Der faszinierenden Vielfalt der verschiedenen Terroirs des Rhônetals widmet man sich in Deutschland noch nicht lange mit Kompetenz. In der Tat ist das weitläufige Weinbaugebiet zwischen Lyon und Avignon an Unüberschaubarkeit und qualitativer Heterogenität kaum zu überbieten. Bis auf Châteauneuf-du-Pape und die ewig gleichen Großproduzenten und
Handelshäusern sind die anspruchsvollen Winzer der Rhône deshalb hierzulande noch immer eher unterrepräsentiert in den Angeboten des Weinhandels. Und wenn, dann werden leider vor allem jene von der internationalen Presse hochgehandelten, überextrahierten und ausgezehrt schmeckenden Publikumslieblinge angeboten, die auch an der Rhône modisch den Markt verunstalten. Sie ist wie eine Seuche, diese Extraktionsmode, die seit dem Jahrgang 1998 an der südlichen Rhône wütet und vor allem an der Côtes de Ventoux, der Côtes de Lubéron und der nördlichen Côtes du Rhône die meisten Weine zur Untrinkbarkeit verdammt. Es ist eine provinzielle Region, in der zahlreiche verkostungsunerfahrene Winzer einem vermeintlich populären Weingeschmack huldigen, von dem sie glauben, er würde die für den Verkauf so wichtigen Parker-Punkte bringen. Eigenständiges Profil? Fundierte Geschmackserfahrung? Önologische Kompetenz? Fehlanzeige! Die unsägliche Mode des Verzichts auf Schwefelung (unabhängig vom pH-Wert) paßt perfekt ins gleiche Bild. Guter Wein läßt sich nicht nach Rezept herstellen. Deshalb rutschen besagte Weine trocken am Gaumen und massiv auf der Zunge von Gerbstoffen umrahmt hart, rauh und unattraktiv über dieselbe. Sie können nicht schmecken dennoch werden sie gekauft. Allerdings nicht von uns. Wir haben die Nase voll von den zahllosen viel zu spät gelesenen, uniform nach Pflaumenmarmelade riechenden, durch viel zu viel Maischetauchen (Pigeage) und Umpumpen (Remontage) überextrahierten, maßlos tanninbetonten Unweinen, die kein Trinkvergnügen sondern Ärger bereiten ein Mysterium, daß sie unbeirrt angeboten und verkauft werden.
Konsequent haben wir jene Winzer der Südrhône aus dem Programm verabschiedet, die meinten, diesem Trend folgen zu müssen. Wir führen Winzer, die sich Finesse und Spiel in ihren Weinen verschreiben und ohne überflüssige Extraktion aus reifen Trauben gehaltvolle, aber spielerisch feine und deshalb authentische Côtes du Rhône-Weine produzieren, die frisch wirken, die Spaß im Trunk machen und dennoch Gerbstoffpräsenz besitzen positive, feine Tannine, die ihre Information raffiniert und nobel am Gaumen verteilen. Wir führen Weine, die authentischen Regionalcharakter aufweisen; wir sind der Meinung, daß nicht alles nach Bordeaux schmecken und wie Bordeaux wirken muß. Ich finde es höchst bedauerlich, daß z. B. in Châteauneuf du Pape unentwegt Syrah gepflanzt wird, um die Weine in Zukunft dichter, schwärzer und damit „marktkompatibler“, will sagen uniformer, zu machen. Kann den niemand mehr die wunderbare Transparenz und Duftigkeit der Grenache wertschätzen? Gerade sie kann, einem großen Burgunder gleich, nachhaltig und dicht, raffiniert und sanft, tiefgründig und komplex die Sinne reizen, weit weniger laut und simpel als viele Syrahcuvées. Seit rund 15 Jahren engagieren wir uns an der Rhône. Wir widmen den guten Winzern der Rhône nicht umsonst seit vielen Jahren einen Schwerpunkt in unserem Programm, den wir ständig der Entwicklung anpassen.
Das Rhônetal bietet zwei wesentliche Anbaugebiete, die grundlegend verschieden sind und miteinander nicht viel zu tun haben: Die Nordrhône, von der Syrahtraube dominiert, und die südliche Rhône, maßgeblich von der Grenachetraube geprägt.
Die Südrhône beginnt südlich von Montelimar, dort, wo sich das Rhônetal zu eindrucksvoller Breite öffnet, mit dem großen Anbaugebiet der Côtes du Rhône, deren Weine über viele Jahrzehnte ein unbeachtetes Billigdasein vor allem als Füllstoff für Supermarktregale fristeten. Einzig Châteauneuf-du-Pape, bis Ende der fünfziger Jahre wesentlicher Verschnittlieferant Burgunds, besitzt seit eh und je ein eigenständiges und unverkennbares Qualitätsprofil. An der Côtes du Rhône bestimmt der Mistral, der heftig blasende kalte Wind des Rhônetals, den Rebsortenspiegel: Dort trotzt die Grenache mit kräftigem Holzwuchs, der maschinelle Lese schwierig macht, auch stärksten Windböen und dominiert deshalb den breiten, windumtosten Talgrund der Rhône.
Geschmacklich haben Nord- und Südrhône miteinander nichts zu tun. Die Grenache der Südrhône neigt, vollreif gelesen, zu relativ hohem Alkohol, besitzt weit weniger massive Gerbstoffe als die Syrah, damit hellere Farbe und niedrigere Säure, und ist deshalb meistens auch jung schon zu genießen. Ihr würziger Duft nach frisch gemahlenem weißem Pfeffer und reifen roten Früchten, mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Hauch von Rumtopf, charakterisiert sie unmißverständlich. Über Jahrzehnte hinweg hielt man die oxidationsempfindliche dünnschalige Rebsorte für minderwertig und verschnitt sie deshalb mit höherwertiger geltenden Rebsorten wie Syrah, Mourvedre, Counois und anderen. Erst seit wenigen Jahren widmet man der durchaus der Pinot Noir-Traube vergleichbaren Grenache neue Aufmerksamkeit; sie steht vor ihrer verdienten Renaissance, der wir mit unserem Programm Rechnung tragen.
