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Tokay Pinot Gris Grand Cru 'Saering' Cuvée Florian
Großer, natürlich restsüßer Grauburgunder aus großem Jahrgang. Reifend, aber unkaputtbar. Leider auch unverkäuflich, denn wer trinkt heute so was noch, und vor allem wozu?
Das Elsaß hat sich mit seiner Grand Cru-Philosophie aus dem Markt geschossen. Die Idee dahinter macht Sinn, denn nur eine grandiose Lage bringt auch grandiose Weine hervor. Diese Qualität aber über den Restzuckergehalt zu definieren, ist in heutigen Zeiten nicht nur gefährlich für den Absatz, sondern auch sinnlos, weil es keinen Markt dafür gibt, weder in Frankreich, noch in Deutschland. Die guten Grand Crus des Elsaß kosten richtig Geld, sind sicher auch richtig toll, aber wann bitte trinkt man einen solch komplexen Wein und wozu trinkt man ihn!
So hat sich das Elsaß irgendwie aus dem Markt katapultiert. Es ist sogra richtig schwierig geworden, hochkarätig eigenständige trockene Elsässer zu finden, die Sinn machen, importiert zu werden. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit Jean-Jacques Loberger zusammen. Der junge Winzer müht sich redlich, hat auf biologischen Weinbau umgestellt und läßt die Natur maximal im Keller machen.
Dieses famose, allmählich ausgereifte Grand Cru aus dem Südelsaß, wo die besten Lagen für Gewürztraminer und Pinot Gris/Grauburgunder stehen, widmet Jean-Jacques Loberger seinem Sohn Florian. Ein strohgelbes, reichlich konzentriertes Grand Cru aus Grauburgunder, das eher zum intellektuellen und sinnlichen Vergnügen taugt, als zum Essensbegleiter. Cremig und kühl wie Seide umhüllt der Wein die Zunge mit rauchigem Fruchtkern und sinnlichem Spiel am Gaumen. Das kaum spürbare Säurerückgrat puffert hohen Extrakt und mächtige Konzentration, weshalb der Wein süßer wirkt, als er tatsächlich ist. Ein toller Wein, absoluter Hochgenuß, kompromißlos lagengeprägtes Grand Cru. Es mag zu entsprechend präparierten Geflügelgerichten gehen, auch zu einigen Gemüsegängen kann man sich den Wein vorstellen, am besten vermutlich zu kraftvollen Rohmilchkäsen - oder aber pur als Seelenpflaster zur persönlichen Erbauung nach einem schlechten Tag, da wirkt er wahre Wunder.
Caves Loberger
Das Elsaß tut sich seit Jahren schwer mit seinen Weinen in Deutschland. Viele Grand Crus sind zu süß und zu schwer, den Weinen fehlt es an einschätzbarem Profil und die regionalen Rebsorten des Elsaß, Gewürztraminer und Pinot Gris, sind völlig aus der Mode. Genau die aber produziert Jean-Jacques Loberger aus dem südlichen Elsaß auf idealem Terroir in bemerkenswerter Präzision, ausdrucksstarke, sortentypische Weine, die auf den ersten schnellen Schluck unspektakulär wirken. Erst der zweite offenbart, wie raffiniert er bravouröse Balance auf die Zunge zu zaubern versteht. Durch langsame Spontanvergärung provoziert er bei hohen Mostgewichten natürlichen Restzucker, die Gärung stoppt einfach irgendwann; die feine Süße puffert er mit spielerischer Säure in cremigen, saftigen Weinen von bestechender Schönheit. Trotz ihrer zugänglichen Unkompliziertheit fordern Loberger-Weine. Ihre Finesse und Subtilität, ihre puristische Sortentypizität und ihr wohltuendes Mundgefühl wollen als Qualitätsmerkmal erkannt sein. Jean-Jacques Loberger ist Einzelkämpfer. Er stellt seit Jahren auf ökologischen Landbau um und sein kompromißlos nichtmanipulativer Ausbau im Keller sorgt für eigenständige Stilistik, die nicht leicht zu verkaufen ist in unserer "schnellen" neuen Weinzeit. Jeder Jahrgang fällt gravierend anders aus. Jede Rebsorte, jede Partie im Keller trägt ihren unverwechselbaren Stempel. Mutig bringt er gereifte Weine auf den Markt, die durch das lange Flaschenlager eine Komplexität und Perfektion erreicht haben, die so unerwartet wie erstaunlich sind. Die Kompromißlosigkeit des jungen Elsäßers ist bewundernswert. Seine Pinot Gris und Gewürztraminer bezeugen die stilistisch und qualitativ eigenständige Positionierung des Elsaß. Ihre feine, vielschichtige Frucht offenbart sich in rauchigem, von frischer Mineralität durchzogenem Bukett, am Gaumen öffnen sich seine Weine, mischen orientalische Gewürze mit kühlen frischen Kräuter- und Mineralnoten. Obst-, florale Blüten- und Exotentöne durchziehen ihr reintöniges Bukett, das trotz Präzision weit mehr zu bieten hat als nur Frucht. Lobergers Weine sind so klar und verständlich, wie sie kompromißlos unkommerziell sind. Doch genau das ist es, was sie so reizvoll macht, diese eigenständige Handschrift ist uns zum Anliegen geworden.
