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Madiran L´Instant
Madiran hat es schwer in diesen Tagen. Während es bei den einen Winzern zu wenig Wein gibt, fühlen sich die Winzer in Madiran vom Weinhandel im Stich gelassen. Ihre Keller sind voll und sie suchen verzweifelt Kunden. Doch wer will schon harte raue Burschen trinken, die man erst mal ein paar Jahre weglegen muß, bevor man sie genießen kann, wo es doch so schöne softe weichgespülte Kommerztropfen gibt. Der französische Südwesten leidet wie kaum eine andere Region Frankreichs unter dem Trend zum Kommerz im Rotwein, der alles, was nach Gerbstoffen schmeckt, weichspült und glattbügelt. Dieser Trend ist so druckvoll, daß nun auch in der wilden Region im Hinterland von Pau und Tarbes in den Kellern manipuliert wird, um den einst kraftvoll gerbstoffbeladenen Charakterweinen aus den regionalen dickschaligen Rebsorten Tannat und Cabernet modisch sanftes Korsett zu vermitteln. Da wird mit Chips, Mostoxidation und anderen Tricks moderner Önologie daran gearbeitet, die einst hochgeschätzten raubeinigen Rotweine populistisch weich zu machen und so an den Mann/die Frau zu kriegen.
Guy Capmartin verweigert sich dem Trend zum schnellen Pseudogenuß. Seine Weine sind im besten Sinne traditionelle Madirans. Doch auch er muß überleben. Deswegen ließ er seine Einstiegs-Cuvée ‚Tradition’ aus dem großen Jahrgang 2009 nur kurz auf der Maische mazerieren, um deren normalerweise deftige Gerbstoffladungen wenigstens in seinem Einstiegswein in marktkompatiblere Bahnen zu lenken. Das gelang dem sensiblen Meisterwinzer perfekt. Charmant präsentiert er seinen einfachsten Wein im Keller als echten, unkastrierten Madiran, dessen Kraft wohltuend gezähmt wirkt in fruchtbeladenen Gerbstoffen, die präsent sind, den Trinkfluß aber nicht stören. Ein richtig schöner, noch etwas junger Rotwein mit Charakter, der in wenigen Monaten anspruchsvollen Genuß verspricht.
Guy Capmartin klagt wie alle Winzer in Madiran. Die Region steht kurz vor dem finanziellen Kollaps und braucht Umsätze, Absatz, neue Kunden. Madiran ist nach langer Boomphase plötzlich nicht mehr gefragt. Madiran wird aus der Rebsorte Tannat gekeltert, einer alten, autochthonen roten Rebsorte, die ursprünglich aus dem Baskenland stammt. Tannat stellt aber, an „modernen“ Zeitansprüchen gemessen, einen altmodischen Wein dar, der langen Atem hat und langen Atem braucht. So brauchte bisher selbst ein einfacher Madiran wie Guy Capmartins mustergültig preiswerter Basiswein Jahre auf der Flasche, bis seine Gerbstoffe abgeschmolzen waren und man ihn mit Genuß trinken konnte.
Wird jetzt alles anders in Madiran? Guy Capmartins Jahrgang 2009 präsentiert sich schon heute ungewöhnlich geschmeidig und angenehm auf der Zunge, so daß kaum der Wunsch aufkommt, ihn noch lange einzulagern. Er präsentiert sich offen, duftig und zugänglich, hat natürlich noch Ecken und Kanten, die ihn aber um so lebendiger machen, ihm Präsenz verleihen und Charakter, und ihn als herzhaft deftigen Regionalwein prägen, der Charakter und Eigenart wagt. Dieser charmante Madiran schmeckt schon im Hier und Jetzt als bemerkenswert hochwertige und unschlagbar preiswerte Bordeauxalternative, die ab Herbst 2011 Trinkreife beweisen dürfte. Ganz ehrlich: Wo gibt es mehr seriösen Rotwein für´s Geld als hier? Sollte er Ihnen doch noch etwas zu deftig sein, verzweifeln Sie nicht, die kalten Nächte des nächsten Winters kommen bestimmt.
Domaine Guy Capmartin
Der französische Südwesten ist eine Fundgrube für altmodisch spröde Rotweine, die aus dickschaligen, unbequem gerbstoffhaltigen Rebsorten gekeltert werden. Bekannt ist hierzulande die Appellation Madiran.
Madiran ist eine bäuerliche Weinbauregion, die ganz im Zeichen der Rebsorte Tannat steht, einer alten autochthonen Rebsorte, die schwierig zu verarbeiten ist und als unzeitgemäß gilt, weil die aus ihr gekelterten Weine stets Jahre brauchen, bis man sie trinken kann. Madirans sind Weine, die Gerbstoffe wagen. Es sind keine weichen, milden Schlabberweine, sondern kraftvoll gepackte, echte Rotweine mit Ecken und Kanten, auf die man warten können muß.
Guy Capmartin war in den 1980er Jahren einer der ersten in Madiran, der Wein auf Flasche füllte, um ihn ab Hof zu verkaufen. Als Mitte der achtziger Jahre die Renaissance des Madiran begann, wollte auch er die Qualität seiner Weine verbessern, doch seine Familie, der das Weingut gehörte, war dagegen. So trennten sich die Wege. 1987 kaufte sich der engagierte Winzer die ersten eigenen Hektar Rebfläche, er gehört heute mit rund 16 ha zu den kleineren Produzenten der Appellation, freilich auch zu den besten.
