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Clos Puy Arnaud
2006 war an der Côtes de Castillon wie am gesamten rechten Ufer von Bordeaux ein schwieriger Jahrgang; er ging als einer der verregnetsten der letzen Jahre in die Geschichte der Region ein. Auch Thierry Valette verlor ungefähr 35 % seiner Ernte durch Fäulnis. Sein ‚Clos Puy Arnaud’ des Jahrgangs aber zeigt nichts von der Schwäche des Jahrgangs, weder den typisch metallischen Nachgeschmack auf der Zunge, noch wirkt er leicht, mager und dünn wie so viele andere Weine des Jahrgangs. Nein, ‚Clos Puy Arnaud’ ist 2006 ein richtig hochwertiger, dichter, tiefdunkler Wein, dem durch die Biodynamik im Weinberg die Fäulnis offensichtlich weniger anhaben konnte, als den meisten Nachbarn.
Glücklicherweise gibt es in Bordeaux Leute wie Anne und Thierry Valette, die mit Leib und Seele und seltenem persönlichen Engagement hinter ihrem Wein stehen. Sie haben ihr ‚Clos Puy Arnaud’ zu einem Weingut gemacht, dessen Wein Jahr für Jahr als Referenz für den Jahrgang dient. Thierry Valette schafft es auf faszinierende Weise, jeden Jahrgang in seiner typischen Expression für sich sprechen zu lassen. Wenn man hier vom Faß probiert bekommt man ein Gefühl für das Potential und die Stilistik des Jahrgangs. Hier gibt es kein Winemaking nach Rezept, hier verleiht ungewöhnliche Sorgfalt im Detail qualitative Flügel, denn jeder Wein steht souverän für und über seinem Jahrgang.
Also verspricht auch der vermaledeite Jahrgang 2006 profundes Bordeauxvergnügen. Ein kühler Jahrgang. Er besteht aus 70 % Merlot, 25 % Cabernet Franc und 5 % Sauvignon und wirkt sensibel in der Extraktion im Mundgefühl, dicht, aber fein und frisch setzt er die Kühle des Jahrgangs in noble, distinguierte Reife um, die haarscharf auf die Kante gesetzt ist zwischen Unter- und Überreife. Wohltuend ‚anders’ präsentiert Thierry Valette also den Jahrgang, eher in burgundischer Eleganz als moderner Bordelaiser Aufgemotztheit. Spürbare Mineralität agiert auf der Zunge, kühle Frucht aus gesunden Trauben und exotische Würze aus gekonntem Ausbau. Schwarzkirschen im Duft, kühle schwarze Früchte, Bitterschokolade, dunkler Tabak, saftig und fleischig im Mundgefühl, mit Kraft, samtigem Körper und spielerischer Süße am Gaumen, wo man feine erfrischende Säure in einem ungewöhnlich natürlich wirkenden Wein erlebt. Ein Klassewein von überragender Qualität! Entdecken Sie staunend, wie souverän man einen Jahrgang wie 2006 realisieren kann.
Mir jedenfalls gefällt der Wein in seiner 'leichteren' Stilistik. Er macht Spaß und das Image des Jahrgangs vergessen. Ein kompetenter Winzer, der seinen Weinberg kennt und beherrscht.
Clos Puy Arnaud
Thierry Valettes ‚Clos Puy Arnaud’ ist unter den vielen kleinen Châteaus, die das sogenannte rechte Ufer, die ‚rive droit’, im Osten von Bordeaux bevölkern, ein rares Juwel. Sein 9 ha großes Weingut ist die qualitative Referenz der Region. Das Château liegt auf einem Plateau unweit von Saint Emilion. Die Lage ist erstklassig, die Böden sind kalkig mit dünner Lehmauflage, die Weinberge vornehmlich mit Merlot, ein wenig Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc aber auch mit Carmenère bepflanzt. Deren Durchschnittsalter liegt bei 35 Jahren, die Erträge sind entsprechend niedrig.
Familie Valette gehört zum Establishment in Saint Emilion. Ihr gehörte bis zum Verkauf an Gerard Perse im Jahr 2000 das berühmte 1er Cru ‚Château Pavie’ in Saint Emilion. Nach dem Verkauf erwarb Thierry Valette das heruntergekommene Weingut an der Côtes de Castillon, renovierte es, stellte auf biologischen Anbau um, und engagierte Stéphane Derenoncourt als Weinmacher, der bis zum Jahrgang 2004 die Geschicke leitete. Mit Hilfe von Anne Caldéroni, die seit 2004 den Betrieb berät, stellte Thierry Valette Parzelle für Parzelle auf biodynamischen Anbau um und machte sein ‚Clos Puy Arnaud’ zu einem der Vorzeigebetriebe für biologisch-dynamischen Anbau in Bordeaux, zertifiziert von Ecocert® und Biodyvin®.
