• 10/03/2015
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  • Reportage

Maßstab für Franken-Vergnügen: Luckerts Jahrgang 2014

 

Jahrgangsverkostung 2014 Weingut Zehnthof-Luckert, Sulzfeld, Franken

Keiner der verkosteten Weine war abgefüllt, nur zum Teil bereits filtriert; zum größeren Teil lagen sie noch auf der Vollhefe im Faß oder im Tank. Verkostet haben wir wieder zusammen mit Sommelier Ivan Jakir und seinem Mitarbeiter Abel Gebredingel vom Nürnberger Zwei-Sterne-Restaurant „Essigbrätlein“.

 

Wolfgang Luckert, der die Weinberge und die Ernte draußen zu verantworten hat, bringt es in seiner Vorrede entwaffnend ehrlich auf den Punkt: »Der Jahrgang 2014 hat mich emotional gefordert wie kein anderer in meinem Winzerdasein. Wenn Du gesehen hast, was da draußen hing, dann hättest du das Kotzen kriegen können. Die Trauben waren so gesund, und dann hat es geregnet bei 20°C und noch ein Gewitter und noch eines und noch eines, und das bei brühwarmen Temperaturen. Wir haben draußen im Weinberg selektioniert wie die Wilden; die verbliebenen Trauben waren reif, aber wir mußten aussortieren wie nie und was schließlich übrigblieb waren 38 hl/ha. Ich wollte gar nicht in den Keller um zu probieren, was da lag. Mich hat der Jahrgang so aufgewühlt mit seinem blöden Wetter; erst 2011 den Frost mit kleiner Menge, dann 2012 nicht das, was wir gebraucht hätten, 2013 so wenig wie nie zuvor und schließlich 2014 mit einem Wetter, das wirklich keiner gebraucht hat. Wir sind die Knechte der Reben, das hat uns 2014 wieder deutlich gezeigt. Ich wollte die Weine im Keller gar nicht probieren, weil ich den totalen Frust erwartet habe. Als wir letzte Woche zum ersten Mal den ganzen Keller gemeinsam durchprobiert haben, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Das hat so von uns keiner erwartet. Ich wünschte, mir könnte jemand erklären, warum der Jahrgang so ausfiel, wie er jetzt geworden ist. Ich würde gerne aus ihm lernen . . . «

 

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Wolfgang Luckert 

 

 

Uli Luckert, der für den Keller zuständig ist, ergänzt: »Als die ersten Trauben reinkamen, die für die Literware, habe ich zu Wolfgang gesagt: Kommt das jetzt alles so rein? Er war stinkesauer auf mich. Die ersten Partien mußte ich anreichern, weil sie einfach zu dünn waren. Was danach kam, war deutlich besser, im Mostgewicht aber durchweg schwach, am unteren Limit halt, im Keller aber habe ich gestaunt, denn die Weine machten teilweise den BSA vor der alkoholischen Gärung, auf jeden Fall sind sie gemeinsam durch die Gärung gegangen, die völlig reibungslos verlief; die Moste rochen sehr gut und ich mußte nach der Literware keinen einzigen Most anreichern, sie gingen alle durch und liegen jetzt unter 2 g/l Restzucker, sind also echt durchgegoren, was eine Seltenheit sein dürfte in diesem Jahrgang; bei der Qualitätsprüfung letztes Jahr waren nur 17% fränkisch trocken, also unter 4 g/l Restzucker; Franken wird zunehmend süß und hat mit seinem einstigen Trocken-Image nichts mehr zu tun; nicht bei uns. Der Jahrgang 2014 liegt im Alkohol natürlich zwischen 11 und 12,7 Alkohol, also optimal, wie wir finden. Das Zeitfenster für die Lese war übrigens so klein wie das Jahr zuvor. Wir haben mit allen verfügbaren Leuten gelesen, es hat perfekt geklappt und alles zusammengepaßt, nur die Mostgewichte, die schienen mir zu niedrig. Aber ich hab nichts mit den Mosten gemacht im Keller, keine Anreicherung, keine Entsäuerung, keine Schönung, keine Kohle, keine Enyzme, nichts. Dieses Jahr also keine Maischestandzeiten, dazu waren die Beerenschalen einfach nicht geeignet. Was wir dann im Keller verkostet haben, hat uns selbst total verblüfft. Wir wüßten gerne, warum die Weine so gut geworden sind. Wir können es uns nicht erklären. Wir haben selbst total gestaunt, als wir sie probierten. Aber jetzt seid Ihr dran….«

 

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Uli Luckert, der Gewährsmann für Nichtmanipulation im Keller.

