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Touraine rouge 'Les Demoiselles'
Les Demoiselles ist Barbous Flaggschiff in rot. Als simpler Touraine steht er für den spröden Reiz roter Loireweine, der den französischen 'gout nationale' exemplarisch repräsentiert. Unserem deutschen genetischen Wein-Code entspricht Rotwein von der Loire eher selten. Man muß sie schon mögen, die gerbstoffbetonten, dezent trocken wirkenden Rotweine der Loire, die erst nach 2-3 Jahren ihre spröde Schale ablegen, um dann allerdings verblüffende Finesse und Trinkfreude an den Tag zu legen, die man ihnen in der Jugend nicht zugetraut hat.
Die traditionelle Rebsortenzusammensetzung aus 30 % Malbec, hier Cot genannt, 30 % Cabernet Franc und 40 % Pinot Noir mutet ob der merkwürdigen Paarung von dickschaligen mit dünnschaliger Rebsorte fremd und ungewöhnlich an. Doch an der Loire funktioniert sie in einem frischen, saftigen, noch etwas spröde wirkenden Rotwein von rauchigem Schmelz, dessen dunkle Farbe und kernige Gerbstoffe so dunkel schmecken wie der Wein farblich im Glas steht.
2009 war ein warmer, fülligerer Jahrgang an der Loire, der bei den Rotweinen besonders tiefgründige Duftigkeit und Aromaintensität offenbart. Die sandigen Böden der Region enthalten Feuerstein und Quartz und sorgen für rauchige Mineralität und kühle Frische auf der Zunge, wie man sie in dieser Preisklasse nicht gewohnt ist. Der gemeine Weintrinker kennt in dieser Preisklasse keine Tannine im Wein; sie sind unter 10.- Euro meist so unecht, wie die Farbe manipuliert ist. Nicht so an der Loire. Der Franzose hat Geduld mit seinen Weinen. Er legt auch einen Rotwein unter 8.- Euro mal ein oder zwei Jahre weg, um sich später an seiner Reife, seiner Finesse und seinem Spiel zu erfreuen.
Frankreich bietet die charaktervollsten Weine fürs Geld. Wer gerne täglich seinen Rotwein trinkt und dabei keine Kompromisse in Sachen handwerklichen Charakters eingehen möchte, der dürfe kaum günstigeren und wertigeren Wein finden als hier. Französischer Wein, für manchen ein Mysterium, ist stets für Überraschungen gut. Vor allem an der Loire und mit ein bißchen Geduld.
Domaine des Corbillières
Die Domaine des Corbillières aus Oisy an der Loire gehört zu den herausragenden Produzenten am längsten Fluß Frankreichs. Ihre Qualität sieht man den Flaschen von außen allerdings nicht an, denn ihre Ausstattung ist typisch französisch, hat also mit modernem Flaschendesign nichts im Sinn. Verständlich aus Sicht der Domaine, denn die Loire ist die einzige französische Weinbauregion, die sehr viel weniger exportiert als sie im eigenen Land verkauft. Ganz Paris trinkt Wein von der Loire. Deshalb scheint man schickes, zeitgemäßes Etikettendesign nicht nötig zu haben, denn die Weine der Domaine des Corbillières gehen auch so weg wie warme Semmeln, stehen sie doch auf den Weinkarten zahlreicher Restaurants in Frankreichs größter Stadt. Sie werden auch ohne nette Etiketten gekauft, weil sie durch die Qualität ihres Inhalts überzeugen. Das scheint in Frankreich, anders als bei uns, noch immer wichtiger zu sein als schrilles Marketing.
Veronique und Dominque Barbou produzieren einige der zuverlässigsten und erstaunlichsten Weinwerte, die wir weltweit in dieser Preisklasse kennen. Ihr Sauvignon Blanc ist nicht umsonst Legende, nimmt er es doch in Saft und Kraft mit vielen weit teureren Sancerres und internationalen Sauvignons mühelos auf. Die Touraine ist ein weitläufiges Weinbaugebiet, das die Regale europäischer Supermärkte mit billigen, anonymen Weiß- und Rotweinen füllt. Trotz ähnlicher Preise spielen Barbous Weine aber in ganz anderer Liga. Man staunt schon beim ersten Schluck, wie es möglich ist, so attraktive Weine zu so günstigem Preis zu produzieren. An der Loire geht das. Sie ist eine wahre Fundgrube schier unglaublich preiswerter Weine. Allerdings muß man Abstriche an Design und Austattung machen und man muß etwas für sie tun im Verkauf, denn von alleine verkaufen sich Loireweine hierzulande nicht.
