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Sankt Laurent
Sankt Laurent ist eine anspruchsvolle, rote Rebsorte, die eigentlich sehr gut in unsere Zeit paßt. Sie bietet bekömmlich ‚normalen’ Alkoholgehalt, saftige Fruchtintensität und samtig weiche Gerbstoffe, die ihn geschmacklich zwischen einem Portugieser und hochwertigem Spätburgunder ansiedeln. Tatsächlich scheint Sankt Laurent eine Mutation des Pinot Noir zu sein, nicht umsonst ist eines seiner Synonyme Pinot Sankt Laurent.
Am Neusiedlersee spielt St. Laurent noch eine Rolle im Anbau, weil dort ihr ungewöhnlich früher Austrieb weniger zur Verrieselung führt, als in kühleren Anbaugebieten. Bis in die Fünfziger Jahre hinein war St. Laurent auch bei uns fester Bestandteil des gemischten Satzes, wurde aber mit der Flurbereinigung so gut wie ausgerottet
Hannes Schuster bereitet seinen im Holzfaß ausgebauten St. Laurent aus dem großen Jahr 2009 zu einem kraftvoll samtigen Rotwein, der geschmacklich leicht und charmant wirkt wie seine rubinrote Farbe vermuten läßt, die dunkle, lila Reflexe durchblitzen läßt. Über dem Glas steht rote Beerenfrucht mit dem Charme herbstlicher Raucharomen, würzig an frisches Leder erinnernd, durchaus auch einen Hauch animalischer Nuancen zeigend, in denen aber Nougat, Weichselkirschen und Himbeeren für animierend fruchtiges Wechselspiel sorgen.
Im weich wirkenden Bukett ahnt man eine lebendige Säurestruktur, die perfekt harmoniert mit dem geschmeidig transparenten, tatsächlich ungewöhnlich weich wirkenden Mundgefühl, das im Nachklang mineralische Finesse beweist und ungemein trinkanimierend wirkt. Ein zeitgemäßer Rotwein, den man je nach Anlaß durchaus mehr oder weniger gekühlt servieren kann, und der sich zu einer Vielzahl von Speisen, regional wie deftig, klassisch edel wie modern, hervorragend kombinieren läßt. Säurearm aber frisch im Trunk, weich und mild wirkend, aber mit genau der richtigen Dosis Gerbstoff und Struktur ausgestattet, um auch hohe Ansprüche an Trinkfluß, Bekömmlichkeit und Wertigkeit souverän zu erfüllen. Hannes Schuster setzt auch mit seinem 'einfachen' St. Laurent souveräne Akzente in Österreichs bunter Rotweinszene.
Weingut Rosi Schuster
Die Rebsorte Blaufränkisch, bei uns heißt sie Lemberger und genießt wenig Zutrauen seitens der sogenannten Kenner, hat Österreich zur weltweit beachteten Rotweinnation gemacht. Blaufränkisch kann wohltuend eigenständig und selbstbewußten Regional-Charakter besitzen. Blaufränkisch ist eine Rebsorte, die sich im Konzert der großen Weine der Welt binnen weniger Jahre einen beachtlichen Platz in der kleinen Spitzengruppe erkämpfte. Das gilt freilich nur für Blaufränkisch, wie ihn der junge Hannes Schuster aus St. Margarethen im Burgenland produziert. Er hat sich ambitioniert und talentiert binnen weniger Jahre in die Spitzengruppe jener österreichischen Rotweingarde vorgearbeitet, die 'unplugged' produziert, also unmanipulierten, unkonzentrierten, nicht mit neuem Holz zugeballerten Blaufränkisch puristischen Ideals zelebriert.
Der Jungwinzer übernahm den elterlichen Betrieb, der den Namen seiner Mutter trägt und ihr als 'Weingut Rosi Schuster' auch gewidmet ist, im Jahr 2005. Unverzüglich begann er auf schonende Bewirtschaftung umzustellen. Seit 2010 befindet er sich in Umstellung auf biologisch zertifizierten Anbau. Als Weißwein arbeitet er an einem spannenden Gemischten-Satz-Projekt, den wesentlichen Teil seiner 11 Hektar widmet er der Produktion anspruchsvoller Rotweine, vornehmlich Blaufränkisch und St. Laurent. Zielstrebig qualitätsorientiert agiert der engagierte Jungwinzer auch im Keller. Kompromißlos hat er sich dem langsamen Wein verschrieben, für den er sich Rat holt bei Roland Velich, dessen Blaufränkisch 'MORIC' zu den besten Österreichs gehören. Es verwundert deshalb nicht, daß sich auch Hannes Schusters Weine entwaffnend natürlich und avantgardistisch fein und kühl präsentieren.
Hannes Schuster hat sich auf Blaufränkisch und den wenig beachteten Sankt Laurent spezialisiert, die markant von den Böden ihrer Lagen geprägt werden. So stehen seine Zagersdorfer alten Reben auf schweren Lehmböden, die kraftvolle, lagerfähig dichte Weine hervorbringen, wogegen in St. Margarethen am Ruster Berg sandige Böden auf kalkigem Untergrund für Spiel und Finesse sorgen. Hannes Schuster verleiht seinen Weinen mit sicherer Hand burgundische Eleganz und Frische. Sie beweisen bezaubernden Charme in seidiger Dichte und profunder Tiefe, sind mineralisch geprägt und vielschichtig und dicht in Struktur und Mundgefühl. Hat man sie zum ersten Mal im Glas, staunt man über ihr Understatement, das sich mit weiterer Beschäftigung in souveräne Größe wandelt. Schusters Weine sind keine großspurigen Angeber, die vor lauter Schmäh kaum laufen können, sie sind wie ihr Macher, zunächst fast schüchtern, um mit der Zeit zu bewiesen, daß sie es faustdick hinter den Ohren haben.