Die Südrhône: Von Bollène aus erreicht man über St. Maurice bzw. Vinsobres den weniger bekannten Norden der Côtes du Rhône. Die bekannteren Gemeinden wie Cairanne, Rasteau, Seguret, Gigondas, Vacqueyras und Châteauneuf-du-Pape liegen entlang der Weinstraße gen Süden. Auf dieser reizvollen Fahrt läßt sich das spannende Spektrum der Côtes du Rhône erfahren, ertrinken und erkunden, das, wie an der Nordrhône, nachvollziehbar zur Funktion seiner Herkunft wird. Seit ein paar Jahren gelingt es einigen besonders talentierten Winzern die Charakteristika der Lagen und Böden in unverwechselbare Individualität und Stilistik umzusetzen. Village-Weine werden deutlich schmeckbar als höherwertig erkennbar, die Unterschiede der Herkünfte treten zunehmend zutage und eröffnen dem kundigen Genießer ein spannendes Betätigungsfeld zu Preisen, wie sie weltweit kaum fairer anzutreffen sind. Noch. Erste Ausreißer sprengen bisherige Preisgrenzen, setzen zugleich aber qualitative Maßstäbe, die vom enormen Potential der malerischen Region verkünden.
Jenseits der Rhône, im Westen der Appellation, also an der Ardèche und im Departement Gard, dominiert wieder die Syrah auf tiefen steinigen Lehmböden und sorgt dort für ein völlig anderes Profil an Geschmack und Charakter Vielfalt pur als Funktion von Boden, Klima und Rebsorte eben Herkunft.
Die vielfältigen Weine der Südrhône, egal ob vom östlichen oder westlichen Ufer der Rhône, stellen nicht ohne Grund ein wesentliches Rückgrat unseres Sortimentes dar: Sie sind einmalig preiswert in des Wortes bestem Sinne. Gute Côtes du Rhônes sind bereits jung mit Genuß zu trinken, entwickeln sich aber über 2-4 Jahre; anspruchsvolle Villageweine wie Vacqueyras oder Gigondas reifen, je nach Ausbau, über vier bis zehn Jahre hervorragend, und große Châteauneufs sind erst im Alter von acht und mehr Jahren so richtig auf der Höhe. Das stilistische Spektrum erreicht dabei gerade in Châteauneuf-du-Pape ob einer breiten Palette an Rebsorten und Ausbauarten ungeahnte Vielfalt den Châteauneuf gibt es ohnehin nicht, statt dessen präsentiert jeder Produzent seinen Stil, der von 100%-Grenache-Weinen à la Rayas und Charvin bis zu 100 % Mourvedreweinen à la Beaucastel reicht. Das macht die Suche für den Weinfreund kompliziert, aber eben auch interessant (bei unseren Châteauneufs weisen wir auf das jeweils prägende Stilmittel hin). Ihren einstmals warmen, mediterranen, vom Alkohol dominierten Geschmack haben die besten Weine der Südrhône, abhängig vom Jahrgang, zugunsten eines frischeren, deutlich feineren, eleganteren Geschmacksbildes getauscht, ohne authentischen Charakter zu verlieren im Gegenteil: Gekonnte Weinbereitung, richtiger Lesezeitpunkt und die Adaption der entsprechenden Rebsorten an die besten Lagen führten in den letzten Jahren zu deutlich mehr Charakter und Individualität, gepaart mit Finesse und Kraft, Saft und Spiel. Viele Weine der Südrhône sind hervorragend zu einem breiten Spektrum an Gerichten in der Küche kombinierbar, weil ihnen die unangenehme Adstringens und Bitterkeit so vieler anderer tannindominanter Rotweine abgeht; sie sind würzig, saftig, beerig, anspruchsvoll und vielfältig, ohne zu überfordern oder anstrengend zu sein sie passen in das heutige moderne Geschmacksbild, ohne daß sie darauf hingetrimmt worden wären, denn sie schmecken einfach gut - entsprechende Auswahl vorausgesetzt. Es gibt noch immer zu viele katastrophale Billigtropfen an der Côtes du Rhône, die den Korken in der Flasche nicht wert sind. Die preiswerten, also guten Rotweine der Rhône aber sind für uns die vielleicht spannendste Alternative der Welt in Sachen „Wein für jeden Tag“. Wenn es darum geht, sie mit modernern regionaler Küche zu verbinden, leisten sie Erstaunliches. Deshalb führen wir ausgesuchte Weingüter der Region mit Vergnügen.
BesonderesNaturnaher Anbau; schonend traditionell mit Stiel und Stengel mazeriert; minimale Schwefelung, spontane Vergärung, keine Filtration; sehr bekömmlich
DekantierenJa
VerschlussNaturkork
Die letzten halben Flaschen eines potenten, dafür geeigneten Rotweines. 2004 hat profundes Reifepotential bewiesen … mehr
Die Aromenfülle eines Weines erschließt sich am deutlichsten über das Riechen. Ein aufmerksamer Verkoster empfängt etwa zwei Drittel der Eindrücke eines Weines mittels seiner Nase, dem feinfühligsten Sinnesorgan des Menschen. Nur es ist in der Lage, die Vielzahl flüchtiger Duftstoffe wahrzunehmen, die das Aroma eines jungen, beziehungsweise das Bukett eines gereiften Weines ausmachen. Die Zahl der olfaktorischen Bestandteile eines einigermaßen komplexen, flaschengereiften Rotweines geht in die Hunderte. Doch schon den Duft eines einfachen jungen Weißen zu analysieren, bedeutet konzentrierte sensorische Feinarbeit. Die menschliche Nase ist zwar von Natur aus dazu befähigt, tausende verschiedener Gerüche zu unterscheiden. Letztlich ist es jedoch das Gehirn, das die Sinneseindrücke filtern, erkennen und beurteilen muß. Voraussetzung für bewußtes Genießen sind also im Kopf gespeicherte Trinkerfahrungen, das Grundwissen um die Zusammensetzung eines Weines und das Funktionieren des Geruchssinnes und nicht zuletzt die Fähigkeit, Sinneseindrücke zu beschreiben, um sie sich merken und darüber kommunizieren zu können. Das menschliche Riechzentrum sitzt an der Decke der Nasenhöhle in der obersten der drei Nasenmuscheln. Auf der etwa fünf Quadratzentimeter großen Riechschleimhaut drängeln sich rund zehn Millionen Nervenzellen mit jeweils zehn bis zwanzig Fühlern, an denen sich einzelne Geruchsmoleküle festsetzen können. Diese gelangen dorthin überwiegend beim Einatmen. Jedoch verirren sich auch beim Ausatmen stets riechende Stoffe über den retronasalen Kamin aus der Rachenhöhle ins Riechzentrum. Um die Blume eines Weines bewußt wahrzunehmen, empfiehlt es sich, die flüchtigen Duftmoleküle, die bereits in einer Konzentration eines zehnmillionstel Grammes das Geruchssensorium zu reizen vermögen, gezielt ins olfaktorische Zentrum zu transportieren. Mit einem langsamen tiefen Atemzug sollte man den Duft des Weines aufsaugen und in der Nase verwirbeln. Wer zu hastig riecht, läuft Gefahr, einen Großteil der Geruchsmoleküle an der relativ versteckt liegenden Nasenschleimhaut vorbeizuschleusen. Zudem erschließt