Legendär ist Capmartins tiefschwarze, konzentrierte Cuvée du Couvent, ein reinsortiger Tannat. Der braucht Zeit und Geduld, um seine natürliche, massive Gerbstoffpräsenz abzuschmelzen. Doch nach fünf oder sechs Jahren entwickelt er sich zu geradezu spielerischer Finesse, verströmt kühle, frische Kraft und gleicht dann eher einem altmodischen Bordeaux als einem rustikalen Madiran. Seit ein paar Jahren produziert Guy Capmartin eine rare Reserve, ‚L´Esprit de Couvent’, ebenfalls reinsortig Tannat, die beweist, zu welchem Niveau authentischer Madiran fähig ist. Es ist der einzige Madiran den wir kennen, der süße, balsamische Komponenten besitzt und raffinierten Schmelz im Mund offenbart; trotz kapitaler Tanningegenwart wirkt er mild und sämig, fast seidig; ein eindrucksvoller, monolithischer Madiran, unverfälscht, urwüchsig und wild, aber sehr gekonnt und sensibel gezähmt. Guy Capmartin hätte als Winzer mehr Aufmerksamkeit verdient. Seine Weine gehören zur absoluten Spitze in Madiran. Selbst sein einfacher Madiran ‚Tradition’, der außer Tannat noch Cabernet Sauvignon enthält, gehört zu den besten Exemplaren der kleinen Appellation und liefert verdammt viel Rotwein zum mehr als fairen Preis. Während viele Winzer ihre Preisgestaltung nach dem Ego richten, hält sich Guy Capmartin bescheiden zurück. Man sollte es ihm danken.
Die Rebe
Tannat
Tannat ist eine vermutlich uralte autochthone rote Rebsorte aus Irouleguy im Baskenland, die dort noch heute auf kilometerlangen Terrassen angebaut wird. Ihre heutige Bekanntheit verdankt sie aber dem benachbarten Madiran, das sich anschickt, zu einer originellen und preiswerten Alternative zu Bordeaux zu werden.
Es waren baskische Auswanderer, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Tannat zusammen mit anderen baskischen Rebsorten nach Uruguay brachten, wo er, anders als im Madiran oder im Baskenland, einen eher fruchtbetonten elegant würzigen Typ von Wein hervorbringt, der früher trinkreif ist und sich charmanter präsentiert, als sein südwestfranzösisches Pendant. Von dort kehrte der Ruf der Rebsorte nach Europa zurück und heute bemüht man sich im französischen Südwesten um konkurrenzfähige Tannat-Weine, die nicht mehr ganz so hart und abweisend sind, wie sie es noch vor wenigen Jahren waren. Tannat lieferte bis dahin altmodischen Wein. Trotz Ausbaus in Barrique brauchte selbst ein durchschnittlicher Tannat aus Madiran oder Irouleguy stets sechs bis acht Jahre Geduld im Keller, Spitzencuvées aus reinsortigem Tannat auch länger. In seiner Jugend gebärdete sich so ein Wein ungestüm und introvertiert zugleich, strotzte vor harten, kantigen Gerbstoffen, vermied jeden Hauch von Frucht oder Charme und verstörte so viele unerfahrene Rotweintrinker mit seinem abweisend spröden Charakter.
Es hat Jahre an Experimenten (und unzufriedenen Weintrinkern) bedurft, bis die Winzer des französischen Südwestens die störrisch altmodische Rebsorte so weit verstanden hatten, daß sie in der Lage waren, sie zu zähmen und reinsortig auf Flaschen zu füllen, ohne daß man ihren Wein anschließend für die Enkel weglegen mußte. Die extrem dickschalige Beere braucht während der Weinbereitung besonders viel Sauerstoff zur Polymerisation der übermäßig vorhandenen Phenole, den man nun gezielt mittels kleiner Kanülen in den Most pumpt. Heute machen das Computer und das Verfahren hat sich weltweit durchgesetzt in der Weinbereitung besonders dickschaliger roter Rebsorten. Entwickelt wurde das Verfahren, das sich Mikrooxidation nennt, in Madiran. Heute wird nahezu jeder Madiran damit zu wenigstes etwas früherer Zugänglichkeit gebracht und auch in Bordeaux arbeiten renommierte Weingüter damit. In Übersee hat sich das Verfahren für die Produktion früh trinkreifer Alltagsweinen längst durchgesetzt.
Selbst die Mikrooxidation und verfeinerte Maischeverfahren können aber nicht verhindern, daß ein konzentrierter, hochwertiger Spitzen-Tannat erst nach acht und mehr Jahren wirklich trinkreif ist. Doch keine Angst: Tannat reift sehr gleichmäßig und verändert sich dabei von einem monumental wirkenden Tanninmonster zu einem hochfeinen, noch immer gerbstoffgeprägten, aber elegant abschmelzenden Rotwein, der an etwas altmodischen, reifen Bordeaux einer Epoche erinnert, in der Bordeaux noch Ecken und Kanten haben durfte und nicht so weichgespült ins Glas kam, wie das heute offensichtlich sein muß. Gute Tannats lohnen also nicht nur die Mühe der Suche, sie belohnen auch die anschließende Phase der Geduld mit spannend individuellem Wein-Vergnügen, das vom Aussterben bedroht ist.
![]() | Frankreich - Madiran |
![]() | Tannat |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FSW09301 | |
| Inhalt 0.75l |
















