Van Volxem-Titel

Van Volxem 2011. Historische Qualität.

Unsere ersten Berichte zum deutschen Jahrgang 2011

Da hat er gut lachen, der Roman Niewodniczanski von Van Volxem. Vergessen sind sie nicht, die finanziellen Verluste des miniskülen Jahrgangs 2010, daran kaut auch er noch einige Zeit. Aber 2011 erfreut sein Herz und sorgt für sichtlich gute Stimmung.

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In ganz Deutschland waren wir in den letzten Tagen unterwegs in den Kellern unserer Winzer. Die Moste sind erstaunlich schnell und unproblematisch zu Wein vergoren, der jetzt, noch hefetrüb, schon zuverlässig zu beurteilen ist. Wir lieben diesen hefigen Zustand der Weine ganz besonders. Er macht buchstäblich süchtig, denn die Hefe macht die Weine seidig und cremig wie nach der Filtration nie mehr, ein rarer Hochgenuß, den wir immer sehr bewußt genießen. Mit der Erfahrung von 30 Jahren Weinhandel sind die Weine in diesem Zustand absolut zuverlässig zu beurteilen, zumal in einem Jahrgang wie 2011, der bei unseren Winzern souverän überlegen ausfiel.

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Wir jedenfalls sind nach unseren kilometerfressenden Proben vor Ort in ganz Deutschland begeistert von 2011. Wir warnen allerdings gleichzeitig vor katastrophalen Qualitäten unambitionierter Winzer. Sie stellen neben ausgereizt gute, ungewöhnlich aufwendiger Arbeit in Weinberg und Keller entstammenden Spitzenqualitäten ärgerlich schlechte Weine, wie wir sie in derart drastischer Diskrepanz noch nie im Glas hatten. Der Unterschied zwischen Winzern, die ihr Metier beherrschen, und jenen, die es offensichtlich nur absolvieren, wird von Jahr zu Jahr drastischer, die Fokussierung der Qualität auf die guten Winzer fast schon brutal offenkundig. Aufgepaßt also beim Einkauf dieses Jahrgangs, der in der Spitze Qualitäten verspricht, wie man sie in dieser Kombination von Feinheit, Saftigkeit und Frucht mit Würze lange nicht mehr im Glas hatte.

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Über die Tücken des Jahrgangs in Weinberg und Keller werden wir in den hier folgenden Beiträgen die kommenden Tage und Wochen ausführlich berichten (ich schreibe daran). Für die ambitionierten Winzer, die sich noch mit der Lese von Hand abgeben, statt ihre Reben vom Traktor aus zu bewirtschaften, war 2011 ein anstrengender weil fordernder Jahrgang harter Arbeit, ungewöhnlich mühsamer Selektion im Weinberg und schwerwiegender Entscheidungen im Keller. Die spezielle Säureharmonie des Jahrgangs, geprägt von niedriger Äpfel- und hoher Weinsäure, diametral entgegengesetzt zum Vorgängerjahr 2010, ließ die meisten Normal-Winzer unreflektiert zur Aufsäuerung greifen, die aber, wie sich bei unseren Winzern zeigt, alles andere als nötig war wenn man Wein richtig versteht. Organoleptisch wirken die guten Weine verblüffend präzise und vor allem frischer als ihre milden Säurewerte vermuten lassen. Sie sind schlank und attraktiv saftig zugleich, definiert von tiefgründig reiner und purer Frucht rarer Präzision, die mehr Würze als simple Frucht vermittelt und schlicht betörend wirkt. Mit der Phenolik aus Rappen und Schalen mußten die Winzer dieses Jahr behutsam umgehen, der Abpressdruck und die Dauer der Maischestandzeit waren entscheidend für das harmonische Gleichgewicht der Weine. Ein raffiniert fein gewebter Jahrgang von anspruchsvoll rassigem Nerv im Mundgefühl, mineralischer Länge statt simpler Breite auf der Zunge, würziger Ausstrahlung in strahlend reintöniger Frucht und tiefgründiger Mineralität von durchdringender Expressivität und Feinheit.

