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Sauvignon blanc 'Alture' IGT
Weil er jung getrunken werden sollte, bieten wir Ihnen diesen netten Weißwein aus Pitigliano in der Maremma zum einmaligen Sonderpreis an. Berühmt und hochbewertet, aber bei uns im neuen Programm überflüssig, weil nicht Bio und uns auch zu technisch im Charakter, typisch italienisch halt, zudem alkoholisch. Wir wollen mehr Leben im Glas. Doch für Italo-Weißwein-Freaks ist 'Alture' eine echte Nummer. Die gibts für sie jetzt zum Sonderpeis, statt 14.- €.
Antonio Camillo, dem Partner und Verwalter von Poggio Argentiera, gehören die Weinberge in Pitigliano, von denen dieser ungewöhnliche Sauvignon Blanc stammt. ‚Nein’, meint er, wir brauchen hier eigentlich keinen Sauvignon Blanc! Aber er war schon da als ich hier ankam, um den an sich eher langweiligen Weinen von Pitigliano, die ja auf Trebbiano basieren, Charme, Struktur und Aroma zu verleihen. Aber, ganz ehrlich, die Gegend hier scheint ziemlich gut geeignet für die Rebsorte!’
Man kann ihm nicht widersprechen. Auf 400 m Höhe und purem Tuff, also extrem kalkigem Boden, gedeiht ein Sauvignon, wie er selten ist südlich von Verona. Um seine Duftigkeit und Zartheit zu bewahren wird er in Edelstahltank vergoren und ausgebaut. Die Höhe der Lage sorgt für kristalline Frische und Reintönigkeit der Aromen, die Wärme der Maremma für reife Fruchtfülle und weniger vegetale, als fruchtige Obst- und Exotenaromen, und der kalkige Boden für Mineralität und stahliges Säurerückgrat.
Bemerkenswert im Duft die Anklänge an Grapefruit, Mandarine und Zitrusfrüchte, sommerliche Kräuter stehen dann aber doch auch für Vegetabilien; im Mund reich, opulent und cremig, aber knochentrocken, mit spürbaren Gesteins- und Mineraloberklängen, die lang und erfrischend am Gaumen nachwirken. Ein anspruchsvoll strukturierter, kühler Sauvignon, der Wärme verbreitet, ohne seine 14 Vol. % spüren zu lassen. Sollte jung getrunken werden.
Poggio Argentiera
Immer wieder sind wir in den letzten Jahren Gianpaolo Paglias Weinen begegnet, nie hat es gefunkt zwischen uns. Als wir seine Weine kürzlich mal wieder probierten hat es schlagartig gefunkt! Das neue Holz, das seine Rotweine modisch prägte, war verschwunden. Es waren diese Rotweine, die uns nun besonders beeindruckten, weil sie ‚leichter’ schienen, ohne es wirklich zu sein, duftig und elegant, trotzdem dicht und konzentriert. Sie wirkten trinkfreudig und fein, wie verwandelt im Vergleich zu früher. Nun schienen sie in sich zu ruhen und konnten mit Frische im Trunk punkten, die ihnen früher abging und jetzt für eigenständigen Charakter und brillante Stilistik sorgt.
Mit dem Jahrgang 2009 hat Gianpaolo Paglia sein Poggio Argentiera auf biologischen Anbau umgestellt. Ob der Wandel damit zusammenhängt, wissen wir nicht. Tatsache ist, daß die Weine zu neuer Form auflaufen und man hat das Gefühl, daß es hier jetzt erst so richtig losgeht.
Begonnen hat alles 1997. Damals kaufte Gianpaolo Paglia die Podere Adua, jenen Teil des Betriebes, auf dem heute die Betriebsgebäude stehen. Sie liegt wenige Kilometer vom Meer entfernt auf einer unspektakulär aussehenden Ebene, die aus sandigen Tonböden besteht und nur wenig Niederschlag im Jahresverlauf erlebt; rund um den Betrieb stehen jene 6 ha Reben, mit denen alles begann. Seine Frau Justine Keeling, Marketing Managerin aus England, brachte dann den zweiten Betrieb ein, die Podere Keeling. Sie liegt im nördlichen Hügelland bei Scansano auf 250 m über dem Meer, ist deutlich kühler und verfügt über spätreifende lehmige Skelettböden. Aus den beiden recht unterschiedlichen Anbau- und Klimazonen generiert das Ehepaar Paglia-Keeling Spannung und Frische vor allem für seine bekannten Weißweinen. In ihren verschiedenen Cuvées spielen sie mit den Charakteristika ihrer Böden und Herkünfte. Hauptaugenmerk liegt allerdings konsequent und kompromißlos auf den beiden roten Lagenweinen, den Morellini di Scansano ‚Bellamarsilia’ und ‚Capotosta’. Sie stehen für ihre Herkunft und haben sich in den letzten Jahre profunden Ruf erworben, national wie international, sie sind Rückgrat und Spitze der Produktion und gehören zu den besten Weinen der Maremma.
Poggio Argentiera steht für Dynamik und Engagement. Die Umstellung auf den biologischen Anbau ist so konsequent wie überfällig, weil nur Betriebe mit entsprechender Nachhaltigkeit in der Produktion und mehr Individualität durch gekonnt adaptierte Arbeit im Weinberg Zukunft haben. Poggio Argentiera ist gerüstet.
