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Riesling 'Steinmassl' 1. Lage
‚Steinmassl’ ist Fred Loimers wertvollste Rieslinglage. Sie liegt auf ca. 350 m Seehöhe an einem Hang, der vor kühlen Winden aus dem Westen und Norden geschützt wird. Der Unterboden besteht aus Gneis mit verwittertem Glimmer, auf dem schwere nährstoffreiche Braunerde liegt. Sie ist hier durchsetzt mit vielen Steinen, die auch nach Sonnenuntergang als Wärmespeicher fungieren. 2010 war auch im Kamptal ein schwieriger Jahrgang. Lange mußten die Lesemannschaften warten, bis die Trauben reif waren, verdammt viel Arbeit war dafür im Weinberg nötig. Mehrere Lesedurchgänge waren schließlich nötig, damit das, was in die Kelter kam, perfekt physiologisch reif war. Der Wein besitzt denn auch den unverwechselbaren Charakter des Jahrgangs, der sich mehr und mehr als sehr spannend herauskristallisiert.
Wie immer setzte Fred Loimer auf Maischestandzeit, sanfte Vorklärung und anschließende spontane Vergärung je zur Hälfte im Holzfass und im Stahltank. Ende Februar wurde das erste Mal von der Hefe abgezogen, anschließend reifte der Wein bis zur Füllung im September auf der Feinhefe im Holzfass.
2010 Riesling ‚Steinmassl’ strotzt vor reifen Aprikosen und weißen Pfirsichen im Bukett, unterlegt mit tiefgründig frischer, edriger Würze. Der Duft vermittelt präzisen reinen Kern an Frucht und Würze, beweist seltenen Fokus in der Konzentration auf das Wesentliche, typisch 2010. Im breiten Mundgefühl schockiert die Rasse des Jahrgangs, die ungewöhnlich präzise definiert wirkt in ihrer bestechend tiefgründigen Mineralität, die in knochentrockener Struktur steckt. Ein kraftvoller Typus Riesling mit durchdringend druckvoller Komplexität und knackig, würziger Struktur, die von präsenter, aber milder Säure gezogen wird. Die tonhaltige Böden sorgen für ausgeglichenen Wasserhaushalt, der dem Wein Fett und Fülle im Mundgefühl vermittelt. Tiefe und Textur definieren ‚Steinmassl’ als einen der großen Charakter-Rieslinge Österreichs, der anders riecht und schmeckt als unsere deutschen Rieslinge und eine gänzlich andere Struktur im Mund offenbart. Ein eindrucksvoll vielschichtiger Riesling, der richtig Lust macht in seiner mundwässernden Kombination aus rassiger Würze und reifer Fülle. Ein kühler Wein mit warmer Seele.
Weingut Fred Loimer
Fred Loimer ist Spezialist für grüne Veltliner und Rieslinge besonderer Machart und Qualität. Seine Lagen im Kamptal weisen enorme Vielfalt an Böden auf: Vom Urgestein zum Flußschotter, von Braunerde und Lehm zu Löß die Interpretation der Typizität dieser verschiedenen Lagen und Böden ist sein Ziel: „Unsere mineralischen Böden vom Urgestein oder den Schotterlagen geben Grünem Veltliner unverwechselbare Würze und sorgen für fast schon pikante Frische; die tiefen Lößböden zaubern dagegen exotische Obst- und Fruchtnoten hervor“.
Fred Loimer macht die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Kamptal für die würzige Aromenpracht seiner Weine verantwortlich. Sie versucht er durch konsequente Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung noch zu intensivieren. Seine neuen Weine setzen neue Maßstäbe. Sie wagen klare Kontur und kompromißloses Profil, sind präzise in Mineralität und Ausstrahlung, strotzen vor Individualität und Natürlichkeit und weisen über das gesamte Sortiment bestechendes Niveau auf. Dabei hat Fred Loimer keinen kleinen Betrieb. Zu seinen eigenen 35 Hektar kauft er für seinen populären „Lois“ und die Kamptal-Linie große Mengen an Trauben zu. Mehr noch: Im einst berühmten, heute so gut wie vergessenen Gumpoldskirchen macht er zusammen mit Partnern das Weingut „Schellmann“ zum Kultbetrieb mit Weinen, die origineller, attraktiver und preiswerter kaum sein können. In konsequenter Biodynamik! Hier wie dort hat er die schnelle Hochtechnologie aus seinem Keller verbannt (außer für jene paar „schnellen Weine“, die reinzuchtvergoren schnell und frisch auf Flasche gehen, wie „Lois“ & Co). Alle Weine aus eigenem Lesegut vergären also spontan, er verzichtet auf Vorklärung, experimentiert mit Most- und Maischestandzeiten und sieht Holz nicht als modisches Geschmackselement, sondern als physikalisch sinnvollen Einfluß. Fred Loimer ist vom bejubelten High-Tech-Betrieb zum schonend aus- und anbauenden Low-Tech-Winzer konvertiert, der Mineralität, Authentizität und Herkunft in seinen Weinen dem technischen Ausbau nach Rezept vorzieht. Er ist wichtiger Exponent einer neuen österreichischen Winzerschaft, deren Bekenntnis zur Biodynamik noch weitreichende Folgen haben wird. „Meine Weine sollen Freude machen, nicht Kopfzerbrechen“, sagt er. Das tun sie.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Österreich - Kamptal |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OEW10204 | |
| Inhalt 0.75l |



















