Search Site

You're currently on:

Côte Rôtie 'Les Embruns' 
2002

Côte Rôtie 'Les Embruns'

Wer sorgt für Qualität im Wein? Der Jahrgang oder der Winzer? Glaubt man der Weinbranche, dann ist es der Jahrgang; zumindest benutzt sie ihn, wenn sie ihn braucht, um zu suggerieren, daß ein Wein ‚groß’ sei, weil der Jahrgang ‚groß’ ist. Groß kann unserer Meinung nach nur der Winzer sein. Er beherrscht sein Metier, oder er tut es nicht. Bei einem guten Winzer ist der Jahrgang eher zweitrangig.

Als Beweis mag dieser Wein dienen. Der in der Tat an der Nordrhône ‚schwache’ Jahrgang 2002 findet in ihm seinen Meister. Stéphane Ogiers ‚Les Embruns’ ist ein Côte Rotie, der mit der Zunge schnalzen läßt. Die kleine Parzelle in der legendären Côtes Brune, die Familie Ogier 2001 kaufen konnte, dankt Engagement und Risiko mit einem tiefgründig anspruchsvollen Wein, der zu den Spitzen des Jahrgangs gehört. Um dem Wein mehr Substanz zu vermitteln hat ihn der junge Winzer per Ganztrauben-Gärung verarbeitet, also nicht entrappt mit hohem Anteil an Stielen und Stengeln. Das Ergebnis ist eine raffiniert strukturierte Syrah, die kein Schwergewicht wurde, was Syrah ohnehin nie wird, dafür beschert der stofflich fein verwobene Wein aber profundes Trinkvergnügen, weil die Trauben trotz des angeblich schwachen Jahrgangs perfekt reif und gesund in die Kelter kamen.

Dieser Wein führt den Glauben an die Jahrgangstabelle ad absurdum. 2002 ist kein großer Jahrgang.Dennoch beweist  er Potential für Jahre, besitzt profunde Intensität und seine Frische im Mund sorgt für stilistische Präzision mit Länge und Rasse. Syrah voller Sensibilität und Finesse statt Kraft und Populismus. Der Winzer macht´s und nicht das Jahr! Daß es weit mehr schlechte Winzer als schlechte Jahrgänge gibt, scheint vielen Weintrinkern einfach nicht in den Kopf zu wollen. Sensible Syrah für Weinfreunde, die ihrer Zunge vertrauen.

Domaine Ogier

Michel Ogier bezeichnet sich als Traditionalist. Er hat an der von großen Handelshäusern dominierten Nordrhône mit seiner winzigen Domaine wichtige Akzente gesetzt mit feinen, kompromißlos produzierten Syrahs der Nobelklasse. Seit ein paar Jahren setzt Sohn Stephane, der an der Weinbauschule in Beaune studierte, neue Akzente im Hause Ogier. Wie zu erwarten hat sich der Stil der Weine geringfügig verändert, hin zu etwas mehr Konzentration bei gleichzeitig mehr Frische. Vergoren wird jetzt wieder spontan, der Ausbau erfolgt in neuem Holz. Ogiers füllen relativ früh auf Flasche um Frucht und Säure zu konservieren. Ihre Weine besitzen komplexes aromatisches Spiel, setzen auf Finesse und Transparenz; es sind keine Tanninmonster, keine modischen Weltweine, sondern seidig frische und dennoch muskulöse Syrahs mit reifer Süße im Bukett und satter Tiefe und Struktur. Côte Rotie von Ogier, das ist 100 % Syrah einer Expressivität, wie sie puristischer und feiner kaum sein kann. Er verströmt in der Jugend exotischen Flair, der ob seiner aromatischen Komplexität immer wieder den Widerspruch Unerfahrener auslöst: Rauch, Speck, blutiges Fleisch, Kräuter, Moschus und andere nicht unbedingt mit Wein assoziierte Düfte machen die berühmte Lage ungewohnt expressiv. Ogiers von der „Côte blonde“ stammender Côte Rotie, der auf steilen, schwer zu bearbeitenden Granitterrassen gedeiht, trifft deshalb immer wieder auf Unverständnis. Syrah ist eine grandiose Rebsorte, die an der Nordrhône ihren qualitativen Zenit erreicht. Aber sie braucht Zeit für Entwicklung. Bevor sie sich trinkreif präsentiert, kann sie neutral und stumpf im Bukett wirken, mit animalisch wirkendem Duftspektrum, das Unerfahrene verunsichert, zudem kurz, sauer und bitter auf der Zunge. Das ist normal, gehört zur Entwicklungsphase der Rebsorte und darf nicht verschrecken. Nach vier und mehr Jahren verändert sich das wilde Erscheinungsbild, der Duft wird süß, das animalisch Wilde verschwindet, schwarze Oliven, Rauch, Leder, Exotenhölzer und orientalische Gewürze dominieren zunehmend das Bukett. Im Stadium der Reife verblüfft Syrah von der Nordrhône mit einem Profil, das an reifen Pomerol oder großen Saint Emilion erinnert; kühle Finesse, begeisternde Expressivität, mineralische Frische mit dichtem Druck am Gaumen, so entwickelt sich eine große Syrah über zehn und mehr Jahre, abhängig von Lage und Jahrgang. Übrigens gehört der Weinbau an der Côte Rotie zu den ältesten Europas: Auf den steilen Terrassen hoch über der Rhône bauten schon die Römer Wein an.

