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Syrah  
2005

Syrah

Reine Syrah aus Spanien? Ist das nicht Langeweile pur?

Wenn die Natur mitmacht, widmet die Venta d´Aubert jener Rebsorte, die in einem Jahrgang besonders gut gelingt, eine reinsortige Spezialcuvée, um das Potential dieser Rebsorte auszutesten. 2005 ist es reinsortige Syrah, wobei Weinmacher Stefan Dorst der Balanceakt von internationaler Rebsorte und regionalem Charakter souverän gelingt, ohne in modische Plattitüden abzugleiten.

Von 20 Jahre alten Reben, damals visionär gepflanzt im Bajo Aragon im Hinterland des Priorat, stammen die Trauben für diese beeindruckend dimensionierte Syrah, von der es nur 10 Barriques in die Spezialcuvée schafften. Der exzellente Jahrgang 2005 ließ die Trauben der ältesten Reben der Bodega perfekt ausreifen. Stefan Dorst sah sie und beschloß spontan, aus den besten Partien besagte Spezialcuvée zu keltern. Reinsortige Syrah hatte es bis dahin noch nicht gegeben auf der Venta d´Aubert. Die Trauben wurden über 4 Wochen im Holzbottich vergoren. Ihr Wein kam dann auf der Feinhefe ins Barrique, wo er nicht nur die Malolaktik absolvierte, sondern auch 30 lange Monate reifen konnte. Stefan Dorst hatte den richtigen Riecher, die Syrah gelang perfekt.

Edle Gewürze integriert sie in ein expressiv ‚männliches’ Duftspektrum von berauschender Reintönigkeit und unerwarteter Vielschichtigkeit. Eine solche Syrah vermutet man nicht in Spanien: Mehr erdige Würze als simple Frucht, kraftvolles Tannin in kerniger Substanz, balsamische Dichte, pikant animierende Cassis- und Wildkräuter-Noten, getragen von der Frische der Höhenlage der Venta d´Aubert. Eine rare Syrah, die Rasse besitzt und auch im internationalen Kontext bemerkenswert eigenständig ausfällt. Ab in die Karaffe und bei 16-18°C servieren. Saft und Kraft für Jahre.  

 

Venta D´Aubert

Michèle Hörler und Michael Rudolf verwalten seit ein paar Jahren die rund 80 ha große Bodega "Venta d´Aubert" in der wilden kargen Landschaft des Bajo Aragon, überragt von den Gipfeln des Puertos de Beceite, nicht weit vom berühmten Priorat entfernt. Weingut und Reben liegen 580 Meter über dem Meeresspiegel und nur knapp drei Kilometer trennen die Bodega von der Terra Alta. Dann läge sie in Katalonien und der Verkauf der Weine wäre um ein Vielfaches einfacher. So liegt sie im Bajo Aragon, und das ist önologisches Niemandsland. Es gibt dort keine eigenständige Appellation. Deshalb sind alle Weine der „Venta D´Aubert“ als Landwein eingestuft, auf spanisch „Vino de la Tierra“. Das ist nettes Understatement, denn ihre Weine gehören seit langem zur Oberliga der spanischen Weinszene, finden sich auf den besten Weinkarten des Landes und im Export, der immerhin 70 % des Umsatzes ausmacht, gelten sie als arrivierte Botschafter spanischer Weinavantgarde. In dieser Ecke Spaniens ist es still geworden in den letzten 50 Jahren. Das Land ist weitgehend entvölkert. Industrie gibt es hier so wenig wie Tourismus. Die Einheimischen treiben Landwirtschaft auf niedrigem Niveau. Die Natur ist wild und unberührt, die Region wirkt arm und verlassen. Es herrschen extreme Klimaverhältnisse im Bajo Aragon. Eisig kalt sind die Winter, heiß die Sommer, und es wehen starke Winde, die Menschen und Reben gleichermaßen fordern. Ein ziemlich mutiger Ort, um Wein zu machen. Ruth Brandestini und Peter Mühlemann aus der Schweiz begannen 1987 hier zu einer Zeit Reben zu pflanzen, als Spaniens Weinwirtschaft noch im Tiefschlaf vor sich hindämmerte. Damals bestand "Venta d´Aubert" aus völlig verwahrlosten Grenache Noir-Reben, der am besten an die harten klimatischen Verhältnisse des Bajo Aragon adaptierten Rebsorte, die in Spanien „Garnacha Tinto“ heißt. Sie ergänzt in Cuvées andere Rebsorten ideal, weil sie weiche, aromatische Fülle in sanfter, präsenter Gerbstoffstruktur beisteuert. Um die schwere alkoholische Wärme der Grenache zu puffern, pflanzten die Schweizer Reb-Pioniere damals visionär, in ihrer Zeit sogar revolutionär, die "kühlen" Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, die damals noch nicht als moderne Globalsorten galten. Tatsächlich erwiesen sie sich als richtig für Terroir und Klima auf „Venta d´Aubert“, denn sie gediehen auf den tonhaltigen, kargen, mit Kalkgestein im Untergrund versehenen Böden ausgezeichnet. Heute sind auf „Venta d´Aubert“ 18 ha mit Reben bepflanzt. Eine neue Bodega mit großzügigem Barriquekeller wurde gebaut und die neuen Schweizer Verwalter Michele Hörler und Michael Rudolf gehen mit profundem Engagement ans Werk. Seit 1999 werden sie vom deutschen Önologen Stefan Dorst beraten, der Alvario Palacios Nachfolge antrat und aus dem Stand für dramatische Qualitätssteigerung sorgte. Aus heutiger Sicht mag die Rebsortenzusammensetzung auf „Venta d´Aubert“ nicht sonderlich originell sein. Von Cabernets, Merlots und Syrahs wimmelt es schließlich inzwischen in Spanien. Doch kein anderer Betrieb in Spanien kann mit ähnlich raffinierter Frische in derart dichter Struktur zu derart realistischen Preisen aufwarten. Die Weine der „Venta d´Aubert“ sind in vielerlei Hinsicht avantgardistisch: Sie sind unerwartet haltbar und entwicklungsfähig; sie entwickeln sich über zehn und mehr Jahre in ungewöhnlicher Konstanz, bleiben dabei erstaunlich frisch und reif und vermitteln stets seltene Trinkfreude; sie sind hochextrahiert und dicht, zugleich aber frisch und elegant im Trunk wie nur wenige andere spanische Weine; sie werden nie von neuem Holz dominiert und ihre Alkoholgehalte bewegen sich in "normalem" Rahmen, was im alkoholverliebten Spanien die Ausnahme ist. Sind es typisch spanische Weine? Schluck für Schluck spiegeln die Weine der "Venta d´Aubert" ihre wilde, hart erkämpfte Herkunft wieder. Deshalb sind sie so authentisch wie typisch. Nur eben anders als andere.

