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Carmignano DOC Barco Reale
Barco Reale, herrlich leckerer Carmignano von Capezzana aus der nördlichen Toskana, ist so ein herzhafter Roter, der sommerliche Lust zu schüren versteht. Sangiovese, 10 % Cabernet Sauvignon, 10 % Cabernet Franc und 10% Canaiolo finden in ihm zum animativ trockenen Mundgefühl zusammen, das die Zunge mit geschmeidig gehaltvollem Weinvergnügen versorgt. Typisch toskanische balsamische Würze entsteigt dem Glas; Assoziationen von Zeder, Leder und getrockneten Sommerkräutern reizen die Nüstern, ein Hauch von Weihrauch weht über das Glas; erfrischend wirkt die kühlende Ader der Cabernets auf der Zunge und mit jedem Schluck mehr genießt man Barco Reale als süffigen Begleiter angenehm entschleunigter Stunden, der unverwechselbar toskanische Sehnsüchte weckt. Ein Muß zu sommerlicher Küche, perfekt am Grill und bekömmlich und charaktervoll wenn es still wird am lauen Sommerabend. Derart exzellentes Preis-Genuß-Verhältnis ist übrigens selten geworden in Italien. Unser besonderer Italien-Tip.
Tenuta di Capezzana
Die Weine der Tenuta di Capezzana sind weltberühmt, sind Klassiker Italiens, stehen in jedem Buch über italienische Weine. Doch in Italiens modischen neunziger Jahren tat sich Familie Contini Bonacossi schwer, ihre Qualitäten überzeugend zu vermitteln. Nicht nur wir hatten Carmignano und seine Weine mehr oder weniger abgeschrieben. Dabei ist die Tenuta di Capezzana eines der geschichtsträchtigsten Weingüter Italiens, wird hier doch nachweislich seit dem Jahr 804 Weinbau und Olivenproduktion betrieben. Carmignano ist tatsächlich eine der ältesten klassifizierten Appellationen der Welt, deren Ursprungsbezeichnung schon 1716 gesetzlich geregelt wurde.
Doch auch in der Neuzeit gab sich die Tenuta di Capezzana dynamisch. So leitete kein geringerer als Conte Ugo Contini Bonacossi den Trend zu den sogenannten ‚Super-Tuscans’ ein. Seit früher Kindheit befreundet mit Familie Rothschild von Château Lafite in Pauillac, brachte er in den siebziger Jahren Cabernet-Rebstöcke nach Carmignano und bestand bei der Formulierung der Qualitätskriterien für die DOC Carmignano darauf, neben Sangiovese auch Cabernet in den Rebsortenspiegel der DOC aufzunehmen. Prompt soll der ‚Tignanello’ von Familie Antinori, so wird kolportiert, als Reaktion auf diese neue DOC Carmignano entstanden sein, der, wie bekannt, in der Folge das Bild des italienischen Weines grundlegend veränderte.
Die Weine von Capezzana stehen für den geschmacklichen Kontext von Ursprung und Qualität. Gegen Italiens immer schlimmer werdende stromlinienförmig populistische Kommerzialisierung setzt das große Landgut selbstbewußte hochwertige Terroirweine, die Geschichte lebendig machen und Ursprung nachvollziehbar. Die Grafen Contini Bonacossi haben in die Weinberge kräftig investiert und auch im Keller besinnen sie sich wieder auf altbewährte Traditionen. Der ausgeprägte Herkunftscharakter ihrer Weine und deren spröde, aber souveräne Identität prägen eine der wenigen echten Appellationen Italiens nachhaltig. Die Weine Capezzanas erwecken Carmignano zu neuem Leben und neuer Zukunft, demonstrieren sie doch Herkunft und Charakter, wie sie in Italien nach wie vor nicht selbstverständlich sind.
Die Rebe
Cabernet Sauvignon
Cabernet Sauvignon gilt heute allgemein als die Inkarnation guten Rotweines. Es ist die populärste aller roten Rebsorten und wird in praktisch jedem Land der Erde, in dem die Rebsorte ausreifen kann, auch angebaut. So wurde Cabernet Sauvignon zur dominanten Spitzenrebsorte der Welt.
Wie keine andere rote Rebsorte schmeckt Cabernet Sauvignon, egal wo er auf der Welt angebaut wird, stets unverkennbar nach Cabernet Sauvignon. Er ist also in Geschmack und Charakter weniger abhängig von Jahrgang, Herkunft und Machart als andere rote Rebsorten. Immer bringt er satte Konzentration an Gerbstoffen und Farbpigmenten auf die Zunge, immer steht ein kraftvolles, nach schwarzen Johannisbeeren, Zeder, Leder und dunkler Schokolade erinnerndes Bukett über dem Glas, das nur dann unangenehm in grüne Paprika und wenig attraktive unreife Aromen verfällt, wenn der Ertrag zu hoch und/oder das Klima so kühl war, daß die Trauben nicht physiologisch ausreifen konnten. Cabernet Sauvignon gedeiht als spätreifende Sorte also am besten in wärmeren Klimata, in denen er physiologisch ausreifen kann.
