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Riesling 'Kirchspiel' GG 
2008

Riesling 'Kirchspiel' GG

Was muß ein sogenanntes ‚Großes Gewächs’, das zu den besten Weinen Deutschlands gehören will, können, um seinen doch recht stattlichen Preis zu rechtfertigen? Es muß gut sein! Das freilich behaupten alle großen Gewächse von sich und sind es nicht, wie die alljährliche Verkostung des VdP in Wiesbaden eindrucksvoll unter Beweis stellt. Jahr für Jahr freilich gehören Philipp Wittmanns große Gewächse zu den souverän besten in Deutschland und gereichen so ihrem Ruf als große Gewächse zur Ehre.

Sie sind so ausgefallen, so nachdrücklich, so unverwechselbar und so potent, daß ihr hoher Preis im deutschen wie im internationalen Kontext in Ordnung geht. Ein jeder trinkt, was er versteht. Um diese Weine in ihrer Dimension und Größe zu verstehen, muß man schon ein erfahrener und versierter Verkoster sein. Sonst eröffnet sich einem nicht die Größe dieser weine. Größe bedeutet hier nämlich nicht lauter, dicker, fetter und opulenter, sondern mineralischer, kompakter, feiner, rassiger, sensibler, druckvoller, länger nachklingend, charaktervoller . . .

Wittmanns Großes Gewächs ‚Kirchspiel’ rechtfertig im Jahrgang 2008 seinen Status mit unverwechselbar präsenter Fruchtintegration in burgundisch präziser Mineralität. Meursault aus Westhofen. Kein Links, kein Rechts, sondern präzise Mitte. Hier spielt sich alles ab. Typisch Kalkboden. Knackige, sehr direkt wirkende Mineralität in pikanter Frische mit attraktivem Aromenspiel von Pfirsich, Aprikose, Mango, Lychee und Granatapfel. Frische, kalkige Spuren auf der Zunge, kompakt, straff, säurebetont und enorm druckvoll und lange nachklingend. Kein Keller-Make up, sondern pure, reine Natürlichkeit, die man dem Wein abnimmt. Er wirkt ehrlich, ungeschminkt natürlich, druckvoll im Mund, besitzt kraftvolle innere Dichte mit viel physischer Substanz und puristisch reiner Frucht. ‚Kirchspiel’ ist sensibel, eher leise als laut, eher frische Frucht und Würze als komplexe Mineralität, und besitzt doch enorm viel Potential für zukünftige Weinfreude. 

Weingut Wittmann

Günter Wittmann gebührt das Verdienst, Rheinhessens Weine dem Schlaf der Geschichte entrissen zu haben. 
Unermüdlich war er in den für den deutschen Wein düsteren achtziger und neunziger Jahren auf Messen und Verkostungen als Botschafter der Weine Rheinhessens unterwegs. Er legte den Grundstock für jene Renaissance, die Rheinhessen vom Liebfrauenmilch-Aschenputtel zur vielbeachteten Spitzenweinregion machte. Rheinhessens Winzer durchleben noch immer Höhen und Tiefen, doch die einst belächelte Weinbauregion gilt heute als eine der dynamischsten Deutschlands und Familie Wittmanns agiert nach wie vor an der Spitze dieser Entwicklung.

Seit 1988 arbeiten wir mit Wittmanns zusammen. Schon damals faszinierte uns das Potential ihrer Lage Morstein, das Günter Wittmann unermüdlich propagierte. Heute wissen wir, daß die optisch unscheinbare Lage im Rebenmeer über Westhofen, die schon im 19. Jahrhundert großen Ruf genoß, zu den besten Deutschlands gehört. Wittmanns widmen ihr Jahr für Jahr einen der großen Lagen-Rieslinge des Landes.

Günter Wittmann ist in vielerlei Hinsicht Visionär. So machte er das von ihm gegründete Weingut über die Jahre zu einem der Pionierbetriebe des ökologischen Weinbaus in Deutschland und mit seiner profunden Arbeit im Weinberg setzt er Maßstäbe, die in der Bioweinszene weitgehend unerreicht sind.

Ein Geheimnis des engagierten Biobetriebes ist der Familienzusammenhalt. Für ihre knapp 30 ha, seit 1990 von Naturland® zertifiziert, ziehen Vater Günter und Sohn Philipp, der Ende der neunziger Jahre nach seinem Studium in Geisenheim die Kellerwirtschaft übernahm, an einem Strang. Beide profitieren vom Wissen des anderen und lassen sich gegenseitig Spielraum für Entfaltung; die um sie kreisenden Satelliten hält Mutter Wittmann als ruhender Pol in Organisation und Vertrieb zusammen.
 Diese familiäre Harmonie scheint für die seltene qualitative und stilistische Konstanz über das gesamte Sortiment hinweg verantwortlich, die das Weingut Wittmann in Verbindung mit einer visionären Betriebsdynamik zu einem der führenden Deutschlands macht. In ungewohnter Bescheidenheit und souveräner Professionalität feilt Philipp Wittmann zusammen mit Vater Günter an den Details in Weinberg und Keller. Sie setzen auf natürlich niedrige Erträge durch profunde biodynamische Arbeit im Weinberg, sie schwefeln nur wenn nötig, klären die Moste nur minimal vor, vergären auf wilden Hefen und bauen langsam und schonend auf der Hefe in Holzfässern aus; so präsentieren sich die Weine der Wittmänner wegweisend authentisch und regelmäßig stellen sie herausragende Jahrgangs-Kollektionen. Konsequent haben sie die geschmackliche Qualität ihrer Weine, das Mundgefühl, weiter entwickelt. Simple Konzentration und populistische Plattitüden waren nie ihre Sache, ihnen geht es um die faszinierend „andere“ Seite der Weinqualität, um spürbare Natürlichkeit und mineralisch geprägte Direktheit im Geschmack. Das im Keller abgestimmte Geschmacksbild oder die technisch definierte Betriebsstilistik sind für Wittmanns der pure Horror. Sie widmen ihre Arbeit der ungeschminkten Natürlichkeit im Wein, dem entwaffnend authentischen Herkunftscharakter in visionären Weinindividualisten, die ihre eigene, ganz persönliche Sprache sprechen. Rare Winzer mit Profil.

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Die Rebe

Riesling

Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.

Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.

Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.

Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.

Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.

Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.

Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.

 

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Vorübergehend nicht verfügbar.
je Flasche à 0.75l / 39,73 €/L
inkl. MwSt. / zzgl. Versand
Deutschland - Rheinhessen
weissRiesling
Langsam
6er Karton
Art-Nr. DRH08023
Inhalt 0.75l
Alkohol: 13 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2017+
Restzucker: < 2 g/l
Anbau: Biodynamisch
Ausbau: Tradit. Holzfaß
Boden: Kalkmergel
Besonderes: Naturland®
Dekantieren: Ja
Vergärung: Wilde Hefe
Verschlussart: Naturkork

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