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2010

Grüner Veltliner 'Faß 5 Straßer Stangl'

Kirchmayrs Grüner Veltliner der Lage Stangl in Straß im Kamptal stammt von tiefgründigen Lößböden. Deshalb bringt er typisch intensive Veltliner-Würze ins Glas. Pikant verströmt er den Hauch weißen Pfeffers, vermengt mit reifer Birne, frischer Ananas und frischen sommerlichen Gartenkräutern. Klassischer Veltliner vom Löß aus einem alles andere als klassischen Jahrgang. 2010 beweist sich in rassiger Säure, die durch feine Fruchtsüße gekonnt gepuffert wird. Im Duft läßt der noch viel zu junge Wein spontane Gäraromen ahnen, eine Momentaufnahme; er kann und wird in wenigen Monaten schon wieder ganz anders duften. Im Mundgefühl präsentiert er sich immerhin schon cremig und würzig und so wirkt Kirchmayrs Stangl-Veltliner insgesamt noch recht unfertig, genau dadurch aber auch sehr lebendig, ja geradezu archaisch in seiner Art, die ohne die aufgeregt primären Bonbon-Aromen der Kaltvergärung auskommt und dem Genießer so verdeutlicht, daß er am liebsten noch gar nicht getrunken werden will, sondern erst zusammenfinden möchte, um dann für viel profunderes, weil animierenderes Weinvergnügen zu sorgen.

Schön, daß es so ehrlich ‚unfertige’ Weine heute noch gibt. Sein Potential deutet er eindeutig an und sein spannendes Frucht-Säure-Spiel des Jahrgangs 2010 sorgt für richtig charaktervolles Temperament. Aus dem Land des Heurigen ein ‚langsamer Wein’ für morgen und übermorgen. Für dieses Lehrstück sei der so wohltuend entschleunigten Familie Kirchmayr von Herzen gedankt. 

 

Wein- und Sektgut Kirchmayr

Die Wein- und Sektkellerei Kirchmayr ist ein sympathischer Familienbetrieb im unpopulären Mostviertel in Niederösterreich. In der dynamischen Selbstbeweihräucherungsszene Österreichs wirken Kirchmayrs altmodisch und konservativ, unzeitgemäß uneilig. Sie strahlen Ruhe aus und noble Bescheidenheit, haben Stil und vermitteln Kompetenz. Tatsächlich wollen die „langsamen Weine“ der Familie Kirchmayr nicht ins „schnelle“ Bild österreichischer Turbo-Weißweine passen, die mit leicht verständlichem Duft und kaltem schnellem Fruchtgeschmack zum Inbegriff österreichischen Weines wurden. Vor ein paar Jahren hat Sohn Andreas im Keller die Regie übernommen. Nun sind die spontane Vergärung und der langsame Holzfaß-Ausbau noch prägnanter spür- und schmeckbar in den Weinen. Sie sind feiner geworden, reintöniger und präziser konzipiert, ohne ihre faszinierend „andere“ Komplexität verloren zu haben, die selbstbewußt jene Entschleunigung demonstriert, die Kirchmayrs seit Dekaden mutig aus der österreichischen Reihe tanzen läßt. Kirchmayrs Weingut ist ein Weingut ohne Reben. Kirchmayrs sind keine Winzer, sondern sie kaufen Trauben von ausgesuchten, renommierten Lagen der Wachau, des Kamptales, des Kremstales und aus dem Donauland, die sie in ihren Kellergewölben in Weistrach vinifizieren. Sie tun das seit Generationen mittels langfristiger Lieferverträge. Alles andere als „normal“ ist auch Kirchmayrs zweites Standbein: Gereifte Weißweine. In den tiefen, dunklen Kellern des Benediktinerstifts Seitenstetten im Mostviertel lagern Kirchmayrs wahre Weinschätze, die sie erst nach fünf und mehr Jahren Flaschenlager als „Solisten“ auf den Markt bringen. Anachronismus pur, huldigt man doch gerade in Österreich mit der Heurigen-Kultur dem Leitbild der Jugend. Wer also den Unterschied zwischen Duft und Bukett kennenlernen will und mit komplexen Aromen im Wein Erfahrung hat, wer sich gerne auch im Glas entschleunigtem Genuß hingibt, der ist bei Famlie Kirchmayr richtig. Eine eigenwillige Ausnahme im schnellebigen Weißweingeschäft Österreichs.

