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Côte Rôtie 'Réserve du Domaine'
Stéphane Ogier übernahm die kleine elterliche Domaine in Ampuis 1997. Damals war er noch sehr jung, machte sich aber ungewöhnlich zielstrebig und ehrgeizig ans Werk. Vater Michel bewirtschaftete damals knapp 5 Hektar, Sohn Stéphane kann heute schon 8 Hektar sein eigen nennen, was an der Nordrhône eine respektable Größe ist. Er ist einer der wenigen jungen Winzer, der sehr geschickt beim Zukauf neuer Parzellen agiert.
3 Hektar bewirtschaftet Stéphane Ogier heute in der Côte Rôtie. Seine Côte Rôties gehören zu den schönsten ihrer Art, weil der junge Winzer seine Trauben auch in schwierigeren Jahrgängen wie 2008 auf den Punkt reif erntet. Er sucht nach natürlicher Frucht, Würze und Frische in seinen Weinen und sorgt für perfekte Konzentration in seinen Weinen, in denen nie die Extraktion über das Trinkvergnügen dominiert. Im Keller geht er sehr sensibel ans Werk, er mazeriert schonend, wobei er je nach Jahrgang mehr oder weniger auf die Entrappung verzichtet, also oft auf Stiel und Stengel vergärt, was die ätherische Frische seiner Weine erklärt, die er über sensiblen Ausbau im Barrique gekonnt bewahrt. Ein junger Winzer, der das Format eines Großen hat.
Im Jahrgang 2008 präsentiert Stéphane Ogier seinen Côte Rôtie in etwas leichterer Manier. Der Wein begeistert durch expressive Würze in ausgesprochen seidiger, delikater Struktur. Keine Spur von Unreife, sondern edle, pinotartige Textur in perfekt dosierter Reife. Herrlich zu trinken. Große Syrah-Expression in etwas feinerer Struktur als in großen Jahrgängen. Souveränes Winzerhandwerk, das die Jahrgangstabelle überflüssig macht. Feine Säure durchzieht den Wein, einen Hauch mehr als üblich; sie verleiht ihm begeisternde Frische in eindrucksvoll mineralischer Länge am Gaumen. Auf 2008 wird man nicht so lange warten müssen, wie auf 2005, 2006, 2007 oder gar 2009; dieser Wein macht schon Spaß und wird sich über die nächsten zehn Jahre zu einem expressiv duftenden Côte Rôtie entwickeln, der die üblichen Vorverurteilungen über Jahrgänge Lügen straft. Es ist der Winzer, der den Jahrgang beherrscht – oder auch nicht. Bravo, Stéphane!
Domaine Ogier
Michel Ogier bezeichnet sich als Traditionalist. Er hat an der von großen Handelshäusern dominierten Nordrhône mit seiner winzigen Domaine wichtige Akzente gesetzt mit feinen, kompromißlos produzierten Syrahs der Nobelklasse. Seit ein paar Jahren setzt Sohn Stephane, der an der Weinbauschule in Beaune studierte, neue Akzente im Hause Ogier. Wie zu erwarten hat sich der Stil der Weine geringfügig verändert, hin zu etwas mehr Konzentration bei gleichzeitig mehr Frische. Vergoren wird jetzt wieder spontan, der Ausbau erfolgt in neuem Holz. Ogiers füllen relativ früh auf Flasche um Frucht und Säure zu konservieren. Ihre Weine besitzen komplexes aromatisches Spiel, setzen auf Finesse und Transparenz; es sind keine Tanninmonster, keine modischen Weltweine, sondern seidig frische und dennoch muskulöse Syrahs mit reifer Süße im Bukett und satter Tiefe und Struktur. Côte Rotie von Ogier, das ist 100 % Syrah einer Expressivität, wie sie puristischer und feiner kaum sein kann. Er verströmt in der Jugend exotischen Flair, der ob seiner aromatischen Komplexität immer wieder den Widerspruch Unerfahrener auslöst: Rauch, Speck, blutiges Fleisch, Kräuter, Moschus und andere nicht unbedingt mit Wein assoziierte Düfte machen die berühmte Lage ungewohnt expressiv. Ogiers von der „Côte blonde“ stammender Côte Rotie, der auf steilen, schwer zu bearbeitenden Granitterrassen gedeiht, trifft deshalb immer wieder auf Unverständnis. Syrah ist eine grandiose Rebsorte, die an der Nordrhône ihren qualitativen Zenit erreicht. Aber sie braucht Zeit für Entwicklung. Bevor sie sich trinkreif präsentiert, kann sie neutral und stumpf im Bukett wirken, mit animalisch wirkendem Duftspektrum, das Unerfahrene verunsichert, zudem kurz, sauer und bitter auf der Zunge. Das ist normal, gehört zur Entwicklungsphase der Rebsorte und darf nicht verschrecken. Nach vier und mehr Jahren verändert sich das wilde Erscheinungsbild, der Duft wird süß, das animalisch Wilde verschwindet, schwarze Oliven, Rauch, Leder, Exotenhölzer und orientalische Gewürze dominieren zunehmend das Bukett. Im Stadium der Reife verblüfft Syrah von der Nordrhône mit einem Profil, das an reifen Pomerol oder großen Saint Emilion erinnert; kühle Finesse, begeisternde Expressivität, mineralische Frische mit dichtem Druck am Gaumen, so entwickelt sich eine große Syrah über zehn und mehr Jahre, abhängig von Lage und Jahrgang. Übrigens gehört der Weinbau an der Côte Rotie zu den ältesten Europas: Auf den steilen Terrassen hoch über der Rhône bauten schon die Römer Wein an.
