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Château Bel-Air La Royère blanc
Weißer Bordeaux war lange Zeit ein zuverlässiger Selbstläufer in den Sortimenten der Weinhändler. Dann kamen die überholzten Weine, die Preise stiegen und schließlich wurden Charakter und Geschmack durch die einschlägigen Önologen so technisch normiert, daß weißer Bordeaux zurecht das Interesse der Kenner verlor.
„Bel-Air La Royères“ brillanter 100 % Sauvignon Blanc von der Côtes de Blaye, also dem rechten Ufer der Gironde, allerdings setzt neue Maßstäbe. Gekonnt im neuen Holz spontan vergoren und lange auf der Grobhefe ausgebaut, besticht er durch glasklare Frische, rassige Struktur, ein animierendes Bukett nach weißen Pfirsichen, reifer Ananas, Holunderblüten und hocharomatischem Exotenobst. Der kaum wahrnehmbare Hauch feinen Holzes würzt den eigenständigen Weißwein, der Grenzgänger ist zwischen der Opulenz des Südens, mit milder Säure in seidigem Mundgefühl, und der Kühle des Nordens, mit Rasse und knackiger präziser Frische. Ein analytisch rassiger Sauvignon Blanc von den kühlen Ton-Kalk-Böden der Côtes de Blaye, appetitanregendes Beispiel für das, was in Sachen Weißwein möglich ist in Bordeaux, abseits der ausgetretenen Pfade einschlägiger Renommiertropfen.
Château Bel-Air La Royère
Château Bel-Air La Royère ist ein kleiner Bordeaux, der aus der stilistischen Monotonie der Region groß herausragt. Corinne und Xavier Loriaud widmen sich nämlich einer Rebsorte, die das offizielle Bordeaux als Massenträger verdammt, weil es nur einen minderwertigen Klon im Anbau hat: Malbec.
Malbec war im neunzehnten Jahrhundert mit einigen anderen längst vergessenen Rebsorten fester Bestandteil der Bordeauxformel. Heute halten nur noch ein paar wenige Châteaux in Bordeaux an ihr fest, weil sie ihre frische Kühle schätzen. Dank Argentiniens großer Malbec-Qualitäten zieht die Rebsorte neue Aufmerksamkeit auf sich und könnte in Zeiten des Klimawandels als ‚kühlendes Element’ fungieren, um in den zunehmend alkoholischer werdenden Weinen moderner Merlot-Einheitsreifung für Frische und niedrigeren Alkohol zu sorgen.
Auf ‚Bel-Air La Royère’ stehen noch Malbec-Stöcke des alten, hochwertigen Niedrigertragsklons, der heute Argentiniens Rückgrat bildet und jetzt wieder zurück kommt nach Europa. Xavier Loriaud, Diplomönologe mit profunder Erfahrung als Berater renommierter Grand Cru Classés auf der anderen Flußseite, erkannte das Potential des kleinen, heruntergekommenen Châteaux an der Côte gegenüber von Pauillac, kaufte es, renovierte es und produziert dort heute zusammen mit seiner Frau Corinne einen der originellsten und besten ‚kleinen’ Grand Vins neuer Generation. Die Lage ist ideal. Die Reben schauen aufs Wasser, untrügliches Qualitätsmerkmal der Rive droit, und auf 30 % der Rebfläche steht, einmalig in Bordeaux, besagter alter Malbec-Klon, der für das faszinierend andere Geschmacksbild dieses Weines sorgt, den rassig kühle ‚blaue’ Adern in begeisternd hochwertiger Tanninqualität durchziehen; seidig breiten sie sich im Mund aus, trocken, ohne adstringierend zu wirken, umhüllen sie die Zunge, raffiniert kühl wirkend, straff und nobel im Sinne des Wortes. 'Bel-Air La Royère' produziert auch den einzigen reinsortigen Malbec Bordeaux, den wir exklusiv anbieten.
Familie Loriaud versteht ihr Handwerk. Ihre Weine, weiß wie rot, werden spontan vergoren und in teilweise neuen Barriques vergoren und ausgebaut, sie stehen für das Understatement einer neuen Generation profunden Bordeauxvergnügens und sind das wohl überzeugendste Argument gegen die uniforme Niedrigsäure-Langeweile der mit Gummi Arabicum auf Parkers Mundgefühl hingebogenen Neunzig-und-mehr-Punkte-Tropfen, die das 'moderne' Bordeaux so uninteressant machen. Château ‚Bel-Air la Royère’ ist ein persönlicher Bordeaux-Tip, an dem wir uns gerne in unserer dreißigjährigen Bordeaux-Kompetenz messen lassen.
Die Rebe
Sauvignon blanc
Sauvignon Blanc ist nach dem Chardonnay die zweitmeist angebaute weiße Rebsorte der Weinwelt. Sie geht auf eine Zufallskreuzung von Traminer mit Chenin Blanc zurück und gilt als charaktervolle und edle weiße Rebsorte. Tatsächlich kann sie aber auch ärgerlich simpel, aufdringlich und ordinär riechen und schmecken. Heute wird sie häufig mittels spezieller Aromaenzyme vergoren, die aus der Beerenschale ein so simples wie lautes Aroma extrahieren, das unerfahrene Weintrinker begeistert, Kenner der Rebsorte aber eher langweilt. Industriellen Exemplaren aus Übersee wird immer wieder gezielt Methoxypyrazin zugesetzt, ein in Europa verbotener Aromastoff, der in Sauvignon Blanc aber natürlich vorkommt und dessen leicht erkennbares Aromaprofil prägt, ihn weist man hierzulande immer wieder nach.
