You're currently on:
Domaine de Valmengaux
Vincent Rapin, der auch das exzellente Grand Cru-Château Ferrand-Lartigue in Saint Emilion betreibt, ist ein Qualitätsfanatiker, der den qualitativen Unterschied zwischen einem schweineteuren ‚Blue-Chip-Château’ und einem ‚einfachen Bordeaux’ auf überschaubare Dimensionen einzudampfen versteht. Sein ‚Valmengaux’ macht tatsächlich neben einem Château Lafite eine gute Figur. Das ist kein Teufelswerk. Seine knapp 5 Hektar bewirtschaftet Vincent Rapin seit 2002 akribisch biologisch; gelesen wird manuell, vergoren auf wilden Hefen und der Wein wird anschließend so schonend wie möglich auf der Vollhefe in zu 50 % neuen Barriques bester Provenienz ausgebaut. Rein technisch gesehen schon bessere Qualitätsparameter als beim 300.- Euro-Sicherheitswein. Seine Herkunft ist weniger edel, dafür ist der Wein schon jung mit Vergnügen zu genießen, und reift trotzdem über 7-10 Jahre exzellent.
2008 profitierte von den spät reifenden Böden auf der ‚rive droit’ und sorgte für einen klassischen Bordeaux kühler, raffinierter Struktur. 2008 war ein kühler Jahrgang mit den gleichen Reifeproblemen wie in Deutschland. Man mußte sehr spät lesen, um die Trauben reif lesen zu können. Und selbst dann waren bei vielen Winzern die Trauben gerade mal reif. In solchen sehr spät reifenden Jahren, in denen ganz spät im Herbst dann doch noch das tolle Wetter einsetzt, sind die lehmigen, tonigen Böden des rechten Ufers eindeutig im Vorteil gegenüber den trockenen Kiesböden des Médoc, die die Trauben nicht mehr mit Nährstoffen versorgen. ‚Valmengaux’ 2008 ist ein Musterbeispiel für den Jahrgang und alles, nur kein schwacher, dünner, saurer, magerer Bordeaux mit unreifem Bukett.
Kühl, fruchtbetont, im Duft noch das neue Holz der Fässer, ein typischer junger, richtig guter Bordeaux. Perfekte Harmonie von intensiven Cassis- und Kirschnoten, würzige Vanille- und Schokoladenaromen gehen in kühlen orientalischen Gewürznoten auf und erfrischend feine Säure sorgt für überraschende Definition und Fokussierung im Mundgefühl, das edel und hochwertig schmeckt. Ein eindrucksvoll dichter, rassiger Klassewein, der weit über seinem Preis angesiedeltes Niveau ins Glas bringt. Bordeaux neue Weingeneration mit profundem Potential für zehn Jahre pures Trinkvergnügen. Jahrgangseinfluß als stilistisches Element, nicht aber als entscheidend qualitatives.
Domaine de Valmengaux
Nur rund 5 Hektar umfaßt die Domaine de Valmengaux aus dem Hinterland von Fronsac. Doch Vincent Rapin, verantwortlich für Château "Ferrand-Lartigue" in St. Emilion, treibt auch die Qualität seines zweiten Besitzes unter der simplen Appellationsbezeichnung "Bordeaux" auf die Spitze. 83 % Merlot, 12 % Sauvignon und 5 % Franc von durchschnittlich 30 Jahre alten Rebstöcken, auf kalkhaltigen Hängen stehend, und in akribischer Manier gepflegt, liefern eindrucksvolle Weine puristischer Dichte und Eleganz. Ihre kompakten Gerbstoffe wirken konzentriert, ohne überextrahiert zu sein. Valmengaux ist Understatement, nicht laut, sondern kühl und raffiniert, nicht heiß und ordinär mächtig, sondern qualitativ „groß“. Und das zu nachvollziehbarem Preis.
Die Rebe
Merlot
Merlot ist ein Phänomen. Die seit den achtziger Jahren stetig populärer werdende rote Rebsorte ist die einzige weltweit, die international fast überall Zuwachs an Rebfläche verzeichnen kann. Mit weltweit über 200.000 Hektar steht Merlot inzwischen auf Platz 6 der internationalen Rebsorten-Hitliste.
Merlot verdankt seine Popularität seiner fülligen, üppigen Frucht und seinem körperreichen, vollmundigen Geschmack; Merlot ist relativ früh trinkbar und trinkreif, und er reift schneller als der meist mit ihm verschnittene Cabernet, den er bereits in geringem Verschnittanteil früher zugänglich macht. Das hängt allerdings entscheidend von der Qualität des Merlot ab. Merlot kann, wie in vielen italienischen Ausgaben nachzuvollziehen, unglaublich simpel und ordinär ausfallen; dann schmeckt er eindimensional kräuterwürzig, hat keine Süße und keinen Charme und wird zum puren Ärgernis. Auch im Languedoc, aus Spanien oder aus Chile kennen wir ähnlich ärgerliche Merlots, die eher an grasig unreifen Cabernet Franc denn an Merlot erinnern.