 

Und hier die verkosteten Weine des Zehnthofs Luckert, Sulzfeld, Franken:

 

2014 Müller-Thurgau

Sehr duftig, wirkt zunächst fast reinzüchtig in seinem muskatigen Aroma; der Wein ist schon filtriert und füllfertig, braucht also ein wenig Zeit im Glas um sich zu entfalten, setzt dann aber zunehmend einen köstlich komplexen Sponti-Stinker frei, hefig im Aroma, animierend frisch und fruchtig, mit typischer Würze im Duft, die ihn weit mehr als nur »fruchtig« prägt; lang im Mund, strahlend rein und trotz eher schlanken Körpers ziemlich gut durch enorme Saftigkeit in der Mitte des Mundgefühls, richtig animierend saftig mit viel Mitte, wirkt reifer als 2013, könnte fast 2012 sein. Diesen Most, ergänzt Uli, hat er als einzigen außerhalb der Literweine doch geringfügig anreichern müssen.

Wir staunen über einen Müller-Thurgau, der enorme aromatische Strahlkraft besitzt. Reintönig und sauber wirkt er und präsentiert fast schon lustvolle Saftigkeit, die im Gedächtnis bleibt. Ein verblüffender, unerwarteter Einstieg in einen Jahrgang, den wir bei anderen Betrieben teilweise als erschreckend schwach notieren mussten. Bei Luckerts scheint schon im Einstiegsbereich spontane Lust auf den nächsten Lust aufzukommen . . .

 

2014 Sauvignon Blanc

Wow, ein Raunen geht durch unsere Gruppe. Luckerts Sauvignon Blanc duftet so appetitlich, daß man spontan ahnt, was einen im Mund erwartet. Knackige Frische in prägnantem Rebsortencharakter wie nie. Strahlend saftig im Duft, sogar einen Hauch grasig, aber edel, komplex und tiefgründig. Richtig nobel hält dieser Sauvignon am Gaumen sogar mehr, als er im Duft verspricht, da geht er richtig auf, reif in der Säure, animierend im Trunk, cremig und supersaftig im schlank wirkenden Körper, der in verhaltenem Alkohol die perfekte Balance offeriert. Weit mehr Sauvignon Blanc als sonst, hat richtig Cassis in Duft und Geschmack, weiße Holunderblüten, und wirkt lang und rein am Gaumen, pikant würzig und mineralisch attackierend salzig. Am besten gefällt mir seine anregende Saftigkeit im Mundgefühl. Sie wirkt so animierend und duftig, daß man richtig Lust verspürt auf den wein. Was für eine Überraschung in diesem Jahrgang!

 

2014 Gelber Muskateller

Stets einer unserer Lieblinge im Luckert´schen Portfolio. In 2014 wirkt er auf den ersten Schluck fast dünn. Dann aber legt er los, wird ultrapräzise im Fluß im Mund und glasklar und reintönig im Duft, legt sich salzig auf die Zunge, wo er so saftig agiert wie der Sauvignon Blanc, duftig und würzig ohne jede Arroganz, ungemein lebendig und spielerisch im Mund. Seine Null Gramm Restzucker und seine 7 Promille Säure wirken so reif und saftig, daß sich der Wein als vornehme Muskateller-Version präsentiert, extrem animierend, spielerisch agil, dabei zurückhaltend und gediegen unaufdringlich. Der perfekt gastronomische Muskateller. Wir staunen immer mehr über diesen Jahrgang bei Luckerts . . .