Man muß aber über die entscheidenden Tücken dieses Jahrgangs informiert sein, um zu wissen, worauf es qualitativ zu achten gilt. Diese Erfahrung geben wir gerne an Sie weiter, damit auch Sie die richtigen Weine kaufen und nicht auf einen der durch systematische Aufsäuerung, saure und magere Hochertragsleere oder bittere Fäulnisfülle samt entsprechend notwendiger Schönungen verunstalteten Weine hereinfallen, die es in diesem Jahrgang in erschreckender Hülle und Fülle gibt.

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Roman Niewodniczanski und Kellermeister Dominik Völk von Van Volxem haben uns einen so kompetenten wie begeisterten Bericht über den Herbst 2011 geliefert, den wir Ihnen zur Einstimmung auf das, was Sie erwartet, nicht vorenthalten möchten. Sie schreiben:


2011. Ein sa(ar)genhafter Jahrgang!

Die klimatischen Bedingungen an der gewohnt kühleren Saar waren in 2011 so gut wie selten zuvor: Auf ein sommerlich heisses Frühjahr mit perfekter Blüte folgte ein für unsere kargen Schiefersteillagen herrlich regenreicher Sommer, gefolgt von einem nicht enden wollenden “Goldenen Herbst” mit sonnenreichen Tagen und kühlen Nächten. Das gänzliche Ausbleiben von Regen-, Sturm- oder Hagelereignissen erlaubte es uns bereits ab Ende September ohne die sonst herbsttypische Hektik, Steilhang für Steilhang mehrfach von Hand selektiv vorzulesen. Dies ermöglichte unseren 45 bienenfleißigen Erntehelfern, sämtliche Trauben im Zustand der physiologischen Vollreife zu ernten. Schon die Früchte für die Gutsweine Schiefer und Saar Riesling begeisterten dank moderater Erträge (Gutsschnitt ca. 54 hl/ha) mit expressiver Aromatik reifer Pfirsische, Aprikosen, Maracujas und Papayas. Dank der kühlen Nächte blieb auch die weitgehend aus hochwertiger Weinsäure bestehende Säurestruktur der Trauben erhalten, was für den späteren Trinkspass der Weine von außerordentlich grosser Bedeutung ist. Auch die für die Struktur und das Mundgefühl der späteren Weine elementaren Extraktwerte sind erfreulich hoch, was den üppigen Regenfällen der Sommermonate zu verdanken ist.

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Der Abschluss der Ernte der 2011er erfolgte 5 Wochen nach Beginn der Vorlese am 03. November bei schönstem Herbstwetter im Wawerner Goldberg. Dank der Oktoberfröste hatten die Trauben in den letzten Wochen nochmals an Aroma zugelegt. Die goldgelben, auch Anfang November noch immer zu 99% perfekt gesunden Rieslingbeeren waren von einem Aromenreichtum, wie wir es bisher selten erlebt haben. Glücklicherweise lag auch in der Grand Cru-Lage Goldberg das Mostgewicht bei “nur” knapp 100 Grad, perfekt für hoch aromatische, geschmacklich trockene Rieslingweine mit moderatem Alkoholgehalt.

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Das kontinuierlich trockene Wetter der Oktoberwochen hat die wenigen Botyrytistrauben dieses Herbstes bilderbuchhaft zu hoch aromatischen Rosinen eintrocknen lassen. Die Folge sind Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen in einer geradezu sensationellen Qualität. Auch Egon Müller, der die in der 200jährigen Geschichte des Scharzhofs bisher höchsten Mostgewichte vermeldet, spricht von einem “sagenhaften Jahr”. Aufgrund der quer durch alle Lagen und Geschmacksprofile sensationellen Qualitäten trauen wir uns auf Van Volxem, den 2011er auf eine Stufe mit den inzwischen legendären Saar-Jahrgängen 1911, ’21, ’59,  und ’71 zu stellen. Die in diesen Tagen in den Fässern im Keller beginnende natürliche Vergärung wird zeigen, ob unsere extrem hohen Erwartungen erfüllt werden . . .

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Impressionen vom “Goldenen Herbst 2011″ auf Van Volxem:


Alkohol ist ein Problem des Jahrgangs. Also nicht mehr als 100° Oechsle

und raus mit allen rosinierten Trauben für weniger Mostgewicht!

