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Puligny-Montrachet 'Le Trézin'
Puligny-Montrachet, nur zu oft verwechselt mit Le Montrachet, liegt zwischen Meursault im Norden und Santenay im Süden mitten im Herzen der sogenannten Côte de Beaune. Puligny-Montrachet gilt als eine der großen Weißweinappellationen der Welt. Die Böden sind hier, wie überall in den Spitzenlagen Burgunds, kalkhaltiger Lehm, durchsetzt von Kieseln, die für exzellente Drainage sorgen. Nur die wenigen Grand Crus sitzen auf kargem, purem Kalk mit feiner Erdauflage, weshalb sie sich so deutlich in Stil und Geschmack von den 'einfacheren' Lagen unterscheiden. Durch die Ostausrichtung der verschiedenen Lagen in Puligny ergeben sich lange Hänge- und Reifezeiten am Rebstock, die den Weinen eine ganz besondere weiß bzw. gelbreif wirkende, stets pikant frische Aromatik verleihen, die an geröstete Mandeln oder Haselnüsse erinnert, die sich mit frischen Zitrusfrüchten in weichen, weißen Blütendüften ein Stelldichein liefern. Auch die mundwässernden Aromen reifer Flugananas kann man in gutem Puligny entdecken, wenn diese sich in raffiniert integrierte frische Säure mit langem, schlankem, seidigem Finale am Gaumen hüllen, hat man einen gelungenen Puligny-Montrachet vor sich. Puligny ist nie fett oder dick. Er wirkt rassig und fein zugleich, kann fast gläsern vor Transparenz erscheinen, durchzogen von zitrusartiger Frische, die trotz kühler mineralischer Rasse faszinierend weich und seidig warm nachklingen kann. Dieser Terroir-Unterscheidung wird so nur in Frankreich gehuldigt. Tatsächlich setzt sich ein kühler nördlicher Meursault signifikant vom wärmeren, fast südlich inspirierten Puligny ab. Faszination der Lage.
‚Le Trézin’ ist eine weniger bekannte Lage ganz oben auf dem Plateau über Puligny. Schwärmerische Orangenblüten und würziges Eisenkraut stehen über dem Glas, zart und verhalten, aber durchdringend und ätherisch schwebend zugleich. Tiefgründig läßt ihn seine Ausstrahlung vibrieren vor Spannung; zugleich aber hat er etwas warmes in sich, obwohl kühle Rasse und Frische für Staunen sorgen ob der Tiefe und Kraft. Hier agiert rassige Mineralität unaufdringlich rein und wohltuend frisch. Je länger der Wein im Glas steht, um so energiegeladener wirkt er, um so spannungsreicher und präziser präsentiert er sich in seinem druckvollen Potential, das sich eindrucksvoll komplex entwickelt. Ein Chardonnay, der zum Schwärmen anregt, je länger er im Glas steht.
Dem jungen Antoine Jobard gelingt also auch sein Puligny-Montrachet auf exzellente, stilsichere Weise. Lang und frisch wirkt er am Gaumen, feinziseliert und raffiniert in Potenz und Spannung, seine angenehm leisen Töne bringt er auf der Zunge aber druckvoll zum Klingen. Chardonnay kann so spannend sein und Burgund eben doch einmalig und verdammt verlockend gelingen. Rarer Geheimtip für Insider.
Antoine Jobard
Familie Jobard sitzt in Meursault, dem kommerziellen Zentrum jener Côte des Blancs, deren vier Kommunen Meursault, Blagny, Chassagne und Puligny sich fast ausschließlich dem Chardonnay widmen. Sie ziehen sich entlang eines nur wenige Kilometer langen Streifens besonders kalkhaltiger Lagen und Böden, die der Rebsorte besonders behagen und den einmaligen Charakter ihrer Weine definieren. Kein anderes Weinland hat diesen Reiz der Unterschiede an Böden, Lagen und Klimata so kultiviert, wie Frankreich. In Burgund allerdings wirkt das nur zu oft unglaubwürdig, weil viel zu oft unambitionierte Winzer die Qualität ihrer Herkünfte nicht in entsprechende Qualitäts- und Stilunterschiede umzusetzen verstehen. Bei ihnen ist schon der einfache Burgunder viel zu teuer.
Antoine Jobard dagegen ist über jeden Zweifel erhaben. Er ist blutjung und übernahm gerade erst das Weingut seines Vaters, der Winzerlegende François Jobard, der neben François Coche-Dury und Dominique Lafon von der Domaine Comte Lafon die besten Weine in Meursault produzierte. Der Vater steht dem Sohn Jobard also noch beratend zur Seite, doch man hat das Gefühl, daß das der engagierte Jungwinzer nicht nötig hat. Er hat den legendären Stil des Vaters sensibel weiter geschärft und gilt trotz seiner Jugend bereits als Koryphäe in Meursault.