 

2014 Weißer Burgunder

. . . und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Luckerts »normaler« Weißburgunder des Jahrgangs 2014 ist so rein und sortentypisch wie noch nie. Animierend hefig und nussig in Duft und Geschmack, Weißburgunder aus dem Bilderbuch. Deutlich und prägnant wie ein Scherenschnitt. Dabei so was von saftig und süffig und in sich stimmig, daß wir alle in der Runde mit der Zunge schnalzen. Uli meint, die Trauben wären schon optisch ein Vergnügen gewesen, reif, aber nicht überreif, gelesen in der zweiten Oktoberhälfte, ausnahmsweise richtig gesund. Wirkt ungemein lebhaft im Mund, lebendig tänzelnd, reif in der Säure, harmonisch eingebunden in rassige Struktur. Es fällt mir nicht leicht zu beschreiben, was hier im Mund passiert. Auf jeden Fall Spiel und Eleganz auf einem Niveau, das weit über dem Preis dieses Weines liegt.

 

2014 WB Terrassen Berg 1

Schon sein Bukett sendet Raunen durch unsere Gruppe: Gelb und reif im Duft, man spürt schon aromatisch die süffig reife Substanz dieses Weines; dicht und kalkig rauchig im Duft, der kaum Frucht aussendet, dafür nassen Stein und erdige Würze freisetzt, niedrig im Alkohol, spielerisch saftig im dichten Nachhall, rasant kühl und raffiniert komplex im Auftritt, schlank, aber enorm dicht im Inneren auf der Zunge. Rassig fokussiert und unmittelbar fordernd im ungemein direkt agierenden Säurespiel, das dem Wein druckvolle Präsenz auf der Zunge beschert; enorm lang und saftig, aber insgesamt sehr viel karger und jünger wirkend, damit im französischen Sinne höherwertiger, als der Guts-Weißburgunder. Auf jeden Fall weit weniger zugänglich, noch reichlich hefig im Charakter und insgesamt noch ziemlich unentwickelt. Fällt mir schwer zu ahnen, wo seine direkte Attacke im Griff mal hingehen wird im fertigen Wein. Macht mir aber schon viel Spaß in seiner störrisch fränkischen Art.

 

2014 Chardonnay

Unglaublich! Reife, Saft, Exotik, knackige Frische, prall gefüllt mit Agilität und Leben. Ein Rausch an gelber und weißblütiger Frucht, die an reife Flug-Ananas erinnert, kristallin und kühl in der Rasse, schlank und frisch im Trunk, aber komplex und extrem lange nachwirkend, pikant mineralisch gewürzt und dabei betörend fruchtbetont, wie ich es nur von wenigen Faßproben in Burgund erinnere. Was für ein Chardonnay. Den braucht in Franken nun wirklich niemand, aber dieser Stoff hier hat das Zeug zum Suchtstoff. Wirkt leicht und behende, schwebt fast und duftet enorm hochwertig, das pure Vergnügen. Dicht verwoben, in sich logisch hochwertig, man sucht nach Fehlern, nach etwas, was stört, und findet nichts. Ein Traum von Wein, dessen Charme man sich nicht entziehen kann. Hier stimmt alles, ruht souverän in sich und tänzelt doch erregend über die Zunge, leicht im Trunk, aber mächtig potent in der Wirkung. Wirkt nervös und rasant lebendig, fasziniert in der Intensität seiner exotischen Obst-Aromen und kommt dabei total entspannt rüber. Den brauchen wir in Magnumflaschen, am besten unfiltriert direkt von der Hefe gefüllt.

 

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Sommelier Ivan Jakir (rechts) und Kollege Abel Gebredingel, Restaurant „Essigbrätlein“

 

