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Morellino di Scansano 'Capatosta'
Die Spitze der Produktion von Poggio Argentiera. 85 % Sangiovese als Basis, von Reben, die über 20 Jahre alt sind, 10 % Ciliegiolo für Struktur und Fülle von teilweise 40 und mehr Jahre alten Rebstöcken, und 5 % Alicante für den Duft. Die Reben stehen auf den besten Weinbergen des Weingutes, in 250 m Höhe nur etwa 10 km vom Mittelmeer entfernt, auf Sandstein und Kies. Die Erträge sind mit ca. 1 kg Trauben pro Rebstock gering und erklären die kompakt und frisch wirkende Konzentration im Mundgefühl. Anders als bisher wurde der Most nicht mehr in offenen Barriques mazeriert und vergoren, sondern in oben offenen großen Gärtanks aus Eiche, und der Wein reifte anschließend auch nicht mehr in Barriques, sondern in großen 10 und 20 Hl-Eichenfässern traditioneller Bauweise.
Dieser Wandel bekommt dem Wein ausgezeichnet. ‚Capatosta’, italienisch für dickköpfig, wirkt jetzt leichter und reiner im Sinne von pur, zugleich aromatisch und strukturell intensiver, präziser und durchdringender, und damit weit überzeugender als bisher. Seine reifen Kirschnoten, die so typisch sind für Morellino, vermählen sich raffiniert mit intensiv roten Beeren- und edlen Tabak-, Holz- und Lederaromen; der Wein duftet pikant gewürzt nach braunen Gewürzen, Kaffee, Kakao und Schokolade, ohne aufdringlich laut zu sein, es dominiert vornehme aromatische Gediegenheit.
Eklatant wird der Stil- und Qualitätswandel in der Länge am Gaumen. Der Wein wirkt zunächst merkwürdig breit am Gaumen, er steht fast quer auf der Zunge, will kaum Länge zeigen. Dann aber, mit zunehmender Sauerstoffaufnahme, wird er lang im Nachklang und faszinierend frisch und fokussiert im samtigen, von frischer, pikant wirkender Säure balsamisch edel durchzogenen Mundgefühl; trotz reifer Süße und intensiver Würze kommt ‚Capatosta’ deshalb ungewöhnlich frisch, elegant und geschmeidig daher. Ein spannender Wein, der nachhaltig Eindruck macht und eigenständigen Charakter beweist. Einer der wenigen in der Maremma, der nicht, wie so viele andere dort, modisch uniform nach dem stets gleichen Muster gestrickt wirkt, sondern solitär für sich stehend Persönlichkeit wagt.
Poggio Argentiera
Immer wieder sind wir in den letzten Jahren Gianpaolo Paglias Weinen begegnet, nie hat es gefunkt zwischen uns. Als wir seine Weine kürzlich mal wieder probierten hat es schlagartig gefunkt! Das neue Holz, das seine Rotweine modisch prägte, war verschwunden. Es waren diese Rotweine, die uns nun besonders beeindruckten, weil sie ‚leichter’ schienen, ohne es wirklich zu sein, duftig und elegant, trotzdem dicht und konzentriert. Sie wirkten trinkfreudig und fein, wie verwandelt im Vergleich zu früher. Nun schienen sie in sich zu ruhen und konnten mit Frische im Trunk punkten, die ihnen früher abging und jetzt für eigenständigen Charakter und brillante Stilistik sorgt.
Mit dem Jahrgang 2009 hat Gianpaolo Paglia sein Poggio Argentiera auf biologischen Anbau umgestellt. Ob der Wandel damit zusammenhängt, wissen wir nicht. Tatsache ist, daß die Weine zu neuer Form auflaufen und man hat das Gefühl, daß es hier jetzt erst so richtig losgeht.
Begonnen hat alles 1997. Damals kaufte Gianpaolo Paglia die Podere Adua, jenen Teil des Betriebes, auf dem heute die Betriebsgebäude stehen. Sie liegt wenige Kilometer vom Meer entfernt auf einer unspektakulär aussehenden Ebene, die aus sandigen Tonböden besteht und nur wenig Niederschlag im Jahresverlauf erlebt; rund um den Betrieb stehen jene 6 ha Reben, mit denen alles begann. Seine Frau Justine Keeling, Marketing Managerin aus England, brachte dann den zweiten Betrieb ein, die Podere Keeling. Sie liegt im nördlichen Hügelland bei Scansano auf 250 m über dem Meer, ist deutlich kühler und verfügt über spätreifende lehmige Skelettböden. Aus den beiden recht unterschiedlichen Anbau- und Klimazonen generiert das Ehepaar Paglia-Keeling Spannung und Frische vor allem für seine bekannten Weißweinen. In ihren verschiedenen Cuvées spielen sie mit den Charakteristika ihrer Böden und Herkünfte. Hauptaugenmerk liegt allerdings konsequent und kompromißlos auf den beiden roten Lagenweinen, den Morellini di Scansano ‚Bellamarsilia’ und ‚Capotosta’. Sie stehen für ihre Herkunft und haben sich in den letzten Jahre profunden Ruf erworben, national wie international, sie sind Rückgrat und Spitze der Produktion und gehören zu den besten Weinen der Maremma.