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Dominik Völk

Kellermeister Dominik Völk, im Herbst überall zur gleichen Zeit,

prüft zufrieden die Mostqualität des Jahrgangs 2011

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Auslese und Selektion von Hand

Auslese und Selektion vor der Kelter waren alles entscheidend.

Die rosinierten Trauben wurden zu hochkarätigen Süßweinen verarbeitet.

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Es ist mühsam, die rosinierten Beeren aus den Trauben herauszulesen.

Doch so entstehen grandiose Beeren- und Trockenbeerenauslesen

in einem Jahrgang, der historische Qualitäten verspricht.

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Beim Befühlen der besten Korbpresse auf dem Markt

Die beste Korbpresse des Marktes wird befühlt. Ihr schonendes Pressen

liefert klare Moste, die sauber spontan durchgären und die filigrane Finesse

der 2011er Weine von der Presse weg garantieren.

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Endlich Pause nach harter Arbeit

Mittag. Endlich Pause!

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Mittag. Heiß ersehnte Pause nach harter Lesearbeit.

Nach harter Arbeit, die früh am Tag beginnt, die lang ersehnte Mittagspause

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Harte Arbeit in der Steillage

Lese in der Steillage. Mühsamste Handarbeit.

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Der Lohn der Mühe: kerngesunde, vollreife Trauben

Der Lohn allen Schuftens: Kerngesunde, vollreife, perfekte Trauben

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Lese früh morgens

Die Lese beginnt früh am Morgen

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So sahen sie aus, die Trauben 2011, leider nicht überall so schön, wie bei Van Vollem

So perfekt sahen die Trauben nicht überall aus,

wie sie hier bei Van Volxem geerntet werden

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Die Saarschleife im Herbst.

Die Saarschleife im, nach schwierigem Jahresverlauf, perfekten Herbst 2011

- Vielen Dank, Roman und Dominik! -

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Immer wieder: Olivenölskandal in Italien

Ölskandal in Italien? Die Wirklichkeit ist schlimmer…

Von Andreas März für seine Zeitschrift MERUM.

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Die italienische Tageszeitung La Repubblica veröffentlichte im Dezember einen Bericht über einen vermeintlichen Olivenölskandal in Italien. Da kaum Aktualität zur Verfügung stand, wurden Informationen über altbekannte legale und illegale Aktivitäten der Ölindustrie zu einem unverdaulichen Brei vermischt. Die deutschsprachige Presse nahm das Thema dankbar auf und servierte den übersetzten Bericht ohne eigene Recherchen ihrer Leserschaft.

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Die Merum-Redaktion bringt in Heft 1/2012 Ordnung in den verwirrenden Informationscocktail und erklärt die Zusammenhänge. (Die Merum-Ausgabe 1/2012 kommt Ende Februar in den Handel.)

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Skandale sind beliebter Pressestoff. Zweitrangig, ob echt oder vermeintlich. Tatsächlich hätte auch der aktuelle Olivenölskandal eigentlich nicht das Zeug zur Skandalmeldung, geht es doch nicht um ein aktuelles Vorkommnis als vielmehr um die Aufzählung langjähriger Mißstände, die den Interessierten längst bekannt sind. Wirklich neu ist nur, daß sich die Behörden nun offensichtlich rühren und etwas unternehmen wollen.

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Die Steilvorlage für die Skandalstürmer der deutschen Redaktionen kam von der italienischen Tageszeitung La Repubblica, die am 23. Dezember 2011 einen Artikel veröffentlichte, der kritische Berichte von Produzentenorganisationen und eine Untersuchung verschiedener Behörden gegen mehrere Ölfirmen vermischte.

Daß sich die Ermittler offenbar endlich um das als Extra Vergine verramschte Billigöl kümmern wollen, ist die einzige aktuelle Meldung des Berichtes. Mehr als einen Zweizeiler gäbe diese positive Meldung aber nicht her. Da Olivenöl jedoch auch in Italien ein beliebtes Skandalthema ist, werden aus zwei Zeilen zwei Seiten gemacht. Aufgeblasen wird mit reichlich bekannten Tatsachen, die energisch wiedergekäut und in mißverständlichen Zusammenhängen serviert werden.

