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Grauburgunder 'Herrenstück' QbA
Gute Winzer sind souveräne Winzer. Sie machen die Herausforderungen eines Jahrgangs vergessen. Der Jahrgang 2010 war die Herausforderung für jeden Winzer in Deutschland. Bei Holger Koch schmeckt man den Jahrgang, nicht aber seine Probleme. So überzeugend beweist sich die Souveränität des Winzers Holger Koch.
2010 Grauburgunder ‚Herrenstück’. Ein Prachtkerl badischen Grauburgunders. Tiefgründig, zupackend im Biß, dicht gestrickt und angenehm rauchig und füllig im Mundgefühl, das leichter wirkt als üblich, säurebetonter, rassiger, präziser in Mineralität und Fokus. Ein Jahrgang mit ganz eigenem Charakter, der es in sich hat. Klare Aussage, nicht links, nicht rechts, sondern mitten rein mit seinem speckig wirkenden Grauburgunder-Parfum.
Im Trunk fast leicht wirkend, duftig, transparent und trinkfreudig. Doch innerlich kommt er dicht und kompakt, noch unentwickelt, sehr jung, ja fast kantig, seine pikante innere Frische entfaltet sich immerhin seidig und frisch in pikant mineralischem Aromenspiel am Gaumen. Der knochentrocken ausgebaute Wein setzt Maßstäbe in seiner Preisklasse und erfreut sich nicht umsonst größter Beliebtheit als Essensbegleiter. Wer hochwertige Gemüseküche pflegt, kommt um diesen Idealbegleiter kaum herum. Dekantieren und über 2-3 Tage genießen.
Weingut Holger Koch
Holger Koch aus Bickensohl am Kaiserstuhl beklagt als engagierter Winzer den weltweiten Trend zur pflegeleichten Banalisierung durch bequeme Kellertechnik. Sie brandmarkt er als Bequemlichkeit und Inkompetenz und die Flurbereinigung vor seiner Haustür hält er für eine Katastrophe, weil sie gewachsene Weinkultur unwiederbringlich zerstörte, den Menschen ihre Identität nahm und den badischen Wein qualitativ nivellierte.
Holger Koch konzentriert sich auf durchgegorene trockene Burgunder-Sorten. Ihm geht es um den Herkunftscharakter seiner Weine; elegant aber auch gehaltvoll und stoffig sollen sie sein, ohne fett oder gar süß zu wirken. Holger Koch tritt bescheiden auf, und ist doch einer der qualitativen Hoffnungsträger Badens.
Er vergärt aus Überzeugung spontan, schwefelt so wenig wie möglich, baut in Holzfässern aus und hat vor ein paar Jahren auf zertifiziert ökologischen Anbau umgestellt. Seitdem entdeckt er seine Profession neu. Es macht Spaß ihm zuzuhören, wenn er über seine Reben spricht. Er hat sich und seine Arbeit im Weinberg grundlegend verändert. Sensibel, kompetent und informiert geht er ans Werk. Seine Trauben bringen seitdem völlig neue Weinqualitäten hervor; er attestiert ihnen spürbar veränderte Chemie mit entsprechend verändertem Reife- und Extraktionsverhalten. Wirkten seine Weine früher oft ein wenig bemüht, steif und akademisch, begeistern sie nun mit Saft, Kraft und Ausstrahlung, sie leben und sie animieren den begeisterten Jungwinzer zu rastloser Reflektion über Stil und Qualität.
Holger Koch sieht die Qualität seiner Weine in hochwertigen, kleinbeerigen, aromatischen Trauben, wie sie vor der Flurbereinigung typisch waren in Baden. Visionär ersetzte er über Jahre hinweg die in Baden üblichen Hochertragsreben durch ertragsschwache Massenselektionen. Seitdem begeistern seine Weine mit tiefgründiger Frische, kühler Finesse und rassiger Textur im Mundgefühl. Statt von der Sonne verwöhnt wirken sie in der Jugend manchmal schlank und unscheinbar; kaum beginnen sie aber zu reifen, schmecken sie animierend frisch und erinnern dann in ihrer strahlenden Mineralität eher an Burgund, denn an Badischen Wein wie man ihn kennt.
