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Rosso di Montalcino 'Sorgente'
Rosso di Montalcino ist, ganz generell, kein Thema, das uns sonderlich interessiert. Der einstige ‚kleine Brunello’ fristet heute meist als weichgespülter, im Duft undefinierbarer Roter ein eher trauriges Dasein im großen italienischen Weinsee. Man hat es versäumt, dem einstigen Liebling der Toskanafraktion ein eigenständiges Profil zu verleihen und so spricht heute kein Mensch mehr über die verschiedenen Rossi der Toskana, seien sie nun aus Montalcino oder Montepulciano.
Doch es gibt wie immer auch Ausnahmen. Francesco Leanzas ‚Rosso di Montalcino’ der Lage ‚Sorgente’ ist ein veritabler Rosso aus Montalcino. Francesco weiß um die Authentizität seiner kalkig spröden Galestro-Böden, die dem reinen Sangiovese Grosso den so eigenartig unnahbar noblen Charakter verleihen, der eher an Burgund erinnert denn an Bordeaux, dabei aber auch seine ländlich rustikale Herkunft nicht verhehlt. Hier ahnt und schmeckt man Herkunft. Der Wein wirkt warm und kühl zugleich; seine relativ helle Farbe steht für seine natürliche Entstehung, ungeschminkt und ehrlich steht er im Glas und sein charaktervoll mundfüllender, herzhaft spröde wirkender Geschmack verbreitet trinkfreudige Frische im Mundgefühl, die unverhohlen Lust macht auf entsprechende Speisenbegleitung.
Ein großer, morbider Rosso, der mit seiner Persönlichkeit und Ausstrahlung nicht in das softe Geschmacksideal des modernen Montalcino passen will. Spürbar kein Wein von der Stange, sondern ein sentimental wirkender Rosso, der seinem Macher und Meister entspricht. Francesco Leanza ist ein ruhiger, besonnener Mensch, der so sentimental wie unnahbar wirkt und den ein Hauch von Melancholie umgibt, den er auch seinen Weinen mit auf den Weg gibt. Sie haben etwas herbstlich Vergängliches in sich, etwas wertvoll balsamisches, das reif und fragil wirkt, fein und ehrlich wie wenige in Montalcino.
Dicht und warm kommen seine kompakt feinen Gerbstoffe auf die Zunge; sie wurden in großen Fässern slovenischer Herkunft harmonisiert und fanden dort zu Fülle, Ausstrahlung und faszinierend spröder Harmonie. Kein simpler, bequemer Wein, sondern ein Rosso mit Profil. Er spricht die unverkennbare Sprache Montalcinos: Würzige Toskana in Duft und Geschmack, reif und doch auch noch jung wirkend in feinen Ecken und Kanten, balsamisch zwar in der Ausstrahlung schwarzer Früchte und dem wilden Geruch von Wacholder, Pinien und Wildkräutern auf der Zunge, doch zugleich deftig in der Struktur und erfrischend vielschichtig im Mundgefühl, wo er sich im komplexen Parfum sommerlicher Hitze über weitem Land als belebender Balsam für die Seele erweist.
Podere Salicutti
Francesco Leanza produziert auf seiner kleinen Podere ‚Salicutti’ einen der wenigen Brunelli in Montalcino, der zertifiziertem Bioanbau entstammt. Francesco Leanza, der in seinem früheren Leben Chemiker in Rom war, pflegt seine knapp vier Hektar Rebfläche mit Hingabe. Er kaufte das heruntergekommene kleine Landgut 1994, renovierte es aufwendig und lebt hier seit 1997 im Einklang mit der Natur. Der winzige Keller unter seinem Wohnhaus, den er gerade um einen Neubau erweitert, ist Anlaufstation für Kenner aus aller Welt, denn sein Brunello genießt großen Ruf als einer der authentischen der weltberühmten Region.
Francesco Leanza ist als ehemaliger Naturwissenschaftler detailversessener Perfektionist und sehr bewußter Traditionalist. Zusammen mit Freunden hat er SPA gegründet, Sangiovese per Amico, eine Gruppe biologisch bzw. biodynamisch arbeitender Winzer, die in Keller und Weinberg nach klaren Vorgaben arbeiten, ohne chemisch synthetische Spritz- und Düngemittel, ohne Reinzuchthefen, Enzyme und die üblichen Kellerhilfsmittel, für maximale Natürlichkeit und Bekömmlichkeit in ehrlichen Weinen.
Die Gruppe ist im bäuerlich reichen Montalcino die absolute Ausnahme. Sie regelt sogar die Pflanzungsdichte im Weinberg. Francescos Reben sind zum großen Teil hochwertige Massenselektionen auf sorgfältig ausgewählten Unterlagen, im Keller vergärt er kompromißlos spontan und seine Weine baut er in traditionellen Fässern aus slovenischer Eiche, sowie einige Partien auch in französischen Barriques aus. Geschönt und filtriert wird bei ihm nicht, dafür bekommen seine Weine ausreichend Zeit im Keller. Die brauchen sie auch, um ihre spröde Eleganz und Frische aus jener morbiden Gerbstoffpackung herauszuschälen, die sie in jungen Jahren so unnahbar machen kann.