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Die Rebe

Syrah

Syrah und Shiraz. Faszinierende Vielfalt, enormes Potential, verkannte Rebsorte. Die Geschichten (und Märchen) über den Ursprung dieser inzwischen weltweit populären Rebsorte nennen Shiraz im alten Persien und Syrakus in Sizilien gleichermaßen als historischen Ursprung. Bis heute ist ungeklärt, woher die Syrah-Traube wirklich stammt. In Argentinien heißt sie ob ihres stark duftenden würzigen Buketts treffend "Balsamina", in Italien "Neretto", wo sie aber kaum jemand mit Syrah verbindet, weil sie dort mit relativ hohen Erträgen belastet wird, und selbst in Frankreich besitzt sie als "Serine" ein weiteres Synonym.

Wie kaum eine andere rote Rebsorte setzt Syrah die Qualität des Standortes in Aromafülle und Charakter um. Wenn die Erträge zu hoch werden, neigt sie zu primär reduktiven Böcksern, schmeckt verwässert, metallisch und blechern und entwickelt fast schon ordinär simple Aromen. Auch wenn sie zu reif gelesen wird verliert sie an Aroma und Säure. Syrah ist ertragreich und krankheitsresistent, aber sie verrieselt leicht und ihr Holz ist stark windbruchgefährdet, weshalb sie im südlichen Rhônetal, wo der berühmte Wind Mistral regiert, nur an besonders windgeschützten Stellen gedeiht.

Auf kurzen Rebschnitt reagiert Syrah mit niedrigen Erträgen. Nur dann entwickelt sie jene dichte, kompakte Aromatik von sehr spezieller tiefer, dunkler, würziger Komplexität, deren Spektrum in der Jugend von schwarzem Pfeffer über Pferdemist bis zu frischem Fleisch und verbranntem Gummi reicht - je nach Terroir, Boden und Exposition, vor allem aber je nach Reife. Große reife Syrah duftet nobel und balsamisch wie hochkarätiger Saint Emilion. Besonders komplex und anspruchsvoll gelingt Syrah auf Granit (Hermitage und Cote Rotie), aber auch auf Schiefer (Cornas und St. Joseph).

Anders als in der Literatur oft beschrieben, besitzt Syrah, von der es kaum Klonenselektionen gibt, keine ausgeprägt dicke Beerenschale, sondern die mittelgroßen Trauben, die kompakt und deutlich zylindrisch geformt am Stock hängen, enthalten Beeren mit unerwartet feinen Schalen, die aber außergewöhnlich widerstandsfähig sind und eine Pigmentdichte von extremer Gesamtkonzentrationen aufweisen: Bis zu 40 % liegt die Farbpigmentdichte von reifer Syrah über derjenigen der dunklen, farbstarken Carignan! Diese Tatsache prädestiniert Syrah für lange Reifezeit und forcierten Faßausbau. Deshalb bietet Syrah ungewöhnlich sichere Entwicklung und Haltbarkeit. Deshalb ist das stilistische und geschmackliche Spektrum von Syrah/Shiraz je nach Extraktion, Mazeration, Herkunft, Ertrag und Ausbau so vielfältig. Deshalb besitzt Syrah eine so faszinierend hochwertige Qualitäts-, Geschmacks- und Stilbandbreite, die sie zu einer der besten roten Rebsorten überhaupt macht, deren qualitatives Potential aber chronisch ignoriert wird.

 

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je Flasche à 0.75l / 42,67 €/L
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Spanien - Bajo Aragon
rotSyrah
Langsam
6er Karton
Art-Nr. SRR05210
Inhalt 0.75l
Alkohol: 14 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2014+
Restzucker: 0,6 g/l
Anbau: Biologisch
Ausbau: Neues Barrique
Boden: Kalkmergel
Dekantieren: Ja
Vergärung: Reinzuchthefe
Verschlussart: Naturkork

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