2014 Silvaner BB

Wir diskutieren heftig, was diesen Jahrgang so werden ließ, wie er ist. Er wirkt so was von überzeugend, daß wir uns fragen, ob wir nicht viel zu euphorisch sind. Doch auch Luckerts einfacher Guts-Silvaner überzeugt zwingend und läßt das, was wir anderswo aus dem Jahrgang probierten, zur traurigen Wahrheit werden. Was haben wir schon an pilzig muffigen bzw. überschönten Weinen aus 2014 im Glas gehabt! Hier souveränes Niveau selbst im einfachsten Wein des Gutes. Strahlemann & Söhne von vorne bis hinten. Kein Ausfall bisher. Der Jahrgang strahlt eine Sortentypizität aus, wie wir es lange nicht hatten. Würzig feine Thai-Currynoten, spicy mit einem Hauch frischer Apfel- und Birnenschalen unterlegt. Der erste Wein, der im Finish einen Hauch des absolvierten biologischen Säureabbaus zeigt. Packende Kräuterwürze, in Fluß und Saft auf der Zunge absolut überzeugend, spürbar verhalten im Alkohol, herrlich im Trinkfluß mit prickelnd nervöser Frische, die sich lange am Gaumen hält und dann irgendwo irgendwie ganz entspannt ausläuft. Der einfache Guts-Silvaner . . .

Wolfgang führt das Niveau des Jahrgangs, bei aller eigener Überraschung, die ihm den Jahrgang so wenig verständlich macht wie uns, auf den von Jahr zu Jahr deutlicher zutage tretenden Einfluß der Biobewirtschaftung zurück.

 

2014 Blauer Silvaner

Hier kommt Kraft ins Spiel. Rauchig in der Tönung, kraftvoll in der Struktur. Ein Muskelprotz, der herbstlich wirkt im Duft und Kraft und Struktur auf die Zunge wuchtet. Auffallend, daß man in keinem der Weine bisher den Einfluß ihrer Machart spüren konnte. Weder die Spontangärung noch der Ausbau im Holzfaß hinterließen Spuren. Alle Weine agieren souverän, ohne daß man auf ihr »Making« schließen könnte. Fränkischer Wein, wie er sein muß. Winzerkunst, wie sie rar ist. Der Charakter der Muschelkalkböden prägt diesen Wein entscheidend, rauchig, speckig im Profil des unteren Muschelkalkes. Man meint, die Kraft der roten Beerenschalen zu schmecken, der Wein wirkt fast phenolisch, obwohl Uli keinerlei Maischestandzeit praktizierte in diesem Jahr. Muskeln und Kraft im Mundgefühl durch niedrige Erträge und Phenolik aus dem Weinberg. Ein blauer Silvaner der Extraklasse, dicht gepackt, kompakt gewirkt, prägnant im Herkunftscharakter.

 

2014 Silvaner alte Reben

Sorry, aber dieser Wein haut mich um. Was für eine irre Textur im Mund, was für eine physische Wirkung. Rauchig und fordernd kalkig in Duft und Geschmack, zugleich aber spielerisch strahlend und lang im Zug auf der Zunge, cremig weich und straff und rassig zugleich. Hüllt sich wie Seide um die Zunge in einem gelben Korsett würziger Silvaner-Aromatik, so reintönig und fruchtbetont würzig wie selten. Schlank und tänzelnd, unglaublich lang in der Wirkung, gelb und grün in der Tönung, reif ohne Überreife, faszinierend in der Balance von Saft, Kraft und Struktur. Silvaner einer Reinheit, der man sich kaum entziehen kann. Der Wein packt einen, kaum daß man ihn im Mund hat.

Auch Wolfgang Luckert kann kaum glauben, was er hier verkostet, denn »das, was wir draußen antrafen, wäre früher kaum in den Liter gegangen«, meint er, »was nach der Selektion übrigblieb war zwar gut, ließ aber nicht das erwarten, was hier dann wirklich rauskam«. Ein Wunder der Natur, das seine Macher zum Staunen bringt. Für mich der alles entscheidende Unterschied, gehören Luckerts doch zu jenen Winzern, die noch staunen können über das, was ihnen die Natur beschert,statt schon vor der Ernte genau zu wissen, wie ihre Weine hinterher schmecken werden.

