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'Dopoteatro' Rosso IGT
Podere Salicutti
Francesco Leanza produziert auf seiner kleinen Podere ‚Salicutti’ einen der wenigen Brunelli in Montalcino, der zertifiziertem Bioanbau entstammt. Francesco Leanza, der in seinem früheren Leben Chemiker in Rom war, pflegt seine knapp vier Hektar Rebfläche mit Hingabe. Er kaufte das heruntergekommene kleine Landgut 1994, renovierte es aufwendig und lebt hier seit 1997 im Einklang mit der Natur. Der winzige Keller unter seinem Wohnhaus, den er gerade um einen Neubau erweitert, ist Anlaufstation für Kenner aus aller Welt, denn sein Brunello genießt großen Ruf als einer der authentischen der weltberühmten Region.
Francesco Leanza ist als ehemaliger Naturwissenschaftler detailversessener Perfektionist und sehr bewußter Traditionalist. Zusammen mit Freunden hat er SPA gegründet, Sangiovese per Amico, eine Gruppe biologisch bzw. biodynamisch arbeitender Winzer, die in Keller und Weinberg nach klaren Vorgaben arbeiten, ohne chemisch synthetische Spritz- und Düngemittel, ohne Reinzuchthefen, Enzyme und die üblichen Kellerhilfsmittel, für maximale Natürlichkeit und Bekömmlichkeit in ehrlichen Weinen.
Die Gruppe ist im bäuerlich reichen Montalcino die absolute Ausnahme. Sie regelt sogar die Pflanzungsdichte im Weinberg. Francescos Reben sind zum großen Teil hochwertige Massenselektionen auf sorgfältig ausgewählten Unterlagen, im Keller vergärt er kompromißlos spontan und seine Weine baut er in traditionellen Fässern aus slovenischer Eiche, sowie einige Partien auch in französischen Barriques aus. Geschönt und filtriert wird bei ihm nicht, dafür bekommen seine Weine ausreichend Zeit im Keller. Die brauchen sie auch, um ihre spröde Eleganz und Frische aus jener morbiden Gerbstoffpackung herauszuschälen, die sie in jungen Jahren so unnahbar machen kann.
Ihre typisch präsenten, aber erfrischend natürlich wirkenden Gerbstoffe verdanken sich den kargen kalkigen Galestro-Südlagen, die den Weinen von Francesco Leanza eine Mineralität vermitteln, die in Montalcino die Ausnahme ist. Ein Brunello von ‚Salicutti’ ist unverwechselbar; garantiert kein weichgespülter Wein für amerikanische Verbraucherzungen, kein entsäuerter, weicher Dandy mit Caberneteinschlag und dunkler Farbe, sondern ein Brunello, der Terroirprägung demonstriert. Leanzas Weine sind in ihrer transparenten Mineralität in der Tat einzigartig. Sie können in ihrer Jugend je nach Jahrgang durchaus zurückgezogen und unnahbar auftreten, können spröde sein und intellektuell wirken, manchmal sind sie jung vom Ausbau im Holz geprägt, stets aber bezaubern sie mit einem ganz eigenen melancholisch wirkenden, herbstlich sentimentalen Charakter, der sich ätherisch balsamisch in Duft und Charakter manifestiert.
Ein großer Salicutti-Wein, egal ob Rosso oder Brunello, entwickelt erst nach ein paar Jahren auf der Flasche seine kühle, raffiniert dichte Intensität in sehnsüchtig machender balsamisch reifer Süße. Rosso wie Brunello erinnern hier eher an Burgund denn an Bordeaux. Mächtigkeit ist diesen Weinen fremd, trotz manchmal stattlichen Alkohols, den sie aber mühelos 'verdauen'. Francesco Leanza tritt den Beweis an, daß Montalcino ein großes Terroir sein kann, das unverwechselbare Weinpersönlichkeiten hervorbringt, die vielleicht nicht zu den 'schönsten' und bequemsten, sicher aber zu den spannenden und fordernden der Weinwelt gehören.
Die Rebe
Cabernet Sauvignon
Cabernet Sauvignon gilt heute allgemein als die Inkarnation guten Rotweines. Es ist die populärste aller roten Rebsorten und wird in praktisch jedem Land der Erde, in dem die Rebsorte ausreifen kann, auch angebaut. So wurde Cabernet Sauvignon zur dominanten Spitzenrebsorte der Welt.
Wie keine andere rote Rebsorte schmeckt Cabernet Sauvignon, egal wo er auf der Welt angebaut wird, stets unverkennbar nach Cabernet Sauvignon. Er ist also in Geschmack und Charakter weniger abhängig von Jahrgang, Herkunft und Machart als andere rote Rebsorten. Immer bringt er satte Konzentration an Gerbstoffen und Farbpigmenten auf die Zunge, immer steht ein kraftvolles, nach schwarzen Johannisbeeren, Zeder, Leder und dunkler Schokolade erinnerndes Bukett über dem Glas, das nur dann unangenehm in grüne Paprika und wenig attraktive unreife Aromen verfällt, wenn der Ertrag zu hoch und/oder das Klima so kühl war, daß die Trauben nicht physiologisch ausreifen konnten. Cabernet Sauvignon gedeiht als spätreifende Sorte also am besten in wärmeren Klimata, in denen er physiologisch ausreifen kann.
