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Riesling 'Quarzit' Zwei Trauben
Den Jahrgang 2009 hat Peter Kühn auf den Punkt getroffen. War sein Jahrgang 2008 straff und fast schon mutig natürlich, präsentiert er 2009 sein gesamtes Portfolio saftig und schmelzig im Mundgefühl, durchzogen von pikanter Säure, die sanft gepuffert wirkt.
Peter Kühn läßt jedem Jahrgang sein ganz eigenes, ehrliches Profil. Die Doosberg-Parzelle, die ihm diesen längst legendären Quarzit-Riesling liefert, durchziehen tatsächlich Adern grauen Quarzits. Sie sorgen für kraftvoll dichte, mineralisch geprägte Struktur in einem ganz auf die Zunge konzentrierten Mundgefühl voller Länge und Dichte. Sein zitrusfruchtiges Aromenbild wirkt würzig gelb und grün zugleich, die Frucht ist reif und die an den Zungenrändern spürbare salzige Mineralität sorgt für animierend trinkfreudige Frische.
Peter Kühn inszeniert seinen ‚Quarzit’ entwaffnend ehrlich und faszinierend authentisch. Der Wein ist stilistisch identifizierbar, besitzt unverwechselbaren Herkunftscharakter, pikante Säure und charakteristisch grün-gelbe Würze, die an getrocknete wilde Sommerkräuter erinnert. Wilde Rasse und weicher Sanftmut, Dichte und Transparenz, kräftige Säure und seidige Substanz. Schonend langsamer Ausbau auf der Hefe und spontane Vergärung puffern phenolische Bitterkeit am Zungengrund. Ein Rheingauer Charakterwein, der die Reifezeit auf der Flasche mit Mehrwert belohnt.
Unbedingt dekantieren.
Weingut Peter Jakob Kühn
Angela und Peter Kühn müssen derzeit erleben, wie schwierig es geworden ist, im deutschen Weinerlei gegen den Strom zu schwimmen. Jahrelang waren sie so beliebte wie erfolgreiche Mitschwimmer der deutschen Kellertechnikfraktion gewesen. Mit der Ernte 2002 versagten sich die beiden nach langen Diskussion im Familien- und Freundeskreis und schlaflosen Nächten der Selbstzweifel mutig und entschlossen der langweilig populistisch gewordenen Primärfrucht-Existenz. Innerhalb eines Jahres mutierte Familie Kühn zum visionären Aushängeschild einer Qualitätsbewegung, die die deutsche Wein- und Biowein-Szene seitdem aufrüttelt und verändert.
Heute ist das Weingut Kühn zertifizierter Biobetrieb (Demeter®), Angela und Peter Kühn widmen sich mit Begeisterung der biodynamischen Wirtschaftsweise. Der mutige Wandel bescherte Kühns nicht nur dramatischen Stilwandel, sondern auch nachhaltiges Unverständnis seitens Presse und Kollegen.
Die Jahrgänge fallen seit dem Wandel spannend unterschiedlich aus, was an Peter Kühns Interpretation im Keller liegt, die immer weniger macht, dafür immer mehr läßt, aber auch an der praktizierten Biodynamik, die die Kühnschen Lagen neu und anders "klingen" läßt und Herkunft und Jahrgang viel ausgeprägter als zuvor reflektiert.
Es war und ist noch immer keine leichte Zeit für Angela und Peter Kühn. So wurde ihnen kürzlich die Klassifikation zum „ersten Gewächs“ für einen Wein verweigert, der später in der Szene als einer der größten trockenen Rieslinge Deutschlands gefeiert wurde. Und noch immer straft sie die Presse mit Unverständnis ab und Kollegen meiden den Kontakt oder reden schlecht über die Weine.
Doch Kühns praktizieren ihr Winzerdasein in bewundernswerter Konsequenz. Ihre Weine mögen unbequem entschleunigt wirken im Vergleich mit dem Rheingauer Turboalltag, spannender und komplexer sind sie allemal, provokant „anders“ als die anderen auch, und sie beweisen damit, daß der eingeschlagene Weg richtig war. Kühns setzen Maßstäbe, die andere niemals erreichen können. Peter Kühn ist ein begnadeter Wingertmann, der das Potential seiner Arbeit im Weinberg jetzt konsequent im Keller umsetzt. Deshalb verströmen seine Weine rare Authentizität, Charakter, Seele und Ausstrahlung. Ihre eigenständige Stilistik verdanken sie unideologischer Weinbereitung, die sich sensibel an den Herausforderungen des Jahrgangs orientiert. Spontane Vergärung und eine auf technische Manipulationen verzichtende, defensive Weinbereitung sind Peter Kühns visionäre Sicht der Dinge. So setzt er die Biodynamik im Weinberg in kraftvolle, ausdrucksstarke Weinqualität um, die manchmal auf Messers Schneide agiert, stets aber unverwechselbaren Herkunftscharakter, Eigenart, Frische, Mineralität, Reife, Struktur und Rasse beweist. Polarisierend in der Stilistik und mutig in der langsamen Entwicklung ihrer Weine üben Kühns nachhaltig visionären Einfluß auf jene neue deutsche Winzerschaft aus, die ihre Zukunft hinter dem Tellerrand sieht.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Deutschland - Rheingau |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DRG09005 | |
| Inhalt 0.75l |



















