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Barbera d´Alba 'Maggiur'
Cascina Luisin
Der junge Roberto Minuto steuert seinen im Sinne des Wortes traditionell geführten Betrieb in Barbaresco souverän durch alle stilistischen Anfeindungen. Trotz seiner Jugend agiert er als eines der letzten Bollwerke traditioneller piemontesischer Winzerkunst vehement gegen die geschmackliche Gleichmacherei, die sich im Piemont nachhaltig und von vielen Weinfreunden weitgehend unbemerkt ausgebreitet hat. Es begann damals mit Angelo Gaja, der nichts Besseres zu tun hatte, als seine großen Barbaresco-Einzellagen wie Bordeaux schmecken zu lassen. Heute arbeiten viele Winzer des Piemont mit Cabernet Sauvignon, Petit Verdot oder Malbec, um süße Reife und dunkle Farbe in ihre Weine zu bekommen und der australische Rototank bzw. Rotofermenter ist im Piemont bei zahlreichen Winzern übliches Werkzeug, um schnell intensive Farbausbeute und süffig weiche, „schnelle“, massenkompatibel süße Gerbstoffe zu erzeugen. Der Stilwandel in Richtung oberflächlichen Kommerzes ist im Piemont in vollem Gange. Wer kümmert sich dort noch um „Tradition“, um Herkunftscharakter, um jenen authentischen Regionalgeschmack, der gerade in der Langhe über Hunderte von Jahren im Zusammenspiel mit der berühmten Küche des Piemont den unverkennbaren Charakter seiner Weine formte und prägte? Viele Weine des Piemont sind beliebig, anonym, austauschbar geworden. Softe Allerweltsgetränke ohne Charakter, ohne Identität und deshalb ohne Zukunft. Kommerz gegen Charakter. Wen kümmert das Morgen, wenn heute der Rubel rollt.
Roberto Minutos Weine sind anders. Sie tragen ihre spröden, gerade deshalb aber frisch wirkenden Gerbstoffe mit Stolz, sind sie doch untrügliches Kennzeichen der kalkhaltigen Böden der Region, auf denen über Hunderte von Jahren angepaßte autochthone Rebsorten stehen. Roberto Minuto lebt und erlebt Tradition im überlieferten Erfahrungswissen, das er vom Vater vermittelt bekam, mit dem zusammen er das elterliche Weingut in Treiso in wohltuender Ruhe und Bescheidenheit betreibt. Die beiden produzieren brillant authentische Barbaresci und Baroli, die nach Jahren der Reife die Transparenz großen Pinot Noirs verströmen. Es sind stille, souveräne Essensbegleiter, die erst im Zusammenspiel mit dem entsprechenden Gericht faszinierende Eigenart und Qualität offenbaren. Die Barberas der Familie Minuto sind von feiner Säureader durchzogene, markant strukturierte Regionalweine, die Roberto sensibel im Holzfaß veredelt. Sein Dolcetto und sein Nebbiolo delle Langhe haben das Zeug zu Lieblingsweinen. Sie stellen ihren Regionalcharakter charaktervoll und selbstbewußt zur Schau und wagen krassen Gegensatz zu den weichgespülten Kommerzweinen der Region. Bei Minutos wird spontan vergoren, hier haben die Weine viel Zeit im Keller, hier wird jeder Wein langsam auf der Hefe in traditionellen Holzfässern ausgebaut. Uns beeindruckt dieser Familienbetrieb in seiner unspektakulären Arbeitsweise ebenso, wie in seiner durch alle Weine hindurch stringenten stilistischen Souveränität, die nur durch wenige Winzerpersönlichkeiten Unterstützung findet im Piemont. Glaubhaft und profund praktizierte Handwerkskunst, die es zu bewahren gilt.
Die Rebe
Barbera
Über die Hälfte der riesigen Rebfläche zwischen Asti, Alessandria und Acqui im norditalienischen Piemont ist mit der alten autochthonen Rebsorte Barbera bepflanzt. Von den einen als unproblematischer Massenträger abgetan, gilt Barbera den anderen als eine der ursprünglichsten und ehrlichsten Rebsorten des Piemont. Das Monferrato, wo sie schon im 13. Jahrhundert angebaut worden sein soll, ist die vermutete Urheimat der nach der Sangiovese häufigst angebauten roten Rebsorte Italiens.
Sie trat ihren Siegeszug als mengenmäßig wichtigste Rebsorte des Piemont nach der Reblauskatastrophe an. Unter mehreren Dutzend heimischen Rebsorten erwies sich Barbera damals als die tauglichste zur Wiederbepflanzung der brachliegenden Weinberge. Dabei wurde jedoch nicht berücksichtigt, daß Barbera zwar auf beinahe jedem Boden hohe Erträge liefert, ihre Qualität jedoch extrem von Lage und Kleinklima abhängt. Deshalb ist das Gros der aus Barbera gekelterten Weine auch heute noch eher einfach, rustikal und sauer.
Potentielle Größe bewies die Rebsorte mehr oder weniger unerwartet in den 1980er Jahren, als die Barrique-Mode Italien überrollte. Während die kleinen französischen Fässer viele italienische Weine mit übermäßigen Holzaromen zur Karikatur ihrer selbst entstellten, wirkten sie bei Barbera Wunder: Aus den sauren bissigen Tropfen wurden elegante, feine Weine, die plötzlich auf natürliche Weise das zeigten, was die Natur ihnen versagte: Süße. Das Potential der bislang als minderwertig geltenden Barbera erschien in ganz neuem Licht. Die Folge war eine Lawine ‚moderner’ Barberas und Barbera-Verschnitte, die innerhalb eines Jahrzehnts das Image der Rebsorte veränderten.
Tatsächlich profitiert die von der Natur mit hoher Säure, aber relativ wenig Tannin ausgestattete Barbera wie kaum eine andere italienische Rebsorte vom Ausbau im kleinen Holzfaß. Ihr eigenwilliger und eigenständiger Rebsortencharakter wird so, gesundes Traubenmaterial aus guter Lage vorausgesetzt, in geradezu idealer Weise ergänzt. Das Ergebnis sind kraftvoll voluminöse, aber eben auch elegante Weine von gesunder frischer Säurestruktur mit attraktivem Duft nach reifen Weichseln, Pflaumen, Schokolade, Gewürzen und edlem Tabak. Vor allem gute Barbera d`Asti erweisen sich als erstaunlich haltbare Weine, die sich auf der Flasche zu unerwarteter Komplexität entwickeln.
![]() | Italien - Piemont |
![]() | Barbera |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. IPI09201 | |
| Inhalt 0.75l |


