Familie Barbou arbeitet seit Jahrzehnten ohne synthetische Dünge- oder Spritzmittel, hat sich bislang aber nicht biologisch zertifizieren lassen. Sie gehört zu den wenigen Produzenten der Tourraine, die es wagen, ihre Weiß- wie Rotweine spontan mittels wilder Umgebungshefen zu vergären. Sie bewirken den so angenehm seidigen und weinigen Geschmack dieser Weine, dem die kalte Bitterkeit jener technisch modernen Weinbereitung abgeht, die an der Loire in dieser Preisklasse ansonsten üblich ist. Ein Glücksfall also, die Domaine de Corbillières. Mehr Sorgfalt in Weinberg und Keller, mehr Wein zu diesem Preis, ist kaum irgendwo sonst ähnlich überzeugend zu finden.
Die Rebe
Cuvée rot
Cuvée ist ein Begriff, der immer wieder zu Irritationen Anlaß gibt. Tatsächlich ist die Bedeutung des Wortes je nach Zusammenhang unterschiedlich.
In Deutschland bezeichnet man mit Cuvée den Verschnitt, also das gemeinsame Keltern oder auch Vergären verschiedener Rebsorten in einem Gärbehälter. Aber auch der spätere Verschnitt verschiedener Weinpartien unterschiedlicher Rebsorten oder auch Lagen wird Cuvée genannt. Man cuviert einen Wein aus verschiedenen Partien im Keller. Cuvée bezeichnet hierzulande also einen Wein, der aus verschiedenen Rebsorten oder Weinbergslagen miteinander verschnitten wurde.
Die Franzosen benutzen dafür ein anderes, für sie eindeutiges Wort: Assemblage.
Wenn der Franzose von einer Cuvée spricht, meint er damit jeden separat abgefüllten Wein, jede einzelne Partie im Keller eines Weingutes. Das Wort Cuvée stammt aus dem französischen und bezeichnet den Inhalt eines Gärbehälters, der im französischen Cuve heißt. Im französischen kann eine Cuvée also ein Verschnitt mehrerer Rebsorten aber auch ein Wein einer einzelnen, ganz bestimmten Lage sein.
Häufig begegnet man auf Etiketten Begriffen wie Tête de Cuvée oder Cuvée Prestige; damit bezeichnen die Franzosen ihre besten Weine im Keller, ihre Spitzencuvées, ihre besten Partien, egal ob sie reinsortig sind oder verschnitten wurden. Um es kompliziert zu machen bezeichnet man in der Champagne den aus der Kelter laufenden Vorlaufmost, der die höchste Qualität liefert, ebenfalls als Cuvée, nennt dort aber zugleich verschiedene Abfüllungen Cuvée, weil die großen Markenchampagner kunstvoll aus bis zu 100 verschiedenen Einzelpartien miteinander verschnitten werden, um so das erwartete Geschmacksbild garantieren zu können.
Eine Cuvée, also das gezielte Verschneiden von Weinen, soll und kann die Qualität des fertigen Weines verbessern. In Châteauneuf du Pape z. B. verschneidet man bis zu 13 Rebsorten miteinander, wobei auch weiße Sorten im roten Châteauneuf zugelassen sind. Das macht man, um durch körperreiche, farbintensive, gerbstoffbetonte Rebsorten die oxidationsempfindlichen, leichteren, aromatisch duftigeren und eleganteren Rebsorten vor Oxidation zu schützen und eine längere positive Entwicklung gewährleisten zu können. Auf diese Weise verschneidet man z. B. ‚kühle’ Rebsorten (wie Syrah) mit ‚warmen’ (wie Grenache), empfindliche mit unempfindlichen, reduktive mit oxidativen etc. etc.
Das geschieht stets nach peniblen Vorverkostungen in mehr oder weniger aufwendigen Probenreihen. Tatsächlich kann eine gekonnt zusammengestellte Cuvée besser schmecken als die einzelne Rebsorte für sich, weil sich Frucht, Gerbstoffgehalt und Alkohol zum harmonischen Ganzen vereinen. Praktisch jeder Bordeaux, viele Chiantis, nahezu jeder Rotwein aus der Rioja oder dem portugiesischen Dourotal, dem Veneto, der Provence, dem Languedoc oder dem südlichen Rhônetal besteht aus zwei bis fünf, manchmal auch mehr Rebsorten, die auf dem Etikett nicht ausgewiesen werden.
Das deklarieren auch wir als Cuvée, egal ob weiß oder rot, geben dann aber immer die wesentlichen Rebsorten an. Alles klar?
![]() | Frankreich - Loire |
![]() | Cuvée rot |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FLR09050 | |
| Inhalt 0.75l |