Mehr von diesem Produzenten
 

Die Rebe

Syrah

Syrah und Shiraz. Faszinierende Vielfalt, enormes Potential, verkannte Rebsorte. Die Geschichten (und Märchen) über den Ursprung dieser inzwischen weltweit populären Rebsorte nennen Shiraz im alten Persien und Syrakus in Sizilien gleichermaßen als historischen Ursprung. Bis heute ist ungeklärt, woher die Syrah-Traube wirklich stammt. In Argentinien heißt sie ob ihres stark duftenden würzigen Buketts treffend "Balsamina", in Italien "Neretto", wo sie aber kaum jemand mit Syrah verbindet, weil sie dort mit relativ hohen Erträgen belastet wird, und selbst in Frankreich besitzt sie als "Serine" ein weiteres Synonym.

Wie kaum eine andere rote Rebsorte setzt Syrah die Qualität des Standortes in Aromafülle und Charakter um. Wenn die Erträge zu hoch werden, neigt sie zu primär reduktiven Böcksern, schmeckt verwässert, metallisch und blechern und entwickelt fast schon ordinär simple Aromen. Auch wenn sie zu reif gelesen wird verliert sie an Aroma und Säure. Syrah ist ertragreich und krankheitsresistent, aber sie verrieselt leicht und ihr Holz ist stark windbruchgefährdet, weshalb sie im südlichen Rhônetal, wo der berühmte Wind Mistral regiert, nur an besonders windgeschützten Stellen gedeiht.

Auf kurzen Rebschnitt reagiert Syrah mit niedrigen Erträgen. Nur dann entwickelt sie jene dichte, kompakte Aromatik von sehr spezieller tiefer, dunkler, würziger Komplexität, deren Spektrum in der Jugend von schwarzem Pfeffer über Pferdemist bis zu frischem Fleisch und verbranntem Gummi reicht - je nach Terroir, Boden und Exposition, vor allem aber je nach Reife. Große reife Syrah duftet nobel und balsamisch wie hochkarätiger Saint Emilion. Besonders komplex und anspruchsvoll gelingt Syrah auf Granit (Hermitage und Cote Rotie), aber auch auf Schiefer (Cornas und St. Joseph).

Anders als in der Literatur oft beschrieben, besitzt Syrah, von der es kaum Klonenselektionen gibt, keine ausgeprägt dicke Beerenschale, sondern die mittelgroßen Trauben, die kompakt und deutlich zylindrisch geformt am Stock hängen, enthalten Beeren mit unerwartet feinen Schalen, die aber außergewöhnlich widerstandsfähig sind und eine Pigmentdichte von extremer Gesamtkonzentrationen aufweisen: Bis zu 40 % liegt die Farbpigmentdichte von reifer Syrah über derjenigen der dunklen, farbstarken Carignan! Diese Tatsache prädestiniert Syrah für lange Reifezeit und forcierten Faßausbau. Deshalb bietet Syrah ungewöhnlich sichere Entwicklung und Haltbarkeit. Deshalb ist das stilistische und geschmackliche Spektrum von Syrah/Shiraz je nach Extraktion, Mazeration, Herkunft, Ertrag und Ausbau so vielfältig. Deshalb besitzt Syrah eine so faszinierend hochwertige Qualitäts-, Geschmacks- und Stilbandbreite, die sie zu einer der besten roten Rebsorten überhaupt macht, deren qualitatives Potential aber chronisch ignoriert wird.

 

Senden Sie Ihren Freunden eine Empfehlung zu diesem Produkt per E-Mail.

 

Absender:





Empfänger:





37,99 €
je Flasche à 0.75l / 50,65 €/L
inkl. MwSt. / zzgl. Versand
Frankreich - Nordrhône
rotSyrah
Langsam
6er Karton
Art-Nr. FRH02012
Inhalt 0.75l
Alkohol: 13 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2014+
Restzucker: < 2 g/l
Anbau: Naturnah
Ausbau: gebr. Barrique
Boden: Gneis & Glimmerschiefer
Besonderes: Mit Stiel und Stengel vergoren
Dekantieren: Ja
Vergärung: Wilde Hefe (spontan)
Verschlussart: Naturkork
Haben Sie Fragen?
Jetzt im Weinlexikon stöbern

Auch von diesem Winzer

  1. Côte Rôtie
    2005
    Côte Rôtie
    43,00 €
    0.75l 
  2. Côte Rôtie
    2002
    Côte Rôtie
    29,99 €
    0.75l 
  3. Côte Rôtie 'Lancement'
    2006
    Côte Rôtie 'Lancement'
    149,00 €
    0.75l