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Merlot 'Montarels' VdPays
Was die Genossenschaft von Alignan auf Flasche bringt, nötigt uns, die wir an sich keine Genossenschaftsweine führen, Respekt ab. Es läßt uns die Ausnahme von der Regel statuieren. Sie ist eine der wenigen Genossenschaften im Languedoc, die nicht unter der Tafel- und Landweinkrise leidet, weil sie sich international mit bemerkenswert preiswerten Qualitäten etabliert hat. Unter ihrem Dach entstehen Weine für große Supermarktketten, aber auch spezielle Cuvées, die amerikanische Importeure für ihren Markt hier zusammenstellen.
Dieser nette, kleine Merlot stammt aus dem Stammsortiment der Genossenschaft. Er will nicht mehr sein, als er ist: Ein mit dem Vollernter, also maschinell, geernteter einfacher Rotwein, der angenehm reif im Glas steht, saftig und deftig im Mundgefühl daherkommt und ein rustikales Merlot-Bukett mit dunkelwürziger Frucht verbreitet. Ein ehrlicher Rotwein für jeden Tag, der nicht mit Gummi Arabicum künstlich weichgespült wurde, sondern zu diesem Preis mehr ehrliches Trinkvergnügen liefert als jeder noch so chilenische oder australische Industrietropfen, von dem man nichts weiß, außer daß er von weit her kommt. Dagegen können die Genossen von Alignan mit ihrem ehrlichen Merlot der Konkurrenz aus dem Supermarkt gelassen entgegensehen!
Cave Coop. Alignan du Vent
Mit Genossenschaften haben wir normalerweise nichts am Hut. Die Genossenschaft Alignan du Vent im zentralen Languedoc aber genießt guten Ruf; obwohl sie mit 853 ha Weinbergen eine der großen im französischen Süden ist, liefert sie uns einen netten Merlot, der zu diesem Preis in dieser Qualität nirgendwo sonst ähnlich seriös produziert zu haben ist. Immerhin werden hier die besten Partien der besten Winzer getrennt ausgebaut und die einzelnen Winzer je nach Traubenqualität besonders entlohnt. Das hat dazu geführt, daß sich insbesondere die Rebsortenweine der Genossenschaft international großer Beliebtheit erfreuen.
Weil die Genossenschaft schon kleinere Partien nach Kundenwunsch getrennt ausbaut und in personalisierter Ausstattung den individuellen Wünschen ihrer breit gefächerten Klientel anpassen kann, hat sie sich stabil gute Umsätze gesichert. Vom dänischen Supermarkt zur amerikanischen Feinkostkette reicht ihre breite Kundenpalette. Im Keller geht es, der Größe des Betriebes entsprechend, maximal 'modern' und technisch zu, die Weine zeigen also entsprechende Modernität in Duft und Trunk. Sie sind kaum als originäre languedocische Erzeugnisse erkennbar, sondern global technisch in Ausstrahlung und Charakter. Ihr Preis-Genuß-Verhältnis aber ist mustergültig, denn die Weine sind bekömmlich weil technisch sauber umgesetzt, die Kellertechnik ist auf neuestem Stand und die Vermarktung gibt sich ungewöhnlich kundenorientiert. Deshalb bedienen auch wir uns in dieser Kooperative mit den preiswertesten Weinen in unserem Programm, deklarieren allerdings deren technischen Charakter ausdrücklich.
Die Rebe
Merlot
Merlot ist ein Phänomen. Die seit den achtziger Jahren stetig populärer werdende rote Rebsorte ist die einzige weltweit, die international fast überall Zuwachs an Rebfläche verzeichnen kann. Mit weltweit über 200.000 Hektar steht Merlot inzwischen auf Platz 6 der internationalen Rebsorten-Hitliste.
Merlot verdankt seine Popularität seiner fülligen, üppigen Frucht und seinem körperreichen, vollmundigen Geschmack; Merlot ist relativ früh trinkbar und trinkreif, und er reift schneller als der meist mit ihm verschnittene Cabernet, den er bereits in geringem Verschnittanteil früher zugänglich macht. Das hängt allerdings entscheidend von der Qualität des Merlot ab. Merlot kann, wie in vielen italienischen Ausgaben nachzuvollziehen, unglaublich simpel und ordinär ausfallen; dann schmeckt er eindimensional kräuterwürzig, hat keine Süße und keinen Charme und wird zum puren Ärgernis. Auch im Languedoc, aus Spanien oder aus Chile kennen wir ähnlich ärgerliche Merlots, die eher an grasig unreifen Cabernet Franc denn an Merlot erinnern.
