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Pithos bianco 'Anfora' IGT Sicilia
Die meisten Weißweine, die in Amphoren aus Ton ausgebaut wurden, übertönt die Art ihres Ausbaus in Duft und Geschmack, ähnlich den vom Barriqueeinfluß verunstalteten Weinen der achtziger und neunziger Jahre. Sie alle dominiert ein intensiv nach oxidierten Apfel- und Birnenschalen duftendes Bukett. Wir halten weiße Amphorenweine deshalb für wenig attraktiv und kaum zukunftsfähig, weil sie weder ein Gewinn für den Herkunftscharakter noch die Expression ihrer Rebsorte sind, sondern ausschließlich ihren Ausbau demonstrieren, und das so deutlich wie uniform.
Der weiße ‚Pithos Anfora’ von Cos ist eine rare Ausnahme dieser Regel. Zwar besitzt auch er die beschriebenen Apfel- und Birnenschalen in Duft und Geschmack, sie sind aber sensibel und unaufdringlich integriert in die komplexen Aromen der Maischestandzeit in den Amphoren und sie harmonieren subtil mit der verhaltenen Aromatik der alten Rebsorte Grecanico.
‚Pithos Anfora Bianco’ ist ein spannender, vielschichtig duftender Weißwein, der eine originelle Bereicherung des Weißweinspektrums ist. Grecanico, die uralte sizilianische Weißweinsorte, besitzt, wie alle alten autochthonen Rebsorten, eine prägnante Bittermandel-Note im Nachklang; am Gaumen entfaltet sie nicht nur trockenen Geschmack, sondern auch leicht säuerliche, etwas mager wirkende Struktur, die fast karg und spröde wirkt. Sie verleiht diesem Weißwein archaisch natürlichen Charakter, der mit dem Ausbau in den Amphoren ungewöhnlich sinnmachende Ergänzung erfährt; auch im Duft wirkt der Wein archaisch unmodisch und morbide. Apfelschalen und frisches Kernobst vermählen sich mit den kühlen und sparsamen Aromen des Ausbau in den Amphoren so, daß ein sehr stimmiges und originelles Ganzes entsteht, das man als Weinerlebnis so nicht jeden Tag im Glas hat.
‚Pithos Anofora Bianco’ wurde auf der Azienda Agricola Cos in 400 l großen Amphoren auf den Beerenschalen mazeriert und offenbart deshalb interessante phenolische Fülle, die ähnlich den Gerbstoffen im Rotwein wirkt. Der Wein braucht deshalb viel Luft in der Karaffe; erst dann entwickelt er sich zu trinkfreudiger, morbid wirkender Grandezza, die so ungewöhnlich schmeckt, riecht und wirkt: Der Wein erweist sich als außergewöhnlich bekömmlich und spektakulär anders in seiner alkoholischen Wirkung durch die vielen Phenole, Antioxidantien, die er durch die Maischegärung besitzt. Ein ungewöhnlicher, aber spannend anderer Weißwein, der mit den Grenzen des eigenen Geschmacksvermögens konfrontiert und Neugierde braucht, die er aber mit ungewohntem Weingenuß belohnt.
Az. Agricola Cos
Giusto Occhipinti und Giambattista Cilia betreiben ihre Azienda Agricola Cos im sizilianischen Vittoria bei Ragusa mit Engagement und Hingabe. 1980 fingen sie auf einem geschenkten Weinberg an Wein zu machen ‚weil Wein eine Passion für uns war’. Heute betreiben die gelernten Architekten ihr Architekturbüro nebenbei und leiten den 25 Hektar großen Weinbaubetrieb hauptberuflich, ‚denn wir haben eine richtige Azienda, eine der ernsthaften Siziliens’, meinen sie zwinkernd.
