Das "Land zu Füßen der Berge" besitzt unter Weinkennern den Ruf einer konservativen, traditionsbewußten Region. Tatsächlich wurde in den Hügellandschaften, die vom Bogen der französisch-italienischen Alpen und vom ligurischen Apennin hufeisenförmig umschlossen werden, stets auch hochwertiger Tischwein erzeugt. Anders als die meisten anderen Weinbauregionen Italiens mit ihren über lange Zeit sehr
einfachen Weinqualitäten, sank das Piemont niemals auf das Niveau eines bloßen Zechweinlieferanten. Insbesondere der Barolo, der für sich den Namen "Wein der Könige und König der Weine" beansprucht, sorgte auch in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten für eine gewisse qualitative Kontinuität. Auf ihn waren die Weinbauern in den Hügeln südwestlich von Alba stets stolz, er galt ihnen als Erbe der Altvorderen, das es zu bewahren galt. Ohne radikalen Traditionsbruch konnte deshalb die Region im Zuge der allgemeinen Entdeckung italienischer Weine insbesondere in den Ländern nördlich der Alpen ihr Image als Weinbauregion allererster Güte begründen.
Geschichte
Der Weinbau kam vermutlich im 4. oder 5. vorchristlichen Jahrhundert durch griechische Kaufleute ins Piemont. Eine erste Blüte dürfte er zur Zeit der Römer erlebt haben, die auch hier das sogenannte etruskische Pflanzprinzip einführten: die Reben wuchsen an Bäumen oder hohen Pfählen empor. Schon zu dieser Zeit entstanden unterirdische Weinkeller. Auch die Königsrebe des Piemont, der Nebbiolo, dürfte in dieser Zeit seinen Ursprung haben. So erwähnt Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte eine spät reifende Traubensorte von tiefer Farbe, die gegenüber kalten Temperaturen besonders widerstandsfähig sei. Die Weine aus dieser Rebe galten als so gut, daß sie sogar nach Rom verschickt wurden. Nach dem Untergang des römischen Reiches verfiel auch das Piemont und mit ihm sein Weinbau für viele Jahrhunderte. Die Region wurde zunächst zum Durchzugsgebiet und dann zum Spielball konkurrierender Mächte. Der piemontesische Wein überlebte in dieser Zeit hinter hohen Klostermauern. Erst im 13. Jahrhundert erlebte der Weinbau einen neuen Aufschwung. Neben der Kultivierung von "Nibiol" wurden Rebsorten wie Malvasia und Moscato angepflanzt. Auf die Zerstörung von Rebanlagen standen harte Strafen ein Zeichen für die große Wertschätzung des Weins in dieser Zeit. Auch in den Jahrhunderten der savoyischen Herrschaft blühte der Weinbau im Piemont. Seine Reputation war schließlich so groß, daß er auch am französischen Hof getrunken wurde. 1758 erließ Alba ein Edikt, das die Einfuhr und das Verschneiden mit Weinen von außerhalb der Region untersagte und das Datum des Lesezeitpunkts festlegte ein Vorläufer des heutigen DOC-Gesetzes. Knapp 100 Jahre später experimentierte man in der Region bereits mit neuen Vinifikationstechniken. Nebbiolo wandelte sich vom süßen zum trockenen Wein und wurde erstmals unter der Bezeichnung Barolo auf Flasche gefüllt. Süße und zum Teil perlende Weine kelterte man von den Rebsorten Freisa, Grignolino, Brachetto und Malvasia. Die Reblaus erreichte das Piemont um die Jahrhunderwende. Sie zerstörte das Gros der Rebgärten und bedeutete für so manche lokale Weinspezialität das Aus. Die Rebsorte Nebbiolo jedoch ging gestärkt aus der Krise hervor. Erst die rasche Industrialisierung der Städte in der Po-Ebene versetzte dem Weinbau im Piemont einen schweren Schlag: die junge Generation wollte das Land ihrer Väter nicht mehr bestellen und wanderte in die Industrie-Zentren ab. Der 2. Weltkrieg dann degradierte den "Wein der Könige" zum Wein der Bauern, der sich nur noch auf dem lokalen Markt absetzen ließ. Überquellende Weinlager führten schließlich zu einem drastischen Preis- und in Folge Qualitätsverfall. In den 50er und 60er Jahren wurden Weintrauben im Piemont angebaut wie Gemüse und Obst und die Ernte wurde an die Genossenschaften geliefert. Erst Anfang der 80er Jahre begannen einige jüngere Winzer die Suche nach einer neuen Qualität für den kränkelnden Wein ihrer Väter. Relativ rasch zog neue Technik und neue Techniken in die Keller. Nebbiolo-Weine sollten nach dem Willen der jungen Winzerschar nicht länger rustikal und tanninüberladen sein. Gegen den Widerstand zahlreicher Traditionalisten lösten die jungen Wilden eine Revolution im piemontesischen Weinbau aus.