‚Clos Puy Arnaud’ bietet Qualität, die den Jahrgang vergessen macht. Für uns ist der Wein stets die Referenz des Jahrgangs. Die Traubenlese erfolgt von Hand, die Trauben werden am Sortiertisch erneut ausgelesen, wobei Thierry Valette als Stilmittel durchaus überreife und leicht unterreife Trauben gleichermaßen verwendet. Vergoren wird auf wilden Umgebungshefen in hölzernen Gärständern, die Weine reifen nach Mazeration und Gärung in zu 30 % neuen Barriques, umgezogen wird ausschließlich mit Schwerkraft, Pumpen kommen auf ‚Clos Puy Arnaud’ nicht zum Einsatz, die Weine werden auch nicht filtriert.
‚Clos Puy Arnaud’ ist ein ungewöhnlich zuverlässiger Weinwert, der vielen renommierten Châteaus in Qualität und Trinkvergnügen weit überlegen ist. Er vereint balsamische Ausstrahlung mit packend dichter Textur, vermählt Extrakt mit Mundgefühl in Gerbstoffen von expressiver Würze und nobler Feinheit und wurde so zum wichtigen Wein in unserem Programm. Realo-Bordeaux aus einem engagiert handwerklich arbeitenden Musterbetrieb, wie er selten ist in Bordeaux.
Die Rebe
Cabernet Franc
Noch vor wenigen Jahrzehnten war Cabernet Franc, früher reifend und wetterresistenter als sein ‚Bruder’ Sauvignon, die Basis eines guten Bordeaux. Er glich die Kapriolen des Merlot und des Cabernet Sauvignon aus. Doch dann verdrängte die moderne Merlot-Seuche den zickigen Franc, der stärker im Wuchs ist als Cabernet Sauvignon und trotzdem einen längeren Anschnitt braucht, weil er kleinere Erträge liefert; sein Hang zum Verrieseln sorgt regelmäßig für natürliche Ertragsreduzierung und die dickschalige Rebsorte ist anfällig für Pilzkrankheiten. Doch der größte ‚Nachteil’ für den Winzer ist sein kleines Reifefenster: Um ein aromatisch reifes und interessantes Aromaprofil zu erzielen, muß Cabernet Franc in einem ganz bestimmten Reifeintervall, das oft nur wenige Tage groß ist, gelesen werden.
Nach seiner Verdrängung aus den Weinbergen des Bordelais über die letzten zwanzig Jahre zwingt jetzt der Klimawandel den kühlend wirkenden Cabernet Franc wieder zurück. Der beliebte Merlot ist zu heiß geworden, zu alkoholisch, er braucht aromatische 'Kühlung'. Die garantieren ihm, neben dem Cabernet Franc, auch die einst altbewährten, dann aber bewußt eliminierten dickschaligen Malbec und Petit Vedot, die derzeit ebenfalls ein ungewolltes aber fast zwangsläufiges Comeback in den Weinbergen Bordeaux feiern.
Wenn Cabernet Franc reif gelesen wird, kann er mit dunkel würzigem, komplexem Duft nach frischem grünem Pfeffer, animierenden Kräutern und kühl wirkendem Hauch von Süßholz und Veilchen aromatisch begeistern. Jene unattraktiv kräuterig grünen, harten Noten, die an unreife Paprika und frisch gemähtes Gras in Duft und Geschmack erinnern, die ihm in den neunziger Jahren schlechten Ruf einbrachten, sind nichts anderes als Indiz für schlechte Laubarbeit im Sommer, zu frühe Lese, unreifes Traubenmaterial und zu hohe Erträge, sprich für schlechte Winzerarbeit.
In Reinkultur kann man Cabernet Franc heute am besten an der Loire erleben und genießen; in Chinon, Bourgueil, Saumur-Champigny oder Brissac bewirkt der Klimawandel wahre Wunder; noch nie waren rote Loireweine so aufregend, so reif und so gelungen wie in den Jahren seit 2001.
So bekannt und beliebt Cabernet Sauvignon ist, so wenig bekannt ist Cabernet Franc. Dabei sind gute reinsortige Cabernet Francs die vielleicht interessanteste Bordeaux-Alternative überhaupt. Interessanter in Duft und Geschmack sind sie, wenn gut gemacht, allemal. Die starken Jahrgangsschwankungen, die die Rebsorte spürbar prägen, strapazieren unsere Loyalität Winzern wie Rebsorte gegenüber allerdings immer wieder. Deshalb scheint die umstrittene Rebsorte ihre optimale Wirkung in Verschnitten mit Cabernet Sauvignon und Merlot am überzeugendsten zu verwirklichen. Ihre aromatische Komplexität und ihre angenehm kühlenden Eigenschaften kommen im elegant frischen Charakter einer gekonnt zusammengestellten Cuvée am besten zur Geltung.
![]() | Frankreich - Bordeaux (rechtes Ufer) |
![]() | Merlot, Cabernet Franc |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Karton |
| Art-Nr. FBO06018 | |
| Inhalt 0.75l |
