 

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Wolfgang Luckert (links) und Sohn Philipp

 

2014 Sonnenberg Silvaner Gelbkalk

Ein noch völlig verschlossener Sonnenberg«. Gelb im Charakter, nicht mehr rauchig wie die Silvaner vom unteren Muschelkalk, sondern strahlend kalkig und weiß in der Tönung, straff und dicht im Mund, regelrecht rau wirkend auf der Zunge. Gelb im Charakter, wirkt aber noch eingesperrt, dicht und breit im Mund, läßt dafür Länge vermissen; wirkt sogar fast kantig und will irgendwie nicht raus aus seiner harten Schale, wirkt störrisch und unbändig, wie eine Katze auf dem Sprung. Bin sehr gespannt, was aus diesem Wein werden wird. Immerhin spürt man den Kalk in ihm als raue Struktur, fast wie Filz wirkend in der Physis. Ein wilder Wein vom Kalk, der ungestüm wirkt und charaktervoll, der Eigenart wagt und sich mutig unharmonisch präsentiert. Uli will ihn so lange auf der Hefe reifen lassen, bis er zu sprechen beginnt. Guter Wein braucht Zeit. Frankenwein, wie er einst war. Purer Silvaner ohne Schminke. Beeindruckend ehrlich und natürlich in seiner Ausstrahlung. Schwer zu bewerten derzeit. Lassen wir ihn einfach in  Ruhe . . .

 

2014 Maustal Silvaner GG

Das große Gewächs aus dem Maustal. „GG“. Ein GG, wie ich es von Franken erwarte und so selten bekommen. Schon im ersten Duftkontakt beeindruckend selbstbewußt. Opulent gelb im Duft, minzig ätherisch und erstaunlich leise wirkend, weder exzentrisch noch aufgeregt für sich werbend, aber entspannt in sich ruhend. Reif ohne überreif zu sein, kühl und jung im Duft, aber bereits raffiniert tiefgründig und vielschichtig im Antritt. Ein Silvaner, der enorme Facetten besitzt und füllig im Mund agiert,  fast dick in der Viskosität. Beeindruckend, welche ätherischen Öle er in seinem Duftspektrum freisetzt, kompakt im Mund, cremig und samtig in der Wirkung seiner Textur zur Wirkung. Sensationelle Präzision im Trunk. Hier spricht die Lage, die angeblich nichts besonderes ist, hier spricht weder die Machart noch die Rebsorte, sondern der Winzer, der seine Lage versteht. Ein überzeugend großes Gewächs, das in Franken nur schwer ein ebenbürtiges Pendant finden dürfte in diesem verrückten Jahrgang. Eine irre dichte Konsistenz fließt intensiv durch den Mund, wirkt druckvoll lang und aufregend dicht, kühl seidig die Papillen und agiert dabei raffiniert frisch und rasant, aber auch merkwürdig entspannt und beruhigend. Diesen von allen Zwängen der Weinbereitung befreiten Silvaner sollte sich jeder fränkische Winzer auf der Suche nach der eigenen Identität in aller Ruhe zu Gemüte führen. Ein Silvaner, der Maßstab sein sollte.

 

2014 Sylvaner „Creutz“

Frustrierende Qualität. 2014 in unerwarteter Perfektion. Wer Luckerts „Creutz“ trinkt, verfällt entweder in Wehmut oder in Begeisterung. Dieser Sylvaner aus vergangenen Tagen berührt entweder die Seele unmittelbar, oder er frustriert nachhaltig. „Creutz“ scheint teuer, ist aber jeden Cent wert. „Creutz“ setzt die Maßstäbe in Franken, ist wichtiger Pionier, mutiger Wegweiser, natürliche Größe und Legende von morgen, Zukunft auf jeden Fall. „Creutz“ macht in seiner inneren Dichte die Kraft der alten Reben riechbar und erlebbar. Der Wein duftet so dicht, pikant würzig und strahlend gelb und weiß im Duft von Blüten und Obstaromen, daß man ihn aromatisch zu fühlen meint, rein und intensiv, extrem konzentriert und so tiefgründig, daß man buchstäblich ins Glas zu fallen meint bei dem Versuch, seiner Tiefe zu folgen. Fränkischer Ur-Sylvaner, der so dicht wirkt, wie er konzentriert ist, dabei aber derart sensationell geschmeidig und viskos über die Zunge fließt, cremig und gelb in einem Strom, der raffiniert seidig und dicht die Zunge mit einem Kern an Information umhüllt, daß man begreift, daß uralte Reben einen ganz besonderen Stoff hervorbringen können. Niedriger pH-Wert sorgt für fast zwanghaften Trinkfluß in einem Wein, der Konventionen und Vorstellungskraft sprengt. Physischer Genuss. Der Maßstab aller Dinge in Sachen Sylvaner mit „y“.

