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Primitivo 'Vriccio'  
2010

Primitivo 'Vriccio'

Primitivo. Uralte Rebsorte letztlich unbekannten Ursprungs. Bei Luigi di Tuccio  im Edelstahl vergoren und ausgebaut. Als Rebsorte nicht einfach anzubauen und zu bewirtschaften. Primitivo wird in Apulien, so auch bei Familie di Tuccio, noch in der traditionellen Pergola-Erziehung angebaut. Die treibt die Erträge hoch, was der Rebsorte aber ganz offensichtlich gut bekommt, weil sie zumindest in unserem Fall hier nicht so konzentriert ausfällt wie manch andere Exemplare, die man buchstäblich aus dem Glas löffeln muß vor Überextraktion und Gerbstoffgehalt. Apulien neigt generell zu heftiger Rustikalität. Manche Primitivos sind kantig, hart und megakonzentriert, manche bis zur Unkenntlichkeit weichgespült. Primitivos, die nicht primitiv sind, sondern Rebsorten- und Herkunftscharakter zeigen, sind die Ausnahme.

Luigi di Tuccio hat seinem neuestem Pferd im Stall, dem Primitivo ‚Vriccio’, so etwas wie Eleganz und Trinkfreude abgerungen. Sein Exemplar des Jahrgangs 2010 weist balsamische Elemente im Duft auf, die zwar auf fortgeschrittene Traubenreife schließen lassen, aber mit ihren Anklängen an Vanille, Minze und Wacholder im Duft eher kühl ausfallen, eingebettet in kernige Substanz satter Gerbstoffdichte. Wohlgemerkt, der Wein hat kein Holzfaß gesehen, sondern wurde ausschließlich im Edelstahltank ausgebaut. Das will man kaum glauben, weil er in Duft und Geschmack durchaus so etwas wie Holzeinfluß zu zeigen scheint, was aber nichts anderes ist als die traubeneigenen Gerbstoffe einer extrem dickschaligen Rebsorte.

Sie zu zügeln verlangt enormen Aufwand im Weinberg. Der ist zu diesem Preis nicht zu leisten. Also schmeckt auch dieser Primitivo reich und opulent extrahiert, immerhin ohne Exzess, aber deftig und rustikal in den Gerbstoffen. Ein Primitivo, den man als bäuerlich bezeichnen kann, was wir aber nicht als Negativum deuten, sondern als Zeichen unmanipulierter Natürlichkeit. Hier fand ganz offensichtlich nicht die übliche Gummi Arabicum- oder Bentonitschönung statt, denn der Wein zeigt sich herzhaft und spröde in seiner natürlichen Gerbstoffpräsenz, die ihn zum verdauungsfördernden Essensbegleiter prädestiniert.

Kein Rotwein für die Fernsehcouch also und auch keiner für den gemütlichen Kaminabend, sondern ein unverfälscht ursprünglicher Begleiter deftig schmackhafter Gerichte. ‚Vriccio’ gibt nicht vor, mehr zu sein, als er in Wahrheit ist. Ein entwaffnend natürlich schmeckender Rotwein, der sich in den kommenden zwei bis drei Jahren zu spürbar subtilerer Substanz entwickeln dürfte, als er sie heute im Glas präsentiert. Kein Landadel, sondern ein braver Landarbeiter, der so ehrlich wie direkt daherkommt. Ein guter Primitivo aus seriöser Bio-Pionier-Produktion.

Antica Enotria

Süditalienische Weine sind entweder durch die egalisierende Handschrift eines der einschlägigen Önologen Italiens verhunzt, oder sie sind deftig rustikal, was sich in rüder Gerbstoffstruktur bemerkbar macht. Weine zu finden, die ursprüngliche Rustikalität mit handwerklich sauberer Machart in authentischer Simplizität vereinen, das ist in Süditalien nicht einfach.

Bei Familie Di Tuccio im kleinen Weiler Posta Uccello, wenige Kilometer vom Golf von Manfredonia entfernt in der Provinz Foggia, wurden wir fündig. Dort produziert Luigi di Tuccio, der engagierte Junior des Hauses, simple aber authentische apulische Weiß- und Rotweine aus regionalen Rebsorten auf handwerklich grundsolider Bio-Basis. Er hat Önologie studiert und übernahm vor kurzem von Vater Raffaele, der sich jetzt nur noch um die Landwirtschaft des 12 Hektar großen Familienbetriebes kümmert, den Weinbau, was der Qualität seiner Enotria-Weinen ausgesprochen gut getan hat.