Hannes Schusters famoser Sankt Laurent 'Zagersdorf' setzt Maßstäbe und beweist das enorme Potential der wenig populären Rebsorte. Der Wein ist unerreicht in Potenz, Größe und Finesse und steht für das Können des Jungwinzers. Sein großer Blaufränkisch 'Rusterberg' setzt nicht minder beeindruckende Akzente als dicht gepackter Blaufränkisch von sanft wirkender Konzentration, der seine innere Mächtigkeit erst mit dem zweiten Schluck druckvoll entfaltet. Doch auch seine beiden Einstiegsweine St. Laurent und Blaufränkisch bieten herausragendes Niveau. Ihr Preis-Genuß-Verhältnis gehört in dieser Stilistik zum besten, was Österreich zu bieten hat. Nicht umsonst kürte der österreichische Gault-Millau Hannes Schuster zum Winzer des Jahres 2012. Sein Jahrgang 2009 gelang ihm schlichtweg hinreißend.
Hannes Schusters Weine verströmen beruhigend natürliche Ausstrahlung. Sie besitzen souveräne stilistische Qualität. Entspannt und selbstbewußt setzt der Jungwinzer auf die Kraft der Natur. Für sie verzichtet er im Keller auf Enzyme, Reinzuchthefen und die üblichen Ingredienzien moderner Önologe, für sie wirtschaftet er im Weinberg aus Überzeugung biologisch für eine gesündere Traubenqualität, die er im Keller spontan im kleinen oder großen Holzfaß vergärt, um seinen Weinen anschließend viel Zeit auf der Hefe zu geben. Ein harmlos klingendes, aber gar nicht harmlos schmeckendes Rezept für natürliche Weinqualität. Der äußerlich schüchtern wirkende, aber begnadet kompetente Jungwinzer verblüfft mit abgeklärt souveränen Qualitäten, die eines erfahrenen Spitzenwinzers würdig sind. Von ihm wird man noch viel hören. Ein K&U-Idealwinzer mit vielversprechender Zukunft. Hannes Schuster hat das Zeug zum Großen seiner Branche.
Die Rebe
Sankt Laurent
Sankt Laurent ist eine aromatisch anspruchsvolle, rote Rebsorte, die saftige Fruchtintensität ebenso auszeichnet wie samtig weiche Gerbstoffdichte. Ein guter Sankt Laurent liegt je nach Anbau und Weinbereitung geschmacklich irgendwo zwischen einem Portugieser und hochwertigem Spätburgunder. Seine Beeren sind allerdings deutlich dickschaliger und damit weniger anfällig für Fäulnis und Krankheiten wie die des Spätburgunders. Sankt Laurent kann deshalb tiefdunklen, kraftvoll samtigen, wie auch geschmeidig transparenten Körper entwickeln, vor allem, wenn er im Holzfaß ausgebaut wurde. Dann entfaltet er intensiven, angenehm weich wirkenden Duft, der an Waldbeeren und Schwarzkirschen erinnert.
In den letzten Jahren hat Sankt Laurent vor allem im Burgenland an Popularität gewonnen. Von dort kommen denn auch bemerkenswert gute Exemplare, die eine Bereicherung der boomenden österreichischen Rotweinszene sind und eine interessante Alternative zu Spätburgunder generell.
Sankt Laurent stammt vermutlich aus dem Elsaß. Das beweist zumindest eine DNA-Analyse, die im Jahr 2000 in Österreich durchgeführt wurde und die vermutete Verwandtschaft mit Pinot Noir bestätigte. Sankt Laurent scheint eine Mutation des Pinot Noir zu sein, nicht umsonst ist eines seiner Synonyme Pinot Sankt Laurent.
Die Rebsorte scheint in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch den deutschen Apotheker und Weinbaupionier Johann Philipp Bronner in Deutschland eingeführt worden zu sein, von wo aus sie auch nach Österreich kam. Dort wurde sie vom Stift Klosterneuburg verbreitet und spielt heute in den Weinbaugebieten Thermenregion und Neusiedlersee eine nicht unbedeutende Rolle im Anbau, weil dort ihr ungewöhnlich früher Austrieb weniger zur Verrieselung führt, als in kühleren Anbaugebieten.
Übrigens war die Rebsorte bis in die Fünfziger Jahre hinein fester Bestandteil des gemischten Satzes im deutschen Weinbau, wurde aber mit der Flurbereinigung überall so gut wie ausgerottet. Erst mit der Renaissance des Rotweines in den 1990er Jahren besann man sich der alten Sorte wieder und baut sie heute vor allem in der Pfalz und in Rheinhessen wieder an.
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![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OBR09900 | |
| Inhalt 0.75l |


















