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Riesling 'Loibenberg' SOLIST
Solist RIESLING 1992 Loibenberg, Wachau. Ein bald zwanzig Jahre alter Solist-Riesling, perfekt gereift, mit bemerkenswerter Fülle. Wer nie derart ausgereifte Weine probiert hat, wer Reifekomplexität dieser Art nicht kennt, der wird mit Weinen wie diesem Probleme haben. Unsere Erfahrung zeigt, daß wir bereits so auf jugendliche Schnellaromen getrimmt sind, daß wir ganz schnell mit Urteilen wie ‚fehlerhaft’ oder ‚der ist doch kaputt’ zur Hand sind, obwohl der Wein völlig in Ordnung ist, weil uns die Erfahrung mit Reife im Wein fehlt. Alter im Wein heißt Komplexität und Reife. Sie setzen profunde Erfahrung und Reflektion voraus.
Wie ein fast 20 Jahre alter Riesling aus der Wachau schmeckt? Grapefruit, Mirabelle, Quitten, weiße Blüten, aber auch Akazienhonig, frisch geöffnete Walnüsse und Nougat bilden ein breites Duft- und Geschmacksspektrum, das diesen Riesling von berühmter Lage in der Wachau als perfekt reif charakterisiert. Ein Vergnügen besonderer Art, zumal seine mineralische Würze schöne Tiefe am Gaumen zeigt, cremig im Mundgefühl wirkt und harmonische Balance und Länge mit Karamel im Nachhall am Gaumen entwickelt. Der Wein beweist reife Größe und schmeckt weniger trocken, als er tatsächlich ist. Um eine Erfahrung reicher. Deshalb bieten wir ihn an.
Wein- und Sektgut Kirchmayr
Die Wein- und Sektkellerei Kirchmayr ist ein sympathischer Familienbetrieb im unpopulären Mostviertel in Niederösterreich. In der dynamischen Selbstbeweihräucherungsszene Österreichs wirken Kirchmayrs altmodisch und konservativ, unzeitgemäß uneilig. Sie strahlen Ruhe aus und noble Bescheidenheit, haben Stil und vermitteln Kompetenz. Tatsächlich wollen die „langsamen Weine“ der Familie Kirchmayr nicht ins „schnelle“ Bild österreichischer Turbo-Weißweine passen, die mit leicht verständlichem Duft und kaltem schnellem Fruchtgeschmack zum Inbegriff österreichischen Weines wurden. Vor ein paar Jahren hat Sohn Andreas im Keller die Regie übernommen. Nun sind die spontane Vergärung und der langsame Holzfaß-Ausbau noch prägnanter spür- und schmeckbar in den Weinen. Sie sind feiner geworden, reintöniger und präziser konzipiert, ohne ihre faszinierend „andere“ Komplexität verloren zu haben, die selbstbewußt jene Entschleunigung demonstriert, die Kirchmayrs seit Dekaden mutig aus der österreichischen Reihe tanzen läßt. Kirchmayrs Weingut ist ein Weingut ohne Reben. Kirchmayrs sind keine Winzer, sondern sie kaufen Trauben von ausgesuchten, renommierten Lagen der Wachau, des Kamptales, des Kremstales und aus dem Donauland, die sie in ihren Kellergewölben in Weistrach vinifizieren. Sie tun das seit Generationen mittels langfristiger Lieferverträge. Alles andere als „normal“ ist auch Kirchmayrs zweites Standbein: Gereifte Weißweine. In den tiefen, dunklen Kellern des Benediktinerstifts Seitenstetten im Mostviertel lagern Kirchmayrs wahre Weinschätze, die sie erst nach fünf und mehr Jahren Flaschenlager als „Solisten“ auf den Markt bringen. Anachronismus pur, huldigt man doch gerade in Österreich mit der Heurigen-Kultur dem Leitbild der Jugend. Wer also den Unterschied zwischen Duft und Bukett kennenlernen will und mit komplexen Aromen im Wein Erfahrung hat, wer sich gerne auch im Glas entschleunigtem Genuß hingibt, der ist bei Famlie Kirchmayr richtig. Eine eigenwillige Ausnahme im schnellebigen Weißweingeschäft Österreichs.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Österreich - Niederösterreich |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OSW92201 | |
| Inhalt 0.75l |


















