Wiederentdeckt: Die Domaine le Soula
Es ist traurig, aber es gibt Weine im Sortiment, die kommen und gehen, obwohl sie bleiben. So erging es den wunderbaren Weißweinen der Domaine Le Soula aus dem südfranzösischen Roussillon in unserem Programm. Jahrelang gehörten sie zu den vielverkauften, stark nachgefragten Weinen ob ihres so eigenwillig trockenen, mineralisch salzigen Charakters, dann kannten jene unserer Kunden, die sich mit derart natürlichen Weinpersönlichkeiten beschäftigen wollten, die Weine, hatten sie im Keller und aus war´s mit der Nachfrage.
Der deutsche Weinmarkt und sein typischer Kunde sind konservativ. Aus Angst vor Neuem verweigern sie sich vielem, was sie nicht kennen oder als ‘fremd’ empfinden. Als wäre fremder, unbekannter Geschmack ein Risiko. Als würde das, was man nicht kennt, weh tun.
In Sachen Geschmack scheint dem Deutschen die Neugier abhanden gekommen zu sein, anders kann ich mir nicht erklären, warum es bei uns nicht auch vielfältig spannende Ethno-Küchen in hoher authentischer Qualität wie z. B. in England oder den Vereinigten Staaten gibt. Wir Deutschen schauen auf die Küchen genau dieser beiden Länder herab, doch was dort qualitativ an Ethnoküchen geboten wird, das ruft bei mir Neid und Bewunderung hervor und ich frage mich, warum das bei uns so nicht möglich ist. Ganz einfach: Ein jeder ißt und trinkt, was er versteht. Es scheint mit dem Verständnis der bundesdeutschen Eß- und Trink-Neugier nicht weit her. Gewohnte Pfade, und die werden einfältig begangen. Da tut sich ein Wein wie Le Blanc de Soula schwer, der, soeben nachprobiert und wiederentdeckt, seit Jahren in unserem Programm vor sich hindümpelt, ohne große Beachtung zu finden. Das ist schade, das hat er nicht verdient. Charaktervoller Wein steht für Herkunft. Guter Wein ist schmeckbare Herkunft und damit immer gebündelt schmeckbare Regionalität.
Kaum entdeckte der Deutsche den Reiz des Weines in den achtziger Jahren, wurde Deutschland zum größten Importmarkt der Welt. Alles drängte auf diesen Markt. Er wurde zum vielfältigsten und wichtigsten Weinmarkt der Welt. Die unzähligen Importweine aus der neuen Welt lehrten uns, daß Wein reif und gut schmecken kann. Um hier mithalten zu können, waren die deutschen Winzer gezwungen, ihren Stil zu ändern und endlich auch anspruchsvolle Weine aus reifen und gesunden Trauben zu produzieren. Vom australischen Chardonnay kam der deutsche Durchschnittsverbraucher so schließlich wieder zum deutschen Wein, den er jetzt als hochwertig akzeptierte, nachdem ihn der führende Weinhandel zu dem machte, was er heute ist. Jetzt muß es nicht mehr Bordeaux oder Burgund sein, die gut sind weil sie teuer sind, jetzt wird auch heimischer Wein als gut anerkannt.
Doch auf die neue nationale Regionalität folgte der Rückzug aus der Internationalität, aus der grundsätzlichen Neugier gegenüber einer weltweit aufkeimenden Regionalität. Natürlich pflegt der Kenner noch ‘seine Toskana’, ‘sein Piemont’, man zieht sich zurück auf ‘seine Spezialgebiete, denn man kann sich gar nicht mehr überall auskennen’, doch den Blick für das, was derzeit weltweit passiert, hat man verloren oder nie geschärft: Die wirklich guten Winzer sehen die Banalisierung und Uniformisierung der Billig-, aber auch der sogenannten Spitzenweine; sie reagieren darauf in Keller und Weinberg mit bewußter, konsequenter Regionalisierung und stellen charaktervolle Weine, die für ihre Region stehen, gegen den weltweiten Trend zum technisierten Einheitsgeschmack. Dieser neue Charakter bedarf Kenntnis und Übung, setzt Neugier und Willen voraus, um ihn kennen- und einschätzen zu lernen. Ist Geschmack, ist Weingenuß, mühsame Arbeit, der ich mich nicht unterziehen will, oder ist es Vergnügen für die Sinne?
Le Blanc de Soula aus dem Roussillon konfrontiert den kundigen Weintrinker mit maximaler Regionalität, wie sie nur dort entstehen kann. Ein Wein wie kein anderer. Er duftet nach nassem Gestein, getrockneten Sommerkräutern, salzigem Gebäck, frisch geschälten Apfel- und Birnenschalen, orientalischen Gewürzen – ein breites Spektrum fordernder Komplexität tut sich auf, entzieht sich einem, läßt einen taumeln in der Beurteilungsfähigkeit, stellt große Fragezeichen über das Glas und holt einen dann schließlich doch ab mit geschmeidig salzigem Mundgefühl, das wie eine Mischung aus Chenin Blanc von der Loire und rassigem Puligny-Montrachet aus Burgund wirkt. Spannend ist dieser Wein, auch wenn man ihn auf den ersten Schluck nicht versteht. Aber muß man ihn deshalb links liegen lassen? Sollen wir als Weinhändler solche Unikate nicht mehr führen, weil keiner von sich aus danach fragt? Wir waren es, die Ende der achtziger Jahre unseren erfahrenen Importweinkunden deutsche Weine anfingen anzubieten. Lange hat´s gedauert, aber es hat funktioniert, wie wir heute wissen. Sollen wir, wie die Supermärkte dieser Welt, wirklich nur noch anbieten, was meßbar schnell verlangt und verkauft wird? Dann wird die Weinwelt schnell bei McDo enden. Drei Weine für die Welt. Weiß, rot und süß. Praktisch verpackt, pseudobillig, immer verfügbar and you always know what you get, wherever you are . . . . viel Vergnügen!
Link: Hier geht´s zu den Weinen von le Soula. Die Flaschenbilder folgen umgehend. Wir werden diese spannenden Weine der Vergessenheit im eigenen Sortiment entreißen. So einfach lassen wir uns nicht diktieren, was getrunken und was nicht getrunken wird….. Ein fröhlich Prosit!










