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Clos Fontaine 
2004

Clos Fontaine

Ein Glücksfall von Bordeaux. Ein netter kleiner Wein, unheimlich charmant, ideal leicht, vorbildlich süffig und schlicht und ergreifend angenehm zu genießen. So wünscht man sich einen Bordeaux für jeden Tag. Viel Merlot und ein bißchen Cabernet Franc, von Hand gelesen, sorgfältig verarbeitet und im großen, traditionellen Beton-Cuve ausgebaut. Keine dunkle Schokolade im Duft aus stark getoasteten neuen Holzfässern, keine fette, mollige Süße oder alkoholische Schwere, statt dessen delikate Finesse, herzhafte Frische und angenehm präsente milde Gerbstoffe, die dem Wein genau die richtige Balance von Kraft und Saft vermitteln. Ein kleiner Bordeaux, den man sich gerne aus dem Keller holt, denn in dieser Preisklasse ist derart souveränes Niveau die absolute Ausnahme. Dominique Thienpont macht auch für seinen kleinsten Wein einen exzellenten Job.

Clos Fontaine

‚Clos Fontaine’ ist keiner der üblichen Bordeaux. ‚Clos Fontaine’ ist auch kein Château, sondern ein richtig netter, kleiner, einfacher Bordeaux, der handwerklicher Verarbeitung entstammt, wie sie früher in Bordeaux üblich war. ‚Clos Fontaine’ gehört Dominique Thienpont, der einer der berühmten Bordelaiser Weinhändlerfamilien entstammt. Das breite Spektrum der familiären Weingutsbesitzungen reicht vom Médoc bis nach Pomerol. Dominique Thienpont selbst besitzt kein Château, zumindest keines, das den Namen verdienen würde. Er handelt mit Wein aus Bordeaux und hat sich auf ausgezeichnete, kleine Insider-Châteaus spezialisiert, die unter Weinleuten und Winzern vor Ort gehandelt werden, auf dem Markt aber kaum bekannt sind.

Vor ein paar Jahren kaufte sich Dominique Thienpont ein paar Hektar alter Merlot-Reben auf dem Plateau der Côtes de Francs, im Hinterland von Saint Emilion, von denen er 'Clos Fontaine' keltert. Ein kleiner Bordeaux, der nicht mehr sein möchte, als er ist; ein Alltags-Bordeaux, wie wir ihn schon für ausgestorben hielten, oder, wie Dominique Thienpont es bescheibt, 'ein netter kleiner Bordeaux, wie ich ihn gerne trinke'.

Der bescheiden auftretende, delikate, angenehm leichte Côtes de Francs erinnert an vergangene Zeiten. Die Trauben werden von Hand gelesen, in Edelstahl vergoren und der Wein reift auch in Edelstahl. Dominique Thienpont geht es um ehrlichen, trinkfreudigen Bordeaux, der bezahlbar ist und den man gerne trinkt, weil er gut schmeckt. ‚Früher stand Bordeaux für eleganten, frischen Rotwein mit Feinheit und Schliff, heute steht er für hochalkoholische, dick mit Gerbstoffen beladene Schwarzweine, die teuer und kaum freiwillig zu trinken sind’, meint er und setzt mit seinem ‚Clos Fontaine’ einen bewußt preiswerten Akzent dagegen. Eine Idee von Bordeaux, die heute eher die Ausnahme ist in Bordeaux. Ein Wein, der uns preislich wie qualitativ sehr gut gefällt und eine Lücke schließt im Sortiment, die für Bordeaux und seine Weine ein gutes Wort einzulegen versteht.

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Die Rebe

Merlot

Merlot ist ein Phänomen. Die seit den achtziger Jahren stetig populärer werdende rote Rebsorte ist die einzige weltweit, die international fast überall Zuwachs an Rebfläche verzeichnen kann. Mit weltweit über 200.000 Hektar steht Merlot inzwischen auf Platz 6 der internationalen Rebsorten-Hitliste.

 Merlot verdankt seine Popularität seiner fülligen, üppigen Frucht und seinem körperreichen, vollmundigen Geschmack; Merlot ist relativ früh trinkbar und trinkreif, und er reift schneller als der meist mit ihm verschnittene Cabernet, den er bereits in geringem Verschnittanteil früher zugänglich macht. Das hängt allerdings entscheidend von der Qualität des Merlot ab. Merlot kann, wie in vielen italienischen Ausgaben nachzuvollziehen, unglaublich simpel und ordinär ausfallen; dann schmeckt er eindimensional kräuterwürzig, hat keine Süße und keinen Charme und wird zum puren Ärgernis. Auch im Languedoc, aus Spanien oder aus Chile kennen wir ähnlich ärgerliche Merlots, die eher an grasig unreifen Cabernet Franc denn an Merlot erinnern.