 

2014 Riesling

Der Gutsriesling 2014. Verblüffende Harmonie von Säure und Struktur, perfekt eingebunden in physische Substanz; umhüllt die Zunge mit strahlend frischer Würze, furztrocken, brillant in Klarheit, Reintönigkeit und Struktur. Sehr stimmig,aber fast zu tiefgründig und komplex für seine Preisklasse. Viel Riesling fürs Geld. Weiße Frucht, helle Blüten, delikate Würze und vor allem guter Zug auf der Zunge. Beeindruckend, wie stimmig sich die Säure in die Struktur integriert. Mundwässernde Konsistenz. Erdige Würze, Blütenduft und stahlige Frische vereinen sich in rassiger Harmonie unverwechselbar fränkischer Prägung. Störrisch selbstbewusst, knochentrocken und ohne jeden Kompromiss umgesetzt. Wolfgang ist geschockt von der Qualität seines „einfachen“ Rieslings.

 

2014 Riesling „Steinriegel“

Der Orts-Riesling von der Luckerts höchster Riesling-Lage. Gibt sich gelber, karger und strahlender als der Guts-Riesling, weniger zugänglich, straffer und enorm stringent im Trinkfluß; wirkt einen Tick „saurer“ (ohne es zu sein), die Säure ist aber höher als im Guts-Riesling. Läßt die Machart nicht erspüren, steht für die verarbeitete Traubenqualität, schmeckt salzig und sehr mineralisch. Ein im besten Sinne des Wortes „reicher“ Wein, der alles hat, was man von ihm erwartet. Er sprengt, über den Jahrgang hinaus, Grenzen an Qualität und Preis. Ihm geht es um mehr Profil, mehr Kontur aus höherer Lage, um mehr Präzision und um kernige, strahlend frische Konsistenz, um Duft nach weißen Blüten, der sich betörend stringent im Geschmack fortsetzt, kühl wirkend und unnahbar, aber so rassig, daß einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Ein spannungsgeladener Riesling neuer fränkischer Dimension und Definition. Die Zukunft weist den Weg.

 

2014 Maustal Riesling GG

Was soll ich sagen? Ein Großes Gewächs, das seiner Lage und Klassifikation zur Ehre gereicht. Großer fränkischer Riesling. Kalkig, dicht, kompakt, druckvoll, potent. Hoffentlich bewahrt er sich diese sensationelle Fruchtkonsistenz später auf der Flasche. Hier vibriert gelbe Würze auf der Zunge, hüllt sie in seidige Konsistenz rasanter Frische, wirkt nervös und aufgeregt, rassig, so belebend wie erregend; irre dichte Konsistenz, die wie Schokolade abzuschmelzen scheint auf der Zunge, man fühlt ihr mit Genuss hinterher. Strahlend in der Wirkung, cremig und füllig in brillanter Stofflichkeit, rasante Transparenz im Trunk, dichte Fülle, strahlende Länge und stahlige Konsistenz. Zieht sich enorm lang über die Zunge, pikant würzig, so fruchtig und nachhaltig dicht, wie alle 2014er von Luckerts, in seiner physischen Substanz physisch erlebbar in spürbar vorhandener Viskosität durch die niedrigen Erträge und den biologischen Anbau, der sich nachhaltig auf die Qualität dieses Jahrgangs bei Luckerts auszuwirken scheint. Magischer Charakter, der sich durch all ihre Weine des Jahrgangs zieht. Unerklärlich, aber präsent und erlebbar. Beeindruckende Qualität, die in ihrer Wirkung nur schwer in Worte zu fassen ist.

