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Riesling 'Gimmeldingen'
2010 scheint sich zu Steffen Christmanns bestem Jahrgang seit der Umstellung auf Bio-Anbau zu entwickeln. Dabei waren 2010, wie schon 2008, die Säuren in der Pfalz das zu beachtende Problem. Doch bei diesem herzhaft frischen, strahlend im Glas stehenden Riesling, einer Cuvée diverser Gimmeldinger Parzellen, steht die Säure nicht im Vordergrund, sie ist wesentlich für Struktur und Wirkung, also für das Mundgefühl, nicht aber für den Geschmack. Die niedrigen Erträge des Jahrgangs scheinen die Säure strukturell anders zu integrieren als man es von den chemischen Werten her geschmacklich erwartet hätte. Sie ist präsent, ist spürbar, man schmeckt sie, aber sie scheint in jener speziell rassigen Weinstruktur zu 'verschwinden', die diesen in der Spitze ungewöhnlich reifen Jahrgang so unverwechselbar auszeichnet.
Steffen Christmanns knochentrockener Riesling aus Gimmeldingen. Ein bißchen dichter und stoffiger als der rassig schlanke Guts-Riesling. Offener und auch zugänglicher, und trotz pfälzischer Fülle und 13 Vol. % auf der Zunge federleicht tänzelnd und transparent in Struktur und Kraft. 2010 bringt spielerische Mineralität auf die Zunge, wirkt pikant und herzhaft in erfrischender Säureader. Sie zieht den Wein buchstäblich über die Zunge und wird dabei perfekt gepuffert von der Konzentration des Jahrgangs. Ein animierender Riesling mit Lustpotential. Ähnlich profilierten Charakter besaß die Pfalz vor wenigen Jahren noch nicht. Ausgezeichneter Essensbegleiter, der sich über die kommenden Jahre vielversprechend entwickeln dürfte.
Weingut A. Christmann
Steffen Christmann, Ex-Jurist und dynamisch aktiver Präsident des Verbandes deutscher Prädikatsweingüter, geht mit seinem traditionsreichen Weingut in der Gemeinde Neustadt-Gimmeldingen, das er in siebter Familien-Generation führt, mutig neue Wege. Steffen Christmann steht für Riesling. Auf rund zwei Drittel seiner Rebfläche hat er ihn stehen. Seine berühmteste Lage Idig bringt eines der großen Pfälzer Weinmonumente hervor. Doch auch Spätburgunder, Weiß- und Grauburgunder, sowie ein wenig Gewürztraminer, St. Laurent und Cabernet Sauvignon hat er im Anbau.
Visionär stellte Familie Christmann vor ein paar Jahren auf ökologischen Weinbau um, seit 2004 widmet sich Steffen Christmann der biodynamische Wirtschaftsweise. Ein wichtiges Signal für den deutschen Spitzenweinbau, den er damit auf eine Zukunft mit und nicht mehr gegen die Natur vorbereitet. Nach der erfolgten Umstellung präsentieren sich seine Weine anders als vorher, konturierter und spürbar profilierter, präziser und klarer unterscheidbar im Herkunftscharakter, sie riechen und schmecken intensiver und wiederlegen die Argumente ihrer Kritker mit Fakten. Die innere Dichte der Weine, ihre physisch fühlbare Substanz, manifestiert sich jetzt in ungewohnt präziser Mineralität, die sich rund um die Zunge aus der Weinstruktur herauszuschälen scheint. Faszinierende Frische läßt die Weine förmlich aus dem Glas strahlen, kompromißlos trocken, extrem reintönig und von begeisternder Definition.
Steffen Christmanns Weine sind bemerkenswert konzentriert, aber zugleich ungemein trinkfreudig. Sie beweisen, daß die Pfalz prägnanten Terroircharakter entwickelt hat. Ihn verdeutlicht Steffen Christmann in vier Gruppen von Weinen: Seinen Gutsweinen, den Ortsweinen, den klassifizierten Lagenweinen, die ihre spezifische Herkunft auf dem Etikett ausweisen, und über all dem stehen seine großen Gewächse.
Steffen Christmanns Handschrift ist schnell erklärt: Reinheit für mehr Komplexität der Herkunft. Die erzielt er durch spontane Gärung und teilweisen Ausbau in Holzfässern, der das besondere Mundgefühl seiner Weine definiert. Sie stehen damit für den Paradigmenwechsel, der derzeit im deutschen Weinbau stattfindet, hin zu nachhaltiger Komplexität, zu mehr Individualität durch Rückbesinnung auf altes Erfahrungswissen, wider simple Technikrezepte mit noch simplerer Frucht. Für Steffen Christmann ist der biologische bzw. biodynamische Weinbau notwendige Vorausetzung für mehr Individualität, mehr Charakter und mehr Herkunft in eigenwillig eigenständigen Weinen, die souverän zur Spitze Deutschlands zählen.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Deutschland - Pfalz |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DPW10314 | |
| Inhalt 0.75l |



















