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Pinot Noir 'Bloody Hill'
Ein typischer Mayer, also völlig anders als das, was Sie von einem typischen Aussi-Pinot erwarten: Hellfarbig und transparent im Erscheinungsbild, so duftig wie tiefgründig im Bukett und auf der Zunge zupackend im Biss mit erfrischender Säure und ungewöhnlich präsenter Gerbstoffstruktur, die den Wein lang und dicht macht am Gaumen.
Ein begeisternd 'anderer' Aussi-Pinot zu ausgesprochen fairem Preis. Fragil im Erscheinungsbild, trotzdem kraftvoll in seiner inneren Dichte. Im Duft beerig-würzig mit Anklängen an grünen Tee und weihnachtlichen Gewürzen, delikat bis in den letzten Mundwinkel und herrlich trinkfreudig. Attraktiver im Trunk und ehrlicher im Glas kann hochwertiger Pinot Noir kaum ausfallen. Es gibt also auch in Australien frischen, delikaten Pinot Noir.
Timo Mayer macht seine Weine so unmanipuliert wie möglich. Sein zarter Pinot des Hitzejahrgangs 2009 steht für sein profundes Können. Federleicht wirkt er in Erscheinungsbild und Trunk, und hat doch die Potenz, glücklich zu machen. Er paßt damit perfekt in unser Pinot Noir-Konzept, das rund um den Globus die spannendsten und eigenständigsten Pinot Noirs sucht, um dem unzuverlässigen und teuren Minenfeld Burgunds Paroli zu bieten. Hier hat man stilistisch einen Côtes de Nuits im Glas; aromatisch fragil aber potent, strukturell duftig und transparent aber von erfrischender Säure getragen, die die feinherbe Gerbstoffdichte des Weines lange über die Zunge trägt, um sie in wunderschöner Beeren- und Würzaromatik am Gaumen ausklingen zu lassen. Ein Pinot ganz eigener Struktur und Würze mit sehr angenehmem Mundgefühl, das Zartheit und Kraft gekonnt vereint. Schön, daß es selbstbewußte und kritische Originale wie Timo Mayer gibt, die eigene Wege zu gehen wagen.
Timo Mayer
Weine aus ‚down under’ haben uns noch nie begeistert. Wir waren vor Ort, haben zahlreiche Winzer besucht, einige Weine auch importiert, doch je mehr wir uns mit Chemie und Technik im Keller beschäftigten, um so mehr gingen uns die allgegenwärtigen Manipulationen in Australiens Weinindustrie auf die Nerven, so daß wir schließlich Australien und seinen Weinen den Rücken kehrten.
Eines Tages stand Timo Mayer bei uns im Laden. Ein freundlich hemdsärmeliger Typ in den besten Jahren, dessen unprätentiöses Auftreten und wundersames Kauderwelsch aus Englisch und Schwäbisch so sympathisch rüber kam, daß wir uns auf Anhieb verstanden. Wein wollte er uns verkaufen. Ausgerechnet aus Australien. Wortreich wollten wir ablehnen . . . Doch der widerspenstige Schwabe zog vier Flaschen aus dem Karton, öffnete sie und erklärte uns, daß wir seine Weine einfach importieren müssen. Mutig, dachten wir und machten uns ans Kosten.
Uuuupps! So etwas hatten wir aus Australien noch nicht probiert: Traumhaft stilistische Australier, lebhaft und irgendwie sehr ehrlich im Charakter, verblüffend präzise im Trunk, mit natürlich (!) frischer Säure und ungewohnt animativer Kühle in Duft und Geschmack. Diese Sprache verstanden wir sofort. Authentische, ehrliche und absolut überzeugende Qualitäten.
Timo Mayer kam, sah und siegte also. Der Remstaler lebt seit den neunziger Jahren in Australien. Er war Weinmacher bei den Großen des australischen Weinbusiness, hatte dann aber wie wir die Nase voll von den Manipulationen und beschloß fortan trinkbare, unmanipulierte Weine ‚für sich’ zu machen. Die Idee für ‚South Pack’ war geboren, einer Gruppe ehemaliger Industrie-Weinmacher, die sich unterschiedlichen Rebsorten und Stilen widmeten. Heute produziert Timo Mayer auf 2.5 Hektar im kühlen Yarra Valley östlich von Melbourne winzige Mengen legendärer Pinot Noirs, einen Chardonnay und einen Shiraz, allesamt schonend ohne Eingriffe auf Flasche gebracht.
'Bring back the funk' ist das Motto seiner winzigen Produktion. Nur rund 700 Kisten gibt es pro Jahrgang. Mayer genießt großen Ruf als brillanter Winemaker und seine sensationell ‚anderen’ Weine werden in Australiens Weinszene unter Insidern als Geheimtip gehandelt. Sie sind zu noch sehr fairen Preisen zu haben und nicht nur deshalb eine absolut überzeugende Bereicherung unseres Programms.
Die Rebe
Pinot Noir
Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.
Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.
Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.
Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.
Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht. Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet.
![]() | Australien - Yarra Valley |
![]() | Pinot Noir |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. AUS09101 | |
| Inhalt 0.75l |
















