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Gewürztraminer Grand Cru 'Spiegel'
Caves Loberger
Das Elsaß tut sich seit Jahren schwer mit seinen Weinen in Deutschland. Viele Grand Crus sind zu süß und zu schwer, den Weinen fehlt es an einschätzbarem Profil und die regionalen Rebsorten des Elsaß, Gewürztraminer und Pinot Gris, sind völlig aus der Mode. Genau die aber produziert Jean-Jacques Loberger aus dem südlichen Elsaß auf idealem Terroir in bemerkenswerter Präzision, ausdrucksstarke, sortentypische Weine, die auf den ersten schnellen Schluck unspektakulär wirken. Erst der zweite offenbart, wie raffiniert er bravouröse Balance auf die Zunge zu zaubern versteht. Durch langsame Spontanvergärung provoziert er bei hohen Mostgewichten natürlichen Restzucker, die Gärung stoppt einfach irgendwann; die feine Süße puffert er mit spielerischer Säure in cremigen, saftigen Weinen von bestechender Schönheit. Trotz ihrer zugänglichen Unkompliziertheit fordern Loberger-Weine. Ihre Finesse und Subtilität, ihre puristische Sortentypizität und ihr wohltuendes Mundgefühl wollen als Qualitätsmerkmal erkannt sein. Jean-Jacques Loberger ist Einzelkämpfer. Er stellt seit Jahren auf ökologischen Landbau um und sein kompromißlos nichtmanipulativer Ausbau im Keller sorgt für eigenständige Stilistik, die nicht leicht zu verkaufen ist in unserer "schnellen" neuen Weinzeit. Jeder Jahrgang fällt gravierend anders aus. Jede Rebsorte, jede Partie im Keller trägt ihren unverwechselbaren Stempel. Mutig bringt er gereifte Weine auf den Markt, die durch das lange Flaschenlager eine Komplexität und Perfektion erreicht haben, die so unerwartet wie erstaunlich sind. Die Kompromißlosigkeit des jungen Elsäßers ist bewundernswert. Seine Pinot Gris und Gewürztraminer bezeugen die stilistisch und qualitativ eigenständige Positionierung des Elsaß. Ihre feine, vielschichtige Frucht offenbart sich in rauchigem, von frischer Mineralität durchzogenem Bukett, am Gaumen öffnen sich seine Weine, mischen orientalische Gewürze mit kühlen frischen Kräuter- und Mineralnoten. Obst-, florale Blüten- und Exotentöne durchziehen ihr reintöniges Bukett, das trotz Präzision weit mehr zu bieten hat als nur Frucht. Lobergers Weine sind so klar und verständlich, wie sie kompromißlos unkommerziell sind. Doch genau das ist es, was sie so reizvoll macht, diese eigenständige Handschrift ist uns zum Anliegen geworden.
Die Rebe
Gewürztraminer
Traminer fand bereits um 1000 n. Chr. in Südtirol Erwähnung. Ampelographen behaupten, daß der Gewürztraminer aus einer Mutation dieses Traminers entstand und daß die Traminer-Familie eine der ältesten der Welt und deshalb ungewöhnlich weitverzweigt sei. Inzwischen ist der historisch jüngere Gewürztraminer die weit häufiger angebaute Variante der alten Rebsortenfamilie Traminer, die als Savagnin im französischen Jura und der Schweiz ein wenig beachtetes Nischendasein führt.
Gewürztraminer hat von allem fast zu viel. Sein kräftiger Körper, seine weiche, fett wirkende Säure und sein exotisches Rosen- und Litschi-Bukett übersättigen schnell, zumal wenn er, wie häufig praktiziert, mit gewissem Restzuckergehalt unterfüttert wird. Zu guten Rohmilchkäsen, deftigen Flammekuchen und kraftvoller Regionalküche kann ein guter, nicht zu restsüßer Gewürztraminer aber die ideale Begleitung abgeben. Und zu asiatischer Küche mit ihrer spannenden Süß-Sauer-Balance empfehlen wir die Rebsorte, die selbst mit forcierter Schärfe gut zurechtkommt, in leichterer und etwas trockener, deshalb aber nicht minder anspruchsvoller Version zuverlässig und gerne.
Gewürztraminer kann exzellent reifen und entwickelt dabei überaus positive Feinheiten und aromatische Nuancen. Traminer und Gewürztraminer gehören zu den langlebigsten Weißweinen überhaupt, weshalb es verwundert, daß sie in Deutschland und Österreich als Roter Traminer ein weitgehend unentdecktes Nischendasein fristen, ganz offensichtlich verdrängt von launischer Weinmode, die gerade mehr Frische und weniger Körper bevorzugt. Das ist schade, denn z. B. in der Steiermark werden famose Rote Traminer erzeugt, die eine erregende Mischung aus Rasse, Körper, Aroma und Struktur offenbaren, die sich über viele Jahre zu faszinierender Komplexität entwickelt.
Gewürztraminer und der deutlich weniger aromatische Traminer mögen etwas weniger angesagte, altmodisch wirkende Rebsorten sein, sie deshalb abzutun oder ganz von der Karte zu streichen erscheint uns etwas hart. Sie begleiten entsprechend geeignete Küche ausgezeichnet und sind ganz abgesehen davon eine historische Bereicherung der Rebsortenpalette, die es zu bewahren gilt. Moden kommen, Moden gehen. Die Zeit wird kommen, wo wir ausgereizt hochwertige Gewürztraminer oder Traminer wieder zu schätzen wissen.
![]() | Frankreich - Elsaß |
![]() | Gewürztraminer |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. FEL07101 | |
| Inhalt 0.75l |