 

2014 Unter der Mauer

Luckerts große weiße Cuvée aus der Lage „Maustal“. Silvaner und Riesling gemeinsam gelesen und gemeinsam im Holzfaß ausgebaut; mit der Frucht des Riesling und der seidig weichen Kalktextur des Silvaners. Kraftvoll wuchtig, enorm saftig in der Konsistenz im Mundgefühl, spannungsgeladen, enorm appetitlich und appetitanregend, wirkt unmittelbar mundwässernd und in sich stimmig; Saft und Kraft in urfränkisch trockener Struktur, die sich herbe Deftigkeit leistet mit dem Hauch fränkischen Charmes. In Struktur und Potenz ein Mordswein, dem der Jahrgang wie auf den Leib geschneidert scheint. Ohne Schwere, aber mit Wucht und grandioser Kraftentfaltung. Gelbwürzige Umgebung.  In sich ruhend. Ein Wein für die Spitzengastronomie, der Franken mit Burgund vereint und weit über seinen Tellerrand schaut. Potential für Jahre, vielleicht sogar für Jahrzehnte.

 

2013 Spätburgunder

Luckerts werden in ihren Rotweinen kaum wahrgenommen. Zu klein sind die verfügbaren Mengen. Der „Feinschmecker“: „Die Rotweine der Luckerts erreichen nicht das Niveau ihrer Weißweine“. Inkompetenz, gepaart mit Ignoranz.

Luckerts Rotweine können zu den besten Deutschlands gehören. So geht diesem „kleinen“ Spätburgunder des Jahrgangs 2013 z. B. die nervig süßliche Weichheit so vieler deutscher Rotweine ab. Er gibt sich kernig fränkisch, konzentriert und straff im Mundgefühl, vermeidet bewußt jedes Fett auf der Hüfte, zieht enorm lang und fest im Zug über der Zunge. Er ist trocken und herb, schmeckt mehr lang als breit und konzentriert sich auf die Qualität seiner Trauben, statt auf die Kniffe des Kellermeisters. Luckerts Spätburgunder des Jahrgangs 2013 kommt trocken auf die Zunge, strotzt vor würzigem Eugenol, dem Aromastoff der Gewürznelke, wirkt zart und duftig, entfaltet feinkörnige Kraft in den Gerbstoffen, die seidig agieren und perfekt integriert auch würzig den Hauch natürlicher Vanille transportieren. Intensiv aromatisch im Duft, überhaupt nicht warm, sondern raffiniert kühl im Charakter und alles andere als süß im Geschmack, der trocken wirkt, straff und elegant in seidiger Umgebung und kühl in der Frische auf der Zunge. Längst ist Sommelier Ivan Jakir in Gedanken bei seiner Gemüseküche: Rote Beete, über zehn Stunden im Ofen geschmort, oder geschmorte Tomaten, die nach der präzisen Aromatik dieses famos preiswerten Spätburgunders verlangen. Ein Spätburgunder, der Freude bereitet und auf einem Niveau agiert, das durch Mehrwert überzeugt.

 

2013 Frühburgunder

Noch rarer als der kleine Spätburgunder ist Luckerts wohl größter Weinwert in rot, ihr „kleiner“ Frühburgunder. Ein Wein, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Potente Substanz und erstaunlich kompromisslose Qualität. Wirkt im Jahrgang 2013 noch verschlossen, weniger würzig als erwartet, weniger exotisch als üblich, und insgesamt noch recht jung. Doch seine Anlagen begeistern schon heute durch seidige Transparenz, die so dicht verwoben wirkt wie in großen Rotweinen; sie tritt in sich stimmig auf und kommt richtiggehend „schön“ daher, kühl im Charakter, dicht gepackt in den Gerbstoffen, die dem Wein auch dunkle Farbe verleihen und ihn fein verwoben wie in Seide gehüllt wirken lassen. Im Duft dunkle Kirsche, frische Pflaume, Zimt und Nelken in kühlem. rauchigem Profil. Braucht noch Zeit, verspricht aber einer der Großen seiner Preisklasse zu werden.

