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Grüner Veltliner 'Ried Bruck' Federspiel
Grüner Veltliner ‚Ried Bruck’. Stammt von einer aufwendig zu bewirtschaftenden Terrassenanlage hoch über Vissling im Spitzer Graben in der Wachau. Handarbeit ist hier angesagt. Die üblichen Maschinen sind zu schwer und zu groß, man kommt mit ihnen gar nicht bis zu den Rebzeilen. Weinbau wie vor hundert Jahren. Deshalb unpopulär und vom Aussterben bedroht. Nur Verrückte wie Martin Muthenthaler und sein Freund Peter Malberg pflegen hier noch die alten Anlagen und bauen wieder Wein aus Überzeugung an. Dicht stehen die alten Reben auf Urgesteinverwitterungsböden.
Kühle, rassige Schönheit steht hier im Glas. Kochentrocken im Trunk, schlank aber cremig auf der Zunge, duftig und würzig, durchdringend saftig und mineralisch am Gaumen. Mundwässernde Frische in kühler Eleganz. Federspiel. Steht für den alten Brauch des Zurückholens des Beizvogels bei der Falkenjagd, eine in früheren Zeiten in der Wachau übliche Form der herrschaftlichen Jagd. Heute steht ‚Federspiel’ für das Prädikat Kabinett mit einem Alkoholgehalt zwischen 11.5 und 12.5 Vol.%. Klassisch trocken, hier spontan vergoren, deshalb cremig und mundfüllend, rassig frisch und dicht zugleich. Schlank und pikant gewürzt, ein mundwässernder Traum von einem Veltliner, der Lust macht, man möchte ihn trinken und man trinkt ihn. Nichts zum Einlagern, aber viel Weinvergnügen zum Wegtrinken. Charme und Frucht in kraftvoller Delikatesse. Das kann so nur die Wachau und Martin Muthenthaler macht vor, wie grüner Veltliner sein könnte, wenn man ihn richtig macht. Grüner Veltliner, wie man ihn sich eigentlich immer wünscht.
Martin Muthenthaler
Der Markt für Weine aus der Wachau lebt maßgeblich von der Legende großer Namen. Sie kennt jeder, der weiß, daß in der Wachau Wein wächst. Verläßt man in der Wachau die gewohnten Pfade sinkt das Interesse schlagartig und das Verkaufen wird schwierig. Dabei sind einige weniger bekannte Winzer dabei, die Wachablösung einzuleiten mit Weinen, die sich vergessener Traditionen der Wachau besinnen.
Den großen Namen wird vor allem in Österreich nach wie vor demütig gehuldigt; sie produzieren Weine, die vor fehlinterpretierter Reife kaum laufen wollen oder eher wie Fruchtsaft schmecken als nach Wein, vor Alkohol strotzen und sich einer Ego-Stilistik verschreiben statt nachvollziehbarem Herkunftscharakter. Die Winzer neuer Generation suchen dagegen die Frische und Würze der traditionellen, aufwendig zu bewirtschaftenden Terrassenlagen in rassige Weine prägnanter Charakteristik umzusetzen. Sie kitzeln die Unterschiede ihrer Herkünfte in geradezu künstlerisch handwerklichem Weinbau heraus. Ihre Weine sind rassig und resch, reif aber frisch, herzhaft aber fein, kernig und robust aber ehrlich und charaktervoll, bekömmlich im Alkohol weil sinnvoll reif geerntet, und somit köstlich trinkfreudig. Sie definieren eine Wachau, wie sie war, bevor sie der Populismus des Marktes verformte, unverwechselbar geprägt von ihrer einmaligen Herkunft, bemerkenswert charaktervoll und mutig eigenständig.
(Noch) ist Martin Muthenthaler nur Insidern bekannt. Bis vor wenigen Jahren war er noch Fahrer für die Domäne Wachau. Nebenbei bewirtschaftete er drei Hektar in den steilen Terrassen der abgelegenen Vießlinger Lagen ‚Bruck’ und ‚Schön’, die Trauben verkaufte er an die Genossenschaft. 2006 beschloß er, den Hof der Familie zum Heurigen umzubauen und er wagte seine erste eigene Vinifikation. Prompt packte den Marillen- und Traubenbauern der Weinvirus. Als leidenschaftlicher Weinbergsmann entwickelte er einen Stil, der dem Wachauer Einheitsstil diametral entgegen stand, worin ihn sein Weinbergs-Nachbar Peter Veyder-Malberg seit 2008 nachhaltig bestärkt. Die beiden Brüder im Geiste haben sich gefunden, helfen sich gegenseitig in ihren steilen Terrassen hoch über Vießling und der erfahrene Winzer Peter Malberg geleitet den unerfahrenen Neu-Winzer Muthenthaler zu neuen Ufern. Der hat sich in seiner Leidenschaft für die alten Terrassenanlagen zum selbstbewußt und eigenständig agierenden Winzer entwickelt, der gegen den Wachauer Mainstream vinifiziert. So setzt er die kühle Herkunft seiner ausschließlich in Handarbeit zu bewirtschaftenden Lagen hoch über Vießling durch spontane Vergärung mit Maischestandzeit und langem Hefelager in faszinierend ‚andere', im besten Sinne traditionelle Wachauer Weine um, deren Merkmal pikante Frische, bekömmlicher Alkohol, vibrierende Lebendigkeit, kraftvolle Herkunft und enorme Trinkfreude sind. ‚Meine Weine brauchen ein bißchen länger bis man sie trinken kann’, meint Martin Muthenthaler, dessen filigrane, charaktervolle Weine Struktur und Frische mit Säure und Würze zu begeisternd präzisem Herkunftscharakter vereinen. Zum konsequenten Paradigmenwechsel gehört, daß er, wie sein Nachbar Veyder-Malberg, auf biologische Bewirtschaftung umstellt, um die unverwechselbare Ausstrahlung ihrer Weine noch prägnanter in den Vordergrund stellen zu können; es geht den beiden nicht um irgendeine Weinstilistik, weshalb sie konsequent auf die Bezeichnung ‚Smaragd' für ihre hochkarätigen Weine verzichten.