Merlot muß in der Produktivität gezügelt und im Wasserhaushalt und in der Blattfläche geschickt gesteuert werden, um nicht zu reif oder zu unreif auszufallen. In Bordeaux protzen Merlots inzwischen mit 15 und mehr Volumenprozent, was Zweifel an deren Reife- und Entwicklungsfähigkeit aufkommen läßt. Merlot wird dort in den letzten Jahren, angefeuert durch Parkers Punktediktat, dem sich viele Produzenten zu beugen scheinen, immer mehr zur Karikatur seiner selbst. Dicke, süße, marmeladige Weine von unnatürlicher Konzentration und Struktur bekommen zwar viele Punkte, doch sie zerfallen schnell, reifen schlecht und werden zum Ärgernis, was die Rebsorte nicht verdient hat. Das beweisen jene erstklassigen Exemplare von Könnern wie z. B. Familie Mitjavile oder Christian Veyry, die edel wirken, kühl, raffiniert geschmeidig und den Vorteil der Merlot auf den spät reifenden Böden der rechten Seite der Gironde gekonnt nutzen und umzusetzen verstehen. Merlot braucht, will sie ihr geschmackliches Potential nutzen, entsprechend geeignete Böden, engagierten Anbau und einen Lesezeitpunkt, der sich an ihrer Aromatik, nicht an ihrer Reife orientiert. Ansonsten verkehrt sich ihr Charakter schnell ins beschriebene Gegenteil.
Merlot ist eine frühreifende Sorte, die deutlich dünnere Beerenschalen besitzt als die Cabernet-Familie. Daraus entsteht der besondere Reiz der berühmten und längst weltweit praktizierten Bordeaux-Blends aus Cabernet und Merlot. Bei langer, gleichmäßiger Reifezeit der Beeren am Stock kann Cabernet ausreifen und liefert dann eindrucksvoll gerbstoffbetonte Cuvées mit Kraft und Potential; bei witterungsbedingt kürzerer Reifezeit der Trauben reift die Merlot sicher aus, während die Cabernets sich unreifer präsentieren, die Cuvée wird dann merlotbasiert sein und entsprechend charmant ausfallen. Merlot reift auf spätreifenden, lehmig sandigen Ton-Böden besonders gut und ergibt dort charakteristisch fleischige Weine, die samtiges, geschmeidiges Tannin in milder Säure bieten. Grundsätzlich ähnelt Merlot aromatisch in der Jugend der Cabernet-Familie, entwickelt aber statt deren herber, aristokratischer Gerbstoffdichte eher ‚süßeren’, etwas malzig an Kaffee, Karamell und Nougat erinnernden Geschmack in samtig weichem Gerbstoffprofil.
Über die Herkunft der Rebsorte ist wenig bekannt. Sie findet im 14. Jahrhundert als ‚Crabatut noir’ erste schriftliche Erwähnung in Bordeaux; im Jahr 1784 nennt man sie bereits 'Merlot' und sie wird zu einer der wichtigen Sorten in Bordeaux, wo sie im 19. Jahrhundert zur dominanten Sorte aufsteigt. Dann kommt die Reblaus, die den Rebsortenspiegel in Bordeaux nachhaltig stört. Alte angestammte Sorten wie Abouriou und Carmenère, der fast vollständig verschwindet, Petit Verdot und Malbec, aber auch Grenache, die damals tatsächlich im Bordelais anzutreffen war, verschwinden weitgehend und werden durch Cabernet Franc, vor allem aber durch Cabernet Sauvignon ersetzt. Heute ist Merlot wieder auf dem Vormarsch, vor allem im Médoc wird er seit zwanzig Jahren verstärkt angepflanzt, so daß er seine einstige Vormachtstellung im Rebsortenspiegel des Bordelais wieder anstrebt.
Lange hat man gerätselt, wer die Eltern der beliebten Rebsorte sein könnten. Erst 2009 gelang der Nachweis, daß die so gut wie ausgestorbene, vermutlich sehr alte, frühreifende Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes, die auch zu den Eltern des Malbec gehört, sowie Cabernet Franc die Kreuzungs-Eltern der Rebsorte Merlot sind.
![]() | Frankreich - Bordeaux |
![]() | Merlot |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FBO08002 | |
| Inhalt 0.75 |
