Die Rebe
Sauvignon blanc
Sauvignon Blanc ist nach dem Chardonnay die zweitmeist angebaute weiße Rebsorte der Weinwelt. Sie geht auf eine Zufallskreuzung von Traminer mit Chenin Blanc zurück und gilt als charaktervolle und edle weiße Rebsorte. Tatsächlich kann sie aber auch ärgerlich simpel, aufdringlich und ordinär riechen und schmecken. Heute wird sie häufig mittels spezieller Aromaenzyme vergoren, die aus der Beerenschale ein so simples wie lautes Aroma extrahieren, das unerfahrene Weintrinker begeistert, Kenner der Rebsorte aber eher langweilt. Industriellen Exemplaren aus Übersee wird immer wieder gezielt Methoxypyrazin zugesetzt, ein in Europa verbotener Aromastoff, der in Sauvignon Blanc aber natürlich vorkommt und dessen leicht erkennbares Aromaprofil prägt, ihn weist man hierzulande immer wieder nach.
Pyrazin ist der Oberbegriff für eine Gruppe chemischer Verbindungen, die sich als natürlich vorhandene Aromastoffe vom Pyrazin ableiten. Sie sorgen in vielen Gemüsesorten für vegetale Aromen, entstehen aber auch beim Erhitzen von Lebensmitteln und sorgen dann für die charakteristischen Röstaromen. In Sauvignon Blanc duften Pyrazine mehr oder weniger intensiv, je nach Weinbereitung und Herkunft, nach frisch aufgeschnittener grüner Paprika, grasig und kräuterwürzig, mit einem Hauch Moschus und grünen Früchten wie Stachelbeeren in einem Bukett, das auch an ungeputztes Katzenklo, Litschis und Brennesseln erinnern kann. Oft findet man vor allem in einfacheren Sauvignon Blanc-Qualitäten aus den Randappellationen der Loire einen Geruch, der an Chinaböller oder frisch gezündete Streichhölzer erinnert. Dieser dürfte eher auf zu starker Schwefelung beruhen, als auf dem immer wieder beschworenen 'Gout de Terroir', den die Winzer den Feuersteinen im Weinberg zuschreiben.
Sauvignon Blanc ist wuchskräftig. Je schwerer die Böden, desto höher die Erträge. Dann erreicht die Rebsorte kaum die gewünschte Reife und ihr Wein fällt krautig, mager und aufdringlich grün und scharf aus. Je magerer aber die Böden, desto niedriger die Erträge, desto reifer die Trauben. Dann kann die Rebsorte auch aromatisch zu Hochform auflaufen und trockene, kristallin reine, aromatisch hochkomplexe, animierend erfrischende Weine hervorbringen, wie sie einmalig sind in der Welt des Weißweines.
Sauvignon Blanc zeigte früher starke Anfälligkeit für Pilzkrankheiten, weshalb die Erträge oft unwirtschaftlich ungleichmäßig waren. Heute baut man speziell selektionierte Varietäten an (Klon 297 und 316 sind die am weitesten verbreiteten), die regelmäßigeren Ertrag garantieren, weshalb sich die Rebfläche der populären Rebsorte deutlich vergrößert hat. Sauvignon Blanc steht heute auf Rang 4 der Rebsortenliste Frankreichs.
Oft werden einfache Sauvignon Blancs verschnitten mit Chenin Blanc wie z. B. in der Tourraine; aber auch mit Semillon oder der ebenfalls aromatischen Muscadelle zeigt sie in vielen weißen Bordeaux attraktiven Charakter und bemerkenswerte Alterungsfähigkeit. An der Loire, wo sie ihren Ursprung haben soll, erlebt die Rebsorte reinsortig ihre unverfälschte Inkarnation. Ob auf den kalkhaltigen Böden von Sancerre, den feuersteinhaltigen Böden von Pouilly-sur Loire, wo sie eine rauchige Note erfährt, die ihrem Wein den Namen Pouilly Fumé einbrachte, oder in deren östlichen Nachbargemeinden Quincy und Reuilly, immer beweist Sauvignon Blanc hier wie nirgendwo sonst auf der Welt die perfekte Abstimmung von Rebe und Herkunft, französisch 'Terroir'. Ähnlich analytisch, ähnlich präzise, rein und elegant, ähnlich vornehm, fein und druckvoll gerät sie nirgendwo sonst. Famoses Niveau kann die Rebsorte noch in Österreich und, deutlich seltener, in Deutschland erreichen, vorausgesetzt, sie wurde nicht zu laut, zu schnell und zu aufdringlich vinifiziert durch schnellen Ausbau mit Reinzuchtaromahefen, Tieftemperaturvergärung und Edelstahlausbau, wie er von den meisten Winzern noch immer praktiziert wird. Inzwischen gibt es in der Steiermark oder z. B. der Pfalz langsam agierende Spitzenwinzer, deren Sauvignon Blancs es an Originalität und Präzision, bei ganz anders geartetem Rebsortencharakter als an der Loire, mit deren großen Weinen aufnehmen können. Ansonsten aber besitzt Sauvignon Blanc, wo immer er auch angebaut wird, ob in Neuseeland oder Kalifornien, in Südafrika oder Australien, zwar stets angenehm aromatische, nie aber jene noble Intensität und unverfälschte Komplexität wie an der Loire oder seltener in Bordeaux, der bekannteste reinsortige Sauvignon Blanc dürfte dort 'Pavillon Blanc' von Chateau Margaux sein, wo er sich zu rarer Harmonie und vornehmer Expressivität aufschwingen kann.
Sauvignon Blanc trinkt man am besten jung. Gute Exemplare entwickeln sich über 2-4 Jahre. Länger eingelagert zu werden macht nur für Ausnahmeweine von Ausnahmewinzern Sinn.
![]() | Italien - Maremma |
![]() | Sauvignon blanc |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. IMR10504 | |
| Inhalt 0.75l |

















