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Grüner Veltliner 'Spiegel' 1. Lage
Fred Loimers großer, spontan vergorener, komplexer Spitzen-Veltliner aus kühlem, charaktervollem Jahrgang. 2010 steht den guten Weinen des Jahrgangs ausgezeichnet, entlarvt die schwachen dafür um so brutaler. Physiologische Reife sorgt in Fred Loimers ‚Spiegel’ 2010 für einen dichtgepackten schmelzigen Kern an geschmacklicher Information auf der Zunge, transportiert von der rassig integrierten Säure eines Jahrgangs, der vor Apfelsäure nur so strotzte, sich aber ‚innerlich’ auch ohne Entsäuerung derart perfekt harmonisiert, daß er nun in der Spitze das vielleicht spannendste Jahr der letzten Dekaden markiert.
Fred Loimer erntete seine Trauben sehr spät in mehreren Erntedurchgängen. Um dem Wein maximalen Herkunftscharakter zu vermitteln, klärte er den Most nur grob vor und vergor ihn dann spontan im traditionellen Holzfaß. Dort blieb er bis Mitte August auf der Hefe. So machte er seinen ‚Spiegel’ des wahrlich schwierigen und in der Menge winzigen Jahrgangs zu einem der eindrucksvollsten Veltliner Österreichs.
2010 wird mehr Zeit brauchen als die Vorgängerjahrgänge. Die physiologische Reife der späten Lese und der brutal niedrigen Erträge durch Verrieseln im Frühjahr sorgt für ein Weinerlebnis, das man nur selten erlebt: Dichte, fast dicke Substanz im Mundgefühl wird von filigraner, rassig frischer Säure in den letzten Winkel des Mundraumes transportiert. Fülle und Finesse, Kraft und Feinheit, Spiel und gewaltige Konzentration ergeben eine irre Kombination von Geschmacksparametern in einem Weißwein, der mächtig wirkt und schwer, zugleich aber wie von Geisterhand getragen durch den Mund zu schweben scheint.
Struktur im Wein als physisches Erlebnis. ‚Spiegel’ 2010 machts möglich. Salzig in der Mineralität, stahlig in der Säure, aber streichelnd weich und geschmeidig im sanften Auftritt, der erst auf den zweiten Schluck die Konzentration und Extraktion der späten Reife freigibt. Spannender Kamptaler Veltliner, viel expressiver, eigenständiger und trinkfreudiger als die großen bekannten Wachauer, die bitter und unharmonisch wirken und es nicht entfernt mit dem Herkunftscharakter dieses Riesen von Wein aufnehmen können.
Grüngelbe Würzaromen, Kardamom, Kurkuma, Curry, sommerliche Kräuter, salzige Gischt, reife Apfel- und Birnenaromen - eindrucksvoll komplex präsentiert sich ‚Spiegel’ 2010, den wir erst in vier bis fünf Jahren angehen würden und dann über die nächsten zehn und mehr Jahre zu besonderen Anlässen servieren würden.
Ein unösterreichisch komplexer Veltliner, der in gewohnte Vorstellungen simpel fruchtiger Veltliner-Stilistik nicht hineinpassen will. Kein Wein, der für eine bestimmte Stilistik produziert wird, sondern Jahr für Jahr anders ausfällt und sich ganz seiner Herkunft widmet: Löß und Sand. In der Struktur beweist er Größe, im Auftritt besitzt er Format, im Mund setzt er Kennerschaft voraus und am Gaumen besetzt er eine herausragende Stellung im Konzert der großen Weißweine der Welt. Ein Weißwein für den Winter, für kalte Nächte am wärmenden Kamin, denn er bringt die Komplexität großer Rotweine ins Glas und verlangt von der begleitenden Küche die Kraft der Aromen und begleitet auch anspruchsvolle Texturen mit Bravour; am besten ist er einzusetzen wie großer burgundischer Chardonnay. Fred Loimer verleiht seinem ‚Spiegel’ Größe, Charakter und Identität.
Weingut Fred Loimer
Fred Loimer ist Spezialist für grüne Veltliner und Rieslinge besonderer Machart und Qualität. Seine Lagen im Kamptal weisen enorme Vielfalt an Böden auf: Vom Urgestein zum Flußschotter, von Braunerde und Lehm zu Löß die Interpretation der Typizität dieser verschiedenen Lagen und Böden ist sein Ziel: „Unsere mineralischen Böden vom Urgestein oder den Schotterlagen geben Grünem Veltliner unverwechselbare Würze und sorgen für fast schon pikante Frische; die tiefen Lößböden zaubern dagegen exotische Obst- und Fruchtnoten hervor“.