Luigi arbeitet im Weinberg noch überwiegend traditionell mit der apulischen Pergola. Seine neuen Weinberge hat er in klassischer Guyot-Erziehung angelegt, um die Erträge auf natürliche Weise zu reduzieren, doch um weiterhin faire Preise bieten zu können, muß er seine Reben durchaus zur Produktion anregen, was ihrer Süffigkeit und Trinkfreude keinen Abbruch tut, im Gegenteil! Im Keller vergärt Luigi mit synthetischen Reinzuchthefen, weil er sich wegen der Maschinenlese seiner Trauben noch nicht an spontane Vergärung heranwagt. Er reift seine Weine je nach Stil und Rebsorte in Edelstahl oder Holz und profiliert sie im besten Sinne als ehrlich und bodenständig, auch sie verströmen also typisch apulische Rustikalität, die die Weine zu idealen Essensbegleitern macht, doch tun sie das so herzhaft und natürlich, daß man ihnen ihre authentische Typizität mit Freuden abnimmt. Luigi di Tuccios Weine wollen keine edlen Granden sein, sie sind, was sie sind: Deftige, herzhafte, kraftvolle, angenehme Weine für jeden Tag, die für ihre apulische Heimat stehen.

Neben dem Weinbau, der rund 8 Hektar der Fläche einnimmt, betreibt Familie di Tuccio auch Gemüseanbau, der ein richtiges Bioparadies darstellt, das von der Artischocke bis zum Primitivo durch AIAB zertifiziert ist. Di Tuccios beliefern uns also auch mit ausgezeichneten hausgemachten Bio-Konserven und exzellentem Olivenöl eigener Produktion. Sauber, solide und rundum seriös, die Bio-Produkte der Antica Enotria.

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Die Rebe

Primitivo

Nein, Primitivo ist nicht Zinfandel! Primitivo ist mit Zinfandel verwandt, ist aber nicht identisch; beide Rebsorten scheinen immerhin die gleichen Eltern zu haben, wie DNA-Tests 1999 und 2001 bewiesen.

Wie dem auch sei: Zinfandel wie Primitivo sind alte, autochthone rote Rebsorten, die infolge ihres hohen Zuckergehalts meist recht hohen Alkohol (zwischen 13 und 15 Volumenprozent) besitzen. Während sich Zinfandel durch ein charakteristisches, an Zimt, Nelken, schwarzen Pfeffer und dunkle, beerig duftende Waldfrüchte erinnerndes Bukett auszeichnet, verströmt ein guter Primitivo ein eher einfaches, weniger intensives, deutlich weniger fruchtiges, dafür spannend an Leder und Edelhölzer erinnerndes Bukett.

Aufgrund der avancierteren Rebkultur und der schonenderen Weinbereitung in Kalifornien kann ein guter Zinfandel sensationell feine Gerbstoffe aufweisen, die wie kühle Seide die Zunge mit feinster Gerbstoffqualität zu verwöhnen versteht. Dagegen wirkt jeder Primitivo wie ein bäuerlich rustikaler Tropfen, weil weder die Weinbaukultur noch die Weinbereitung in Süditalien den Standard haben, den Kalifornien hier vorlegt. In Kalifornien, wo Zinfandel Kultstoff ist, der gutes Geld bringt, beeinflußt man schon im Weinberg die Qualität der Gerbstoffe durch entsprechende Laubarbeit. In Süditalien hat man von derart subtiler Vitikultur keine Ahnung. Hier produziert man ehrlich deftigen, kraftvollen Primitivo als typischen Regionalwein des Südens, der alkoholreicher, rustikaler und deutlich weniger würzig ausfällt, als das entsprechende Pendant aus Kalifornien. Doch wir wollen den Vergleich der beiden Rebsorten nicht überstrapazieren. Betrachten wir sie lieber als zwei interessante Rebsorten, die sowohl im Weinberg wie im Keller unterschiedlich behandelt werden und deshalb unterschiedlich riechen und schmecken. Nicht besser oder schlechter als die jeweils andere, sondern anders.

 

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9,90 €
je Flasche à 0.75l / 13,20 €/L
inkl. MwSt. / zzgl. Versand
Italien - Apulien
rotPrimitivo
6er Karton
Art-Nr. IAP10102
Inhalt 0.75l
Alkohol: 12,5 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2015+
Restzucker: < 2 g/l
Anbau: Biologisch
Ausbau: Edelstahltank
Boden: Sand/Lehm/Geröll
Besonderes: Zertifiziert (AIAB)
Dekantieren: Ja
Vergärung: Reinzuchthefe
Verschlussart: Naturkork

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