine mit Frische, Saft und aromatischer Ausstrahlung produzieren. Sein erster Jahrgang 2001 verunsicherte ihn dann allerdings selber, denn er besaß feine, nervige Säure und seine dichte, aber kühle Gerbstoffrasse bewies genau die kraftvolle Eleganz, die er sich gewünscht und vorgestellt hatte, doch hatte der Wein so gar nichts mit den dicken, fetten, mit Tanninen beladenen Rotweinen internationaler Stilistik gemein, die zu der Zeit so erfolgreich in Mode waren. Doch einmal mehr half ihm Freund Dirk. Er übernahm mit seiner Distribution in Portugal den Vertrieb für den ersten Jahrgang von Poeira - und war binnen kürzester Zeit ausverkauft. Der Weg war bereitet.
Seitdem hat sich Jorge Moreira großen Ruf in Portugals Weinszene erarbeitet und ist auf dem Weg nach ganz oben. Er ist selbst zur Ikone einer nachfolgenden Generation jüngerer Weinmacher und Winzer geworden. Bei allem Erfolg, bereits mehrfach wählten ihn portugiesische Weinzeitschriften zum Winzer des Jahres und seinen Poeira zum besten Rotwein Portugals, ist er angenehm bescheiden geblieben. ‚Ich habe viele Jahre gebraucht, um guten Wein in seiner Komplexität zu verstehen. Der Keller ist dabei das eine gewesen, viel wichtiger ist mir heute der Weinberg; beides muß man in seiner Wechselwirkung beobachten und verstehen lernen, sonst kann man keinen wirklich guten Wein produzieren, der unmißverständlich für seine Herkunft stehen und zugleich internationale Geschmacksvorstellungen treffen soll, ohne sich selbst aufzugeben. Ich hatte zum Glück im Laufe meiner Ausbildung alle Chancen, dies alles zu lernen. Ich gehöre zur ersten Generation derart gut ausgebildeter Winzer in Portugal, trotzdem orientiere ich mich nicht an berühmten Önologen oder Weinmachern der internationalen Schule, sondern meine Vorbilder sind jene traditionell verwurzelten Winzer des Dourotales, die ihre Weinberge und deren Potential kannten und mit viel Respekt aus ihren alten angestammt autochthonen Rebsorten große, eigenständige, manchmal harte, manchmal wilde, immer aber charaktervolle Rotweine kelterten, die nur von hier kommen konnten. Das ist es, was mich gestern wie heute am Douro-Tal reizt.’
Besser kann man die Arbeit von Poeira kaum beschreiben. Jorge Moreira produziert drei Weine. Alle drei, ein Weißwein, zwei Rotweine, gehören in ihrer Klasse zu den herausragenden Weinpersönlichkeiten am Douro. Es sind keine modisch fetten, weichgespülten Weine internationaler Machart, sondern profilierte Charakterweine eigenständiger Stilistik. Sie werden nach den Regeln moderner Winzerkunst in mustergültig handwerklicher Manier produziert, beweisen aber unmißverständlich ihren Herkunftscharakter aus einem der heißesten Weintäler der Welt. Sie tun es mit faszinierend eigenem Charme und mutiger Frische in Struktur und Trunk. Es sind unverwechselbar persönliche Winzerweine, deren Herkunftscharakter sie zum überzeugenden Botschafter einer der großen Herkünfte der Weinwelt macht. Sie beweisen, daß das Dourotal das Potential hat, zu einem Klassiker der Weinmoderne zu werden. Poeira ist eines seiner Flaggschiffe, Jorge Moreira einer seiner besten Botschafter.