sich so häufig nur ein Ausschnitt aus dem breiten Geruchsspektrum eines Weines. Die für den Duft eines Weines verantwortlichen flüchtigen chemischen Verbindungen sind in viel geringerer Konzentration vorhanden als die nichtflüchtigen Geschmacksstoffe. Um möglichst viele der Geruchsmoleküle aus der Flüssigkeit zu lösen, sollte man zunächst das zu etwa einem Drittel mit Wein gefüllte Glas kreisförmig schwenken. In das auf diese Weise mit Aromastoffen gesättigte Luftvolumen über dem Wein steckt man anschließend seine Nase und atmet den "Duftnebel" ein. Da hinter jeder Nuance des Aromas eine chemische Verbindung steckt, liefert der Geruch einem geübten Verkoster eine Fülle von Informationen über Rebsorten, Lagen, Gärmethoden, Ausbau und Alter von Weinen. Ob ihrer Fülle und Vielschichtigkeit sind die Geruchsbestandteile von Weiß- wie von Rotweinen jedoch relativ schwer zu identifizieren und zu dechiffrieren. Um nicht nur ein diffuses Duftgemisch wahrzunehmen, sollte man das Riechen eines Weines deshalb in mehrere Schritte aufteilen und sich dabei jeweils auf eine zusammengehörige Gruppe von Aromen konzentrieren. Die chemisch einfachsten Verbindungen sind am leichtesten zu erkennen: Fruchtaromen; diese können bei Weißweinen von Banane, Melone und Ananas über Apfel und Pfirsich bis zu Zitrone reichen; bei Rotweinen wirken sie hingegen zumeist dunkler und können an rote Beerenfrüchte ebenso erinnern wie an Kirschen oder Pflaumen. Schritt zwei sollte den pflanzlichen Aromen gelten: Blüten auf der einen, Blätter, Gras und Vegetabilien auf der anderen Seite. Der Duft einfacherer Weine erschöpft sich normalerweise in den beiden ersten Kategorien, repräsentiert er doch zumeist nicht mehr als das Aroma der jeweiligen Traubensorte. Zu unterscheiden sind dabei freilich sympathische simple Konsumweine im guten Sinne des Wortes von gezielt auf einen bestimmten Duft getrimmten Industrieprodukten. Moderne Gärtechniken und enzyme machen es heutzutage leicht, Weine gezielt auf bestimmte Duftnuancen (z.B. Banane bei Chardonnay) hin auszubauen, um damit einem vermeintlichen Publikumsgeschmack entgegenzukommen. Der Geruch solcher Weine wirkt im ersten Augenblick angesichts seiner Deutlichkeit betörend, erweist sich dann jedoch bei der Gegenüberstellung mit Geschmack und Abgang oft als vordergründiges Blendwerk. Vom Bukett eines Weines spricht man, wenn dieser jenseits der fruchtigen und pflanzlichen Aromatik auch Terroir, Jahrgang, Ausbau und Alter geruchlich widerspiegelt. Bei Weißen kann dieses erweiterte Aromenspektrum Töne von Honig, Stroh, Butterkeksen, Vanille, Zedernholz und Mineralien aufweisen. Das noch erheblich größere Aromenspektrum großer Rotweine repräsentieren beispielsweise Gewürztöne aller Art, Schokolade, Kaffee, Rauch und ebenfalls verschiedene Holznuancen. Daneben gibt es natürlich auch eine Fülle unangenehmer Aromen, die sich, rein chemisch betrachtet, jedoch oft nur minimal von den Wohlgerüchen unterscheiden (z.B. Sauerkraut, Seife, Essigsäure, nasse Wolle, Benzin). Dominiert ein solcher Geruch die Nase eines Weines, ist dieser fehlerhaft und damit ungenießbar. Eingebettet in die ausladende Aromenvielfalt eines wirklich großen Weines können jedoch feine Spuren des ein oder anderen sogenannten Fehltons durchaus zur Komplexität seines Buketts beitragen.
Das geschmackliche Optimum eines Weines hängt nicht nur von der chemischen und mikrobiologischen Beschaffenheit des probierten Weines ab, sondern maßgeblich auch von der persönlichen Präferenz, der Stimmung, vor allem aber der Erfahrung des Beurteilenden. Das macht die seriöse Prognose der optimalen Trinkreife so schwierig, ja unmöglich. Was der erfahrene Weinfreund als optimal reif bejubelt, beklagt der weniger erfahrene nur als bereits verdorben. Ja, das ist Weinhändleralltag. Zuverlässige Vorhersagen bezüglich Haltbarkeit und Entwicklung sind auch deshalb so schwierig geworden, weil der technische Fortschritt im Keller viele physikalische und chemische Manipulationen unterschiedlichster Weinparameter ermöglicht; doch es gibt Merkmale, an denen man das Entwicklungspotential eines Weines abschätzen kann. So hängt z. B. die Alterungsfähigkeit von Rotwein von der Qualität und Beschaffenheit seiner Gerbstoffe ab. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß ein hart und unharmonisch schmeckender Roter nur lange genug liegen muß, um sich zu einem feinen Tropfen zu mausern; ebenso falsch ist die Annahme, ein schon jung angenehm trinkbarer Rotwein besitze kein Alterungspotential.
Die Beurteilung der potentiellen Reifefähigkeit von Weißwein verlangt noch profundere Kenntnis und Erfahrung als beim Rotwein. Abgesehen von hochkarätigen Süßweinen, die Generationen überleben können, bieten alterungsfähige weiße Rebsorten wie Riesling, Chardonnay, Grüner Veltliner oder Chenin Blanc je nach Weinbereitung enormes Potential für denkwürdigen Genuß. Solche Flaschen sind es, die zur persönlichen philosophischen Zeitreise anregen.
Generell kann man unsere Weißweine schon kurz nach der Flaschenfüllung trinken. Ausnahmen sind weiße Burgunder, ein paar große Kalifornier, jene Weißen von der Loire, die aus der Chenin Blanc-Traube gekeltert wurden, hochwertige mineralische Rieslinge aus Niedrigerträgen und die wirklich großen Süßweine der Welt. Sie alle brauchen Zeit um ihre faszinierenden vielschichtigen Aromastoffe voll entfalten zu können. Da bei Weißweinen die Trinkreife mehr von den Weinbereitungsparametern als vom generellen Rebsortencharakter abhängt, geben wir in unserer K&U-Deklaration Besonderheiten in Sachen Lagerfähigkeit und Trinkreife ausdrücklich an. Unsere Rotweine werden so schonend wie möglich verarbeitet. Deshalb gilt für sie eines der größten Märchen der Weingeschichte nicht: "Was in der Jugend nicht schmeckt, braucht nur Zeit, damit es später schmeckt". Das ist Unsinn! Was in der Jugend nicht schmeckt, schmeckt später auch nicht. Dazu muß man den Begriff Jugend definieren, denn der ist, wie die Trinkreife, eine Funktion der Traubenqualität, des Lesezeitpunktes, der Weinbereitung und der Erfahrung des Beurteilenden. Ebenso ins Reich der Märchen gehört die Weisheit: "Ein Wein, der in seiner Jugend schon gut und reif schmeckt, reift schlecht". Da ist eher das Gegenteil der Fall!
