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Château Vieux Château Certan 
2006

Château Vieux Château Certan

„Vieux Château Certan“ 2006 ist anders als erwartet. Soeben im April nachverkostet, fehlt ihm die tanninbeladene Struktur des Jahrgangs. „Vieux Château Certan“ ist ein sehr zuverlässiger Langläufer, der erst nach Jahren auf der Flasche zeigt, wozu er fähig ist. Mich fasziniert in diesem Jahrgang seine Unnahbarkeit. Ich bin mir sicher, daß aus diesem Wein, der heute so reserviert und zurückhaltend wirkt, ein famoser Pomerol werden wird. Wie man so etwas vorhersagen kann? Erfahrung. Sein Potential kündigt sich auf der Zunge an, dort wirkt er bereits reif, reich und opulent, seidig und fest zugleich. Doch er offenbart sich nicht, wagt Ecken und Kanten, ist ganz offenkundig einer jener Weine, der nicht mit Gummi Arabicum und Schönungen aller Art auf die Zungen der schnellen Verkoster hingetrimmt wurde. Dem scheint sich Alexandre Thienpont einmal mehr verweigert zu haben. Es ist beschämend, wie schnell und unprofessionell während der Primeur-Tastings in Bordeaux verkostet wird. Selbstverliebt geschmäcklerisch wie auf Hobbyweinproben geht es hier zu. Trauriges Business! Zurück zum Wein im Glas. 2006 „Vieux Château Certan“ wirkt wie 1998 und 1999 zusammen, gewürzt mit 2001 und 2004, leicht fast auf der Zunge, tänzelnd, frisch im Griff und zart im Klang, aber zugleich fest, kantig, trotzig und zurückgezogen tiefgründig. Mir gefällt diese so andere ehrliche Art Bordeaux, die nicht auf schnelle populäre Kosmetik setzt, sondern Eigenart wagt. Ich empfehle den Wein von Herzen und werde ihn mir in den Keller legen.
 

Vieux Château Certan

Pomerol
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Die Rebe

Merlot

Merlot ist ein Phänomen. Die seit den achtziger Jahren stetig populärer werdende rote Rebsorte ist die einzige weltweit, die international fast überall Zuwachs an Rebfläche verzeichnen kann. Mit weltweit über 200.000 Hektar steht Merlot inzwischen auf Platz 6 der internationalen Rebsorten-Hitliste.

 Merlot verdankt seine Popularität seiner fülligen, üppigen Frucht und seinem körperreichen, vollmundigen Geschmack; Merlot ist relativ früh trinkbar und trinkreif, und er reift schneller als der meist mit ihm verschnittene Cabernet, den er bereits in geringem Verschnittanteil früher zugänglich macht. Das hängt allerdings entscheidend von der Qualität des Merlot ab. Merlot kann, wie in vielen italienischen Ausgaben nachzuvollziehen, unglaublich simpel und ordinär ausfallen; dann schmeckt er eindimensional kräuterwürzig, hat keine Süße und keinen Charme und wird zum puren Ärgernis. Auch im Languedoc, aus Spanien oder aus Chile kennen wir ähnlich ärgerliche Merlots, die eher an grasig unreifen Cabernet Franc denn an Merlot erinnern.

Merlot muß in der Produktivität gezügelt und im Wasserhaushalt und in der Blattfläche geschickt gesteuert werden, um nicht zu reif oder zu unreif auszufallen. In Bordeaux protzen Merlots inzwischen mit 15 und mehr Volumenprozent, was Zweifel an deren Reife- und Entwicklungsfähigkeit aufkommen läßt. Merlot wird dort in den letzten Jahren, angefeuert durch Parkers Punktediktat, dem sich viele Produzenten zu beugen scheinen, immer mehr zur Karikatur seiner selbst. Dicke, süße, marmeladige Weine von unnatürlicher Konzentration und Struktur bekommen zwar viele Punkte, doch sie zerfallen schnell, reifen schlecht und werden zum Ärgernis, was die Rebsorte nicht verdient hat. Das beweisen jene erstklassigen Exemplare von Könnern wie z. B. Familie Mitjavile oder Christian Veyry, die edel wirken, kühl, raffiniert geschmeidig und den Vorteil der Merlot auf den spät reifenden Böden der rechten Seite der Gironde gekonnt nutzen und umzusetzen verstehen. Merlot braucht, will sie ihr geschmackliches Potential nutzen, entsprechend geeignete Böden, engagierten Anbau und einen Lesezeitpunkt, der sich an ihrer Aromatik, nicht an ihrer Reife orientiert. Ansonsten verkehrt sich ihr Charakter schnell ins beschriebene Gegenteil.

