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Riesling 'Steinreich'
‚Steinreich’. Mosel-Riesling im traditionellen Stil. Der Name ist so programmatisch wie der Stoff in der Flasche. Spontan vergorener, traditionell ausgebauter Steillagen-Riesling aus Trittenheim an der Mittelmosel. Steinreich im Sinne des Wortes sind die steilen, von alten Trockenmauern gestützten letzten Schieferterrassen, die der Trittenheimer Flurbereinigung widerstanden, die diese trockene Spätlese hervorbringen und unverwechselbar prägen, ‚Steinreich’ ist auch Familie Clüsseraths Geheimwaffe gegen die Einfalt der Technik im deutschen Riesling. Dem bequemen Glauben an die Machbarkeit der Technik durch modernen Fortschritt in Weinberg und Keller setzen Vater und Tochter Clüsserath mit ihrem ‚Steinreich’ mutige Herkunftsavantgarde entgegen. Ansgar und Eva Clüsserath gehen mit bewußt traditionell erzeugten Weinen den Weg der Zukunft. Ihre Weine sind unverwechselbar, stehen für ihre Region, riechen und schmecken provokativ eindeutig und programmatisch, sind unbequem, weil nicht stromlinienförmig ‚typisch’, und setzen so Mosel-Impulse weit über Trittenheim hinaus.
‚Steinreich’ ist der Beweis, daß deutscher Riesling nur dann nach Boden, Lage und Herkunft differenziert werden kann, wenn er traditionell, also per wilder Umgebungshefe vergoren und entsprechend lange auf der Vollhefe ausgebaut wurde.
‚Steinreich’ ist seit vielen Jahren Kultstoff in unserem Programm. Nicht nur wegen seines Namens. Selbstbewußt steht er zu seinem im Bukett unschwer erkennbaren Spontanvergärungscharakter, saftig stellt er die niedrigen Erträge seiner alten Reben unter Beweis und durch das lange Hefelager im traditionellen Stückfaß spiegelt er packend die strahlende Mineralität seiner steilen Schieferlagen in animierender Trinkfreude und Frische wider.
2010 war auch in Trittenheim kein einfach zu bewältigender Jahrgang. Eva und Ansgar Clüsserath entsäuerten den Wein nicht, sondern setzten auf Zeit und die natürliche Entsäuerung durch Weinsteinausscheidung. Der Wein verleugnet also die Säure des Jahrgangs nicht. Doch durch die niedrigen Erträge des Jahrgangs puffert seine innere Dichte, seine schiere Substanz und Stoffigkeit, die Säure auf angenehme und bekömmliche Weise. Der Wein wirkt ungemein animierend und trinkfreudig; durch die pikante Säure ist er dieses Jahr eher ein Essensbegleiter als ein entspannender Kamintropfen. Auf jeden Fall dürfte er die Geduld der Reife auf der Flasche belohnen mit einmaligem Charakter, der in diesem historischen Jahrgang besonders kompromißlos und prägnant Mittelmosel signalisiert. Herkunft und Charakter unmißverständlich, überzeugend traditionelle Umsetzung, richtungsweisende Arbeit in Weinberg und Keller, brillante Qualität.
Weingut Ansgar Clüsserath
Als die junge Eva Clüsserath-Wittmann nach ihrer Ausbildung in Geisenheim 2001 im elterlichen Weingut in Trittenheim an der Mittelmosel den Keller übernimmt, ist sie ein unbeschriebenes Blatt. Heute gehört sie zu den renommierten Produzentinnen der Region mit traditionell geprägten Weinen, denen sie mutig eigenständiges Profil zu verleihen versteht.
Den Grundstock legt Vater Ansgar. Er betreut die wenigen Hektar Weinberge der Familie, ausschließlich auf klassischen Steillagen, geht seiner Tochter aber auch im Keller zur Hand. Die beiden sind ein eingespieltes Team mit gegenseitigem Respekt vor der Arbeit des anderen, sie vertrauen sich blind und sind stolz aufeinander.
Selbstbewußt bedienen sich Clüsseraths eines Weinbaus, der sich an sinnvollen und bewährten Traditionen orientiert. Niedrige Erträge und möglichst gesundes Lesegut sind das Ziel ihrer Arbeit. Dafür arbeiten sie so naturnah wie möglich, biologisch sind ihre von uralten Trockenmauern durchzogenen Steillagen nicht zu bewirtschaften. Im Keller unterstreichen sie den handwerklich traditionellen Charakter ihrer Weine durch natürliche Vorklärung ohne Enzyme oder mechanische Beeinflussung, langsame Vergärung mittels wilder Umgebungshefen im traditionellen Holzfaß und viel Zeit auf der Hefe, auf der die Weine so lange reifen dürfen ‚bis sie fertig sind’.
Eva Clüsserath agiert routiniert und gelassen im Keller. Sie greift kaum in den Lauf der Weinbereitung ein. Wenn die Kollegen die ersten Jungweine füllen, ziehen Vater und Tochter Clüsserath ihre Weine zum ersten Mal von der Hefe ab, erst dann werden sie auch zum ersten Mal geschwefelt. Dieser traditionelle, natürliche Ausbau sorgt für mutig eigenständigen Charakter im Glas. Mineralisch vielschichtig präsentiert sich die unmißverständliche Schieferherkunft ihrer Weine in saftig seidigem Mundgefühl, vom süffigen Guts-Riesling bis zur dichten, konzentrierten, trockenen Spätlese.
Familie Clüsseraths charaktervolle Weine sind alles andere als belanglos reinzüchtig ‚fruchtig’; sie sind nachhaltig saftig und aromatisch dicht und komplex, beweisen regionale Identität mit Charakter und Seele, sind spannend stoffig und duftig zugleich, wirken trotz frischer Säure weich und mild auf der Zunge und am Gaumen sanft und cremig. Traditioneller Moselriesling, frisch, nachhaltig und seidig kompakt im Mundgefühl. Tradition im Sinne überlieferten Erfahrungswissens zu neuem Leben erweckt, so engagiert wie überzeugend im Auftritt. Selten genießt man praktizierte Weintradition so souverän umgesetzt wie hier.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Deutschland - Mosel |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DMW10303 | |
| Inhalt 0.75l |


