 

2013 Spätburgunder „Maustal“ GG

Luckerts Spätburgunder aus dem Maustal. Ihr großes Gewächs in rot. Großes Kino im Glas. Alle am Tisch staunen. Wirkt weniger warm als 2012. 2103 war ein kühles Jahr, das den Rotweinen von Luckerts kühlwürzige Extraklasse beschert. Kleine hocharomatische Beeren sorgen für dichte Textur mit langem Nachklang am Gaumen. Rassige Frische im Trunk mit extrem feiner Integration von Frucht und Gerbstoffen. Die Tannine transportieren die Frucht. Schmeckbare Traubenqualität. Feinkörnige Gerbstoffe mit betörender Transparenz von Frucht und Gerbstoffqualität. Tiefdunkle beerige Frucht nach Pflaume, Cassis, Eugenol und ätherischem Pfeffer, sehr eigenständig im Profil der Aromen. Ein Jahrgang, der viel Tannin in die Waagschale wirft und das in begeisternd seidiger Qualität.

Der Wein lag 18 Monate im Barrique auf der Vollhefe, ohne jeden Schwefel. Das merkt man ihm nicht an. Er wirkt so frisch und agil, daß wir alle staunen. Geschwefelt wird er erst, wenn er von der Hefe kommt, meint Uli Luckert und beweist damit, daß er inzwischen zu großen Rotweinwinzern Deutschlands gehört. Wenn nur die Menge größer wäre. Bislang haben Luckerts nur 2 Hektar unter roten Trauben stehen, diskutieren aber darüber, ob es mehr werden sollen.

 

2013 Frühburgunder „Sonnenberg“

Der rote Star im Programm. Über ihn schreiben wir so wenig wie nötig, denn es gibt nur 600 Flaschen von ihm. Irre Gewürznoten, Zimt und Gewürznelken, extremer Griff im Mund, zupackend und kraftvoll, aber zugleich raffiniert seidig im feinen Korn der Gerbstoffe, die beeindruckend dichte Konsistenz besitzen. Spannend die intensive Kombination aus Expressivität im Aroma, Griff im Tannin und rasanter Integration der Aromen in Duft und Geschmack. Enorm komplex in allen Komponenten, blau und kühl in den Aromen, die an Hollunderblätter und Cassis erinnern, eine schöner Wein, dessen Reiz einen nicht mehr loslässt, wenn man ihn einmal auf der Zunge hatte. So kühl und fest in der Substanz wie in 2013 kennen wir diesen Wein bisher nicht. Große Frühburgunder, so rar wie gut. Der eindrucksvolle Abschluß einer Probe, die uns den Jahrgang 2014 von seiner besten Seite gezeigt hat.

 

Luckertdiewurscht

Nach der Probe gab es sie wieder, die legendären blauen Zipfel . . .

 

Herzlichen Dank an Wolfgang, Uli und Philipp Luckert für eine Probe, die sie über ihre eigenen Weine ehrlich staunen ließ. Gute Arbeit, viel Gespür für Reben und Qualität und eine herzliche Beziehung.

Dank an Ivan Jakir und Abel Gebredingel vom Nürnberger Restaurant Essigbrätlein, die uns auf unserer Tour wieder begleitet haben.

Luckerts Weine des Jahrgangs 2014 treffen ab Mitte Mai 2015 bei uns ein. Freuen Sie sich auf einen Jahrgang, der Sie so erstaunen wird, wie er uns erstaunt hat. Er ist bei Luckerts die fränkische Ausnahme in einem schwierigen Jahrgang. Ein weiterer Jahrgang der guten Winzer.

Unsere Tipps

2013

Zehnthof Luckert

Silvaner »Alte Reben«

13,50 €

2012

Zehnthof Luckert

Silvaner »Maustal« GG

38,00 €

2013

Zehnthof Luckert

Riesling »Maustal« GG

32,00 €

2013

Zehnthof Luckert

Sylvaner »Creutz« *** (Ur-Silvaner)

49,00 €

Simone Ladewig
21.Mar.2015
Sehr auf den Punkt gebrachter Bericht! Flüssig gut verständlich in einer Weinsprache für ein Jeden Liebhaber fränkischer Weine Verführung pur diese Weine eines so brillianten Winzer zu probieren!
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