Ihre typisch präsenten, aber erfrischend natürlich wirkenden Gerbstoffe verdanken sich den kargen kalkigen Galestro-Südlagen, die den Weinen von Francesco Leanza eine Mineralität vermitteln, die in Montalcino die Ausnahme ist. Ein Brunello von ‚Salicutti’ ist unverwechselbar; garantiert kein weichgespülter Wein für amerikanische Verbraucherzungen, kein entsäuerter, weicher Dandy mit Caberneteinschlag und dunkler Farbe, sondern ein Brunello, der Terroirprägung demonstriert. Leanzas Weine sind in ihrer transparenten Mineralität in der Tat einzigartig. Sie können in ihrer Jugend je nach Jahrgang durchaus zurückgezogen und unnahbar auftreten, können spröde sein und intellektuell wirken, manchmal sind sie jung vom Ausbau im Holz geprägt, stets aber bezaubern sie mit einem ganz eigenen melancholisch wirkenden, herbstlich sentimentalen Charakter, der sich ätherisch balsamisch in Duft und Charakter manifestiert.
Ein großer Salicutti-Wein, egal ob Rosso oder Brunello, entwickelt erst nach ein paar Jahren auf der Flasche seine kühle, raffiniert dichte Intensität in sehnsüchtig machender balsamisch reifer Süße. Rosso wie Brunello erinnern hier eher an Burgund denn an Bordeaux. Mächtigkeit ist diesen Weinen fremd, trotz manchmal stattlichen Alkohols, den sie aber mühelos 'verdauen'. Francesco Leanza tritt den Beweis an, daß Montalcino ein großes Terroir sein kann, das unverwechselbare Weinpersönlichkeiten hervorbringt, die vielleicht nicht zu den 'schönsten' und bequemsten, sicher aber zu den spannenden und fordernden der Weinwelt gehören.
Die Rebe
Sangiovese
Sangiovese ist die Rebsorte, mit der bei uns alles begann. Vor über 30 Jahren waren wir einer der ersten Importeure italienischer, genauer: toskanischer, Weine in Deutschland und wir importierten damals, 1978, nichts anderes als Chianti, also Sangiovese.
Die war auch damals eine rote Rebsorte. Allerdings schmeckten ihre Weine ganz anders als heute. Damals war Sangiovese noch sehr viel weniger homogen und qualitativ, als sie sich heute darstellt. Sangiovese ist eine vermutlich sehr alte Rebsorte, die mit ca. 100.000 Hektar eine der wichtigsten Italiens ist; sie bedeckt dort immerhin rund 10 % aller Weinberge. Sie neigt, wie Pinot Noir, stark zur Mutation. Deshalb gibt es eine Vielzahl von Klonvariationen, die, unter unterschiedlichen Namen angebaut, als Sangioveto, Brunello, Prugnolo gentile oder Morellino angebaut werden, alle aber sind sie Sangiovese in allerdings sehr unterschiedlicher Ausprägung und Qualität. Die Rebsortenfamilie ist über die Jahrhunderte so stark mutiert, daß es Jahrzehnten großer Anstrengung bedurfte, um die besten Klonen zu finden, zu analysieren und schließlich zur Verfügung zu stellen, was erst in den letzten Jahren erfolgreich gelang. Der Charakter der Rebsorte und ihrer Weine hat sich also über die letzten Jahre ziemlich verändert, was auch nötig war, weil das Qualitätsspektrum zu breit und zu heterogen war, um auf dem internationalen Markt in Anbetracht der nicht zimperlichen Preise noch konkurrenzfähig sein zu können.
Gute Sangiovese besitzt präsentes, stets etwas spröde wirkendes Gerbstoffgerüst mit appetitlicher Säure, die es durch reife Lese und niedrige Erträge in Zaum zu halten gilt; ihre Farbe ist nie sehr intensiv, weshalb sie so häufig mit Malbec, Petit Verdot, Syrah oder Cabernet Sauvignon verschnitten wird; Sangiovese reift spät aus und bringt deshalb in guten, warmen Jahren körperreichen, alkoholstarken und langlebigen Wein hervor; in kleinen, kühlen Jahren dagegen wird sie schnell sauer und mager mit hartem Gerbstoff im Mundgefühl; hohe Erträge forcieren harte Säure und führen zu heller Farbe, die schnell in Oxidation umschlägt. Ihre erstaunlich dünnen Beerenschalen sind fäulnisanfällig, was durch die unterentwickelte Rebkultur der Toscana dazu führte, daß Sangiovese auch auf Lagen gepflanzt wurde, auf denen sie besser nicht hätte stehen sollen. Das erklärt die noch immer enormen Qualitäts- und Geschmacksunterschiede, die einem die Rebsorte verleiden können.
Hauptanbaugebiet der Sangiovese ist die gesamte Toskana, wo sie in Weinen wie dem Vino Nobile di Montepulciano, dem Carmignano, vielen Super-Tuscans und im Brunello di Montalcino die dominierende Rolle spielt. Doch auch in der Maremma, der Emilia-Romagna, in Umbrien, den Marken und auf Korsika ist Sangiovese unter regionalen Synonymen und lokalen Verschnitten eine wichtige und prägende Rebsorte.
Heute wird Sangiovese als edle Rebsorte gehandelt. Ob sie wirklich so edel ist, wie ihre Popularität vermuten läßt, hängt an ihrem Anbau und der Qualität ihrer Vitikultur. Daran hapert es in Italien noch mächtig, wie die wenigen Ausnahmen der Regel mit grandiosen Qualitäten, die leider nicht die Regel sind, unter Beweis stellen.
![]() | Italien - Toskana |
![]() | Sangiovese |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. ITR07250 | |
| Inhalt 0.75l |


