Pyrazin ist der Oberbegriff für eine Gruppe chemischer Verbindungen, die sich als natürlich vorhandene Aromastoffe vom Pyrazin ableiten. Sie sorgen in vielen Gemüsesorten für vegetale Aromen, entstehen aber auch beim Erhitzen von Lebensmitteln und sorgen dann für die charakteristischen Röstaromen. In Sauvignon Blanc duften Pyrazine mehr oder weniger intensiv, je nach Weinbereitung und Herkunft, nach frisch aufgeschnittener grüner Paprika, grasig und kräuterwürzig, mit einem Hauch Moschus und grünen Früchten wie Stachelbeeren in einem Bukett, das auch an ungeputztes Katzenklo, Litschis und Brennesseln erinnern kann. Oft findet man vor allem in einfacheren Sauvignon Blanc-Qualitäten aus den Randappellationen der Loire einen Geruch, der an Chinaböller oder frisch gezündete Streichhölzer erinnert. Dieser dürfte eher auf zu starker Schwefelung beruhen, als auf dem immer wieder beschworenen 'Gout de Terroir', den die Winzer den Feuersteinen im Weinberg zuschreiben.
Sauvignon Blanc ist wuchskräftig. Je schwerer die Böden, desto höher die Erträge. Dann erreicht die Rebsorte kaum die gewünschte Reife und ihr Wein fällt krautig, mager und aufdringlich grün und scharf aus. Je magerer aber die Böden, desto niedriger die Erträge, desto reifer die Trauben. Dann kann die Rebsorte auch aromatisch zu Hochform auflaufen und trockene, kristallin reine, aromatisch hochkomplexe, animierend erfrischende Weine hervorbringen, wie sie einmalig sind in der Welt des Weißweines.
Sauvignon Blanc zeigte früher starke Anfälligkeit für Pilzkrankheiten, weshalb die Erträge oft unwirtschaftlich ungleichmäßig waren. Heute baut man speziell selektionierte Varietäten an (Klon 297 und 316 sind die am weitesten verbreiteten), die regelmäßigeren Ertrag garantieren, weshalb sich die Rebfläche der populären Rebsorte deutlich vergrößert hat. Sauvignon Blanc steht heute auf Rang 4 der Rebsortenliste Frankreichs.
Oft werden einfache Sauvignon Blancs verschnitten mit Chenin Blanc wie z. B. in der Tourraine; aber auch mit Semillon oder der ebenfalls aromatischen Muscadelle zeigt sie in vielen weißen Bordeaux attraktiven Charakter und bemerkenswerte Alterungsfähigkeit. An der Loire, wo sie ihren Ursprung haben soll, erlebt die Rebsorte reinsortig ihre unverfälschte Inkarnation. Ob auf den kalkhaltigen Böden von Sancerre, den feuersteinhaltigen Böden von Pouilly-sur Loire, wo sie eine rauchige Note erfährt, die ihrem Wein den Namen Pouilly Fumé einbrachte, oder in deren östlichen Nachbargemeinden Quincy und Reuilly, immer beweist Sauvignon Blanc hier wie nirgendwo sonst auf der Welt die perfekte Abstimmung von Rebe und Herkunft, französisch 'Terroir'. Ähnlich analytisch, ähnlich präzise, rein und elegant, ähnlich vornehm, fein und druckvoll gerät sie nirgendwo sonst. Famoses Niveau kann die Rebsorte noch in Österreich und, deutlich seltener, in Deutschland erreichen, vorausgesetzt, sie wurde nicht zu laut, zu schnell und zu aufdringlich vinifiziert durch schnellen Ausbau mit Reinzuchtaromahefen, Tieftemperaturvergärung und Edelstahlausbau, wie er von den meisten Winzern noch immer praktiziert wird. Inzwischen gibt es in der Steiermark oder z. B. der Pfalz langsam agierende Spitzenwinzer, deren Sauvignon Blancs es an Originalität und Präzision, bei ganz anders geartetem Rebsortencharakter als an der Loire, mit deren großen Weinen aufnehmen können. Ansonsten aber besitzt Sauvignon Blanc, wo immer er auch angebaut wird, ob in Neuseeland oder Kalifornien, in Südafrika oder Australien, zwar stets angenehm aromatische, nie aber jene noble Intensität und unverfälschte Komplexität wie an der Loire oder seltener in Bordeaux, der bekannteste reinsortige Sauvignon Blanc dürfte dort 'Pavillon Blanc' von Chateau Margaux sein, wo er sich zu rarer Harmonie und vornehmer Expressivität aufschwingen kann.
Sauvignon Blanc trinkt man am besten jung. Gute Exemplare entwickeln sich über 2-4 Jahre. Länger eingelagert zu werden macht nur für Ausnahmeweine von Ausnahmewinzern Sinn.
![]() | Frankreich - Bordeaux (rechtes Ufer) |
![]() | Sauvignon blanc |
![]() | Langsam |
![]() | 12er Kiste |
| Art-Nr. FBO10100 | |
| Inhalt 0.75l |


