Ein untrügliches Indiz für das Qualitätsverständnis eines Betriebes ist dessen Qualitätspyramide. Sie kann kaum nachvollziehbarer und überzeugender ausfallen als bei Antoine Jobard. Sein einfacher Bourgogne Blanc unterscheidet sich zwar in Mundgefühl und Stilistik vom größten Wein im Portfolio, nicht aber in Qualität, Machart und Ausrichtung. Eindeutig prägt hier die Herkunft Stil und Geschmack seiner Weine und sorgt für deren unterschiedliche Charaktere.
Familie Jobard besitzt 5 Hektar in Meursault, von 437, die als Meursault vermarktet werden dürfen. Die ergeben ganze 2000 Kisten Wein, von denen die Familie leben muß. Burgund ist kleingliedrig.
Antoine weiß stilistisch genau, wo er hin will. Er lehnt den exzessiven Einfluß neuen Holzes im Wein vehement ab, auch wenn er derzeit mehr neues Holz einsetzt als sein Vater. Er tut das aber ausschließlich für die Physik und Chemie des Hefemanagements, das er für seine Stilistik für alles entscheidend hält, er tut es nicht für den vordergründigen Geschmack des Holzes. Zu viel neuer Holzeinfluß im Wein nimmt diesem seiner Meinung nach den Fokus, macht ihn breit und langweilig, zwar attraktiv in der Jugend, danach aber zerfällt er nur zu oft in müde Breite ohne Fokus.
Antoine Jobard sieht das Geheimnis seiner Weine im richtigen Lesezeitpunkt. Er liest auf perfekte Reife, also früher als viele andere Winzer in Meursault. Gelesen wird von Hand, sorgfältig und schonend wird ausschließlich kerngesundes Traubengut gekeltert. Der Most wird schonend geschwefelt, um die Präzision der Weine zu forcieren, dann geht er ohne Vorklärung trüb ins Holzfaß, wo er spontan vergärt. Die Malolaktik vermeidet der Jungwinzer ebenso wie das beliebte Hefesatzaufrühren für cremige Breite in den Weinen. Er will seine Weine so rassig und präzise wie möglich auf Flasche bringen. Die in Burgund selbstverständlich praktizierte Auf- und Entsäuerung lehnt Antoine Jobard ab und er zuckert nur auf, wenn es nötig erscheint.
Weißwein aus Burgund kann grandios sein. In den meisten Fällen ist er es leider nicht. Der Höchstertrag ist in Meursault festgelegt auf 45 hl/ha. In Ausnahmefällen darf dieser Ertrag um 20 % überschritten werden. Viele Weine schmecken nach deutlicher Überschreitung. Nicht so bei Jobards. Sie sind ambitionierte Qualitätsfanatiker, deren Stilistik allerdings eigenwillig ausfällt und schon profunde Kenntnis und Erfahrung voraussetzt, um nicht in den großen Chardonnay-Topf zu fallen, in dem sie dann prompt aus dem Raster fallen. Jobard-Weine sind keine Chardonnays für jedermann.
Wir halten den Handel mit Burgunder-Weinen für weitgehend inkompetent weil namenshörig und unkritisch, anders läßt sich das katastrophale Niveau so vieler Burgunder auf dem Markt nicht erklären. Bei Antoine Jobard freilich stimmt jeder Wein, von der kleinen Dorflage bis zum großen Lagen-Meursault. Statt auf vordergründige Fülle setzt er auf messerscharfen Herkunftscharakter. Er zelebriert Frische und Struktur in präziser Mineralität. Es ist begeisternde Präzision, die das Mundgefühl seiner Weine prägt. Daß Jobards Weine besser als andere reifen, sei am Rande erwähnt. Wer mit solcher Professionalität agiert wie Jobards, ist über jeden Zweifel erhaben. Die kerngesunden pH-Werte ihrer Weine und der gekonnt reduktive Ausbau auf der Vollhefe garantieren eine lange und vielversprechende Entwicklung. Doch weil sich Jobards Weine schon in ihrer Jugend derart lustvoll vernichten lassen, dürften es nicht all zu viele Flaschen werden, die ihr vorbestimmtes Reifeoptimum erleben.
Die Rebe
Chardonnay
Die Herkunft des Chardonnay, der Königin der weißen Rebsorten, ist unbekannt. Viele Märchen ranken sich um ihren Ursprung, geklärt ist er nicht. Alleine in Frankreich kennt man 34 eigenständige Abarten, Klonen genannt, von denen einige überaus aromatisch, fast schon aufdringlich duften, andere sind extrem ertragsstark und riechen kaum.
