You're currently on:
Bourgueil 'Venus'
Die Loire und ihre Rotweine. Völlig unverständlich, daß die faszinierend individuellen Rotweine der Loire hierzulande als kaum verkäuflich gelten. Hat Cabernet Franc vielleicht zu viel Charakter für den deutschen Geschmack? Wir wollen uns dem Vorurteil gegenüber der Rebsorte jedenfalls nicht unterwerfen.
2010 war ein exquisiter Jahrgang an der Loire. Seine Weine präsentieren sich kühl und frisch, stoffig in den Gerbstoffen, ohne Alkoholüberhang, fein und süffig und extrem entwicklungsfähig. Ein Jahrgang wie gemacht für die Weine der Loire.
Eine Entdeckung ist die Domaine de Chevalerie. Dort haben Bruder Emmanuel und Schwester Stephanie Caslot in den letzten Jahren das Ruder übernommen, Vater Pierre Caslot paßt nur noch auf, daß nichts in die Hosen geht. Die Jugend regiert hier also und das tut der altehrwürdigen Familien-Domaine, einer der ältesten in Bourgueil, richtig gut. Die Weine waren noch nie so gut wie heute, weshalb wir uns hier verstärkt engagieren werden.
Bourgueil ist eine Kleinstadt westlich von Tours an der Loire. Die rund 1400 Hektar Rebfläche der gleichnamigen Appellation sind fast ausnahmslos mit Cabernet Franc bestockt. Bourgueils können ziemlich gerbstoffhaltige Weine sein, die lange reifen müssen, wenn sie von Hanglagen auf Tuffsteinböden stammen. Wenn sie von den Sand- und Kiesböden der Appellation kommen, liefern sie dagegen früh trinkbare fruchtige Weine ganz eigenen Charmes.
Familie Caslots Bourgueil ‚Venus’ (Name und Etikett wechseln jährlich) ist ein Musterexemplar eines charmanten Bourgueils. Ein Rotwein, wie ihn nur die Gallier produzieren. Jedes Jahr schmückt ihn ein anderes originelles Etikett, wobei sich der Jahrgang jeweils auf einem Korken versteckt. Ein köstlich süffiger und charaktervoller Rotwein für jeden Tag, der Charakter wagt und mutig eigenständig, süffig, fröhlich und unbeschwert in der Reife präzise auf Kante genäht daherkommt. Die junge Stephanie Caslot, für den Keller verantwortlich, präsentiert ihren einfachsten Wein als Inkarnation französischen Rotweinideals: Cabernet Franc, wie er im Buche steht; kühl und frisch im Charakter, schlank und knochentrocken im Mundgefühl, charmant und ungemein süffig im Trunk, würzig und mild in sanfter Gerbstoffstruktur und stilistisch so richtig schön altmodisch. Keine populistische Süße auf der Zunge, keine weichgespülte Pseudo-Fülle, kein aufgesetztes Fruchtaroma, sondern etwas altmodisch angestaubte, simpel noble Eleganz, die zu diesem Preis enorm viel Anspruch im Glas realisiert.
Wie auf der Domaine de la Chevalerie üblich, wurden auch die Trauben für ihre einfache Cuvée von Hand geerntet und vollständig abgebeert, der Most spontan vergoren und dann in gebrauchten Holzfässern auf der Vollhefe gereift. Besser geht es kaum, liefert Familie Caslots süffiger Bourgueil aus zertifiziertem Bioanbau doch überzeugend anspruchsvollen Weingenuß. Spannend und lecker, ausgestattet mit entwaffnend ehrlichem Regionalcharakter, bietet eine der typischsten Regionen französischen Nationalgeschmacks verdammt viel authentisches Weinerleben fürs Geld: Die Loire.
Domaine de la Chevalerie
Eine wahre Fundgrube für erstklassige und originelle Weine zu oft unglaublich fairen Preisen ist die Loire, Sie ist unter allen Regionen Frankreichs diejenige mit dem geringsten Exportanteil, weil ihre Weine vor allem vor Ort und in und um Paris verdunsten. Ihre Rotweine aus Gamay und Cabernet Franc entsprechen dem französischen Nationalgeschmack, dem von Importweinen aus aller Welt geprägten Geschmacksideal des bundesdeutschen Durchschnittsweintrinkers allerdings liegen sie kaum.
Wir sitzen in einer Weinbar in Angers und genießen einen köstlichen Bourgueil. Cabernet Franc, leicht, frisch, reif und unheimlich süffig, angenehm fruchtig, kaum präsente Gerbstoffe und doch so saftig und geschmeidig, daß wir den Namen der Domaine notieren und uns sofort auf den Weg machen.