Piemont ist für viele Weinfreunde gleichbedeutend mit dem rebenbedeckten Hügelland südlich des Po. Für viele reduziert sich das Piemont gar auf die Langhe, wo sich in elf Gemeinden die begehrten Barolo-Lagen erstrecken. Das Flaggschiff der piemontesischen Rebsorten, Nebbiolo, gedeiht jedoch auch in vielen anderen Regionen, von denen Barbaresco, Gattinara und Ghemme die bekanntesten sind. All diese Weine bilden das imagefördernde Rückgrat des piemontesischen Weinproduktion. Bei genauerem Hinsehen freilich zeigt sich, daß die Flaggschiffe des Piemont mengenmäßig eine vollkommen untergeordnete Rolle spielen. Lediglich elf Gemeinden in der Langhe (Provinz Cuneo) dürfen die Ursprungsbezeichnung Barolo führen. In gerade einmal vier Gemeinden gibt es Barbaresco-Lagen. Auch die unbekannteren Nebbiolo-Weine Gattinara und Ghemme wachsen nur in wenigen Bereichen. Das Gros, nämlich etwa die Hälfte der gesamten Rebfläche des Piemont ist mit Barbera bepflanzt. Die Rebsorte ist ausgesprochen vielseitig. Ein beachtlicher Teil wird als DOC-Wein abgefüllt, was jedoch daß aus ihr leichte, säuerliche Konsumweine ebenso entstehen Daneben gibt es im Piemont eine Fülle anderer, zum Teil seit vielen Generationen hier heimischer Rebsorten, die je nach Lage und Ausbau zum Teil hochwertige und ausgesprochen eigenständige Weine hervorbringen.
Tannine sind Gerbstoffe. Sie sind für den kundigen Rotweintrinker das entscheidende Qualitätskriterium bei der Auswahl seines Lieblingstropfens. Der typische Weißweintrinker dagegen findet sie adstringierend und unangenehm und kann Rotweinen deshalb nicht viel abgewinnen. Alles, was man einem Rotwein an geschmacklicher und geruchlicher Information entnehmen kann, hängt von der Beschaffenheit und Qualität der Beerenschale der verarbeiteten Trauben ab. Die gesamte Arbeit eines Weinjahres, vom Rebschnitt über die Wahl des richtigen Lesezeitpunktes bis zum optimalen Gesundheitszustand der Trauben und dem Klimaverlauf, alles schlägt sich in der Qualität der Gerbstoffe und ihrer physikalisch-chemischen Beschaffenheit nieder. Man kann tatsächlich in den Gerbstoffen eines Rotweines erschmecken, ob dieser industriell standardisiert, brav handwerklich oder künstlerisch individuell hergestellt wurde.
Man unterscheidet Rotweine danach, ob sie aus dünnschaligen oder dickschaligen Rebsorten gekeltert wurden. Der Unterschied ist elementar:
Pinot Noir und Grenache sind Musterexemplare dünnschaliger Rebsorten. Ihre Gerbstoffe wirken fein auf der Zunge, mehr beerig als würzig, transparent, duftig und zart, nur verhalten adstringierend, trotzdem kompakt und präsent im Mundgefühl. Ihre Weinbereitung benötigt Fingerspitzengefühl, um ihre empfindlichen Farbpigmente und hochflüchtigen Aromabestandteile stabil und komplex ins Geschmacksbild zu integrieren. Dünnschalige Rebsorten sprechen sensibel auf Weinbereitungsmethoden an, weshalb es eine ganze Reihe stilbildender Weinbereitungsarten für diese Rebsorten gibt. Erwähnt sei exemplarisch die Kaltmazeration von Pinot Noir, die nicht nur verbesserte Farbausbeute, sondern auch komplexere, intensiv würzige Aromen liefert.