Schlagzeilen wie diese: “80 Prozent des italienischen Olivenöls sollen gepanscht sein”, “beim Großteil des als ‘italienisch’ verkauften Olivenöls im Supermarkt soll es sich in Wahrheit um Billigöl aus Drittländern handeln” oder “Laut La Repubblica wird ein Großteil des ‘italienischen’ Olivenöls aus dem Ausland importiert – meist aus Spanien, Griechenland, Marokko oder Tunesien”, waren dann prompt auch in deutschsprachigen Publikationen zu lesen.

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Tunesisches “Made in Italy

Die Fakten: Italien erzeugt nicht mal genügend Olivenöl (300 000 t), um den Eigenbedarf (450 000 t) zu decken. Exportiert werden zusätzlich nochmals 350 000 Tonnen. Die in Italien ansässigen Ölfirmen haben somit einen Bedarf von 800 000 Tonnen Öl und müssen 500 000 Tonnen zusätzlich zum italienischen Öl aus dem Ausland einführen. Diese Zahlen sind öffentlich bekannt und allein kein Grund zur Aufregung.

Daß Italien der weltgrößte Olivenölhändler ist, ist ebenfalls kein Geheimnis. Deshalb sollte die Entdeckung, daß der größte Teil des unter italienischen Markennamen kommerzialisierten Olivenöls nicht aus Italien stammt, niemanden überraschen und eigentlich auch nicht als Stoff für Schlagzeilen taugen.

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Es ist irreführend und unmoralisch – aber nicht ungesetzlich -, daß diese zur Hauptsache nicht-italienischen Mischungen unter italienischen Markennamen und toskanisch oder ligurisch klingenden Bezeichnungen vertrieben werden: Luccese, Carapelli, Bertolli, Cantinelle, Dante, Sasso, Rubino, Villa La Badia, Bancetto, etc….

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Das Gesetz (EU-Verordnung 182/2009) schreibt vor, daß die Herkunft eines Öls auf dem Etikett deklariert werden muß. Dies ein möglicher Text für ein Olivenöl aus italienischen Oliven: “Prodotto ottenuto da olive coltivate in Italia”. Stammt ein Öl aus anderen EU-Staaten, muss es so heißen: “Miscela di oli di oliva comunitari”, kommt es aus Produktionsländern außerhalb der EU: “Miscela di oli di oliva non comunitari”, und falls es sich um eine Mischung aus europäischen und nichteuropäischen Ölen handelt: “Miscela di oli di oliva comunitari e non comunitari”. Diese obligatorischen Texte sind stets kleingedruckt, aber für den aufmerksamen Konsumenten theoretisch lesbar.

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Es ist nicht verboten, ein spanisches Öl unter der Marke Carapelli zu vertreiben, aber es ist illegal, dieses Öl als “Made in Italy” auszugeben. Eigentlich wären die Ölvermarkter auf die Angabe einer falschen Herkunft überhaupt nicht angewiesen, denn kaum ein Verbraucher kommt über die Lektüre des in großen Lettern auf dem Etikett prangenden italienischen Namens und des ebenso prominenten Firmensitzes – Lucca, Firenze, etc. – hinaus. Das Kleingedruckte bleibt – wie beabsichtigt – in der Regel ungelesen.

Aus dem Repubblica-Artikel geht leider nicht hervor, welcher Vorwurf den betroffenen Firmen gemacht wird. Geht es darum, daß afrikanisch-spanische Mischungen mit italienischen Markennamen vertrieben werden oder daß die EU-Verordnung (das Kleingedruckte) mißachtet wird? Der Unterschied ist grundsätzlicher Natur. Denn es geht um die Frage, ob es sich bloß um rücksichtsloses Marketing oder um strafbaren Betrug handelt.

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Weshalb gepanscht wird

Panschen heißt im Falle von Extra Vergine, eine Partie minderwertiger Qualität zu deodorieren – also den üblen Geruch zu entfernen. Oder statt ausschließlich extra natives Olivenöl zu verwenden, solches mit billigeren Pflanzenölen zu verschneiden. Oder Natives Olivenöl mit raffiniertem zu verschneiden.

Es ist bekannt, daß beim Olivenöl häufig gepanscht wird. Und vermutlich beschränken sich die Panschereien nicht auf hier und dort überführte lokale Übeltäter, sondern finden in großem Stile statt, auch bekannte Marken betreffend.