Ob seiner dicken Beerenschale und seiner vielen Kerne im Fruchtfleisch kann reinsortiger Cabernet Sauvignon, der nicht extrem sorgfältig mazeriert und ausgebaut wurde, ruppig, hart und uncharmant ausfallen. Seine Struktur ist ungewöhnlich potent und präsent, doch Gerbstoffe und Farbintensität alleine ergeben noch keinen großen Wein mit Fülle, Eleganz und Tiefe. Deswegen verschneidet man Cabernet Sauvignon in aller Welt mit anderen Rebsorten, wobei das klassische Bordeaux-Rezept das bekannteste und weitverbreitetste ist: Der spätreifende kernige, für Rückgrat und stoffigen Körper sorgende, stets etwas hart agierende Cabernet Sauvignon wird dabei mit dem um bis zu zwei Wochen früher reifenden, fruchtigen weil dünnschaligeren, aber etwas behäbigen Merlot verschnitten; Cabernet Franc verleiht der Cuvée raffinierte kühle Frische und rassige Duftigkeit und in geeigneten Jahrgängen besorgt die kleinbeerige, noch dickschaligere Petit Verdot prägnante Würze und zusätzliche Farbintensität. In der Toskana harmoniert die dortige Sangiovese verblüffend gut mit Cabernet Sauvignon und in der Provence, Südfrankreich und Australien hat sich Syrah als interessanter Partner des Cabernet Sauvignon bewährt.
Um seine natürlich hohe Konzentration an Phenolen, die während der Mazeration und Maischung den Beerenschalen und reichlich vorhandenen Fruchtkernen entzogen werden, zu zähmen, hat sich der Ausbau im kleinen Holzfaß für Cabernet Sauvignon als fast schon notwendige Voraussetzung für späteren Genuß etabliert. Durch bewußten Kontakt mit Sauerstoff während des Faßausbaus, der je nach Qualität und Reife des Weines bis zu 18 und mehr Monaten dauern kann, versucht man dabei die Polymerisation der Phenole/Gerbstoffe in feinere Bahnen zu lenken. Wie kaum eine andere rote Rebsorte belohnt großer Cabernet Sauvignon diese Faßreifung mit subtil komplexen Geschmacks- und Aromastoffen, die sich über viele Jahre der Reife zu einem delikaten Bukett entfalten, das in seiner Vielschichtigkeit und Tiefe einmalig ist. Aus einem deftigen, gerbstoffbetonten harten Burschen in der Jugend wird so mit den Jahren ein gediegener, edler Grandseigneur, der Finesse vor Kraft und Komplexität vor Wucht stellt.
In den letzten Jahren kommen speziell aus Kalifornien reinsortige Cabernet Sauvignons, die so sorgfältig gekeltert und verarbeitet wurden und so lange im Holzfaß auf der Hefe reifen konnten, daß sie unvergleichliches Weltklasseniveau erreichen, das den Weinen der alten Welt neue Maßstäbe vorgibt. Die enorme Popularität der Rebsorte sorgt so für ungewöhnliche Qualitätsdynamik in jenen Weinbergen der Welt, in denen Cabernet Sauvignon engagiert angebaut wird.
Um den Ursprung der Rebsorte ranken sich viele Märchen und Geschichten. 1997 ergab eine DNA-Analyse der berühmten Wein-Universität von Davis in Kalifornien, daß Cabernet Sauvignon mit größter Wahrscheinlichkeit eine Kreuzung aus Cabernet Franc und Sauvignon Blanc ist, was großes Erstaunen in der Fachwelt auslöste, bis heute aber unwidersprochen blieb. Tatsächlich tritt die Rebsorte nicht, wie immer wieder behauptet wird, schon im 16. Jahrhundert in Bordeaux offiziell in Erscheinung, sondern erst Ende des 18. Jahrhunderts, als im Médoc die ersten großen Weingüter entstehen. Nach der Reblauskatastrophe ist es die Merlot, die zusammen mit Cabernet Franc in Bordeaux maßgeblich angebaut wird. Erst in den 1980er Jahren nimmt die Rebfläche an Cabernet Sauvignon vor allem im Médoc enorm zu, in den späten 1990er Jahren kommt dann der Merlot wieder mehr ins Spiel. Der Klimawandel sorgt schließlich nach 2001 dafür, daß wieder dickschalige, später reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon, Malbec, Petit Verdot und Cabernet Franc vermehrt angepflanzt werden.
Es sind also Geschmacksmoden aber auch klimatische Notwendigkeiten, die zu einem sich dynamisch verändernden Rebsortenspiegel führen im weltberühmten Bordeaux, mit dem Cabernet Sauvignon stets fast schon zwangsläufig in Verbindung gebracht wird, obwohl er dort nur äußerst selten reinsortig abgefüllt wird. Neue Maßstäbe für die Rebsorte werden heute eher in der neuen Welt, und dort vor allem in Washington State und Kalifornien, gesetzt, weniger in der alten Welt.
![]() | Italien - Toskana |
![]() | Cabernet Sauvignon, Sangiovese |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. ITC09100M | |
| Inhalt 1.5l |
