Tannine sind Gerbstoffe. Sie sind für den kundigen Rotweintrinker das entscheidende Qualitätskriterium bei der Auswahl seines Lieblingstropfens. Der typische Weißweintrinker dagegen findet sie adstringierend und unangenehm und kann Rotweinen deshalb nicht viel abgewinnen. Alles, was man einem Rotwein an geschmacklicher und geruchlicher Information entnehmen kann, hängt von der Beschaffenheit und Qualität der Beerenschale der verarbeiteten Trauben ab. Die gesamte Arbeit eines Weinjahres, vom Rebschnitt über die Wahl des richtigen Lesezeitpunktes bis zum optimalen Gesundheitszustand der Trauben und dem Klimaverlauf, alles schlägt sich in der Qualität der Gerbstoffe und ihrer physikalisch-chemischen Beschaffenheit nieder. Man kann tatsächlich in den Gerbstoffen eines Rotweines erschmecken, ob dieser industriell standardisiert, brav handwerklich oder künstlerisch individuell hergestellt wurde.
Man unterscheidet Rotweine danach, ob sie aus dünnschaligen oder dickschaligen Rebsorten gekeltert wurden. Der Unterschied ist elementar:
Pinot Noir und Grenache sind Musterexemplare dünnschaliger Rebsorten. Ihre Gerbstoffe wirken fein auf der Zunge, mehr beerig als würzig, transparent, duftig und zart, nur verhalten adstringierend, trotzdem kompakt und präsent im Mundgefühl. Ihre Weinbereitung benötigt Fingerspitzengefühl, um ihre empfindlichen Farbpigmente und hochflüchtigen Aromabestandteile stabil und komplex ins Geschmacksbild zu integrieren. Dünnschalige Rebsorten sprechen sensibel auf Weinbereitungsmethoden an, weshalb es eine ganze Reihe stilbildender Weinbereitungsarten für diese Rebsorten gibt. Erwähnt sei exemplarisch die Kaltmazeration von Pinot Noir, die nicht nur verbesserte Farbausbeute, sondern auch komplexere, intensiv würzige Aromen liefert.
Syrah, Cabernet Sauvignon, Malbec, Tannat und Carignan sind Musterbeispiele dickschaliger Rebsorten. Deren Extraktion verlangt in der Weinbereitung große Erfahrung, um ihre mächtige Gerbstoffpräsenz und Fülle an geschmacklicher Information weich, seidig, lang und angenehm füllig gelingen zu lassen. Dickschalige Rebsorten besitzen dunklere und dichtere Farbe als dünnschalige, ihre Anthocyandichte (der Farbstoffgehalt in den Beerenschalen) und ihr Polyphenolgehalt sind höher; sie besitzen nicht nur höhere Extraktwerte (Inhaltsstoffe), sondern auch höhere Gehalte an antioxidativen Verbindungen, die sie besonders gut und lange reifen lassen. Dickschalige Rebsorten benötigen zur Zähmung ihrer Adstringenz eine Weinbereitung, die auf die Polymerketten ihrer Tannine abgestimmt ist, die man auf der Zunge als sauer, rauh und bitter empfindet. Man mazeriert sie deshalb z. B. in offenen Holzbottichen oder Edelstahltanks und läßt sie entsprechend lange im Holzfaß gären und reifen, um ihre kurzkettigen Gerbstoffpolymere durch Sauerstoffzutritt gezielt zu verlängern. Auf rein physikalische Weise verwandelt man so ihre massive Präsenz in weiche, zugängliche und hochwertig lange im Mund nachwirkende Struktur (weshalb man Rotweine ja auch dekantiert, was man mindestens eine halbe Stunde vor Genuß tun sollte).
Menge, Art und Wirkung der Gerbstoffe im Mundgefühl entlarven das Preisniveau eines guten Rotweines. An der Qualität der Tannine stellt der Profi fest, ob ein Winzer mehr ist als nur ein braver Handwerker.
Schon für den antiken römischen Dichter Horaz war großer Wein stets alter Wein - vorausgesetzt, der vergorene Traubenmost besaß genügend Substanz, um jahrelanges Lager in irdenen Amphoren zu überstehen. Einfacher Wein hingegen sollte laut des im letzten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung lebenden Weinfreundes aus dem vergangenen Jahr stammen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Alter Wein übt auch zwei Jahrtausende später auf Kenner eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Jahr für Jahr werden auf Auktionen für Wein-Antiquitäten neue Rekordsummen bezahlt. Daß der Inhalt dieser teueren Trouvaillen immer sein Geld wert ist, darf bezweifelt werden. Zum einen besitzen auch heute noch weitaus weniger Weine als gemeinhin angenommen das Potential für jahrzentelanges Altern. Zum anderen ist der Reifeprozeß eines Weines ungeheuer störanfällig. Beim Einlagern eines Weines gilt es grundsätzlich zu unterscheiden zwischen der Zeitspanne, die ein Wein überstehen kann ohne chemisch zu zerfallen, und dem Zeitraum, den ein Wein braucht, um sich auf der Höhe seiner Entwicklung zu präsentieren. Obwohl Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen immer wieder den Wein im Visier haben, ist das Alterungspotential vergorenen Traubenmostes nach wie vor keine technische Standardgröße und damit nicht präzise und zuverlässig vorhersagbar. Letztlich sind vinologische Prophezeiungen bezüglich der Haltbarkeit sogar noch schwieriger geworden, weil der Fortschritt im modernen Weinbau zu einer sprunghaften Zunahme physikalischer und chemischer Manipulationsmöglichkeiten geführt hat. Für in ihrer Grundstruktur veränderte Weine fehlen bezüglich des Reifepotentials aber noch jegliche Erfahrungswerte. Vom Kauf größerer Bestände teuerer Flaschen en primeur, also lange bevor der Wein ausgeliefert wird und probiert werden kann, ist deshalb immer dann abzuraten, wenn man nicht über absolut zuverlässige Informationen zum Werdegang des jeweiligen Weines verfügt. Das sollte einem eigentlich die persönliche Weinerfahrung über die Jahre gezeigt haben: Selbst berühmte Namen und angeblicher Kultstatus sind keine Garantie für lange Lebensdauer oder besondere Reifefähigkeit des Flascheninhalts.
