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Grauburgunder 'K&U-Sonderedition' QbA trocken
Holger Koch baut jede einzelne Parzelle seiner Lößterrassen getrennt aus. So entstehen zahlreiche Partien individuell unterschiedlicher Weine, die nominell ähnlich sein müßten, was sie aber nicht sind. Aus diesen Partien dürfen wir uns unsere Favoriten aussuchen, die dann getrennt für uns als ‚K&U-Sonderedition’ gefüllt werden. Sie werden dann länger auf der Hefe im Holzfaß ausgebaut und z. B. auch nicht filtirert und unterscheiden sich so von den anderen Partien des engagierten Biowinzers.
Dieser Grauburgunder des schwierig zu meisternden Jahrgangs 2010 gefiel uns anläßlich unserer Vorverkostungen des Jahrgangs im Januar besonders gut. Er wurde wie alle Weine von Holger Koch langsam spontan vergoren, reifte dann aber für uns über 10 Monate im 500 l-Faß auf der Vollhefe. Ein brillantes Einzelstück, das noch ein wenig Zeit auf der Flasche braucht, um sich zu entfalten. Probieren, trinken und genießen kann man den Wein natürlich jetzt schon mit Vergnügen.
Im Glas steht kein fetter, müder, von der Sonne verwöhnter Ruländer, sondern ein trockener, brillant frischer, ungewöhnlich säurebetonter Grauburgunder, wie man ihn schon für vergessen glaubte: Geschmeidig, cremig und weich in der Fülle, durchaus voluminös badisch, aber durch die charakteristsiche Struktur des Jahrgangs straff und pikant im Mundgefühl. Er wirkt äußerst präzise in seinem rauchigen Rebsortencharakter, geprägt von mineralischer Frische auf der Zunge, wie man sie in Baden nur selten erlebt. 12,5 natürliche Vol. %. So analytisch und expressiv muß badischer Grauburgunder geschmeckt haben, bevor ihn die Flurbereinigung massakrierte und die Industriesonne verwöhnte.
Im Mund löst der Wein richtig Druck aus und beweist einmal mehr die begeisternde Präzision des Jahrgangs. Konzentriert, dicht und kraftvoll, und doch frisch und bekömmlich leicht, deshalb besonders trink- und küchenfreundlich; das bringen ähnlich überzeugend nicht viele badische Grauburgunder dieses Jahrgangs ins Glas. Eine Sonderedition mit Mehrwert, unbedingt vor Genuß dekantieren!
Weingut Holger Koch
Holger Koch aus Bickensohl am Kaiserstuhl beklagt als engagierter Winzer den weltweiten Trend zur pflegeleichten Banalisierung durch bequeme Kellertechnik. Sie brandmarkt er als Bequemlichkeit und Inkompetenz und die Flurbereinigung vor seiner Haustür hält er für eine Katastrophe, weil sie gewachsene Weinkultur unwiederbringlich zerstörte, den Menschen ihre Identität nahm und den badischen Wein qualitativ nivellierte.
Holger Koch konzentriert sich auf durchgegorene trockene Burgunder-Sorten. Ihm geht es um den Herkunftscharakter seiner Weine; elegant aber auch gehaltvoll und stoffig sollen sie sein, ohne fett oder gar süß zu wirken. Holger Koch tritt bescheiden auf, und ist doch einer der qualitativen Hoffnungsträger Badens.
Er vergärt aus Überzeugung spontan, schwefelt so wenig wie möglich, baut in Holzfässern aus und hat vor ein paar Jahren auf zertifiziert ökologischen Anbau umgestellt. Seitdem entdeckt er seine Profession neu. Es macht Spaß ihm zuzuhören, wenn er über seine Reben spricht. Er hat sich und seine Arbeit im Weinberg grundlegend verändert. Sensibel, kompetent und informiert geht er ans Werk. Seine Trauben bringen seitdem völlig neue Weinqualitäten hervor; er attestiert ihnen spürbar veränderte Chemie mit entsprechend verändertem Reife- und Extraktionsverhalten. Wirkten seine Weine früher oft ein wenig bemüht, steif und akademisch, begeistern sie nun mit Saft, Kraft und Ausstrahlung, sie leben und sie animieren den begeisterten Jungwinzer zu rastloser Reflektion über Stil und Qualität.
Holger Koch sieht die Qualität seiner Weine in hochwertigen, kleinbeerigen, aromatischen Trauben, wie sie vor der Flurbereinigung typisch waren in Baden. Visionär ersetzte er über Jahre hinweg die in Baden üblichen Hochertragsreben durch ertragsschwache Massenselektionen. Seitdem begeistern seine Weine mit tiefgründiger Frische, kühler Finesse und rassiger Textur im Mundgefühl. Statt von der Sonne verwöhnt wirken sie in der Jugend manchmal schlank und unscheinbar; kaum beginnen sie aber zu reifen, schmecken sie animierend frisch und erinnern dann in ihrer strahlenden Mineralität eher an Burgund, denn an Badischen Wein wie man ihn kennt.