Syrah, Cabernet Sauvignon, Malbec, Tannat und Carignan sind Musterbeispiele dickschaliger Rebsorten. Deren Extraktion verlangt in der Weinbereitung große Erfahrung, um ihre mächtige Gerbstoffpräsenz und Fülle an geschmacklicher Information weich, seidig, lang und angenehm füllig gelingen zu lassen. Dickschalige Rebsorten besitzen dunklere und dichtere Farbe als dünnschalige, ihre Anthocyandichte (der Farbstoffgehalt in den Beerenschalen) und ihr Polyphenolgehalt sind höher; sie besitzen nicht nur höhere Extraktwerte (Inhaltsstoffe), sondern auch höhere Gehalte an antioxidativen Verbindungen, die sie besonders gut und lange reifen lassen. Dickschalige Rebsorten benötigen zur Zähmung ihrer Adstringenz eine Weinbereitung, die auf die Polymerketten ihrer Tannine abgestimmt ist, die man auf der Zunge als sauer, rauh und bitter empfindet. Man mazeriert sie deshalb z. B. in offenen Holzbottichen oder Edelstahltanks und läßt sie entsprechend lange im Holzfaß gären und reifen, um ihre kurzkettigen Gerbstoffpolymere durch Sauerstoffzutritt gezielt zu verlängern. Auf rein physikalische Weise verwandelt man so ihre massive Präsenz in weiche, zugängliche und hochwertig lange im Mund nachwirkende Struktur (weshalb man Rotweine ja auch dekantiert, was man mindestens eine halbe Stunde vor Genuß tun sollte).
Menge, Art und Wirkung der Gerbstoffe im Mundgefühl entlarven das Preisniveau eines guten Rotweines. An der Qualität der Tannine stellt der Profi fest, ob ein Winzer mehr ist als nur ein braver Handwerker.
Das, was heute als Biowein angeboten und verkauft wird, hat leider oft mit Bio, wie es der Verbraucher sieht und erwartet, wenig zu tun! Europäische Bioweine sind vom Gesetz her Weine aus biologisch angebauten Trauben. Mit Bio auch im Keller hat das noch lange nichts zu tun! Vor allem die bei den Bios so beliebten Billigqualitäten, die inzwischen auch die Regale der Supermärkte in Bioqualität bevölkern, stammen meist aus quasi-industrieller Herstellung und werden im Keller so konventionell ausgebaut wie die üblichen Billigqualitäten aus agrarindustriellem Anbau. Vergärung mittels synthetisierter Reinzuchthefe, Enzyme zur Filtrationshilfe, Kohleschönungen, Anreicherung, Auf- bzw. Entsäuerung und selbst Eichenspäne und andere Holzersatzstoffe sind wie im konventionellen Industrieweinbau inzwischen auch bei Bioweinen Standard, "Fairtrade" natürlich . . .
Das kann und darf so nicht als Biowein laufen, meint z. B. Demeter®-Winzer Peter Jakob Kühn vom gleichnamigen Weingut aus Oestrich im Rheingau. Damit würden jene seriösen echten Biowinzer diskriminiert, die im Keller konsequent das umsetzen, was sie im Weinberg an Ausgangsmaterial schaffen: eine bessere und vor allem andere Weinqualität, wie sie der Biokunde so auch erwartet. Was der Bioweinkunde also lernen muß ist, daß sich Billig und Bio, wenn es denn seriös sein will, im Wein ausschließt. Biowein, der gut und anders schmeckt als agrarindustrieller Wein, ist zu fairem Preis seriös produzierbar, billig geht da aber nicht! Um diesen entscheidenden Unterschied dem Kunden klar zu machen, müßte Biowein zweistufig deklariert werden. Weine, die im Weinberg ökologisch produziert werden, im Keller aber dem schnellen, sicheren technischen Ausbau frönen, sollten, wie bisher, als Wein aus biologischem Anbau deklariert werden. Nur Weine, die in Weinberg und Keller gleichermaßen nach klaren, deklarierten Vorgaben und Richtlinien biologisch sinnvoll an- und ausgebaut und verarbeitet werden, sollten sich Biowein nennen dürfen. Dies kann der Bio-Käufer zu Recht erwarten. Alles andere ist Verbrauchertäuschung!
