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Riesling 'Auf Vulkangestein'
2010 war für Luise Freifrau von Racknitz und ihren Mann Matthias Adams eine Katastrophe. Die Mengen fielen winzig aus. Es stand Spitz auf Knopf für die zwei Jungwinzer, ihre Existenz war ob der leeren Fässer im Keller ernsthaft gefährdet. Doch sie hielten durch, verkauften ihre brillanten 2009er und 2008er Weine aus und warteten auf 2011. Trotz der enormen Trockenheit des Jahrgangs bescherte ihnen dieser etwas größere Mengen und dem Schlimmsten waren sie entronnen. Das Winzerdasein kann manchmal ziemlich ungerecht und hart sein. Wenn das nur die Weinfreunde manchmal bedenken würden, wenn sie wieder über Preise und Schnäppchen diskutieren. . .
Trotz der winzigen Menge und der Herausforderungen, die 2010 bereit hielt, gelangen die Weine von Luise von Racknitz und Matthias Adams exzellent. Ein Jahrgang auch bei Ihnen, der viel besser ausfiel als sein Ruf. Wer, wie die beiden, auf die Ausreifung der Trauben wartete, konnte brillante Weine vorweisen, wie unser Programm an Weinen des Jahrgangs eindrucksvoll unter Beweis stellt. Wir halten, ganz ehrlich, die guten Weine des Jahrgangs 2010 für herausragend und vermutlich für besser als 2011. Die Zeit wirds zeigen. Bei von Racknitz jedenfalls präsentieren sich die winzigen Mengen an 2010er Weinen in rarer Höchstform. Sie werden in den kommenden Jahren viel Spaß machen, sofern sie nicht vorher getrunken sind.
Ihr Vulkangestein 2010 kommt bekömmlich im Alkohol daher und wirkt dicht und komplex auf der Zunge. in cremig opulentem Spiel würzt er mineralisch die Zungenränder, packend in der Säure, die harmonisch gepuffert wird von der Substanz dichter Reife, die der Jahrgang seinen guten Weinen durch die niedrigen Erträge auf faszinierend unverkennbare Weise mit auf den Weg gab. Dicht wirkt der Wein, richtig substantiell; seine Säure wirkt spielerisch präsent, eingehüllt in gelbe, reife Kraft, wie sie typisch ist für die Stilistik von Luise von Racknitz und Matthais Adams. Kandierte Orangenschalen, Zitrusfrüchte, würzige Sommerkräuter, sanfte Kraft in pikanter Würze mit einer Mischung aus nassem Gestein und wilder Kräuterpracht. Stilistisch ungewohnt und eigenständig, aber stilsicher und authentisch. Nicht schön ‚zurecht gemacht’ im Keller, sondern selbstbewußt in Identität und Charakter belassen. Mutig anderer Nahe-Riesling mit Kraft, Individualität und Ausstrahlung. Unbedingt dekantieren!
Weingut von Racknitz
Im heißen Jahr 2003 installierten Luise Freifrau von Racknitz und ihr Mann Matthias Adams ihr Weingut am Disibodenberg inmitten spektakulärer Grand Cru-Steillagen. Sie wollten die beiden dynamischen Jungwinzer neu und anders als bisher zum Klingen bringen, was ihnen heute, wenige Jahrgänge später, eindrucksvoll gelungen ist. In visionärer Weitsicht praktizieren die Jungwinzer den Wandel vom ‚schönen’ Nahe-Wein zum unverwechselbar herkunftsgeprägten Lagen-Wein, der das Potential der erstklassigen, teilweise vergessenen Grand Cru-Lagen der Region nachhaltig und unverwechselbar widerspiegelt. ‚Terroir mit eindrucksvoller Wein- und Kulturgeschichte’ nennen die beiden ihr Projekt, das sie von Jahr zu Jahr überzeugender und stringenter zu realisieren verstehen.
Das Weingut, der ehemalige Gutshof des berühmten Klosters Disibodenberg, auf dem Hildegard von Bingen lebte und wirkte, liegt im mittleren Nahetal. Römische Spuren weisen hier auf Reben am Südhang des Disibodenbergs hin. Seit 1753 befindet sich das Weingut im Besitz der Familie von Racknitz, doch erst seit 2003 machen Weine und Winzer von sich reden.
Im Keller ist Luise von Racknitz Protagonistin des langsamen Weines®. Die von Hand gelesenen Trauben werden kaum abgebeert, sondern mit Stiel und Stengel auf der Maische mazeriert; der Most wird langsam spontan auf der wilden Hefe vergoren, um anschließend im Keller viel Zeit auf der Hefe zu verbringen. Auf die übliche Chaptalisierung wird bewußt verzichtet, die Weine präsentieren sich deshalb angenehm natürlich im Alkohol, aber bemerkenswert komplex, vielschichtig und cremig transparent im Mundgefühl.
Mühsam und aufwendig bewirtschaften die beiden Jungwinzer steilste Terrassen- und Hanglagen. Sie forsten aufgelassene Parzellen auf, regenerieren vergessene Grand Cru-Lagen und pflegen alte Reben liebevoll in Handarbeit. Die Umstellung auf biologischen Anbau ist vollzogen. Dieser harte Einsatz hat dem Weingut binnen weniger Jahre Respekt und Ausnahmestatus gebracht, denn Luise von Racknitz und Matthias Adams lösen über Jahrzehnte gewachsene Hierarchien an der Nahe auf und setzen mit ihren Qualitäten neue Maßstäbe. Ihre Weine sind visionär, mutig und überzeugend, ihre Philosophie so kompromißlos weitsichtig wie nachhaltig, sie zelebrieren Winzerhandwerk als Winzerkunst. Ein K&U-Musterbetrieb, den wir mit Nachdruck nachhaltig unterstützen.
Hier ein kurzweiliger Film mit interessanten Hintergrundinformationen zum Weingut.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Deutschland - Nahe |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DNA10001 | |
| Inhalt 0.75l |



