Merlot muß in der Produktivität gezügelt und im Wasserhaushalt und in der Blattfläche geschickt gesteuert werden, um nicht zu reif oder zu unreif auszufallen. In Bordeaux protzen Merlots inzwischen mit 15 und mehr Volumenprozent, was Zweifel an deren Reife- und Entwicklungsfähigkeit aufkommen läßt. Merlot wird dort in den letzten Jahren, angefeuert durch Parkers Punktediktat, dem sich viele Produzenten zu beugen scheinen, immer mehr zur Karikatur seiner selbst. Dicke, süße, marmeladige Weine von unnatürlicher Konzentration und Struktur bekommen zwar viele Punkte, doch sie zerfallen schnell, reifen schlecht und werden zum Ärgernis, was die Rebsorte nicht verdient hat. Das beweisen jene erstklassigen Exemplare von Könnern wie z. B. Familie Mitjavile oder Christian Veyry, die edel wirken, kühl, raffiniert geschmeidig und den Vorteil der Merlot auf den spät reifenden Böden der rechten Seite der Gironde gekonnt nutzen und umzusetzen verstehen. Merlot braucht, will sie ihr geschmackliches Potential nutzen, entsprechend geeignete Böden, engagierten Anbau und einen Lesezeitpunkt, der sich an ihrer Aromatik, nicht an ihrer Reife orientiert. Ansonsten verkehrt sich ihr Charakter schnell ins beschriebene Gegenteil.
Merlot ist eine frühreifende Sorte, die deutlich dünnere Beerenschalen besitzt als die Cabernet-Familie. Daraus entsteht der besondere Reiz der berühmten und längst weltweit praktizierten Bordeaux-Blends aus Cabernet und Merlot. Bei langer, gleichmäßiger Reifezeit der Beeren am Stock kann Cabernet ausreifen und liefert dann eindrucksvoll gerbstoffbetonte Cuvées mit Kraft und Potential; bei witterungsbedingt kürzerer Reifezeit der Trauben reift die Merlot sicher aus, während die Cabernets sich unreifer präsentieren, die Cuvée wird dann merlotbasiert sein und entsprechend charmant ausfallen. Merlot reift auf spätreifenden, lehmig sandigen Ton-Böden besonders gut und ergibt dort charakteristisch fleischige Weine, die samtiges, geschmeidiges Tannin in milder Säure bieten. Grundsätzlich ähnelt Merlot aromatisch in der Jugend der Cabernet-Familie, entwickelt aber statt deren herber, aristokratischer Gerbstoffdichte eher ‚süßeren’, etwas malzig an Kaffee, Karamell und Nougat erinnernden Geschmack in samtig weichem Gerbstoffprofil.
Über die Herkunft der Rebsorte ist wenig bekannt. Sie findet im 14. Jahrhundert als ‚Crabatut noir’ erste schriftliche Erwähnung in Bordeaux; im Jahr 1784 nennt man sie bereits 'Merlot' und sie wird zu einer der wichtigen Sorten in Bordeaux, wo sie im 19. Jahrhundert zur dominanten Sorte aufsteigt. Dann kommt die Reblaus, die den Rebsortenspiegel in Bordeaux nachhaltig stört. Alte angestammte Sorten wie Abouriou und Carmenère, der fast vollständig verschwindet, Petit Verdot und Malbec, aber auch Grenache, die damals tatsächlich im Bordelais anzutreffen war, verschwinden weitgehend und werden durch Cabernet Franc, vor allem aber durch Cabernet Sauvignon ersetzt. Heute ist Merlot wieder auf dem Vormarsch, vor allem im Médoc wird er seit zwanzig Jahren verstärkt angepflanzt, so daß er seine einstige Vormachtstellung im Rebsortenspiegel des Bordelais wieder anstrebt.
Lange hat man gerätselt, wer die Eltern der beliebten Rebsorte sein könnten. Erst 2009 gelang der Nachweis, daß die so gut wie ausgestorbene, vermutlich sehr alte, frühreifende Rebsorte Magdeleine Noire des Charentes, die auch zu den Eltern des Malbec gehört, sowie Cabernet Franc die Kreuzungs-Eltern der Rebsorte Merlot sind.
![]() | Frankreich - Languedoc |
![]() | Merlot |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. FLA10009 | |
| Inhalt 0.75l |