Wir von K&U treten deshalb für eine Deklaration ein, die dem Verbraucher reinen Wein einschenkt. Solange gesetzliche Vorgaben und Richtlinien die eine seriöse biologische Kellerwirtschaft fehlen, wird K&U zusätzliche, für den Verbraucher wesentliche Informationen veröffentlichen. So geben wir für jeden einzelnen Wein an, wie konsequent ein Winzer im Keller arbeitet, ob er sich der schnellen Reinzuchtvergärung oder der langsamen Spontanvergärung mittels natürlicher Umgebungshefen bedient hat. Zertifizierte Biobetriebe deklarieren wir ebenso, machen aber bewußt keinen Unterschied zu jener Winzer-Elite, die um einer anderen Qualität willen, einer weiteren Individualisierung ihrer Spitzenweine, seriösen bio- bzw. biodynamischen Anbau betreibt, sich aber nicht zertifizieren läßt bzw. eine Zertifikation bewußt nicht auf dem Etikett angibt.
Hier wird sich der "konventionelle" Biowein-Markt schon in naher Zukunft einer Herausforderung gegenüber sehen, die ihn verändern wird. "Bio" als Verkaufs- und Marketing-Instrument wird dann nicht mehr reichen. Es gibt eine nach- und werthaltige Qualität weit über nur Bio hinaus. Um diese Qualität geht es uns!
Unter Veredelung versteht man das Aufpfropfen einer reblausanfälligen europäischen Edelrebe, z.B. Riesling, Silvaner oder Weissburgunder, auf eine reblausresistente amerikanische Unterlagsrebe wie Vitis riparia oder Vitis berlandieri. Die Reb-Veredelung wird heute weltweit zur indirekten Bekämpfung der noch immer latenten Reblaus eingesetzt.
Eine Lage, oft auch Einzellage genannt, bezeichnet eine bestimmte Lage, einen ganz bestimmten Weinberg, eine abgegrenzte Rebfläche, die in Europa (bis auf Italien und Griechenland, die über keine Kataster verfügen) in die Weinbergsrolle, das sogenannte Reb-Kataster, eingetragen sein müssen. Sie sollten mindestens 5 ha groß sein. In Deutschland gibt es ca. 2600 solcher Lagen, die eine durchschnittliche Größe von ca. 40 ha haben, die größte ist 460 ha groß. Mit Sondergenehmigung kann man auch weniger als 1 ha als Einzellage ausweisen. Das deutsche Weingesetz von 1971 ließ Zehntausende dieser oft über Jahrhunderte gewachsenen und entstandenen Klein- und Kleinstlagenbezeichnungen verschwinden. Heute belebt die Idee des großen Gewächses, der ersten Lage, den alten qualitativen Lagengedanken wieder, aber die europäische Bürokratie hat noch immer nicht viel übrig für Vor-1971-Lagen-Phantasien. Der Österreicher bezeichnet Lagen als Ried oder Riede; in Italien, wo es keine Historie von Qualität und Herkunft gibt, bezeichnet man sie mittels klingender Phantasienamen, und in Frankreich, dem Mutterland von Qualität mit Herkunft, nennt man sie Clos, Cru, Premier Cru, Grand Cru, Climat oder benennt sie gleich mit einem Appellationsnamen.