Ob seiner dicken Beerenschale und seiner vielen Kerne im Fruchtfleisch kann reinsortiger Cabernet Sauvignon, der nicht extrem sorgfältig mazeriert und ausgebaut wurde, ruppig, hart und uncharmant ausfallen. Seine Struktur ist ungewöhnlich potent und präsent, doch Gerbstoffe und Farbintensität alleine ergeben noch keinen großen Wein mit Fülle, Eleganz und Tiefe. Deswegen verschneidet man Cabernet Sauvignon in aller Welt mit anderen Rebsorten, wobei das klassische Bordeaux-Rezept das bekannteste und weitverbreitetste ist: Der spätreifende kernige, für Rückgrat und stoffigen Körper sorgende, stets etwas hart agierende Cabernet Sauvignon wird dabei mit dem um bis zu zwei Wochen früher reifenden, fruchtigen weil dünnschaligeren, aber etwas behäbigen Merlot verschnitten; Cabernet Franc verleiht der Cuvée raffinierte kühle Frische und rassige Duftigkeit und in geeigneten Jahrgängen besorgt die kleinbeerige, noch dickschaligere Petit Verdot prägnante Würze und zusätzliche Farbintensität. In der Toskana harmoniert die dortige Sangiovese verblüffend gut mit Cabernet Sauvignon und in der Provence, Südfrankreich und Australien hat sich Syrah als interessanter Partner des Cabernet Sauvignon bewährt.
Um seine natürlich hohe Konzentration an Phenolen, die während der Mazeration und Maischung den Beerenschalen und reichlich vorhandenen Fruchtkernen entzogen werden, zu zähmen, hat sich der Ausbau im kleinen Holzfaß für Cabernet Sauvignon als fast schon notwendige Voraussetzung für späteren Genuß etabliert. Durch bewußten Kontakt mit Sauerstoff während des Faßausbaus, der je nach Qualität und Reife des Weines bis zu 18 und mehr Monaten dauern kann, versucht man dabei die Polymerisation der Phenole/Gerbstoffe in feinere Bahnen zu lenken. Wie kaum eine andere rote Rebsorte belohnt großer Cabernet Sauvignon diese Faßreifung mit subtil komplexen Geschmacks- und Aromastoffen, die sich über viele Jahre der Reife zu einem delikaten Bukett entfalten, das in seiner Vielschichtigkeit und Tiefe einmalig ist. Aus einem deftigen, gerbstoffbetonten harten Burschen in der Jugend wird so mit den Jahren ein gediegener, edler Grandseigneur, der Finesse vor Kraft und Komplexität vor Wucht stellt.
In den letzten Jahren kommen speziell aus Kalifornien reinsortige Cabernet Sauvignons, die so sorgfältig gekeltert und verarbeitet wurden und so lange im Holzfaß auf der Hefe reifen konnten, daß sie unvergleichliches Weltklasseniveau erreichen, das den Weinen der alten Welt neue Maßstäbe vorgibt. Die enorme Popularität der Rebsorte sorgt so für ungewöhnliche Qualitätsdynamik in jenen Weinbergen der Welt, in denen Cabernet Sauvignon engagiert angebaut wird.
Um den Ursprung der Rebsorte ranken sich viele Märchen und Geschichten. 1997 ergab eine DNA-Analyse der berühmten Wein-Universität von Davis in Kalifornien, daß Cabernet Sauvignon mit größter Wahrscheinlichkeit eine Kreuzung aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc ist, was großes Erstaunen in der Fachwelt auslöste, bis heute aber unwidersprochen blieb. Tatsächlich tritt die Rebsorte nicht, wie immer wieder behauptet wird, schon im 16. Jahrhundert in Bordeaux offiziell in Erscheinung, sondern erst Ende des 18. Jahrhunderts, als im Médoc die ersten großen Weingüter entstehen. Nach der Reblauskatastrophe ist es die Merlot, die zusammen mit Cabernet Franc in Bordeaux maßgeblich angebaut wird. Erst in den 1980er Jahren nimmt die Rebfläche an Cabernet Sauvignon vor allem im Médoc enorm zu, in den späten 1990er Jahren kommt dann der Merlot wieder mehr ins Spiel. Der Klimawandel sorgt schließlich nach 2001 dafür, daß wieder dickschalige, später reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon, Malbec, Petit Verdot und Cabernet Franc vermehrt angepflanzt werden.
Es sind also Geschmacksmoden aber auch klimatische Notwendigkeiten, die zu einem sich dynamisch verändernden Rebsortenspiegel führen im weltberühmten Bordeaux, mit dem Cabernet Sauvignon stets fast schon zwangsläufig in Verbindung gebracht wird, obwohl er dort nur äußerst selten reinsortig abgefüllt wird. Neue Maßstäbe für die Rebsorte werden heute eher in der neuen Welt, und dort vor allem in Washington State und Kalifornien, gesetzt, weniger in der alten Welt.
![]() | Italien - Toskana |
![]() | Cabernet Sauvignon, Sangiovese |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. ITR04607 | |
| Inhalt 0.75l |


















