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Pinot Noir 'County Line' Sonoma Coast
Eric Sussmans Weingut Radio Coteau verfügt kaum über eigene Reben. Er kauft im Anderson Valley und an der Sonoma Coast Trauben, die er dann verarbeitet. Als Pionier der Sonoma Coast kennt ihn dort jeder und er wird geschätzt als Geschäftspartner. Deshalb kommt er an beste Quellen heran, auch in einem Jahrgang wie 2010, der im Sonoma County als einer der schlechtesten der letzten zwanzig Jahre in die Annalen der Weingüter einging. Doch selbst in einem solch schwierigen Jahr gibt es Traubenbauern, die ihr Geschäft auch ohne den üppigen Griff in die Agrarchemiekiste verstehen. Die Mengen allerdings waren winzig, weil Mehltau und Schimmel im feuchtwarmen Klima nicht viel übrig ließen.
Trotzdem gelang Eric Sussman ein ausgezeichneter, delikater Basis-Pinot Noir, den er als charmant saftigen ‚Regionswein’ aus Trauben verschiedener Weinberge entlang der Sonoma Coast und des Anderson Valley bei Mendocino kelterte. 'County Line' steht dabei für die Herkunft der Trauben, die sich wie ein roter Faden quer durch das Sonoma County, den Bezirk, zieht. Ein Pinot Noir, der seine regionale Herkunft brillant repräsentiert.
Er macht den Ruf des Jahrgangs vergessen. Fröhlich mundfüllend agiert er als süffig weicher Pinot Noir, der seine handwerkliche Herstellung ebenso widerspiegelt wie seine Herkunft. Kühl und frisch im Trunk, durchzogen von feiner erfrischender Säure, die er der Mazeration mit Stiel und Stengeln verdankt. Sie hielt Eric Sussman in 2010 für angebracht, sorgt sie doch für etwas kernigere, saftigere Gerbstoffe, die dem Wein Körper, Substanz und Stoffigkeit vermitteln und ihn so schmeckbar aufwerten. Typisch dafür die ätherischen Aromen im Nachklang am Gaumen, die für die Ganztraubenverarbeitung stehen. Ob seiner aromatischen und strukturellen Delikatesse ist 'County Line' der perfekte Einstieg in die faszinierende Welt des Sonoma Coast Pinot Noir. Sicher kein Wein für die Ewigkeit, dafür aber so charmant zu genießen, daß er vermutlich schneller getrunken sein wird, als einem lieb ist. Seriöser Pinot-Genuß zum bestmöglichen Preis.
Radio-Coteau
Radio-Coteau, ein merkwürdiger Name für ein Weingut. Radio Côteau ist der französische Ausdruck für Mund-zu-Mund-Propaganda, für Überlieferung und Weitergabe von Erfahrungswissen. Dieser Ausdruck faszinierte Winzer Eric Sussman so, daß er sein kleines, 2002 gegründetes Weingut danach benannte. Er hörte den Ausdruck zum ersten Mal 1995, als er in Burgund arbeitete und erlebte, daß Traditionen und Wissen mündlich weitergegeben werden, weshalb er sich und sein kleines Weingut diesem alten Erfahrungswissen verschrieb. Er machte ‚Radio-Coteau’ zum programmatischen Konzept.
Eric Sussman studierte Agrarwissenschaften an der Cornell University in New York, wo ihn auch der Weinvirus erwischte. Nach dem Studium verbrachte er mehrere Jahre in Washington State, wo er als Weinbergsmanager und Kellermeister mehrere kleine Winzerbetriebe betreute. 1995 ging er nach Frankreich, um bei Comte Armand in Pommard und bei Jacques Prieur in Meursault zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr nach Kalifornien war er nach einer Zwischenstation bei Randall Grahms ‚Bonny Doon’ von 1998 bis 2001 Kellermeister bei Dehlinger, wo er erstklassige Pinot Noirs produzierte. Dort lernte er seine heutigen Partner kennen und gemeinsam gründeten sie 2002 die ‚Radio Coteau’-Winery in Sebastopol.