Qualitätsorientierter Weinbau kommt nicht ohne Technik nicht aus. Wein ist vom Verderb bedroht, kaum daß die Traube ihren Saft abgegeben hat. Damit aus ihrem Saft hochwertiger Wein wird, muß er verarbeitet und konserviert werden, um als Wein mit Genuß nicht nur trinkbar zu sein, sondern es auch zu bleiben. Auch unsere Winzer kommen deshalb nicht ohne Technik aus. Sie arbeiten aber für eine andere Moderne, die Tradition mit Technik versöhnt und Zeit im Wein als stilbildendes Phänomen erleb-, schmeck- und nachvollziehbar machen will. Unser langsamer Wein schmeckt deshalb grundlegend anders als moderner schneller Wein aus der Reduktivretorte. Langsamer Wein darf spontane Vorgänge wie Vergärung mittels wilder Hefen oder den biologischen Säureabbau, aber auch das Ausscheiden von Weinstein etc. auf natürliche Weise ohne Eingriffe von außen absolvieren. Noch immer entstammen 98 % aller Weine der Welt dem reduktiven Ausbau, der mit technischem Aufwand den Luftzutritt während des Ausbaus zu vermeiden sucht und auf diese Weise harmlose fruchtig frische Weine produziert, die sich erfolgreich und schnell verkaufen. Das tun sie, obwohl sie ihrer Ausdruckskraft und Entwicklungsmöglichkeiten beraubt sind und nur zu oft denaturiert wirken. Sie werden nach Standardrezeptur mittels schneller, sicherer Reinzuchthefen vergoren, um oft noch im Jahr der Ernte auf Flasche gefüllt zu werden. Schnell rein, schnell wieder raus. Dagegen benötigen unsere Weine je nach Sorte und Qualität mehrere Monate bzw. Jahre für den Ausbau. Sie dürfen lange auf der Hefe reifen und besitzen nicht nur eine andere Chemie, sondern schmecken auch anders, nämlich vielschichtiger, komplexer und fordernder. Wenn wir in unserer Deklaration den Ausbau als schnell deklarieren, meinen wir damit besagten reduktiven Ausbau, der die bewußte Beschleunigung der Weinwerdung durch scharfe Mostvorklärung, Impfung mit Reinzuchthefe und kühle Vergärung im Edelstahltank propagiert. Langsam bezeichnet jenen Ausbau, der dem Wein die Zeit läßt, die die Natur sich nimmt; keine oder schonende Mostvorklärung, langsame spontane Vergärung und oft monatelanges Hefelager, bevorzugt im Holzfaß, sorgen hier für andere Qualität und hoffentlich anspruchsvolles Weinerleben.
Qualität im Wein ist definierbar. Allerdings läßt sich weder am Namen eines Weines noch an seinem Etikett erkennen, ob sich ein Winzer bemüht hat, das Potential seiner Lagen und Reben mit möglichst natürlichen Methoden in Weinberg und Keller in Weinqualität umzusetzen. Auch Biowein ist leider keinerlei Garantie für Qualität. Weil die aktuelle Weingesetzgebung weder in Europa noch in Übersee auf die jüngsten technischen Entwicklungen im Weinbau reagiert, wird in vielen Kellern mit allem experimentiert, was nicht ausdrücklich verboten ist. Auf dem Etikett deklariert werden muß von alledem nichts. Der Verbraucher hat also beim Wein, wie bei allen anderen Lebensmitteln auch, nur die Chance, sich zu informieren, will er nicht permanent ausgetrickst und beschissen werden. Stark verallgemeinernd teilt sich Weinqualität heute in vier Kategorien auf: 1. Die mit weitem Abstand größte Gruppe (ca. 98 % der Weltweinproduktion) stellen Weine, die ein technisches Mindestniveau aufweisen. Sie stammen aus agrarindustrialisierter Produktion und können zu Niedrigstpreisen auf den Markt gebracht werden. Es handelt sich fast immer um anonyme Handelsabfüllungen, deren Herkunft sich hinter Phantasienamen und einer Abfüllernummer verbirgt. Diese "Qualitäten" werden nicht selten mit Hilfe hohen Verpackungs- und Werbeaufwands vermarktet und sind so erfolgreich, daß sie den größten Teil des Weltweinmarktes ausmachen. 