Die Rebe
Albariño
Albariño ist Spaniens uralte, weiße Rebsorte. Ihr sagt man, wie schon ihre Name vermuten läßt, den man als 'Weißer vom Rhein' übersetzen könnte, eine gewisse Verwandtschaft mit dem deutschen Riesling nach, was sich in DNA-Tests aber als falsch herausstellte, weil sie tatsächlich vom alten Traminer abstammt. Die hochwertige und überaus originelle weiße Rebsorte wird viel in Nord-Portugal angebaut, wo sie neben Loureiro das Rückgrat der Vinho Verde-Produktion bildet, und auch am Douro bringt sie bemerkenswert hochwertige und charaktervolle Weißweine hervor, deren Frische und Präzision nachhaltig beeindrucken. In Spanien dagegen wäre Albariño in den achtziger Jahren beinahe aus dem Rebkataster verschwunden. Spanien hätte es im Rausch des Modernismus der letzten zwanzig Jahre fast verschlafen, neben den vielen Merlots, Cabernets, Syrahs, Chardonnays und Sauvignon Blancs, die Spaniens schnelle Weinszene verseuchen, seine größte weiße Rebsorte zu regenerieren.
Inzwischen wird Albariño immerhin wieder auf 1300 Hektar im nordwestlichsten Zipfel Spaniens, im grünen Galizien, angebaut. Image und Qualitätsprofil der interessanten Rebsorte lassen aber zu wünschen übrig, weil zu viele müde, schlabbrige, gezielt in der Säure gekappte Versionen den Markt überschwemmen. Die Konzessionen an den Geschmack der Madrileños, die es gewohnt sind, im Sommer eher säurearme Weißweine aus Zentralspanien zu trinken, haben das Geschmacksprofil vieler Albariños zu einem durch malolaktischen Säureabbau weich gemachten Weißwein, der nach einer Saison schlapp macht, deformiert.
Das Zentrum des Albariño-Anbaus liegt in den Rias Baixas. Fjordähnliche Flußmündungen mit tief ins Landesinnere schneidenden Meeresarmen prägen die fruchtbare Landschaft Galiziens, nördlich des Flußes Miño, der Portugal von Spanien trennt. Hier hat sich Albariño an das spezifische Klima perfekt adaptiert. Der Rebsorte behagt das feuchte Klima. Ihr reicht die Sonneneinstrahlung, um von Natur aus geringe Erträge zu liefern. Sie produziert kleine, kugelrunde Beeren mit besonders dicker Haut, die sie auf natürliche Weise vor Schimmel- und Fäulnisbefall im feuchtwarmen Klima schützen, und ihre Beeren bilden dreieckige feste Trauben, die nur 100 bis 150 g schwer sind. Spannend anders ist auch das Terroir, von dem die besten Albariños stammen: Granit. Das größte Anbaugebiet liegt im Val do Salnés, wo entlang des Umia-Flusses angeschwemmtes Material auf Granitböden liegt. Von dort kommen die mit Abstand besten reinsortigen Albariños, die zu den teuersten Weißweinen Spaniens gehören. Zu den mit Abstand besten allerdings auch!
Ein guter Albariño ist ein merkwürdig saftiger, von weicher Säure durchzogener knochentrockener, fast ein wenig salzig schmeckender Weißwein, der in seiner bestechenden Frische an Riesling oder Ribolla erinnert. Sein faszinierend kühler Geschmack wirkt animierend straff und frisch, kraftvoll und dicht zugleich, mit erfrischendem Hauch grüner Äpfel im Duft, Spuren von Zitrusnoten und reifem gelbem Pfirsich. Guter Albariño verführt mit einer trotz aller trockenen Frische, die an die salzige Gischt an einem windigen Tag am Meer erinnert, fast cremig wirkenden Textur im Mund, die in der Welt der Weißweine einzigartig ist und im Gedächtnis bleibt.
Erstklassige Albariños kommen aber nicht nur aus Spanien oder Portugal, neuerdings findet man sie auch in Nordkalifornien. Dort hat man die Rebsorte als bestens geeignet für das dortige Klima und die vulkanischen Böden entdeckt. In den kommenden Jahren wird man also Albariños aus dem kühlen Norden der amerikanischen Westküste auf dem Markt finden. Albariño ist eine der spannenden weißen Rebsorten der Welt, die es lohnt, sich näher mit ihr zu beschäftigen.
![]() | Portugal - Douro |
![]() | Albariño |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. PDW10501 | |
| Inhalt 0.75l |


