Wenn nun aber Olivenöle aus verschiedenen Ländern nach Italien geschifft und hier verschnitten werden, dann fällt das nicht unter Panschen, sondern ist legal. Illegal und üblich – aber immer noch keine Panscherei – ist es, ein stinkendes, natives Olivenöl als Extra Vergine zu bezeichnen. Das ist zwar Betrug, aber keine Fälschung. Zwischen Import, Verschnitt, Tiefpreisen und Panschen besteht somit – entgegen den Schlagzeilen der Medien – kein direkter Zusammenhang.

Gute Öle können theoretisch überall entstehen, auch in Marokko, Syrien oder der Türkei. Gepanscht werden müssen billige Olivenöle denn auch nicht, weil sie aus Tunesien oder Spanien stammen, sondern weil sie in unzumutbarer Weise stinken. Wie das genauso auch bei italienischen Ölen vorkommt.

Da nun der Verbraucher nur das Beste für sich beansprucht, nämlich Extra Vergine, dafür aber nicht entsprechend bezahlen will, muss das billige Stinkeöl so behandelt werden, dass es als “Extra Vergine” sensorisch nicht allzu unangenehm auffällt. Und dieses Tun ist verboten. Denn behandeltes Olivenöl darf definitiv nicht als Extra Vergine in Verkauf gebracht werden.

Der Repubblica-Bericht köchelt ein bitteres Süppchen auf, das längst nichts Geheimnisvolles mehr hat. Schon vor Erscheinen des ersten Merum-Olivenöl-Dossiers im Jahr 2003 wurde in Merum-Berichten diese Situation beschrieben und beklagt. Der in Ligurien lebende, amerikanische Journalist und Buchautor (“Extra Virginity”) Tom Müller beschrieb die kriminellen Aspekte der Ölwelt bis ins Detail vor vier Jahren nicht nur im New Yorker, sondern auch in der dritten Auflage des Merum Dossiers Olivenöl im Jahr 2007.

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Den Skandal gibts doch!

Nicht die vermuteten Riesenprofite der Ölmultis sind es, nicht die Tatsache, dass unter italienischen Markennamen vorwiegend ausländische Öle vermarktet werden, sondern die völlige Mißachtung der Gesetze seitens aller großen Ölvermarkter bezüglich der Kennzeichnung. Illegal ist es, diese Öle, wo immer sie herstammen mögen, als Extra Vergine zu deklarieren. Denn sie sind es nicht:

Ein den gesetzlichen Vorgaben entsprechendes Extra Vergine ist immer ein Meisterwerk handwerklichen Könnens unter optimalen agronomischen und technologischen Bedingungen, eine Maßarbeit mit modernsten Maschinen, mit denen pflückfrische Oliven verarbeitet werden.

In den Flaschen der großen Abfüller, seien es nun berühmte Marken oder unbekannte, schwimmen aber keine Meisterwerke, sondern Öle, die den Olivenbauern und Kooperativen des Mittelmeers für ein Geld abgepreßt werden, das diesen wirtschaftliche Entwicklung unmöglich macht. Qualität? Nein, von Qualität ist hier nicht die Rede, nur von Preis, Marge und Marketing.

Der wirkliche Skandal? Der besteht darin, daß dieser gigantische Etikettenschwindel die traditionellen Olivenhaine in den Hügeln des Mittelmeerraums nach und nach zerstört, indem die Bauern durch die tiefen Öl- und Olivenpreise vom Land vertrieben werden, und die Qualitätsöle der Unerschrockenen neben dem Billig-”Extra-Vergine” im Markt keine Chancen haben. Es ist bitter und verhängnisvoll, daß darüber in der Presse kein Wort verloren wird.

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Olivenöl: Durchblick verloren?

Merum hilft beim Wiederfinden.

Das Merum Dossier Olivenöl erhalten Sie bei www.merum.info und für iPad-Nutzer gibts das Dossier Olivenöl ab Ende Februar auch als multimediales iBook!

Video-Trailer von Andreas März zum Olivenöl

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Prämiert: Das Olivenöl von Andreas März

Wenn Sie K&U-Kunde sind, kennen Sie ihn, Andreas März, den Herausgeber und Chefredakteur der Schweizer Weinzeitung MERUM. Er ist der Vorreiter hochwertigen und vor allem seriösen und sauber verarbeiteten Olivenöls in Italien und bei uns seit vielen Jahren im Programm.