Merlot ist eine frühreifende Sorte, die deutlich dünnere Beerenschalen besitzt als die Cabernet-Familie. Daraus entsteht der besondere Reiz der berühmten und längst weltweit praktizierten Bordeaux-Blends aus Cabernet und Merlot. Bei langer, gleichmäßiger Reifezeit der Beeren am Stock kann Cabernet ausreifen und liefert dann eindrucksvoll gerbstoffbetonte Cuvées mit Kraft und Potential; bei witterungsbedingt kürzerer Reifezeit der Trauben reift die Merlot sicher aus, während die Cabernets sich unreifer präsentieren, die Cuvée wird dann merlotbasiert sein und entsprechend charmant ausfallen. Merlot reift auf spätreifenden, lehmig sandigen Ton-Böden besonders gut und ergibt dort charakteristisch fleischige Weine, die samtiges, geschmeidiges Tannin in milder Säure bieten. Grundsätzlich ähnelt Merlot aromatisch in der Jugend der Cabernet-Familie, entwickelt aber statt deren herber, aristokratischer Gerbstoffdichte eher ‚süßeren’, etwas malzig an Kaffee, Karamell und Nougat erinnernden Geschmack in samtig weichem Gerbstoffprofil.

Über die Herkunft der Rebsorte ist wenig bekannt. Sie findet im 14. Jahrhundert als ‚Crabatut noir’ erste schriftliche Erwähnung in Bordeaux; im Jahr 1784 nennt man sie bereits 'Merlot' und sie wird zu einer der wichtigen Sorten in Bordeaux, wo sie im 19. Jahrhundert zur dominanten Sorte aufsteigt. Dann kommt die Reblaus, die den Rebsortenspiegel in Bordeaux nachhaltig stört. Alte angestammte Sorten wie Abouriou und Carmenère, der fast vollständig verschwindet, Petit Verdot und Malbec, aber auch Grenache, die damals tatsächlich im Bordelais anzutreffen war, verschwinden weitgehend und werden durch Cabernet Franc, vor allem aber durch Cabernet Sauvignon ersetzt. Heute ist Merlot wieder auf dem Vormarsch, vor allem im Médoc wird er seit zwanzig Jahren verstärkt angepflanzt, so daß er seine einstige Vormachtstellung im Rebsortenspiegel des Bordelais wieder anstrebt.

Lange hat man gerätselt, wer die Eltern der beliebten Rebsorte sein könnten. Erst 2009 gelang der Nachweis, daß die so gut wie ausgestorbene, vermutlich sehr alte, frühreifende Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes, die auch zu den Eltern des Malbec gehört, sowie Cabernet Franc die Kreuzungs-Eltern der Rebsorte Merlot sind.

 

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Vorübergehend nicht verfügbar.
je Flasche à 0.75l / 197,33 €/L
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Frankreich - Pomerol
rotCabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot
Langsam
12er Kiste
Art-Nr. FBO06034
Inhalt 0.75l
Alkohol: 13 Vol %
Trinkbar ab: 2010
Optimale Reife: 2015-2025+
Restzucker: < 2 g/l
Ausbau: Neues Barrique
Boden: Nein
Dekantieren: Ja
Vergärung: Nein
Verschlussart: Naturkork