Wir treffen auf einen Betrieb zwischen Facebook und Tradition. 400 Jahre alt ist der Familienbetrieb von Familie Caslot. Vater Pierre kümmert sich um die zertifiziert biologisch und biodynamisch bewirtschafteten knapp 40 Hektar Rebfläche, Tochter Stéphanie und Sohn Emmanuel, beide noch recht jung, sind für Organisation und Vertrieb zuständig, der unter anderem über eine eigene Facebookseite läuft. Wir verstehen uns sofort, bekommen eine ausführliche Führung durch Weinberge und Betrieb und sind Feuer und Flamme. Im in den Tuffstein geschlagenen unterirdischen Felsenkeller aus dem 14. Jahrhundert liegen die Holzfässer, in denen die Weine der Familie reifen. Sie stehen für einen Spitzenbetrieb, der sich kaum um Export bemüht hat, weil er in der Region derart guten Ruf genießt, daß sie dort weg gehen wie warme Semmeln. Cabernet Franc von alten Reben, die zwischen 25 und 70 Jahre alt sind; verschiedenste Bodenformationen, die verblüffend vielfältige Weincharaktere hervorbringen, denen Pierre Caslot eine verwirrende Vielzahl von Cuvées widmet; seriöser Bioanbau und eine Originalität und Vielfalt in Stil und Charakter der Weine, daß uns das Herz aufgeht. Genau das suchen wir!
Wir beginnen unsere Zusammenarbeit mit der einfachsten Cuvée, der fröhlichsten und zugänglichsten des Betriebes. Sie schmückt ein wunderbares Etikett, in das wir uns spontan verlieben. Es entstammt einer Briefmarke, die Vater Caslot, zu Ehren seiner Bemühungen um Bourgueil, in den 1920er Jahren von der französischen Post gewidmet wurde. Das ist der Anfang, denn wir werden schon bald weitere Cuvées der Domaine de la Chevalerie aus Bourgueil anbieten, allen Unkenruf zum Trotz. Es lebe Cabernet Franc derart köstlicher Qualität!
Die Rebe
Cabernet Franc
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Cabernet Franc, früher reifend und wetterresistenter als sein ‚Bruder’ Sauvignon, die Basis eines guten Bordeaux. Er glich die Kapriolen des Merlot und des Cabernet Sauvignon aus. Doch dann verdrängte die moderne Merlot-Seuche den zickigen Franc, der stärker im Wuchs ist als Cabernet Sauvignon und trotzdem einen längeren Anschnitt braucht, weil er kleinere Erträge liefert; sein Hang zum Verrieseln sorgt regelmäßig für natürliche Ertragsreduzierung und die dickschalige Rebsorte ist anfällig für Pilzkrankheiten. Doch der größte ‚Nachteil’ für den Winzer ist sein kleines Reifefenster: Um ein aromatisch reifes und interessantes Aromaprofil zu erzielen, muß Cabernet Franc in einem ganz bestimmten Reifeintervall, das oft nur wenige Tage groß ist, gelesen werden.
Nach seiner Verdrängung aus den Weinbergen des Bordelais über die letzten zwanzig Jahre zwingt jetzt der Klimawandel den kühlend wirkenden Cabernet Franc wieder zurück. Der beliebte Merlot ist zu heiß geworden, zu alkoholisch, er braucht aromatische 'Kühlung'. Die garantieren ihm, neben dem Cabernet Franc, auch die einst altbewährten, dann aber bewußt eliminierten dickschaligen Malbec und Petit Vedot, die derzeit ebenfalls ein ungewolltes aber fast zwangsläufiges Comeback in den Weinbergen Bordeaux feiern.
Wenn Cabernet Franc reif gelesen wird, kann er mit dunkel würzigem, komplexem Duft nach frischem grünem Pfeffer, animierenden Kräutern und kühl wirkendem Hauch von Süßholz und Veilchen aromatisch begeistern. Jene unattraktiv kräuterig grünen, harten Noten, die an unreife Paprika und frisch gemähtes Gras in Duft und Geschmack erinnern, die ihm in den neunziger Jahren schlechten Ruf einbrachten, sind nichts anderes als Indiz für schlechte Laubarbeit im Sommer, zu frühe Lese, unreifes Traubenmaterial und zu hohe Erträge, sprich für schlechte Winzerarbeit.
In Reinkultur kann man Cabernet Franc heute am besten an der Loire erleben und genießen; in Chinon, Bourgueil, Saumur-Champigny oder Brissac bewirkt der Klimawandel wahre Wunder; noch nie waren rote Loireweine so aufregend, so reif und so gelungen wie in den Jahren seit 2001.
So bekannt und beliebt Cabernet Sauvignon ist, so wenig bekannt ist Cabernet Franc. Dabei sind gute reinsortige Cabernet Francs die vielleicht interessanteste Bordeaux-Alternative überhaupt. Interessanter in Duft und Geschmack sind sie, wenn gut gemacht, allemal. Die starken Jahrgangsschwankungen, die die Rebsorte spürbar prägen, strapazieren unsere Loyalität Winzern wie Rebsorte gegenüber allerdings immer wieder. Deshalb scheint die umstrittene Rebsorte ihre optimale Wirkung in Verschnitten mit Cabernet Sauvignon und Merlot am überzeugendsten zu verwirklichen. Ihre aromatische Komplexität und ihre angenehm kühlenden Eigenschaften kommen im elegant frischen Charakter einer gekonnt zusammengestellten Cuvée am besten zur Geltung.
![]() | Frankreich - Loire |
![]() | Cabernet Franc |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FLB10200 | |
| Inhalt 0.75l |