Holger Kochs knapp 5 Hektar Reben stehen in Bickensohl am südwestlichen Kaiserstuhl. In der wärmsten Gegend Deutschlands entlockt er seinen Lößböden auf terrassierten Südlagen kraftvollen Körper mit frischer, finessenreicher Fruchtfülle. Holger Kochs Weine vereinen enormes Trinkvergnügen mit hohem Anspruch. Mineralische Dichte und Rasse zeichnen seine Weißweine aus, die sich bescheiden geben, aber vibrierend lebendig und stoffig auf der Zunge präsentieren, ohne Aufzuckerung (Chaptalisierung) bekömmlich natürlichen Alkohol aufweisen, nie in der Säure manipuliert und stets kompromißlos trocken ausgebaut werden. Seine zarten Spätburgunder stammen von hochqualitativen Burgunderreben, bezaubern mit duftigem Spiel und rassiger Finesse und beweisen noble aromatische Qualität, sind aber nie dunkelfarbige, dicke Konzentrationsmonster, sondern feine, zarte, nur selten chaptalisierte, nie farbmanipulierte Natur-Pinots, die man am besten kühl serviert. Ein ehrgeiziger Winzer mit visionärem Blick für die Zukunft Badens.
Die Rebe
Grauburgunder
Grauburgunder scheint eine sehr geschmeidige Rebsorte zu sein. Unsere Väter und Großväter schätzten ihn halbtrocken; mild, reif und schlabberweich genossen sie ihn als Ruländer des Sonntags Nachmittags zur Zigarre auf der Fernseh-Couch. Diesem Ruländer verdanken wir das angestaubte Image der Rebsorte. Danach sorgte er als Pinot Grigio beim In-Publikum in Kneipe, Club und Szenelokal für omnipräsente Urlaubsstimmung, die ihn ob der größer werdenden Nachfrage schließlich zum alkoholhaltigen Wirkungsgetränk verkommen ließ. Dem Pinot Grigio verdanken wir nichts! Heute feiert er als Grauburgunder den Wiedereinstand in die Oberliga der Weißweinszene mit Frische, Saft und Kraft in rauchig elegantem, rassig trockenem Neo-Design.
Grauburgunder scheint eine recht alte Rebsorte zu sein, die im frühen Mittelalter in Burgund erstmals Erwähnung fand. Mönche brachten die Rebe im 14. Jahrhundert aus dem Burgund über die Champagne nach Deutschland und Österreich. In einem aufgelassenen Weinberg soll sie im Jahr 1711 von einem Kaufmann aus Speyer namens Johann Seger Ruland gefunden worden sein. Er soll die Qualität der Sorte erkannt haben und für die weitere Verbreitung gesorgt haben, so die Saga, was ihm die Weinwelt mit dem Synonym Ruländer gedankt zu haben scheint. Neue Analysen zeigen, daß Grauburgunder, der nur auf knapp 3.5 % der bundesdeutschen Rebfläche steht, eine Mutation des Spätburgunders aus der Burgunderfamilie ist. In Frankreich und Australien wurde er früher als Tokay-Pinot Gris angebaut; heute, nach einer Klage ungarischer Winzer aus Tokaj, nennt er sich dort jetzt Pinot Gris, in Deutschland und Österreich gibt es ihn als Grauburgunder, in Italien heißt er noch immer Pinot Grigio und im Wallis kennt man ihn als Malvoisie. Synonyme gibt es reichlich, wie es sich für eine so alte Rebsorte geziemt.
Grauburgunder liefert säurearme, aber körper- und extraktreiche Weißweine mit seiner Lesereife entsprechendem Alkoholgehalt. Seinen Namen verdankt er der Farbe seiner Trauben, die im Stadium der Reife leicht blaurote Färbung mit einem Stich ins Graue aufweisen. Als Wein entwickelt er goldgelbe Farbe im Glas, je nach Lesezeitpunkt, Reife und Ausbau mehr oder weniger intensiv in der Gelbtönung, und er verbreitet den Duft frisch aufgeschnittener, reifer Äpfel mit einem charakteristischen Hauch herbstlicher Rauchnoten.
Nach dem reifen, müden Stil der sechziger bis achtziger Jahre und dem zeitgemäß uniformen Primärfrucht-Touch der Neunziger Italo-Jahre macht Grauburgunder nun auf frisch und rassig, auf trinkfreudig und ernsthaft seriös mit regional geprägtem Rebsorten- und Herkunftscharakter, und sorgt so für willkommene Abwechslung im Riesling-Rausch der Jetztzeit.
![]() | Deutschland - Baden |
![]() | Grauburgunder |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DBW10210 | |
| Inhalt 0.75l |


















