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Madiran 'Cuvée du Couvent'
Guy Capmartins „Cuvée du Couvent“ besteht zu 100 % aus der lokalen autochthonen Rebsorte Tannat.
Die gibt sich in ihrer Jugend ungestüm und introvertiert zugleich, ist aber sehr anspruchsvoll. Deshalb wurde "Tannat" inzwischen weitgehend verdrängt von Cabernet Sauvignon und Franc, die im Madiran, dem Béarn und den Côtes de Saint-Mont bei gleich hohen Erträgen, im weiten Feld vinologischer Mittelmäßigkeit, besser abschneiden, weil sie populistischeren Weingenuß liefern.
Tannat, reich an ungehobelter Substanz durch kleinbeerige Trauben, die reich an Extrakt, Farbe und Gerbstoffen sind, braucht kleine Erträge und vor allem eines: langen Ausbau in Holzfässern mit gezielter Oxidation der massiv vorhandenen Gerbstoffe. Es hat Jahre an Experimenten und unzufriedenen Weintrinkern bedurft, bis die Tannat-Traube so weit zivilisiert war, daß man sie reinsortig auf Flaschen füllen konnte, um sie mit entsprechender Geduld irgendwann genießen zu können. Die dickschalige Beere ist extrem anfällig für einen den Wein auf der Flasche zerstörenden Hefepilz, "Brettanomyces" genannt. Zahlreiche ältere Jahrgänge an Madirans selbst renommiertester Produzenten wie Patrick Ducournaus "Chapelle Lenclos" oder Alain Brumonts "Chateau Montus" wurden bis Mitte der neunziger Jahre Opfer dieses den Wein auf dramatische Art und Weise auszehrenden, von winzigen Zuckerresten und Stärke lebenden Pilzes, der auf diese Weise weltweite Berühmtheit erlangte und den man inzwischen zu beherrschen versteht – Madiran sei Dank! Die konzentriertesten und besten Madirans sind erst nach zehn und mehr Jahren langsam trinkreif, liefern aber im Stadium der Reife Trinkgenuß von der Güte eines großen Bordeaux. Es sind monumentale Weine, die Geduld fordern und beste Arbeit im Keller. Aber – es gibt nicht viele wirklich gute und lohnende Madirans oder andere Weine auf Tannat-Basis wie z. B. "Irouleguys". Die wenigen guten Weine von einer guten handvoll Spitzenwinzern aber lohnen die Mühe der Suche und die anschließende Geduld und machen diese Weine zu einem spannenden und großen indivdiuellen Vergnügen für die Sinne. An harmlosen Weinchen, getrimmt auf frühen "Genuss", mangelt es heute nicht. An Weinoriginalen, die mit Ecken und Kanten den wahren Kenner fordern, herrscht zunehmender Mangel. Tannat, wenn sorgfältig bereitet wie in diesem sehr speziellen Spitzenmadiran, kann Basis sein für hochoriginellen Rotweingenuß, wie er heute fast schon vom Aussterben bedroht ist. Capmartin ist eine außergewöhnliche kleine Familiendomaine, deren Spitzencuvée so subtil und sensibel verarbeitet ist, dass sie heute bereits trinkbar ist, obwohl sie sicher erst in vier bis fünf Jahren Hochform zeigt.
Domaine Guy Capmartin
Der französische Südwesten ist eine Fundgrube für altmodisch spröde Rotweine, die aus dickschaligen, unbequem gerbstoffhaltigen Rebsorten gekeltert werden. Bekannt ist hierzulande die Appellation Madiran.
Madiran ist eine bäuerliche Weinbauregion, die ganz im Zeichen der Rebsorte Tannat steht, einer alten autochthonen Rebsorte, die schwierig zu verarbeiten ist und als unzeitgemäß gilt, weil die aus ihr gekelterten Weine stets Jahre brauchen, bis man sie trinken kann. Madirans sind Weine, die Gerbstoffe wagen. Es sind keine weichen, milden Schlabberweine, sondern kraftvoll gepackte, echte Rotweine mit Ecken und Kanten, auf die man warten können muß.
Guy Capmartin war in den 1980er Jahren einer der ersten in Madiran, der Wein auf Flasche füllte, um ihn ab Hof zu verkaufen. Als Mitte der achtziger Jahre die Renaissance des Madiran begann, wollte auch er die Qualität seiner Weine verbessern, doch seine Familie, der das Weingut gehörte, war dagegen. So trennten sich die Wege. 1987 kaufte sich der engagierte Winzer die ersten eigenen Hektar Rebfläche, er gehört heute mit rund 16 ha zu den kleineren Produzenten der Appellation, freilich auch zu den besten.