Cuvée, ein Begriff, der immer wieder zu Irritationen Anlaß gibt.
Tatsächlich ist die Bedeutung des Wortes je nach Kontext unterschiedlich. In Deutschland bezeichnet man mit Cuvée den Verschnitt, also das gemeinsame Keltern oder auch Vergären verschiedener Rebsorten in einem Gärbehälter. Aber auch der spätere Verschnitt verschiedener Weinpartien unterschiedlicher Rebsorten oder auch Lagen wird Cuvée genannt, man cuviert einen Wein aus verschiedenen Partien im Keller. Eine Cuvée bezeichnet hierzulande also einen Wein, der aus verschiedenen Rebsorten oder Weinbergslagen miteinander verschnitten wurde. Die Franzosen benutzen dafür ein anderes, für sie eindeutiges Wort: Assemblage.
Wenn der Franzose von einer Cuvée spricht, meint er damit jeden separat abgefüllten Wein, jede einzelne Partie im Keller eines Weingutes. Das Wort Cuvée stammt aus dem französischen und bezeichnet den Inhalt eines Gärbehälters, der im französischen Cuve heißt. Im französischen kann eine Cuvée also ein Verschnitt mehrerer Rebsorten aber auch ein Wein einer einzelnen, ganz bestimmten Lage sein. Häufig begegnet man auf Etiketten Begriffen wie Tête de Cuvée oder Cuvée Prestige; damit bezeichnen die Franzosen ihre besten Weine im Keller, ihre Spitzencuvées, ihre besten Partien, egal ob sie reinsortig sind oder verschnitten wurden. Um es kompliziert zu machen bezeichnet man in der Champagne den aus der Kelter laufenden Vorlaufmost, der die höchste Qualität liefert, ebenfalls als Cuvée, nennt dort aber zugleich verschiedene Abfüllungen Cuvée, weil vor allem die großen Markenchampagner aus bis zu 100 verschiedenen Einzelpartien miteinander verschnitten werden, um konstante Qualität, meint das erwartete Geschmacksbild, garantieren zu können.
Eine Cuvée, das gezielte Verschneiden von Weinen, soll und kann die Qualität des fertigen Weines verbessern. In Châteauneuf du Pape z. B. verschneidet man bis zu 13 Rebsorten miteinander, wobei auch weiße Sorten im roten Châteauneuf zugelassen sind; die körperreichen, farbintensiven, gerbstoffbetonten Mourvèdre oder Syrah werden dort mit der oxidationsempfindlichen, leichteren, aber auch duftigeren und eleganten Grenache verschnitten. Das geschieht nach peniblen Vorverkostungen in mehr oder weniger aufwendigen Probenreihen. Tatsächlich kann eine gekonnt zusammengestellte Cuvée besser schmecken als die einzelne Verschnittpartie für sich, weil sie Frucht, Gerbstoffgehalt und Alkohol zum harmonischen Ganzen vereint. Praktisch jeder Bordeaux, viele Chiantis, nahezu jeder Rotwein aus der Rioja oder dem portugiesischen Dourotal, dem Veneto, der Provence, dem Languedoc oder dem südlichen Rhônetal, um ein paar prominente Beispiele zu nennen, besteht aus zwei bis fünf, manchmal auch mehr Rebsorten, die auf dem Etikett nicht ausgewiesen werden müssen. Alles klar?
Grenache, nach Airen die zweitmeistangebaute Rebsorte der Welt, steht? als Garnacha Tinta in Spanien auf über 100.000 ha, sie ist dort die meistangebaute Rotweintraubensorte; in Frankreich bedeckt sie mit über 90.000 ha einen Großteil des Rebterrains, und auf Sardinien meinen die Sarden, mit ihrer Cannonau den Ursprung der Rebsorte für sich gepachtet zu haben. Grenache landet meist in Verschnitten, sie wird nur sehr selten reinsortig auf Etiketten ausgewiesen. Die Rebsorte ist prädestiniert für den Anbau in trockenen, warmen und windigen Regionen. Sie entwickelt ungewöhnlich starkes Holzwachstum und zeichnet sich durch aufrechten kraftvollen Wuchs aus, was sie besonders für windige Gegenden eignet. Sie widersteht sogar dem hart blasenden Mistral des Rhônetales , wo sie im traditionellen Gobelet auch extreme Widerstandsfähigkeit gegen Dürre und Hitze beweist. Sie treibt früh aus und erreicht bemerkenswert hohe Zucker- und Extraktwerte. ?Ihre Beerenschale ist dünn, sie entwickelt keine intensive Farbe und neigt in der Verarbeitung schnell zu Oxidation. Deshalb wird sie gerne mit dickschaligen Rebsorten wie Syrah oder Mouvèdre verschnitten. Am Gaumen entwickelt sie charakteristisch süßen Geschmack mit deutlichen Anklängen an weißen Pfeffer, schwarze Oliven, Rosmarin und Rumtopf. Grenache braucht niedrige Erträge, karge Böden, muß streng zurückgeschnitten werden und darf nicht bewässert werden, dann bringt sie konzentrierte, saftige, würzig duftende und üppig dimensionierte "barocke" Rotweine hervor, die auch mal Jahrzehnte Reifezeit vertragen können. Die Renaissance der Rhoneweine, allen voran Châteauneuf du Papes, sorgte in den Neunziger Jahren für die verdiente Renaissance dieser großen mediterranen Rebsorte, deren robustes und starkes Holzwachstum einer industriellen Nutzung mit maschineller Bearbeitung und Vollernter erfreulicherweise im Wege steht. Am besten gelingt die Grenache entlang der südlichen Rhône, wo sie in der Regel verschnitten wird, doch beweist sie hier überzeugender als anderswo, wozu sie bei niedrigen Erträgen und konsequentem Qualitätsanbau fähig ist. Ihre weiße Form Grenache Blanc gewinnt vor allem in Südfrankreich trotz abnehmender Anbaufläche im Qualitätsanbau stetig an Bedeutung. Sie reagiert hervorragend auf gekonnten Ausbau im kleinen Holzfaß und liefert dann spannend mineralisch geprägte, pikante, charaktervolle Weißweine, die in Individualität und Trinkvergnügen, Originalität und Preiswürdigkeit, mit den großen Weißweinen der Welt mithalten können.
