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Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über  tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt... Mehr
Unser Tipp für diese Rebe
2009
Pinot Noir 'Bloody Hill'
25,00 €
 
Zart aber potent: Pinot Noir
Keine andere Rebsorte verursacht solchen Frust, aber auch solchen Genuß wie Pinot Noir. Es gibt sie, die Alternativen zu Burgund.

Pinot Noir gilt als die schwierigste, sensibelste, unnahbarste und am schwierigsten zu verarbeitende große rote Rebsorte der Weinwelt. Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris, Pinot Meslier oder Pinot Madeleine = Frühburgunder existent. Alleine in Frankreich kennt man über 50 verschiedene Abarten, von denen jede ihre charakteristische Morphologie der Traube sowie stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt.

Pinot Noir ist dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb sich die Rebsorte vor allem in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat. Sie treibt nicht nur früh aus, sie ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln, feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag sie deshalb gar nicht. Am besten gedeiht sie auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, wo sie so langsam ausreift, daß sie Aroma und Säure nicht verliert.

Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Qualität der Lage, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Die in jeder Hinsicht sensible Rebsorte ist anfällig für beide Mehltauarten und für Fäulnis, denn ihre Beerenhaut ist dünner als die aller anderen roten Sorten. Standort, Bodenchemie und Mineralienhaushalt entscheiden über ihre geschmackliche Qualität.

Pinot Noir verhält sich aber auch im Keller zickig. Dort muß man die dünnschaligen Beerenschalen so schonend wie möglich extrahieren, um ihnen möglichst viel Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe zu entziehen, darf sich dabei aber keine bitteren Gerbstoffe einhandeln, und auf Schwefel reagiert Pinot Noir im Keller sofort mit Farbverlust. Neben der Qualität der Herkunft ist also die Qualität der Weinbereitung alles entscheidend.

Deshalb gibt es wie bei keiner anderen roten Rebsorte unterschiedliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die zu einem enorm vielfältigen Stil- und Qualitätsspektrum führten. So ernten die einen vollreife Trauben, während andere auf physiologische Reife setzen. Die einen vergären grundsätzlich mit Stiel und Stengel, andere beeren konsequent ab, wieder andere belassen einen gewissen Prozentsatz Stiele in der Maische. Es gibt die Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben vor der Gärung kalt mazerieren, um ihren Schalen möglichst viel Frucht und intensive Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe zu entziehen. Es gibt aber auch die Traditionalisten, die ohne Eingriffe von außen warm vergären und deshalb relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber besondere aromatische Finesse und Struktur aufweisen. Letztlich gleicht kein Pinot Noir dem anderen.

Bei Pinot Noir liegen Frust und Vergnügen so nah beieinander wie bei keiner anderen Rebsorte.

Bei Pinot Noir gibt es keine Regel, kein gültiges Rezept, keine Qualitätsgarantie. Jedes Jahr fällt jeder Wein anders aus, jedes Jahr muß man jedem Winzer aufs Neue ins Faß gucken. Stilistik, Aroma und Geschmack reichen von simpel und sauer, mager und dünn, zu fest, fast schon streng, bis zu tanninschwer, unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht, jeder muß für sich suchen und finden.

Burgund als das große Leitbild halten wir für zu teuer, für überbewertet und unzuverlässig. Burgund ist ein Minenfeld, das nur deshalb so reibungslos funktioniert, weil sich der wohl unkritischste aller Weinhandel damit beschäftigt. Keine Frage, ein großer Burgunder ist eines der eindrücklichsten und maßstäblichsten Weinerlebnisse, das ein Weinfreund haben kann. Doch der Weg dahin ist mit Leichen gepflastert, sündhaft teuer und die Trefferquote gering. Frustvergnügen. Deshalb beschäftigen wir uns mit den Alternativen. Die waren in der Vergangenheit nur zu oft plump und konnten mit ihrer simpel pflaumigen Überreifearomatik nicht überzeugen. Doch seit ungefähr zehn, fünfzehn Jahren beschäftigen sich ambitionierte Winzer in allen kühlen Klimazonen der Welt engagiert mit Pinot Noir, so daß der kundige und neugierige Weinfreund heute aus einem breiten Stil- und Geschmacksspektrum wählen kann. Noch nie war Pinot Noir außerhalb Burgunds so spannend und so hochwertig alternativ wie heute: Sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, von Süße und Säure, von Kraft und Finesse, ausbalanciert und eigenwillig spannend, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet, Vergnügen ohne Frust. 

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