Martin Muthenthaler ist ein leidenschaftlicher Winzer, dessen Weinqualität nicht im Keller entsteht, sondern draußen in den steilen Weinbergsterrassen. Seine Weine gehören zu den spannenden neuen Charakteren der Wachau, die mutig dort anknüpfen, wo die Wachau vor der Mode der dicken, fetten Fruchtextrakte und der parfümierten Schönlinge stehen blieb. Martin Muthenthaler hat das unbedingte Zeug zum K&U-Stammwinzer und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.
Die Rebe
Grüner Veltliner
Grüner Veltliner ist eine der spannendsten und interessantesten weißen Rebsorten, die wir kennen. Die Rebsorte ist ertragreich und widerstandsfähig gegen Frost, neigt aber zu Peronospora (echtem Mehltau) und treibt früh aus, ist also spätfrostgefährdet. In den nördlichen Gebieten Europas würde sie zu spät ausreifen, weshalb sie in Deutschland nicht zu finden ist. In einfachen Lagen, z. B. im Weinviertel, werden meist hohe Erträge von 100 hl/ha und mehr erzielt, der daraus resultierende Wein ist gefällig und süffig, kann aber durchaus auch ordinär, sauer und dünn ausfallen.
Uns erinnert großer Veltliner geschmacklich durchaus an Chenin Blanc oder an Chardonnay, doch bringt die Sorte ähnlich dem Riesling je nach Lage, An- und Ausbau eine so enorme Bandbreite an Qualitäten ins Glas, daß ihr Spektrum vom simplen anspruchslosen durstlöschenden Landwein bis zum höchst anspruchsvollen Spitzengewächs mit fordernder cremig-weicher satter Textur im Mund reicht. Was Grünen Veltliner so spannend macht, ist seine charakteristisch würzig-pfeffrige Art, die von feiner fruchtbetonter Säure unterlegt sein kann. Grüner Veltliner reagiert prompt auf Klima und Terroir. Die besten Exemplare aus später Lese und niedrigen Erträgen, z. B. aus der Wachau, dem Kamptal oder dem Karnuntum, sind trocken, pfeffrig und auffallend würzig in Duft und Geschmack. Sie vereinen in sich die seltene, attraktive Kombination aus animierender Frische und Leichtigkeit mit Körper, würzigem Stoff und Extraktion, die in der Spitze mühelos an hochwertigen weißen Burgunder erinnern kann.
Durch den schnellen Heurigen-Kult in Österreich hat man vergessen, daß Grüner Veltliner auf faszinierende Weise besser und gleichmäßiger als großer Riesling reifen kann. Er reift, wird dabei aber kaum alt. Selbst nach zehn und mehr Jahren verliert er seine Würze und geschmeidige Textur im Mund nicht, entwickelt kein unangenehmes Petrol und reift ungewöhnlich konsistent, ohne geruchlich oder geschmacklich alt zu wirken.
Österreichs Weinszene wird noch immer dominiert von technischen Weinen, die per Reinzuchthefe, Tieftemperaturvergärung und Edelstahlausbau ein ganz bestimmtes Geschmacksbild aufweisen, das mit vordergründiger Frucht und Würze und "spritzigem" Charakter uniformiert und beschränkt wirkt. Wie Riesling reagiert aber auch Grüner Veltliner auf die Vergärung mit Spontanhefen und entwickelt dann hochraffinierte, komplexe Aromen, die den "holzigen" kräuterwürzigen Charakter des Weines auf spannende Weise forcieren. Solche Weine bieten wir Ihnen als noch rare Ausnahmen von der Regel an. Sie machen die Rebsorte eindrucksvoll hochwertig.
![]() | Österreich - Wachau |
![]() | Grüner Veltliner |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OEW10150 | |
| Inhalt 0.75l |


