Legendär ist Capmartins tiefschwarze, konzentrierte Cuvée du Couvent, ein reinsortiger Tannat. Der braucht Zeit und Geduld, um seine natürliche, massive Gerbstoffpräsenz abzuschmelzen. Doch nach fünf oder sechs Jahren entwickelt er sich zu geradezu spielerischer Finesse, verströmt kühle, frische Kraft und gleicht dann eher einem altmodischen Bordeaux als einem rustikalen Madiran. Seit ein paar Jahren produziert Guy Capmartin eine rare Reserve, ‚L´Esprit de Couvent’, ebenfalls reinsortig Tannat, die beweist, zu welchem Niveau authentischer Madiran fähig ist. Es ist der einzige Madiran den wir kennen, der süße, balsamische Komponenten besitzt und raffinierten Schmelz im Mund offenbart; trotz kapitaler Tanningegenwart wirkt er mild und sämig, fast seidig; ein eindrucksvoller, monolithischer Madiran, unverfälscht, urwüchsig und wild, aber sehr gekonnt und sensibel gezähmt. Guy Capmartin hätte als Winzer mehr Aufmerksamkeit verdient. Seine Weine gehören zur absoluten Spitze in Madiran. Selbst sein einfacher Madiran ‚Tradition’, der außer Tannat noch Cabernet Sauvignon enthält, gehört zu den besten Exemplaren der kleinen Appellation und liefert verdammt viel Rotwein zum mehr als fairen Preis. Während viele Winzer ihre Preisgestaltung nach dem Ego richten, hält sich Guy Capmartin bescheiden zurück. Man sollte es ihm danken.
Die Rebe
Tannat
Tannat ist eine vermutlich uralte autochthone rote Rebsorte aus Irouleguy im Baskenland, die dort noch heute auf kilometerlangen Terrassen angebaut wird. Ihre heutige Bekanntheit verdankt sie aber dem benachbarten Madiran, das sich anschickt, zu einer originellen und preiswerten Alternative zu Bordeaux zu werden.
Es waren baskische Auswanderer, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Tannat zusammen mit anderen baskischen Rebsorten nach Uruguay brachten, wo er, anders als im Madiran oder im Baskenland, einen eher fruchtbetonten elegant würzigen Typ von Wein hervorbringt, der früher trinkreif ist und sich charmanter präsentiert, als sein südwestfranzösisches Pendant. Von dort kehrte der Ruf der Rebsorte nach Europa zurück und heute bemüht man sich im französischen Südwesten um konkurrenzfähige Tannat-Weine, die nicht mehr ganz so hart und abweisend sind, wie sie es noch vor wenigen Jahren waren. Tannat lieferte bis dahin altmodischen Wein. Trotz Ausbaus in Barrique brauchte selbst ein durchschnittlicher Tannat aus Madiran oder Irouleguy stets sechs bis acht Jahre Geduld im Keller, Spitzencuvées aus reinsortigem Tannat auch länger. In seiner Jugend gebärdete sich so ein Wein ungestüm und introvertiert zugleich, strotzte vor harten, kantigen Gerbstoffen, vermied jeden Hauch von Frucht oder Charme und verstörte so viele unerfahrene Rotweintrinker mit seinem abweisend spröden Charakter.
Es hat Jahre an Experimenten (und unzufriedenen Weintrinkern) bedurft, bis die Winzer des französischen Südwestens die störrisch altmodische Rebsorte so weit verstanden hatten, daß sie in der Lage waren, sie zu zähmen und reinsortig auf Flaschen zu füllen, ohne daß man ihren Wein anschließend für die Enkel weglegen mußte. Die extrem dickschalige Beere braucht während der Weinbereitung besonders viel Sauerstoff zur Polymerisation der übermäßig vorhandenen Phenole, den man nun gezielt mittels kleiner Kanülen in den Most pumpt. Heute machen das Computer und das Verfahren hat sich weltweit durchgesetzt in der Weinbereitung besonders dickschaliger roter Rebsorten. Entwickelt wurde das Verfahren, das sich Mikrooxidation nennt, in Madiran. Heute wird nahezu jeder Madiran damit zu wenigstes etwas früherer Zugänglichkeit gebracht und auch in Bordeaux arbeiten renommierte Weingüter damit. In Übersee hat sich das Verfahren für die Produktion früh trinkreifer Alltagsweinen längst durchgesetzt.
Selbst die Mikrooxidation und verfeinerte Maischeverfahren können aber nicht verhindern, daß ein konzentrierter, hochwertiger Spitzen-Tannat erst nach acht und mehr Jahren wirklich trinkreif ist. Doch keine Angst: Tannat reift sehr gleichmäßig und verändert sich dabei von einem monumental wirkenden Tanninmonster zu einem hochfeinen, noch immer gerbstoffgeprägten, aber elegant abschmelzenden Rotwein, der an etwas altmodischen, reifen Bordeaux einer Epoche erinnert, in der Bordeaux noch Ecken und Kanten haben durfte und nicht so weichgespült ins Glas kam, wie das heute offensichtlich sein muß. Gute Tannats lohnen also nicht nur die Mühe der Suche, sie belohnen auch die anschließende Phase der Geduld mit spannend individuellem Wein-Vergnügen, das vom Aussterben bedroht ist.
![]() | Frankreich - Madiran |
![]() | Tannat |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FSW09300 | |
| Inhalt 0.75l |