Das Weingut ist klein und mehr oder weniger virtuell, weil ‚Radio Coteau’ keine eigenen Weinberge besitzt, sondern, wie in Burgund und Kalifornien üblich, Trauben von ausgewählten Traubenproduzenten der gesamten Sonoma Coast kauft, die Eric Sussman mustergültig schonend in seiner Kellerei verarbeitet. Sein erster Jahrgang, 2002, wurde damals enthusiastisch vom Markt aufgenommen. Er kam von Weinbergen an der ‚echten’ Sonoma Coast im Norden und aus dem Anderson Valley. Blitzschnell waren die Weine ausverkauft. Als ‚a lot of Pinot with tons of Noir’ werden seine Weine seitdem gefeiert und die teilweise winzige Produktion wird fast ausschließlich über die kultige Webseite des Weingutes verkauft. Unter Pinot Noir-Fans ist ‚Radio-Coteau’ heute der Kultbetrieb für spannend originelle Pinot Noirs der Sonoma Coast.
Eric Sussman hat sich dem ‚natürlichen Wein’ (natural wine) verschrieben. Diese fürchterliche Vokabel erobert derzeit den internationalen Weinhandel, dem nach der Industrieweinphase, der er jahrzehntelang kritiklos huldigte, nun das Gegenteil gut genug scheint, um die Aufmerksamkeit der Kunden wieder zu erlangen. Doch Eric Sussman agiert nicht modisch trendorientiert, er handelt aus Überzeugung. ‚Für uns ist weniger mehr’, meint er, ‚aber wir können die Natur nicht einfach machen lassen, was sie will. Dann wird ganz schnell Essig aus unseren Trauben. Auch wir müssen in die Weinbereitung eingreifen, wir tun das aber so überlegt und so minimal wie möglich’. Konsequent vergärt er spontan mit den eigenen, wilden Hefen, er setzt auf Schwerkraft, statt auf Pumpen; er schönt und filtriert nicht, es gibt keine Enzyme wie in Burgund, kein ‚Megapurple’ für die Farbintensivierung wie in Bordeaux oder im Napa Valley, bei ihm entsteht nachvollziehbar natürlich gemachter Wein, den er selbst aber nie als ‚natural wine’ bezeichnen würde, weil er, wie wir, diese Bezeichnung für irreführend und falsch hält. Seine Trauben kommen fast ausschließlich von organisch bzw. biodynamisch zertifizierten Weinbergen, für ihn Voraussetzung für guten Wein, und er schwefelt extrem schonend, ist aber überzeugt, daß Wein ohne Schwefel nicht funktionieren kann.
Um diese Ansprüche realisieren zu können setzt er auf perfekt gesundes Lesegut. Dazu liest er mit der eigenen Lesemannschaft die Trauben früh morgens, damit sie kühl und gesund in die Kelter kommen. Sussman arbeitet ganz im traditionellen burgundischen Sinne. So entrappt er je nach Jahrgang und Reifezustand mal mehr, mal weniger, und preßt die Trauben schonend mit einer alten Korbpresse. Wie kaum ein anderes Weingut an der Sonoma Coast praktiziert ‚Radio-Coteau’ altes überliefertes Erfahrungswissen aus einer vortechnischen Zeit, das kompromißlos handgemachte Pinot Noirs hervorbringt, die so individualistisch wie originell und fordernd sind.
‚Großer Pinot muß dich herausfordern‚ er darf kein simpler Gaga-Wein sein’, meint Eric Sussman und präsentiert seine Pinots ungemein saftig und frisch im Kern, elegant in der Säure, fein in den Gerbstoffen und konzentriert zugleich; sie kommen begeisternd rein und natürlich auf die Zunge und überzeugen durch kraftvollen, komplexen Herkunftscharakter, der sie einmalig und mutig anders macht als ihre Gegenspieler aus Burgund. Sie fordern in Aromatik und Struktur volle Aufmerksamkeit, man muß ihnen zuhören, sie bewußt erleben. Es sind Pinot-Noir-Erlebnisse rarer Extraklasse, die man ähnlich natürlich und ehrlich in Burgund mit der Lupe suchen muß.
Die Rebe
Pinot Noir
Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.
Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.
Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.
Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.
Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht. Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet.
![]() | USA - Sonoma |
![]() | Pinot Noir |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. CAL10451 | |
| Inhalt 0.75l |