Roter aber auch weißer Traubensaft (Most) enthält wertvolle Mineralstoffe und Spurenelemente, die reich an gesundheitsfördernden bioaktiven Substanzen sind. Das sind z. B. in rotem Traubensaft die Flavonoide Anthocyan und Quercetin, die in der Traubenschale sitzen und gesundheitliche Multitalente sind: Dem Quercetin, das Äpfel und Birnen so gesund macht, sagt man sowohl antiallergische als auch antientzündliche Wirkungen nach; es hemmt z. B. die Zusammenballung von Blutplättchen und hilft Thrombosen vorzubeugen. Die Anthocyane sind für die Farbe der roten Trauben verantwortlich. Ihnen sagt man nach, daß sie die schädliche Wirkung von Umweltgiften und Zigarettenrauch mildern, indem sie freie Radikale einfangen und so schädliche Oxidationsreaktionen in den Zellen bremsen. Kommerziell erhältlicher, nicht vergorener Traubensaft wird pasteurisiert, damit er nicht gärt. Dazu wird er kurzzeitig erhitzt, ohne daß seine wertvollen Inhaltsstoffe verloren gehen. Als Durstlöscher eignen sich Traubensäfte nicht, weil ihr Zuckergehalt (Fructose) sehr hoch ist.
Qualitätsorientierter Weinbau kommt nicht ohne Technik nicht aus. Wein ist vom Verderb bedroht, kaum daß die Traube ihren Saft abgegeben hat. Damit aus ihrem Saft hochwertiger Wein wird, muß er verarbeitet und konserviert werden, um als Wein mit Genuß nicht nur trinkbar zu sein, sondern es auch zu bleiben. Auch unsere Winzer kommen deshalb nicht ohne Technik aus. Sie arbeiten aber für eine andere Moderne, die Tradition mit Technik versöhnt und Zeit im Wein als stilbildendes Phänomen erleb-, schmeck- und nachvollziehbar machen will. Unser langsamer Wein schmeckt deshalb grundlegend anders als moderner schneller Wein aus der Reduktivretorte. Langsamer Wein darf spontane Vorgänge wie Vergärung mittels wilder Hefen oder den biologischen Säureabbau, aber auch das Ausscheiden von Weinstein etc. auf natürliche Weise ohne Eingriffe von außen absolvieren. Noch immer entstammen 98 % aller Weine der Welt dem reduktiven Ausbau, der mit technischem Aufwand den Luftzutritt während des Ausbaus zu vermeiden sucht und auf diese Weise harmlose fruchtig frische Weine produziert, die sich erfolgreich und schnell verkaufen. Das tun sie, obwohl sie ihrer Ausdruckskraft und Entwicklungsmöglichkeiten beraubt sind und nur zu oft denaturiert wirken. Sie werden nach Standardrezeptur mittels schneller, sicherer Reinzuchthefen vergoren, um oft noch im Jahr der Ernte auf Flasche gefüllt zu werden. Schnell rein, schnell wieder raus. Dagegen benötigen unsere Weine je nach Sorte und Qualität mehrere Monate bzw. Jahre für den Ausbau. Sie dürfen lange auf der Hefe reifen und besitzen nicht nur eine andere Chemie, sondern schmecken auch anders, nämlich vielschichtiger, komplexer und fordernder. Wenn wir in unserer Deklaration den Ausbau als schnell deklarieren, meinen wir damit besagten reduktiven Ausbau, der die bewußte Beschleunigung der Weinwerdung durch scharfe Mostvorklärung, Impfung mit Reinzuchthefe und kühle Vergärung im Edelstahltank propagiert. Langsam bezeichnet jenen Ausbau, der dem Wein die Zeit läßt, die die Natur sich nimmt; keine oder schonende Mostvorklärung, langsame spontane Vergärung und oft monatelanges Hefelager, bevorzugt im Holzfaß, sorgen hier für andere Qualität und hoffentlich anspruchsvolles Weinerleben.
Der Preis und der Begriff Preiswert scheinen im Wein - zumindest bei uns in Deutschland - eine ganz gewichtige kaufentscheidende Rolle zu spielen. Nach Qualität fragt nur eine elitäre Wein-Oberschicht. Deutschland ist das billigste Weinland der Welt. Darauf sollte man besser nicht stolz sein. Nirgendwo sonst wird so billiger Wein angeboten, nachgefragt und auch getrunken wie bei uns. Viele Weintrinker hierzulande haben das Gefühl für den richtigen Preis für ihren Wein verloren, wenn sie es denn je hatten. Man denkt nicht darüber nach, wie ein Wein zu seinem Preis kommt, man konsumiert ihn und belächelt sogar vermeintlich teuere Weine. Man muß nur mal einen Blick in die vielen Websites zum Thema "Preis" werfen, es ist unglaublich, was da zum Thema Wein und Preis abgesondert wird. Pure Inkompetenz wird da oft peinlich selbstgefällig hinausposaunt (z. B. zum Thema Aldi-Champagner...), und man propagiert offen den Billigweinkonsum. Ein jeder trinkt, was er versteht . . . Tatsächlich entspringen der große Wein zum Fast-geschenkt-Preis, das berühmt berüchtigte Aldi-Schnäppchen und der vielbeschworene Geheimtip nur allzuoft mangelnder Erfahrung, wie man am Begriff teuer sehen kann, der bei Wein je nach Trinkerfahrung und Genußvermögen heftig divergiert: Was für den einen rausgeschmissenes Geld bedeutet, ist für den anderen lohnende Investition ins Geschmacksvergnügen. Fakt ist leider, daß ein hoher Preis keine Garantie für hohe Qualität ist. Das Was teuer ist muß gut sein wird , wie das scheinbar unausrottbare Preis-Leistungs-Verhältnis, von unserer Branche kräftig geschürt und gepflegt, weil sie mit Unkenntnis und Statusdenken viel Geld verdient. Insofern müssen wir manchem Weinpreis-Kritiker Recht geben. Doch allen Unkenrufen zum Trotz: Es gibt ihn, den guten Wein, der seinen Preis wert ist. Die Suche danach ist aufwendig und seine Wertschätzung verlangt neben Erfahrung, Neugier und Offenheit, Toleranz und Geschmackskriterien, schlicht Kompetenz, um zwischen technischer, stilistischer oder nur geschmäcklerischer Qualitätsbeurteilung zu unterscheiden. Unterhalb einer gewissen Preisgrenze empfehlen wir ein ehrliches, frisch gezapftes, handwerklich produziertes Bier, oberhalb einer gewissen Preisgrenze raten wir zu kritisch vergleichender Probe.