Holger Kochs knapp 5 Hektar Reben stehen in Bickensohl am südwestlichen Kaiserstuhl. In der wärmsten Gegend Deutschlands entlockt er seinen Lößböden auf terrassierten Südlagen kraftvollen Körper mit frischer, finessenreicher Fruchtfülle. Holger Kochs Weine vereinen enormes Trinkvergnügen mit hohem Anspruch. Mineralische Dichte und Rasse zeichnen seine Weißweine aus, die sich bescheiden geben, aber vibrierend lebendig und stoffig auf der Zunge präsentieren, ohne Aufzuckerung (Chaptalisierung) bekömmlich natürlichen Alkohol aufweisen, nie in der Säure manipuliert und stets kompromißlos trocken ausgebaut werden. Seine zarten Spätburgunder stammen von hochqualitativen Burgunderreben, bezaubern mit duftigem Spiel und rassiger Finesse und beweisen noble aromatische Qualität, sind aber nie dunkelfarbige, dicke Konzentrationsmonster, sondern feine, zarte, nur selten chaptalisierte, nie farbmanipulierte Natur-Pinots, die man am besten kühl serviert. Ein ehrgeiziger Winzer mit visionärem Blick für die Zukunft Badens.
Die Rebe
Grauburgunder
Grauburgunder scheint eine sehr geschmeidige Rebsorte zu sein. Unsere Väter und Großväter schätzten ihn halbtrocken; mild, reif und schlabberweich genossen sie ihn als Ruländer des Sonntags Nachmittags zur Zigarre auf der Fernseh-Couch. Diesem Ruländer verdanken wir das angestaubte Image der Rebsorte. Danach sorgte er als Pinot Grigio beim In-Publikum in Kneipe, Club und Szenelokal für omnipräsente Urlaubsstimmung, die ihn ob der größer werdenden Nachfrage schließlich zum alkoholhaltigen Wirkungsgetränk verkommen ließ. Dem Pinot Grigio verdanken wir nichts! Heute feiert er als Grauburgunder den Wiedereinstand in die Oberliga der Weißweinszene mit Frische, Saft und Kraft in rauchig elegantem, rassig trockenem Neo-Design.
Grauburgunder scheint eine recht alte Rebsorte zu sein, die im frühen Mittelalter in Burgund erstmals Erwähnung fand. Mönche brachten die Rebe im 14. Jahrhundert aus dem Burgund über die Champagne nach Deutschland und Österreich. In einem aufgelassenen Weinberg soll sie im Jahr 1711 von einem Kaufmann aus Speyer namens Johann Seger Ruland gefunden worden sein. Er soll die Qualität der Sorte erkannt haben und für die weitere Verbreitung gesorgt haben, so die Saga, was ihm die Weinwelt mit dem Synonym Ruländer gedankt zu haben scheint. Neue Analysen zeigen, daß Grauburgunder, der nur auf knapp 3.5 % der bundesdeutschen Rebfläche steht, eine Mutation des Spätburgunders aus der Burgunderfamilie ist. In Frankreich und Australien wurde er früher als Tokay-Pinot Gris angebaut; heute, nach einer Klage ungarischer Winzer aus Tokaj, nennt er sich dort jetzt Pinot Gris, in Deutschland und Österreich gibt es ihn als Grauburgunder, in Italien heißt er noch immer Pinot Grigio und im Wallis kennt man ihn als Malvoisie. Synonyme gibt es reichlich, wie es sich für eine so alte Rebsorte geziemt.
Grauburgunder liefert säurearme, aber körper- und extraktreiche Weißweine mit seiner Lesereife entsprechendem Alkoholgehalt. Seinen Namen verdankt er der Farbe seiner Trauben, die im Stadium der Reife leicht blaurote Färbung mit einem Stich ins Graue aufweisen. Als Wein entwickelt er goldgelbe Farbe im Glas, je nach Lesezeitpunkt, Reife und Ausbau mehr oder weniger intensiv in der Gelbtönung, und er verbreitet den Duft frisch aufgeschnittener, reifer Äpfel mit einem charakteristischen Hauch herbstlicher Rauchnoten.
Nach dem reifen, müden Stil der sechziger bis achtziger Jahre und dem zeitgemäß uniformen Primärfrucht-Touch der Neunziger Italo-Jahre macht Grauburgunder nun auf frisch und rassig, auf trinkfreudig und ernsthaft seriös mit regional geprägtem Rebsorten- und Herkunftscharakter, und sorgt so für willkommene Abwechslung im Riesling-Rausch der Jetztzeit.
![]() | Deutschland - Baden |
![]() | Grauburgunder |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DBW10230 | |
| Inhalt 0.75l |


