Merlot muß in der Produktivität gezügelt und im Wasserhaushalt und in der Blattfläche geschickt gesteuert werden, um nicht zu reif oder zu unreif auszufallen. In Bordeaux protzen Merlots inzwischen mit 15 und mehr Volumenprozent, was Zweifel an deren Reife- und Entwicklungsfähigkeit aufkommen läßt. Merlot wird dort in den letzten Jahren, angefeuert durch Parkers Punktediktat, dem sich viele Produzenten zu beugen scheinen, immer mehr zur Karikatur seiner selbst. Dicke, süße, marmeladige Weine von unnatürlicher Konzentration und Struktur bekommen zwar viele Punkte, doch sie zerfallen schnell, reifen schlecht und werden zum Ärgernis, was die Rebsorte nicht verdient hat. Das beweisen jene erstklassigen Exemplare von Könnern wie z. B. Familie Mitjavile oder Christian Veyry, die edel wirken, kühl, raffiniert geschmeidig und den Vorteil der Merlot auf den spät reifenden Böden der rechten Seite der Gironde gekonnt nutzen und umzusetzen verstehen. Merlot braucht, will sie ihr geschmackliches Potential nutzen, entsprechend geeignete Böden, engagierten Anbau und einen Lesezeitpunkt, der sich an ihrer Aromatik, nicht an ihrer Reife orientiert. Ansonsten verkehrt sich ihr Charakter schnell ins beschriebene Gegenteil.

Merlot ist eine frühreifende Sorte, die deutlich dünnere Beerenschalen besitzt als die Cabernet-Familie. Daraus entsteht der besondere Reiz der berühmten und längst weltweit praktizierten Bordeaux-Blends aus Cabernet und Merlot. Bei langer, gleichmäßiger Reifezeit der Beeren am Stock kann Cabernet ausreifen und liefert dann eindrucksvoll gerbstoffbetonte Cuvées mit Kraft und Potential; bei witterungsbedingt kürzerer Reifezeit der Trauben reift die Merlot sicher aus, während die Cabernets sich unreifer präsentieren, die Cuvée wird dann merlotbasiert sein und entsprechend charmant ausfallen. Merlot reift auf spätreifenden, lehmig sandigen Ton-Böden besonders gut und ergibt dort charakteristisch fleischige Weine, die samtiges, geschmeidiges Tannin in milder Säure bieten. Grundsätzlich ähnelt Merlot aromatisch in der Jugend der Cabernet-Familie, entwickelt aber statt deren herber, aristokratischer Gerbstoffdichte eher ‚süßeren’, etwas malzig an Kaffee, Karamell und Nougat erinnernden Geschmack in samtig weichem Gerbstoffprofil.

Über die Herkunft der Rebsorte ist wenig bekannt. Sie findet im 14. Jahrhundert als ‚Crabatut noir’ erste schriftliche Erwähnung in Bordeaux; im Jahr 1784 nennt man sie bereits 'Merlot' und sie wird zu einer der wichtigen Sorten in Bordeaux, wo sie im 19. Jahrhundert zur dominanten Sorte aufsteigt. Dann kommt die Reblaus, die den Rebsortenspiegel in Bordeaux nachhaltig stört. Alte angestammte Sorten wie Abouriou und Carmenère, der fast vollständig verschwindet, Petit Verdot und Malbec, aber auch Grenache, die damals tatsächlich im Bordelais anzutreffen war, verschwinden weitgehend und werden durch Cabernet Franc, vor allem aber durch Cabernet Sauvignon ersetzt. Heute ist Merlot wieder auf dem Vormarsch, vor allem im Médoc wird er seit zwanzig Jahren verstärkt angepflanzt, so daß er seine einstige Vormachtstellung im Rebsortenspiegel des Bordelais wieder anstrebt.

Lange hat man gerätselt, wer die Eltern der beliebten Rebsorte sein könnten. Erst 2009 gelang der Nachweis, daß die so gut wie ausgestorbene, vermutlich sehr alte, frühreifende Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes, die auch zu den Eltern des Malbec gehört, sowie Cabernet Franc die Kreuzungs-Eltern der Rebsorte Merlot sind.

 

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Frankreich - Bordeaux (rechtes Ufer)
rotMerlot
12er Karton
Art-Nr. FBO04001
Inhalt 0.75l
Alkohol: 12,5 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2012+
Restzucker: < 2 g/l
Ausbau: Betontank
Boden: Lehm/Ton
Dekantieren: Nein
Vergärung: Nein
Verschlussart: Naturkork