Seinen Preis wert? Wir orientieren uns an den Original-Weingutspreisen. Wir kaufen ausschließlich direkt beim Winzer vor Ort ohne Zwischenhandel. Bei uns gibt es keine anonymen Cuvées mit schönen Etiketten zum billigen Einkaufs- aber hohen Verkaufspreis, die sich gezielt Ihrer Kontrolle über Herkunft, Machart und Preis entziehen. Ein (renditeträchtiger) Trend im Weinhandel, den wir kompromißlos ablehnen. Keine EU-Abfüllernummer, nur Erzeugerabfüllungen. Deshalb kaufen wir ausschließlich vom Winzer abgefüllte, von Ihnen jederzeit nachvollziehbare Weingutsqualität. Wir wissen, wo jeder unserer Weine herkommt und wie er an- und ausgebaut wird. Wir importieren wenn nötig im Thermocontainer oder per Kühlfracht. Wir bieten ideale Lagerbedingungen. Wir versenden sicher, schnell und zuverlässig.
Die Appellation ist ein typisch französischer Begriff, der immer wieder Fragen aufwirft und dem Frankreichgegner und Marketingstrategen vorwerfen, er würde französischen Wein so kompliziert machen. Das ist Unsinn und man kann nur hoffen, daß die INAO, die für das französische Appellationssystem zuständige Organisation, dieses über Jahrhunderte gewachsene Qualitätssystem nicht weiter verwässert und inflationiert. Es basiert auf der Tatsache, daß in Frankreich Qualität immer einen Namen, vor allem aber eine Herkunft hat. Die Rinder aus Charollais, die Pflaumen aus Agen, die Oliven aus Nyons, jeder Käse hat seinen Namen und eine ganz bestimmte namentliche Herkunft, die man entsprechend schmeckt. Das ist die Faszination Frankreichs, das ist weltweit einmalig. 1935 führte Frankreich dieses staatlich überwachte Qualitätssystem der Appellation Controllée, der geschützten Ursprungsbezeichnung, ein. Es garantiert Herkunft und Qualität eines Produktes aus einem ganz bestimmten Gebiet, im Wein z. B. die vorgeschriebene Traubensorte, die Einhaltung der Erträge, den Reifegrad bzw. das Mostgewicht, den Mindest-Zucker- und Alkoholgehalt , aber auch den Zeitpunkt der Ernte. Die INAO deklariert und überwacht den Ursprung jeden Weines nach Gebiet, Distrikt, Gemeinde und Lage und benennt ihn auf dem Etikett entsprechend. So will man die typischen Eigenschaften und geschmacklichen Charakteristika einer Appellation als Herkunft schützen und bewahren. Auf den Weinetiketten findet man diese Qualitätsstufe (im Gegensatz zum Landwein, dem Vin de Pays) als A.C. oder A.O.C. abgekürzt ausgewiesen.
Die Beere ist die Einzelfrucht der Traube. Sie besteht aus der äußeren Beerenhaut, also der Schale, dem äußeren Fruchtfleisch und dem inneren Kern. Die Schale der Beere ist mit einer wachsartigen Schicht überzogen, die aromabildende Substanzen wie Terpene, höhere Fettsäuren, ungesättigte Kohlenwasserstoffe und höhere Alkohole enthält. Bei den roten Traubensorten ist der Farbstoff in den Beerenschalen konzentriert, auch die Tannine stecken in der Schale. Der saftreiche Teil der Beere, das äußere Fruchtfleisch, enthält mehr Zucker, aber weniger Säure, der innere Kern mehr Säure, aber weniger Zucker. Übrigens enthalten die Kerne der Beere, die man fälschlicherweise "Traubenkerne" nennt statt "Beerenkerne", den mit 6 bis 8 % höchsten Gehalt an Gerbstoffen und Ölen 10 bis 20 %).
Die Zukunft der Küche - die Zukunft im Wein? Die Zukunft der Küche wird in der Region liegen. Regionalisierung statt Globalisierung wird angesagter Küchen-Trend. Die Tage abgenutzter Luxusproduktlangeweile in Spitzenrestaurants scheinen (endlich!) gezählt. Immer mehr Küchenchefs entdecken die bodenständige Regionalküche. Und so könnte natürlich auf höchstem Niveau zum Motto der Küche der Zukunft werden. Zeit wird´s, denn das übliche Gourmet-Einerlei und die immer gleichen, fast schon normativ die Speisenkarten schmückenden Zutaten der immer selben Gourmet-Lieranten sorgen für Einfalt auf dem Teller. Küche im Wandel, Küche als Spiegelbild gesellschaftlicher Realität. Widmeten sich die Sechziger Kalorienbergen für mehr Wirtschaftswunderenergie, entdeckten die Siebziger den Luxus der Grande Cuisine Francaise; die kühlen Achtziger reagierten darauf mit Italiens unbeschwerter Einfachheit, spreizten aber auch den kleinen Finger zur blutleeren Nouvelle Cuisine; die weitgereisten Neunziger verschrieben sich charakterlos globalem Multikulti-Crossover-Mischmasch, und das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends gehörte, hochbeschleunigt und mediengeil, Ferran Adrià, dessen Techno-Experimente und Molekulargimmicks zwar viel Chemiepulver verschossen, das Zeug zum Klassiker aber vermissen ließen. Im abziehenden Rauch seiner Stickstoff-Desserts dämmert nun eine neue Kochwelt, die sich zwar modernster Technologien bedient, aber dem gewachsenen Bewusstsein für Klimawandel und Nachhaltigkeit Rechnung trägt. So könnte das Brandenburgische Apfelschwein in Zukunft das japanische Kobe-Beef ersetzen, das in ätzender Uniformität und Impertinenz die Karten der Haut-Cuisine schmückt. Das Kalb vom nahen Bio-Hof könnte die Gänsestopfleber aus dem Perigord ablösen, die wir lieber vor Ort genießen. Und Saibling und Flusskrebse aus heimischer Gewässerzucht könnten den überfischten Steinbutt und den bretonischen Hummer schonen, aber auch die fette Norm-Dorade und den standardgroßen Loup de mer aus spanischer Aquakultur ablösen.
Küche im Wandel. Think global, eat local lautet die Devise der Zukunft. Keine Erdbeeren im Januar, kein Nebraska Beef, keine Bressetaube mehr im Restaurant. Neuer Luxus wird in raffiniert einfachen Restaurants zelebriert werden, die sich bewußt und engagiert Produkten und Rezepten aus der Region widmen, neu interpretiert wohlgemerkt. Vermeintlich simple Hausmannskost wie Schnitzel oder Tafelspitz werden mittels zeitgemäßen Küchenhandwerks und bester Regionalprodukte verdiente Renaissance erfahren. Da tun sich ganz neue Chancen für qualitätsorientierte Produzenten aller Art auf . . . Daß sich auch der Wein diesem Wandel der Küche zur konsequenten Entglobalisierung stellen muß, scheint klar wie Kloßbrühe. Deshalb setzen wir mit unserem Konzept der regionalen Appellationen, der schmeckbar regionalen Herkunft und des kompromißlosen Regionalcharakters durch bewußte Entschleunigung im Keller mit unseren Weinen visionäre Akzente für eine neue Zukunft auch im Wein. Statt uniformer Parker-Globaltropfen bieten wir originelle Regionalweine mit Herkunftscharakter.
