You're currently on:
Pinot Noir 'Dechant'
Heuriger hin, Grüner Veltliner her. Österreich ist auch boomendes Rotweinland. Rebsorten wie Blaufränkisch, Zweigelt oder St. Laurent sorgen international für Furore mit bewundernswert eigenständigem Profil. Während in Österreich noch die dicken, fetten, süßen, holzbetonten Monstertropfen internationalen Zuschnitts bevorzugt werden, da muß es unbeirrt krachen im Glas, setzt Österreichs Rotwein-Avantgarde mit grandios delikaten Blaufränkisch neuen Geschmacksparadigmas international erfolgreiche Akzente.
Die größte Herausforderung für die Winzer ist auch hier die zickige Pinot Noir. Sie tut sich im eher warmen Wein-Österreich schwer, die Finesse und Frische zu erreichen, mit der Österreichs neue Blaufränkisch glänzen.
Fred Loimer im Kamptal hat die Herausforderung angenommen. Seit 2001 widmet er sich in der Lage ‚Dechant’ seinem persönlichen Pinot Noir-Projekt. Mit Erfolg, war er doch der erste österreichische Winzer, der zur exklusiven ‚International Pinot Noir Celebration’ in Oregon eingeladen wurde. Die Lage ‚Dechant’ liegt unterhalb seines legendären ‚Käferbergs’; sie gilt als eine der wenigen Rotweininseln im Kamptal. Hier stehen die Reben auf Lössboden, der sich leicht erwärmt; er liegt auf schwerer Tonerde, die der zickigen Burgundersorte gute Wachstumsbedingungen bietet. Im ‚Dechant’ trocknen die Trauben morgens schnell ab und können deshalb in den meisten Jahrgängen gesund und reif geerntet werden.
Erinnern Sie sich an 2006, den Fußballsommer der deutschen WM? Bis zum Ende der Fußball-WM waren die Wetterbedingungen ideal. Im August und September sorgte dann eine Regenperiode für katastrophale Fäulnis vor allem bei jenen Winzern, die synthetisch düngen und konventionell anbauen. Viele Biowinzer wie Fred Loimer kamen dagegen mit den kühlen Temperaturen und der Feuchtigkeit gut zurecht und konnten den Anfang Oktober einsetzenden perfekten Altweibersommer voll für sich nutzen.
Fred Loimer ist sein Pinot Noir ‚Dechant’ 2006 perfekt gelungen. Farblich steht er gesund in hellem Rubinrot im Glas. Im Bukett assoziiert er spontan ‚typisch Pinot Noir’, aber aus warmer Region. Herbstlich rauchige Noten stehen über dem Glas, reife Kirschen, frische Erd- und Waldbeeren, Nougat, frischer Pfeffer; es fehlt ihm das kühle Element des Nordens, die Säure, dafür kommt er füllig, warm und nobel samtig daher, ohne heiß oder schwer zu wirken; er schmeckt reif und rund, seine feinen Gerbstoffe agieren verspielt in komplex dichter Textur, seidig füllen sie wohltuend das Mundgefühl mit Frucht und Würze. Ein im Sinne des Wortes mundfüllender Pinot Noir mit vielversprechendem Potential. Gekonnt bereitet, spontan im Holzgärständer vergoren, lange im Holzfaß ausgebaut und gereift und dann unfiltriert gefüllt. Ein sehr gelungener, edler Pinot, der Österreich im Reigen der neuen alternativen Burgund-Qualitäten selbstbewußt zu vertreten weiß.
Weingut Fred Loimer
Fred Loimer ist Spezialist für grüne Veltliner und Rieslinge besonderer Machart und Qualität. Seine Lagen im Kamptal weisen enorme Vielfalt an Böden auf: Vom Urgestein zum Flußschotter, von Braunerde und Lehm zu Löß die Interpretation der Typizität dieser verschiedenen Lagen und Böden ist sein Ziel: „Unsere mineralischen Böden vom Urgestein oder den Schotterlagen geben Grünem Veltliner unverwechselbare Würze und sorgen für fast schon pikante Frische; die tiefen Lößböden zaubern dagegen exotische Obst- und Fruchtnoten hervor“.
Fred Loimer macht die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Kamptal für die würzige Aromenpracht seiner Weine verantwortlich. Sie versucht er durch konsequente Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung noch zu intensivieren. Seine neuen Weine setzen neue Maßstäbe. Sie wagen klare Kontur und kompromißloses Profil, sind präzise in Mineralität und Ausstrahlung, strotzen vor Individualität und Natürlichkeit und weisen über das gesamte Sortiment bestechendes Niveau auf. Dabei hat Fred Loimer keinen kleinen Betrieb. Zu seinen eigenen 35 Hektar kauft er für seinen populären „Lois“ und die Kamptal-Linie große Mengen an Trauben zu. Mehr noch: Im einst berühmten, heute so gut wie vergessenen Gumpoldskirchen macht er zusammen mit Partnern das Weingut „Schellmann“ zum Kultbetrieb mit Weinen, die origineller, attraktiver und preiswerter kaum sein können. In konsequenter Biodynamik! Hier wie dort hat er die schnelle Hochtechnologie aus seinem Keller verbannt (außer für jene paar „schnellen Weine“, die reinzuchtvergoren schnell und frisch auf Flasche gehen, wie „Lois“ & Co). Alle Weine aus eigenem Lesegut vergären also spontan, er verzichtet auf Vorklärung, experimentiert mit Most- und Maischestandzeiten und sieht Holz nicht als modisches Geschmackselement, sondern als physikalisch sinnvollen Einfluß. Fred Loimer ist vom bejubelten High-Tech-Betrieb zum schonend aus- und anbauenden Low-Tech-Winzer konvertiert, der Mineralität, Authentizität und Herkunft in seinen Weinen dem technischen Ausbau nach Rezept vorzieht. Er ist wichtiger Exponent einer neuen österreichischen Winzerschaft, deren Bekenntnis zur Biodynamik noch weitreichende Folgen haben wird. „Meine Weine sollen Freude machen, nicht Kopfzerbrechen“, sagt er. Das tun sie.
Die Rebe
Pinot Noir
Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.
Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.
Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.
Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.
Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht. Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet.
![]() | Österreich - Burgenland |
![]() | Pinot Noir |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OER06200 | |
| Inhalt 0.75l |



