Fred Loimer macht die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht im Kamptal für die würzige Aromenpracht seiner Weine verantwortlich. Sie versucht er durch konsequente Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung noch zu intensivieren. Seine neuen Weine setzen neue Maßstäbe. Sie wagen klare Kontur und kompromißloses Profil, sind präzise in Mineralität und Ausstrahlung, strotzen vor Individualität und Natürlichkeit und weisen über das gesamte Sortiment bestechendes Niveau auf. Dabei hat Fred Loimer keinen kleinen Betrieb. Zu seinen eigenen 35 Hektar kauft er für seinen populären „Lois“ und die Kamptal-Linie große Mengen an Trauben zu. Mehr noch: Im einst berühmten, heute so gut wie vergessenen Gumpoldskirchen macht er zusammen mit Partnern das Weingut „Schellmann“ zum Kultbetrieb mit Weinen, die origineller, attraktiver und preiswerter kaum sein können. In konsequenter Biodynamik! Hier wie dort hat er die schnelle Hochtechnologie aus seinem Keller verbannt (außer für jene paar „schnellen Weine“, die reinzuchtvergoren schnell und frisch auf Flasche gehen, wie „Lois“ & Co). Alle Weine aus eigenem Lesegut vergären also spontan, er verzichtet auf Vorklärung, experimentiert mit Most- und Maischestandzeiten und sieht Holz nicht als modisches Geschmackselement, sondern als physikalisch sinnvollen Einfluß. Fred Loimer ist vom bejubelten High-Tech-Betrieb zum schonend aus- und anbauenden Low-Tech-Winzer konvertiert, der Mineralität, Authentizität und Herkunft in seinen Weinen dem technischen Ausbau nach Rezept vorzieht. Er ist wichtiger Exponent einer neuen österreichischen Winzerschaft, deren Bekenntnis zur Biodynamik noch weitreichende Folgen haben wird. „Meine Weine sollen Freude machen, nicht Kopfzerbrechen“, sagt er. Das tun sie.
Die Rebe
Grüner Veltliner
Grüner Veltliner ist eine der spannendsten und interessantesten weißen Rebsorten, die wir kennen. Die Rebsorte ist ertragreich und widerstandsfähig gegen Frost, neigt aber zu Peronospora (echtem Mehltau) und treibt früh aus, ist also spätfrostgefährdet. In den nördlichen Gebieten Europas würde sie zu spät ausreifen, weshalb sie in Deutschland nicht zu finden ist. In einfachen Lagen, z. B. im Weinviertel, werden meist hohe Erträge von 100 hl/ha und mehr erzielt, der daraus resultierende Wein ist gefällig und süffig, kann aber durchaus auch ordinär, sauer und dünn ausfallen.
Uns erinnert großer Veltliner geschmacklich durchaus an Chenin Blanc oder an Chardonnay, doch bringt die Sorte ähnlich dem Riesling je nach Lage, An- und Ausbau eine so enorme Bandbreite an Qualitäten ins Glas, daß ihr Spektrum vom simplen anspruchslosen durstlöschenden Landwein bis zum höchst anspruchsvollen Spitzengewächs mit fordernder cremig-weicher satter Textur im Mund reicht. Was Grünen Veltliner so spannend macht, ist seine charakteristisch würzig-pfeffrige Art, die von feiner fruchtbetonter Säure unterlegt sein kann. Grüner Veltliner reagiert prompt auf Klima und Terroir. Die besten Exemplare aus später Lese und niedrigen Erträgen, z. B. aus der Wachau, dem Kamptal oder dem Karnuntum, sind trocken, pfeffrig und auffallend würzig in Duft und Geschmack. Sie vereinen in sich die seltene, attraktive Kombination aus animierender Frische und Leichtigkeit mit Körper, würzigem Stoff und Extraktion, die in der Spitze mühelos an hochwertigen weißen Burgunder erinnern kann.
Durch den schnellen Heurigen-Kult in Österreich hat man vergessen, daß Grüner Veltliner auf faszinierende Weise besser und gleichmäßiger als großer Riesling reifen kann. Er reift, wird dabei aber kaum alt. Selbst nach zehn und mehr Jahren verliert er seine Würze und geschmeidige Textur im Mund nicht, entwickelt kein unangenehmes Petrol und reift ungewöhnlich konsistent, ohne geruchlich oder geschmacklich alt zu wirken.
Österreichs Weinszene wird noch immer dominiert von technischen Weinen, die per Reinzuchthefe, Tieftemperaturvergärung und Edelstahlausbau ein ganz bestimmtes Geschmacksbild aufweisen, das mit vordergründiger Frucht und Würze und "spritzigem" Charakter uniformiert und beschränkt wirkt. Wie Riesling reagiert aber auch Grüner Veltliner auf die Vergärung mit Spontanhefen und entwickelt dann hochraffinierte, komplexe Aromen, die den "holzigen" kräuterwürzigen Charakter des Weines auf spannende Weise forcieren. Solche Weine bieten wir Ihnen als noch rare Ausnahmen von der Regel an. Sie machen die Rebsorte eindrucksvoll hochwertig.
![]() | Österreich - Kamptal |
![]() | Grüner Veltliner |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OEW10203 | |
| Inhalt 0.75l |



