Schon den Sumerern war die berauschende Wirkung gärenden Traubensaftes bekannt. Doch erst Louis Pasteur verdanken wir im 19. Jahrhundert das Verständnis des Gärmechanismus. Alkohol entsteht durch die Vergärung des im Traubenmost gelösten Zuckers durch Hefen. Die Hefepilze spalten den Zucker in Äthanol und Kohlensäure auf, der entstehende Alkohol ist farblos und riecht angenehm weinig. Je nach Zuckergehalt des Mostes, also Reife der Trauben, je nach Art der Hefen, also ob Reinzucht- oder Spontanhefe, sowie der Gärtemperatur sind im fertigen Wein zwischen 40 und maximal 144 g/l Alkohol (was 18,2% vol. entspricht) enthalten. Mehr schaffen auch Spezialhefen nicht. Ein durchschnittlicher Qualitätswein enthält ca. 70-80 g/l, hochwertige Spätlesen ca. 75-90 g/l reinen Alkohols. Seit 1988 müssen alle in der EG gehandelten Weine den tatsächlichen Alkoholgehalt in Volumenprozent (% vol.) auf dem Etikett ausweisen. Für Zahlenfans: 7,95 g/l Alkohol im Wein entsprechen 1 % vol.
Robert Parker. Amerikanischer Ex-Anwalt, der sich zum bedeutendsten Weinrichter, i.e. Weinkritiker, aufgeschwungen hat. Seine Punktebewertungen sind längst des weltweiten Weinhandels wichtigstes Einkaufs- und Verkaufsargument. Ohne seine Punkte kein Geschäft. Weine, die seine Punkte tragen, dominieren den Markt und sind erfolgreich. Weine, die keine Parker-Punkte haben sind schwierig zu verkaufen. Kaum ein Weinhänlder auf der Welt, der Parkers Punkte nicht zitiert. Für uns sind des Herrn Parkers Punkte Strafpunkte für globale Belanglosigkeit auf hohem technischem Niveau.
Dem Jahrgang wird viel zu große Bedeutung für den Kauf eines Weines eingeräumt. Unser Rat: Werfen Sie Ihre Jahrgangstabellen in den Müll und vertrauen Sie Ihrer Zunge! In Zeiten des Klimawandels bestimmt der Verlauf des Klimas über das Weinjahr zwar die grundlegende Charakteristik der Weine eines Jahrgangs, doch für die Qualität des individuellen Weines, für seinen Geschmack und seine einwandfreie Chemie, ist nicht der Jahrgang sondern ausschließlich der Winzer verantwortlich. Er muß die Irrungen und Wirrungen, die eine Traube im Laufe eines Jahres durchlebt, im Keller in hochwertige Weinqualität verwandeln. Es gibt weit mehr schlechte Winzer als schlechte Jahrgänge, notiert ganz trocken aber richtig einer der wesentlichen Merksätze unserer Branche; es ist ausschließlich der Winzer, der die Qualität eines Weines in einem bestimmten Jahrgang garantiert, nicht der Jahrgang. Was macht ein Jahrgang mit dem Wein? Die Witterungsverhältnisse des Jahrgangsverlaufs während der Vegetationsphase wirken sich auf die Reife der Trauben und damit auf die Zusammensetzung des Mostes aus. Das ist in nördlicheren Weinbaugebieten sehr viel ausgeprägter der Fall als in südlichen. Die großräumigen Jahrgangseinflüsse betreffen vor allem den Austriebstermin der Knospen, den Beginn und Verlauf der Blüte, sowie den Beginn, den Verlauf und die Dauer der Reifephase. Der Jahrgang prägt also Weißweine durch mehr oder weniger hohes Mostgewicht bei niedriger Säure oder durch niedrigeres Mostgewicht bei hoher Säure; im Rotwein schlägt er sich vor allem in der Beschaffenheit, Dicke und Qualität der Beerenschale nieder, denn alles, was man im Rotwein riecht und schmeckt, steckt in ihr. Doch es ist immer der Winzer, der eventuelle Mängel im Klimaverlauf erkennen und deren Auswirkungen auf die spätere Weinqualität durch entsprechende Arbeit im Weinberg begegnen muß. Das können, ohne die üblichen Eingriffe moderner Weintechnik, nur engagierte, kompetente, gute Winzer.
Der Boden, auf dem ein Rebstock steht, ist der wesentliche Qualitätsfaktor für dessen Weinqualität. Der Boden und seine komplexe mineralische und strukturelle Formation, man spricht tatsächlich von Bodenformationen, regelt den Stoffwechsel, den Feuchtigkeitshaushalt und die physiologische Versorgung der Rebe. Nur wenige Bodenformationen kommen für die Produktion von Spitzenweinen in Frage. Tiefgründige, fruchtbare Ackerböden mögen für starkes und schnelles Wachstum sorgen, doch kann man auf ihnen nur anspruchslose Massen- und Alltagsweine produzieren. Böden, auf denen nichts anderes wachsen kann, sind dagegen ideal für guten Wein, so eine alte Winzerweisheit. Karge felsige, kalkige oder kieselige Verwitterungs- und Schwemmlandböden mit geringer Erdauflage eignen sich am besten für den Weinbau. Dabei sind Packungsdichte, Partikelgröße, Steingehalt, Drainage, Wasserführung und die Art und Struktur der Schichtung der verschiedenen Formationen über die vielen Meter Tiefe, die ein Rebstock wurzeln kann, wichtiger als die rein chemische oder mineralische Zusammensetzung des Bodens. Die Rebsorte und der Standort der Rebe (warm oder kalt, geneigt oder flach, windig oder windgeschützt etc.) prägen über Reifeverlauf, Reife- und Gesundheitszustand und die Hängezeit der Trauben entscheidend Aromatik und Fruchtintensität eines Weines, unabhängig von dessen Weinbereitung; es ist tatsächlich aber der Boden, der über das Mundgefühl eines Weines entscheidet, seinen Charakter, seine innere Struktur, seinen Extrakt und seine geschmackliche Wertigkeit (mundfüllend oder zungenorientiert, körperreich oder leicht, fein oder plump, dicht oder eher fragil . . .). In all unseren Weißweinen, die langsamer Weinbereitung entstammen, kann man deren Bodenformation erschmecken. Wenn Sie uns das nicht glauben, besuchen Sie eines unserer Seminare. Wir zeigen und beweisen es Ihnen gerne.