Die Rebe
Syrah
Syrah und Shiraz. Faszinierende Vielfalt, enormes Potential, verkannte Rebsorte. Die Geschichten (und Märchen) über den Ursprung dieser inzwischen weltweit populären Rebsorte nennen Shiraz im alten Persien und Syrakus in Sizilien gleichermaßen als historischen Ursprung. Bis heute ist ungeklärt, woher die Syrah-Traube wirklich stammt. In Argentinien heißt sie ob ihres stark duftenden würzigen Buketts treffend "Balsamina", in Italien "Neretto", wo sie aber kaum jemand mit Syrah verbindet, weil sie dort mit relativ hohen Erträgen belastet wird, und selbst in Frankreich besitzt sie als "Serine" ein weiteres Synonym.
Wie kaum eine andere rote Rebsorte setzt Syrah die Qualität des Standortes in Aromafülle und Charakter um. Wenn die Erträge zu hoch werden, neigt sie zu primär reduktiven Böcksern, schmeckt verwässert, metallisch und blechern und entwickelt fast schon ordinär simple Aromen. Auch wenn sie zu reif gelesen wird verliert sie an Aroma und Säure. Syrah ist ertragreich und krankheitsresistent, aber sie verrieselt leicht und ihr Holz ist stark windbruchgefährdet, weshalb sie im südlichen Rhônetal, wo der berühmte Wind Mistral regiert, nur an besonders windgeschützten Stellen gedeiht.
Auf kurzen Rebschnitt reagiert Syrah mit niedrigen Erträgen. Nur dann entwickelt sie jene dichte, kompakte Aromatik von sehr spezieller tiefer, dunkler, würziger Komplexität, deren Spektrum in der Jugend von schwarzem Pfeffer über Pferdemist bis zu frischem Fleisch und verbranntem Gummi reicht - je nach Terroir, Boden und Exposition, vor allem aber je nach Reife. Große reife Syrah duftet nobel und balsamisch wie hochkarätiger Saint Emilion. Besonders komplex und anspruchsvoll gelingt Syrah auf Granit (Hermitage und Cote Rotie), aber auch auf Schiefer (Cornas und St. Joseph).
Anders als in der Literatur oft beschrieben, besitzt Syrah, von der es kaum Klonenselektionen gibt, keine ausgeprägt dicke Beerenschale, sondern die mittelgroßen Trauben, die kompakt und deutlich zylindrisch geformt am Stock hängen, enthalten Beeren mit unerwartet feinen Schalen, die aber außergewöhnlich widerstandsfähig sind und eine Pigmentdichte von extremer Gesamtkonzentrationen aufweisen: Bis zu 40 % liegt die Farbpigmentdichte von reifer Syrah über derjenigen der dunklen, farbstarken Carignan! Diese Tatsache prädestiniert Syrah für lange Reifezeit und forcierten Faßausbau. Deshalb bietet Syrah ungewöhnlich sichere Entwicklung und Haltbarkeit. Deshalb ist das stilistische und geschmackliche Spektrum von Syrah/Shiraz je nach Extraktion, Mazeration, Herkunft, Ertrag und Ausbau so vielfältig. Deshalb besitzt Syrah eine so faszinierend hochwertige Qualitäts-, Geschmacks- und Stilbandbreite, die sie zu einer der besten roten Rebsorten überhaupt macht, deren qualitatives Potential aber chronisch ignoriert wird.
![]() | Frankreich - Nordrhône |
![]() | Syrah |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FRH08005 | |
| Inhalt 0.75l |

