Die Rebe
Grauburgunder
Grauburgunder scheint eine sehr geschmeidige Rebsorte zu sein. Unsere Väter und Großväter schätzten ihn halbtrocken; mild, reif und schlabberweich genossen sie ihn als Ruländer des Sonntags Nachmittags zur Zigarre auf der Fernseh-Couch. Diesem Ruländer verdanken wir das angestaubte Image der Rebsorte. Danach sorgte er als Pinot Grigio beim In-Publikum in Kneipe, Club und Szenelokal für omnipräsente Urlaubsstimmung, die ihn ob der größer werdenden Nachfrage schließlich zum alkoholhaltigen Wirkungsgetränk verkommen ließ. Dem Pinot Grigio verdanken wir nichts! Heute feiert er als Grauburgunder den Wiedereinstand in die Oberliga der Weißweinszene mit Frische, Saft und Kraft in rauchig elegantem, rassig trockenem Neo-Design.
Grauburgunder scheint eine recht alte Rebsorte zu sein, die im frühen Mittelalter in Burgund erstmals Erwähnung fand. Mönche brachten die Rebe im 14. Jahrhundert aus dem Burgund über die Champagne nach Deutschland und Österreich. In einem aufgelassenen Weinberg soll sie im Jahr 1711 von einem Kaufmann aus Speyer namens Johann Seger Ruland gefunden worden sein. Er soll die Qualität der Sorte erkannt haben und für die weitere Verbreitung gesorgt haben, so die Saga, was ihm die Weinwelt mit dem Synonym Ruländer gedankt zu haben scheint. Neue Analysen zeigen, daß Grauburgunder, der nur auf knapp 3.5 % der bundesdeutschen Rebfläche steht, eine Mutation des Spätburgunders aus der Burgunderfamilie ist. In Frankreich und Australien wurde er früher als Tokay-Pinot Gris angebaut; heute, nach einer Klage ungarischer Winzer aus Tokaj, nennt er sich dort jetzt Pinot Gris, in Deutschland und Österreich gibt es ihn als Grauburgunder, in Italien heißt er noch immer Pinot Grigio und im Wallis kennt man ihn als Malvoisie. Synonyme gibt es reichlich, wie es sich für eine so alte Rebsorte geziemt.
Grauburgunder liefert säurearme, aber körper- und extraktreiche Weißweine mit seiner Lesereife entsprechendem Alkoholgehalt. Seinen Namen verdankt er der Farbe seiner Trauben, die im Stadium der Reife leicht blaurote Färbung mit einem Stich ins Graue aufweisen. Als Wein entwickelt er goldgelbe Farbe im Glas, je nach Lesezeitpunkt, Reife und Ausbau mehr oder weniger intensiv in der Gelbtönung, und er verbreitet den Duft frisch aufgeschnittener, reifer Äpfel mit einem charakteristischen Hauch herbstlicher Rauchnoten.
Nach dem reifen, müden Stil der sechziger bis achtziger Jahre und dem zeitgemäß uniformen Primärfrucht-Touch der Neunziger Italo-Jahre macht Grauburgunder nun auf frisch und rassig, auf trinkfreudig und ernsthaft seriös mit regional geprägtem Rebsorten- und Herkunftscharakter, und sorgt so für willkommene Abwechslung im Riesling-Rausch der Jetztzeit.
![]() | Frankreich - Elsaß |
![]() | Grauburgunder |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FEL96100 | |
| Inhalt 0.75l |