Chardonnay reagiert wie keine andere Rebsorte unmittelbar auf die Art ihrer Verarbeitung, weshalb die Rebsorte ein so ungewöhnlich breites Qualitäts- und Geschmacksspektrum bietet, daß es den Chardonnay nicht gibt. Der Name der bekanntesten Rebsorte der Welt ist Weintrinkern in aller Welt so vertraut, daß sie kaum darüber nachdenken, daß sich dahinter eine Rebsorte verbirgt. Immer wieder passiert es, daß Kunden nicht wissen, daß Chablis, Chassagne oder Puligny Montrachet aus Chardonnay gekeltert werden. Für Sie scheint „Chardonnay“ eine Marke zu sein. Der Name ‚Chardonnay’ ist so populär, daß die zahlreichen Synonyme für die Rebsorte kaum noch bekannt sind; nur in Österreich beharrt man sympathisch auf dem alten Synonym ‚Morillon’.
Der relativ hohe Alkoholgehalt der Rebsorte vermittelt ein Gefühl von feiner Süße und cremiger Weichheit auf der Zunge, was maßgeblich zur weltweiten, von nationalen Geschmacksvorlieben losgelösten Popularität der Rebsorte beitrug. Die wie bei keiner anderen weißen Rebsorte mögliche Integration von Faßaromen und Eichenholzgeschmack ist ein weiterer Grund für die globale Popularität der Rebsorte.
Von Kellermeistern in aller Welt wird Chardonnay geschätzt, weil er wie keine andere Rebsorte auf ihre Weinbereitung reagiert. Sie läßt sich reduktiv kalt im Edelstahltank vergären und ergibt dann frische, rassige Weine mit angenehmer Säure. Sie läßt sich aber genau so gut oxidativ im kleinen Eichenfaß vergären und lange auf der Hefe lagern, verträgt sogar lange Lagerung und Reifung in neuem Holz, ohne dessen unangenehme Aromen aufzunehmen. Über das Ansprechen der Rebsorte auf Hefesatzaufrühren (die sogenannte ‚Battonage’, bei der man im Holzfaß den trüben Bodensatz der Hefe mit einem Stab aufrührt und sie auf diese Weise emulgiert; je häufiger man dies tut, um so cremiger und weicher wird der Wien) haben sich zwei Schulen an Verarbeitung zwischen Burgund und Kalifornien herauskristallisiert, die diese Eignung für besondere Stilistik nutzen: Es gibt die ‚modernen’ Winzer und Kellermeister, die durch starkes und häufiges Hefesatzaufrühren dicke, weiche, cremig fette Chardonnays produzieren, wie sie der Idealvorstellung dieser Rebsorte entsprechen. Dem stehen Winzer entgegen, die bewußt auf das Aufrühren der Hefe verzichten, um so die aromatische Komplexität der Rebsorte, ihre Mineralität und Straffheit, ihre Rasse und strukturelle Eigenartigkeit herausarbeiten. Sie rühren die Hefe gezielt nicht auf (wie z. B. Coche-Dury in Burgund oder Au Bon Climat in Kalifornien), um deren Aromen nach frischem Brot, Hefeteig, gerösteten Mandeln und Haselnüssen in das frische, nachhaltig straff wirkende, mineralisch geprägte Geschmacksbild der Rebsorte zu integrieren.
Guter Chardonnay besitzt attraktive goldene Farbe und einen breiten, gefälligen, aber nicht einfach zu beschreibenden Geschmack. In wissenschaftlichen Analysen stellte sich Chardonnay als aromatisch schwer zu fassen dar. Sein Spektrum reicht, je nach Ausbau, von Himbeeraromen über Tabak, Vanille, tropische Früchte und Pfirsicharomen zu reifen Tomaten, Tee und Blütendüften.
Wenn man Chardonnay von jungen Rebstöcken erntet, wie in Italien üblich, und dabei noch von den hohen Erträgen profitiert, die die Rebsorte mühelos bringt, wird er wäßrig, dünn und fast neutral. Einfacher Chardonnay ist ein so überflüssiger wie säuerlich dünner, an grüne Äpfel und Melonen erinnernder Saufwein, der den Markt in schier unerschöpflicher Menge zu überschwemmen scheint.
Dagegen können niedrige Erträge von erstklassigen Lagen auf basischen Böden (Kalk), die gesunde Säure mit optimalem pH-Wert aus präzise reif gelesenen Trauben besitzen, durch eine sich souverän zurücknehmende Kellertechnik großartige, eindrückliche Chardonnays begeisternder Individualität hervorbringen, die sich über Jahrzehnte zu unerreichter Grandezza rarer Komplexität entwickeln.
![]() | Frankreich - Burgund |
![]() | Chardonnay |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FBU09404 | |
| Inhalt 0.75l |


















