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Riesling 'Steinriegel' QbA trocken
Biowein? Ein weites Feld! Nicht alles was Bio heißt, ist im Wein wirklich Bio, weil es für den Keller noch keine Richtlinien gibt. Also wird dort weitgehend konventionell gearbeitet, ein Witz in unseren Augen. Nicht alles, was sich Bio nennt, schmeckt. Dabei schicken sich ‚Bio’ und ‚Biodynamik’ gerade an, im Weinhandel als das neue Marketing-Instrument zur Mode zu werden, alle machen auf Bio. Alles was Bio und Biodynamik ist, ist demnach gut, nachhaltig, wertvoll etc. etc.
Dumme Augenwischerei, denn Weinbau ist Monokultur und die will beherrscht werden. Wenn ein Winzer nicht ein handwerklich guter Winzer ist, erleidet er dabei Schiffbruch. Bio- und Biodynamik-Weinbau sind enorme Herausforderungen, funktionieren längst nicht überall und auf allen Lagen, brauchen eine Menge Erfahrung und sie sind, und das ist nun ganz wichtig, absolut keine Garantie für bekömmlichen und wohlschmeckenden Wein! Im Gegenteil! Es ist alleine der Winzer, der für die geschmackliche Qualität verantwortlich ist, nicht der Jahrgang und schon gar nicht der Bio-Stempel! Wein ist nicht Natur! Es ist auch nicht die Natur, die den Wein macht! Das ist dummes Bio-Geschwafel und so was von dämlich, aber es ist traurig, daß es zu wirken scheint!
Trotzdem haben wir viele Jahre auf Luckerts eingeredet, doch bitte endlich auf biologischen Weinbau umzustellen. Nur der biologische Weinbau ermöglicht die nachhaltige Individualisierung der Weine, vor allem aber des Herkunftscharakters. Das setzt Spitzenwinzer wie Luckerts mit Erfahrung, Fingerspitzengefühl und profundem Wissen über den Weinberg voraus. Die Umstellung auf den biologischen Weinbau hat die beiden Brüder Luckert jedenfalls begeistert, sie haben ihre Weinberge im Griff und geschmacklich und qualitativ zeitigt die Umstellung Wirkung.
2009 ist der zweite Bio-Jahrgang bei Luckerts. Trotzdem präsentiert sich ihr Riesling der Lage ‚Steinriegel’ so prägnant profiliert wie nie zuvor. Er duftet mineralisch nach nassem Stein und herbstlichen Raucharomen; Pfirsich und mundwässernde Zitrusfrüchte stehen über dem Bukett, in dem, charakteristisch für die Sulzfelder Lagen, Kräuter wie Basilikum und Minze aber auch trockenes Heu, Fenchel und Anis und getrocknete Sommerkräuter auszumachen sind. Auf der Zunge wirkt der Muschelkalk mit kraftvoll mineralisch salzigem Griff und herzhaft belebender, vibrierender Säure. Dieser Riesling lebt, er atmet Frische und Würze und wird in den kommenden Jahren an Komplexität gewinnen. Profundes Trinkvergnügen liefert er freilich schon heute.
Zehnthof Luckert
Eine fränkische Weinhandlung mit Anspruch tut sich schwer mit Frankens Weinen. Die meisten „fortschrittlich“ produzierten Frankenweine schmecken als kämen sie aus Neuseeland oder sonst wo her, nur nicht aus Franken. Aromasichere Reinzuchthefen, Vergärung bei niedriger Temperatur für möglichst viel Frucht, zugesetzte Kohlensäure für Pseudo-Frische und ein allgegenwärtiges, publikumswirksames Zuckerschwänzchen garantieren dem „modernen“ Frankenwinzer erfolgreichen Absatz.
Wir verweigern derart banal konzipierte Globalplörre konsequent, egal woher sie kommt. Da können ihre Namen noch so klingend sein, ihre Bewertungen so hoch und ihre Etiketten noch so schön, wir machen auch in der mainfränkischen Nachbarschaft keine Ausnahme.
Wolfgang und Ulrich Luckert aus Sulzfeld bei Kitzingen sind die rare Ausnahme im pseudomodernen Franken-Szenario. Selbstbewußt und zielstrebig pflegen die beiden Vollblutwinzer kompromißlose Regionstypizität in Weinen, die so authentisch sind, wie sie unmißverständlich die Handschrift ihrer Herkunft zeigen: Muschelkalk. Der macht ihre Weine schlank und rassig, in der Jugend fast mager und karg, manchmal auch spröde, denn sie werden kompromißlos trocken ausgebaut. Dafür präsentieren sie sich wohltuend anders als andere und man schmeckt spätestens mit dem zweiten Schluck, daß es Luckerts um authentisch fränkische Spitzenweine geht.
Luckert´s Zehnthof produziert selbstbewußt traditionelle Frankenweine, wie sie einst waren und heute fast ausgestorben sind. Sie bauen ihre Weine im großen Holzfaß aus, vergären sie spontan und lassen sie so lange wie sinnvoll auf der Hefe reifen; im Keller geben sie ihnen die Zeit, die sie brauchen, und im Weinberg haben sie auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. So produzieren Luckerts profiliert fränkische Weinpersönlichkeiten, die Nachhaltigkeit und Authentizität nicht laut propagieren, sondern in typisch fränkischem Understatement und angenehmer Bescheidenheit praktizieren. Wenn Sie Luckerts Weißweine ausreichend dekantieren, werden Sie wahre Weinwunder erleben, die so nachhaltig wirken und schmecken, wie sie nachhaltig produziert wurden. Die souveräne Referenz für Frankenwein.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Deutschland - Franken |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DFW09116 | |
| Inhalt 0.75l |
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