2. Eine rasant größer werdende Gruppe: "Moderne" Konsumweine, die ganz gezielt auf den Publikumsgeschmack hin optimiert sind. Sie wenden sich durchaus auch an den anspruchsvolleren, markenbewußten Konsumenten, bewegen sich aber bewußt innerhalb standardisierter, internationaler Geschmacksmuster entsprechend gerade herrschender Geschmacksmoden. Ihr nicht niedriges Preisniveau rechtfertigen sie durch eine alle technischen, physikalischen und chemischen Mittel nutzende Herstellungsweise. 3. "Unsere" Gruppe: Weine, die traditionell im besten Wortsinn hergestellt werden, seriöse Erzeugerabfüllungen, die in Weinberg und Keller naturnah und handwerklich produziert werden und deshalb bei einer kundigen Verbraucherschicht verdiente Renaissance erfahren. Diese oft aufwendig und überaus kompetent realisierten Weine treten eher bescheiden auf, sie wagen Charakter und Individualität und sind mutiger Ausdruck ihrer Herkunft; sie werden aus regionalen Rebsorten gekeltert und repräsentieren die wunderbare Vielfalt guten Weines. Sie sind chemisch und mikrobiologisch einwandfrei, weil seriös und naturnah produziert, und sie besitzen ein nachvollziehbares Preis-Genußverhältnis, in dem Anspruch und Wirklichkeit stimmig zusammenfinden. 4. Die Gruppe der sogenannten Spitzenweine ist naturgemäß klein, wenn sie wirklich Spitze ist, was häufig nicht der Fall ist. Wir stellen sie zunehmend kritisch in Frage, well die ambitioniertesten Weine der 3. Gruppe derart seriös, aufwendig und kompetent produziert werden, daß sie zum Bruchteil des Preises nahezu identische, wenn nicht spannendere, weil weniger erwartungsgemäße Qualität liefern. Hohe Preise provozieren hohe Erwartungshaltung. Die bewegt sich bei den hier gemeinten Spitzenweinen zwar auf höchstem technischem Niveau, aber in wohldefinierten stilistisch engen Grenzen. Ihre Produktion wird deshalb oft irrwitzig aufwendig betrieben, man scheut keinen Aufwand und keine Kosten und engagiert berühmte Önologen, um sicherzustellen, daß der hohe Preis die von der Käuferschaft dieser Weine erwartete Stilistik auch wirklich reflektiert. Solche Weine können in aller Welt entstehen. Hier geht es weniger um Herkunft oder Individualität, hier geht es um Prestige, Image und viel Geld. Es ist bemerkenswert, wie hoffnungslos überzogene Preisvorstellungen noch immer Image-, Spekulations- und Sammlerbegierde auszulösen vermögen.
Qualität. Jeder organisch gesunde Mensch besitzt mit seinen Sinnen die Voraussetzung, Wein nicht nur zu trinken, sondern zu genießen, seine geschmackliche und technische Qualität also zu erfassen und zu verstehen. Qualität im Wein setzt Erfahrung, Sensibilität und Wissen voraus, man kann sie nicht einfach kaufen . . . nur wer mehr weiß, schmeckt im Wein auch mehr.