Poggio Argentiera steht für Dynamik und Engagement. Die Umstellung auf den biologischen Anbau ist so konsequent wie überfällig, weil nur Betriebe mit entsprechender Nachhaltigkeit in der Produktion und mehr Individualität durch gekonnt adaptierte Arbeit im Weinberg Zukunft haben. Poggio Argentiera ist gerüstet.
Die Rebe
Cuvée rot
Cuvée ist ein Begriff, der immer wieder zu Irritationen Anlaß gibt. Tatsächlich ist die Bedeutung des Wortes je nach Zusammenhang unterschiedlich.
In Deutschland bezeichnet man mit Cuvée den Verschnitt, also das gemeinsame Keltern oder auch Vergären verschiedener Rebsorten in einem Gärbehälter. Aber auch der spätere Verschnitt verschiedener Weinpartien unterschiedlicher Rebsorten oder auch Lagen wird Cuvée genannt. Man cuviert einen Wein aus verschiedenen Partien im Keller. Cuvée bezeichnet hierzulande also einen Wein, der aus verschiedenen Rebsorten oder Weinbergslagen miteinander verschnitten wurde.
Die Franzosen benutzen dafür ein anderes, für sie eindeutiges Wort: Assemblage.
Wenn der Franzose von einer Cuvée spricht, meint er damit jeden separat abgefüllten Wein, jede einzelne Partie im Keller eines Weingutes. Das Wort Cuvée stammt aus dem französischen und bezeichnet den Inhalt eines Gärbehälters, der im französischen Cuve heißt. Im französischen kann eine Cuvée also ein Verschnitt mehrerer Rebsorten aber auch ein Wein einer einzelnen, ganz bestimmten Lage sein.
Häufig begegnet man auf Etiketten Begriffen wie Tête de Cuvée oder Cuvée Prestige; damit bezeichnen die Franzosen ihre besten Weine im Keller, ihre Spitzencuvées, ihre besten Partien, egal ob sie reinsortig sind oder verschnitten wurden. Um es kompliziert zu machen bezeichnet man in der Champagne den aus der Kelter laufenden Vorlaufmost, der die höchste Qualität liefert, ebenfalls als Cuvée, nennt dort aber zugleich verschiedene Abfüllungen Cuvée, weil die großen Markenchampagner kunstvoll aus bis zu 100 verschiedenen Einzelpartien miteinander verschnitten werden, um so das erwartete Geschmacksbild garantieren zu können.
Eine Cuvée, also das gezielte Verschneiden von Weinen, soll und kann die Qualität des fertigen Weines verbessern. In Châteauneuf du Pape z. B. verschneidet man bis zu 13 Rebsorten miteinander, wobei auch weiße Sorten im roten Châteauneuf zugelassen sind. Das macht man, um durch körperreiche, farbintensive, gerbstoffbetonte Rebsorten die oxidationsempfindlichen, leichteren, aromatisch duftigeren und eleganteren Rebsorten vor Oxidation zu schützen und eine längere positive Entwicklung gewährleisten zu können. Auf diese Weise verschneidet man z. B. ‚kühle’ Rebsorten (wie Syrah) mit ‚warmen’ (wie Grenache), empfindliche mit unempfindlichen, reduktive mit oxidativen etc. etc.
Das geschieht stets nach peniblen Vorverkostungen in mehr oder weniger aufwendigen Probenreihen. Tatsächlich kann eine gekonnt zusammengestellte Cuvée besser schmecken als die einzelne Rebsorte für sich, weil sich Frucht, Gerbstoffgehalt und Alkohol zum harmonischen Ganzen vereinen. Praktisch jeder Bordeaux, viele Chiantis, nahezu jeder Rotwein aus der Rioja oder dem portugiesischen Dourotal, dem Veneto, der Provence, dem Languedoc oder dem südlichen Rhônetal besteht aus zwei bis fünf, manchmal auch mehr Rebsorten, die auf dem Etikett nicht ausgewiesen werden.
Das deklarieren auch wir als Cuvée, egal ob weiß oder rot, geben dann aber immer die wesentlichen Rebsorten an. Alles klar?
![]() | Italien - Maremma |
![]() | Cuvée rot |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. IMR08501 | |
| Inhalt 0.75l |

