Nach Jahren ungleichmäßiger Qualitäten mit vielen Experimenten und intensiver Suche nach Identität widmen sie ihre Arbeit dem Zusammenspiel von Rebe und Terroir. Dazu bauen sie die autochthone Rebsorte Nero d’Avola auf verschiedenen Bodenformationen in allen nur erdenklichen Klonenselektionen und Reberziehungsformen an. Einige ihrer Weinberge haben sie auf Biodynamik umgestellt und im Keller setzen sie auf schonend langsamen, unmanipulativen Ausbau. So entstanden auf ‚Cos’ in den letzten Jahren kultige Weincharaktere, die den als rustikal apostrophierten Nero d’ Avola analytisch präzise herauskristallisieren als ganz und gar nicht rustikale Rebsorte.
Souverän gewinnen die beiden Quereinsteiger ihren Weinen Frische und Finesse ab und machten ihre Azienda zu einem der kompetentesten Vertreter des Amphorenausbaus. Abseits jener Alternativwinzer, die mehr schlecht als recht mit der Amphore experimentieren, gelingt es ihnen, den aromatisch und strukturell anspruchsvollen Ausbau in den tönernen Amphoren in noble Bahnen zu lenken. So wurden die Amphoren zum festen Bestandteil des Weinausbaus auf 'Cos'. Occhipinti lehnt die üblichen Mittelchen der modernen Önologie ab; es wird spontan vergoren und weder filtriert noch geschönt. So entstehen eigenwillige, handwerklich spannend individuelle Weine von faszinierender Ausstrahlung. Sie weisen verblüffend niedrige Alkohole auf, besitzen mutig unmanipulierte Farbtönung und beweisen visionäre Frische und Trinkfreudigkeit, wie man sie Sizilien niemals zugetraut hätte.
‚Wir sind sehr nahe an Afrika, was man an den Farben, der Vegetation, den Reben, dem Licht und der Luft erkennt. Diese heiße Vegetation in kühle Energie und ursprüngliche Expression zu lenken, ist unser Ziel’, meint der agile Weinarchitekt, der seine Azienda Agricola ‚Cos’ zum ehrgeizigen Projekt gemacht hat, das getragen wird von Enthusiasmus, aber auch von profundem Respekt gegenüber alten, über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen, die er mit seinem Partner zu neuem Leben zu erwecken versucht. In Projekten wie ‚Cos’ steckt Italiens Energie für eine neue seriöse Weinzukunft, die das Land dringend nötig hat.
Die Rebe
Grecanico
Grecanico ist eine vermutlich uralte sizilanische Weißweinrebsorte, über die man nicht viel weiß. Bekannt ist sie auf Sizilien für nichtssagenden, neutral riechenden und schmeckenden Weißwein, der so dünn wie langweilig wirkt.
Neuerdings begegnet man Grecanicos, die durch technisch schnelle Kaltvergärung mittels entsprechender Reinzuchthefen Sauvigon-Blanc-ähnlich riechen und schmecken, fast sogar dropsig (Gletscherbonbons?) und vordergründig fruchtig. Doch es gibt ein paar wenige Erzeuger, die spannend eigenständige Grecanicos präsentieren, die die typisch italienische Bittermandel-Note am Gaumen aufweisen und trocken dichten Geschmack sowie den typisch morbiden Duft alter autochthoner Rebsorten nach Apfelschalen und frischem Kernobst besitzen. Eine Rebsorte, deren Möglichkeiten noch nicht ausgelotet scheinen.
Eines der spannendsten Exemplare produziert die Azienda Agricola Cos in 400l großen Amphoren. Ihr Pithos Bianco Anfora ist ein durch lange Maischestandzeit in der Amphore interessant phenolisch geprägter, trinkfreudiger Grecanico von morbider Grandezza, der ungewöhnlich schmeckt und einen interessanten Beitrag zum großen Puzzle Weißwein liefert.
![]() | Italien - Sizilien |
![]() | Grecanico |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. ISW09805 | |
| Inhalt 0.75l |


