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Die Rebe

Grüner Veltliner

Grüner Veltliner ist eine der spannendsten und interessantesten weißen Rebsorten, die wir kennen. Die Rebsorte ist ertragreich und widerstandsfähig gegen Frost, neigt aber zu Peronospora (echtem Mehltau) und treibt früh aus, ist also spätfrostgefährdet. In den nördlichen Gebieten Europas würde sie zu spät ausreifen, weshalb sie in Deutschland nicht zu finden ist. In einfachen Lagen, z. B. im Weinviertel, werden meist hohe Erträge von 100 hl/ha und mehr erzielt, der daraus resultierende Wein ist gefällig und süffig, kann aber durchaus auch ordinär, sauer und dünn ausfallen.

Uns erinnert großer Veltliner geschmacklich durchaus an Chenin Blanc oder an Chardonnay, doch bringt die Sorte  ähnlich dem Riesling je nach Lage, An- und Ausbau eine so enorme Bandbreite an Qualitäten ins Glas, daß ihr Spektrum vom simplen anspruchslosen durstlöschenden Landwein bis zum höchst anspruchsvollen Spitzengewächs mit fordernder cremig-weicher satter Textur im Mund reicht. Was Grünen Veltliner so spannend macht, ist seine charakteristisch würzig-pfeffrige Art, die von feiner fruchtbetonter Säure unterlegt sein kann. Grüner Veltliner reagiert prompt auf Klima und Terroir. Die besten Exemplare aus später Lese und niedrigen Erträgen, z. B. aus der Wachau, dem Kamptal oder dem Karnuntum, sind trocken, pfeffrig und auffallend würzig in Duft und Geschmack. Sie vereinen in sich die seltene, attraktive Kombination aus animierender Frische und Leichtigkeit mit Körper, würzigem Stoff und Extraktion, die in der Spitze mühelos an hochwertigen weißen Burgunder erinnern kann.

Durch den schnellen Heurigen-Kult in Österreich hat man vergessen, daß Grüner Veltliner auf faszinierende Weise besser und gleichmäßiger als großer Riesling reifen kann. Er reift, wird dabei aber kaum alt. Selbst nach zehn und mehr Jahren verliert er seine Würze und geschmeidige Textur im Mund nicht, entwickelt kein unangenehmes Petrol und reift ungewöhnlich konsistent, ohne geruchlich oder geschmacklich alt zu wirken.

Österreichs Weinszene wird noch immer dominiert von technischen Weinen, die per Reinzuchthefe, Tieftemperaturvergärung und Edelstahlausbau ein ganz bestimmtes Geschmacksbild  aufweisen, das mit vordergründiger Frucht und Würze und "spritzigem" Charakter uniformiert und beschränkt wirkt. Wie Riesling reagiert aber auch Grüner Veltliner auf die Vergärung mit Spontanhefen und entwickelt dann hochraffinierte, komplexe Aromen, die den "holzigen" kräuterwürzigen Charakter des Weines auf spannende Weise forcieren. Solche Weine bieten wir Ihnen als noch rare Ausnahmen von der Regel an. Sie machen die Rebsorte eindrucksvoll hochwertig.


 

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je Flasche à 0.75l / 17,20 €/L
inkl. MwSt. / zzgl. Versand
Österreich - Niederösterreich
weissGrüner Veltliner
Langsam
6er Karton
Art-Nr. OSW10115
Inhalt 0.75l
Alkohol: 13 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2017+
Restzucker: < 2 g/l
Anbau: Konventionell
Ausbau: Tradit. Holzfaß
Boden: Löß
Dekantieren: Ja
Vergärung: Wilde Hefe
Verschlussart: Naturkork

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