Der Preis und der Begriff Preiswert scheinen im Wein - zumindest bei uns in Deutschland - eine ganz gewichtige kaufentscheidende Rolle zu spielen. Nach Qualität fragt nur eine elitäre Wein-Oberschicht. Deutschland ist das billigste Weinland der Welt. Darauf sollte man besser nicht stolz sein. Nirgendwo sonst wird so billiger Wein angeboten, nachgefragt und auch getrunken wie bei uns. Viele Weintrinker hierzulande haben das Gefühl für den richtigen Preis für ihren Wein verloren, wenn sie es denn je hatten. Man denkt nicht darüber nach, wie ein Wein zu seinem Preis kommt, man konsumiert ihn und belächelt sogar vermeintlich teuere Weine. Man muß nur mal einen Blick in die vielen Websites zum Thema "Preis" werfen, es ist unglaublich, was da zum Thema Wein und Preis abgesondert wird. Pure Inkompetenz wird da oft peinlich selbstgefällig hinausposaunt (z. B. zum Thema Aldi-Champagner...), und man propagiert offen den Billigweinkonsum. Ein jeder trinkt, was er versteht . . . Tatsächlich entspringen der große Wein zum Fast-geschenkt-Preis, das berühmt berüchtigte Aldi-Schnäppchen und der vielbeschworene Geheimtip nur allzuoft mangelnder Erfahrung, wie man am Begriff teuer sehen kann, der bei Wein je nach Trinkerfahrung und Genußvermögen heftig divergiert: Was für den einen rausgeschmissenes Geld bedeutet, ist für den anderen lohnende Investition ins Geschmacksvergnügen. Fakt ist leider, daß ein hoher Preis keine Garantie für hohe Qualität ist. Das Was teuer ist muß gut sein wird , wie das scheinbar unausrottbare Preis-Leistungs-Verhältnis, von unserer Branche kräftig geschürt und gepflegt, weil sie mit Unkenntnis und Statusdenken viel Geld verdient. Insofern müssen wir manchem Weinpreis-Kritiker Recht geben. Doch allen Unkenrufen zum Trotz: Es gibt ihn, den guten Wein, der seinen Preis wert ist. Die Suche danach ist aufwendig und seine Wertschätzung verlangt neben Erfahrung, Neugier und Offenheit, Toleranz und Geschmackskriterien, schlicht Kompetenz, um zwischen technischer, stilistischer oder nur geschmäcklerischer Qualitätsbeurteilung zu unterscheiden. Unterhalb einer gewissen Preisgrenze empfehlen wir ein ehrliches, frisch gezapftes, handwerklich produziertes Bier, oberhalb einer gewissen Preisgrenze raten wir zu kritisch vergleichender Probe.
Seinen Preis wert? Wir orientieren uns an den Original-Weingutspreisen. Wir kaufen ausschließlich direkt beim Winzer vor Ort ohne Zwischenhandel. Bei uns gibt es keine anonymen Cuvées mit schönen Etiketten zum billigen Einkaufs- aber hohen Verkaufspreis, die sich gezielt Ihrer Kontrolle über Herkunft, Machart und Preis entziehen. Ein (renditeträchtiger) Trend im Weinhandel, den wir kompromißlos ablehnen. Keine EU-Abfüllernummer, nur Erzeugerabfüllungen. Deshalb kaufen wir ausschließlich vom Winzer abgefüllte, von Ihnen jederzeit nachvollziehbare Weingutsqualität. Wir wissen, wo jeder unserer Weine herkommt und wie er an- und ausgebaut wird. Wir importieren wenn nötig im Thermocontainer oder per Kühlfracht. Wir bieten ideale Lagerbedingungen. Wir versenden sicher, schnell und zuverlässig.
Die Vorklärung, auch Klärung oder Entschleimung genannt, ist ein Verfahren zur Klärung der mehr oder weniger trüben Moste nach dem Keltern. Die Lehrmeinung sieht vor, daß man reintönige Weine nur dann erhält, wenn man die Keltermoste "glanzhell" vorklärt. In den siebziger Jahren machte man das brutal mittels Zentrifugen und Separatoren. Heute weiß man, daß eine zu starke Vorklärung die Qualität des fertigen Weines mindert, weil dabei wichtige Nährstoffe und Hefen für die Gärung verlorengehen. Wer wie unsere Winzer im Weinberg qualitätsbewußt und naturnah oder gar biologisch arbeitet, der tut dies, um im Keller spontan auf wilden Hefen vergären zu können. Er wird sich also hüten, seine Moste scharf vorzuklären. Unsere Winzer klären ihre Moste schonend durch Kühlen oder natürlich per Schwerkraft durch Sedimentation im Vorklärtank. Nicht scharf vorgeklärte Moste beinhalten das Risiko mikrobiologisch schädlicher Prozesse, die auch für die Gesundheit des Weintrinkers bedenklich sein können (biogene Amine, Acetaldehyd etc...). Es bedarf deshalb großer Erfahrung und profunder Kompetenz, so zu arbeiten, wie wir es uns für die geschmackliche Qualität unserer Weine vorstellen.