Sein Öl des Jahrgangs 2011, bei uns seit ein paar Wochen frisch verfügbar, wurde erneut als bestes der montalbanischen Hügel in der Toscana prämiert. Wir freuen uns mit ihm und zitieren hier seine Mitteilung, die wie immer unverkennbar die Handschrift des streitbaren Journalisten trägt.

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Liebe Balduccio-Freunde,

der vergangene Samstag war für unsere Azienda Agricola wie letztes und wie vorletztes Jahr ein Freudentag: Zum dritten aufeinanderfolgenden Mal wurde das Balduccio-Öl zum besten des Montalbano gekürt.
Der Wettbewerb “Concorso dell’Olio Extra Vergine del Montalbano” wird von der Handelkammer Florenz, der CIA (Bauernverband) der Provinz Florenz, sowie den florentinischen Gemeinden Vinci und Cerreto Guidi organisiert. Die Öle werden von einem offiziellen Panel der Handelskammer Florenz getestet und bewertet.45 Öle wurden von den Olivenbetrieben des Montalbano-Hügels angestellt. Das Verrückte ist nun, dass von den sieben höchstbewerteten Olivenölen mit einer Ausnahme alle in unserer Ölmühle gepresst worden sind!

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Wir haben für diese Olivenbauern aber nicht nur die Oliven zu Öl gemacht, wir haben sie auch dazu angehalten, die Oliven jeden Tag frisch zu verarbeiten und ihr Öl sofort zu filtern. Sie tatens zwar, aber manche erst gegen ihre eigene Überzeugung. Nach ihrer Prämierung stellt diese Ratschläge keiner von ihnen mehr in Frage…
Nun, einerseits macht uns diese fast peinliche Überlegenheit natürlich stolz, auf der anderen Seite stimmt hier etwas ganz gewaltig nicht. Denn die Öle der großen örtlichen Ölmühle kommen aufgrund ihrer mangelhaften Qualität nie in die Bewertungen. Es darf nicht sein, dass eine der größten genossenschaftlichen Ölmühlen der Toskana mit Anlagen in Vinci, Lamporecchio und in der Maremma die Oliven der Bauern eines großen Einzugsgebietes systematisch zu fehlerhaftem Öl verarbeitet und damit entwertet.Wir sehen doch täglich mit an, wie sich unsere Nachbarn und Freunde in den Olivenhainen abrackern. Leider sind sie weder in der Lage, die Qualität eines Olivenöls sensorisch zu beurteilen, noch es selbst zu kommerzialisieren. Sie sind gezwungen, das Öl für wenig Geld in der Ölmühle zu lassen. Meist kommt der mittelmäßige Saft dann als preisgünstiges Toscano IGP in die Supermärkte. So eine Verschwendung!
Wohin die Rückständigkeit dieser für große Gebiete der Toskana so wichtigen Institution führt? Zur Verwahrlosung der Olivenhaine mit allen negativen Folgen, die eine Landflucht mit sich bringt. Rüttelt diese Funktionäre nicht jemand wach, werden immer mehr Olivenhaine verwahrlosen und von hochbrennbarem Buschwerk überwuchert werden.

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Toll ist, dass es diesen Wettbewerb bei uns gibt, denn er schafft Hoffnung für Ölbauern, die mit ihren Olivenbäumen Nützlicheres anfangen wollen, als die Oliven der Genossenschaft zu überlassen. Sie hätten vorgestern die stolzerfüllten Gesichter der prämierten Produzenten sehen sollen. Man schreibt über diese meist jungen Bauern in der toskanischen Presse, die Leute interessieren sich plötzlich für ihr Öl: Sie sind hochmotiviert und gehören nun wohl zu denen, die ihren Olivenhain weiterhin bearbeiten werden! Ihnen ist auch klar geworden, dass der Weg zu einem, wenn auch bescheidenen, Erfolg, über bedingungslosen Qualitätswillen führt.
Wir wünschen auch Ihnen in diesen stürmischen Zeiten ein möglichst gutes Jahr und grüßen Sie herzlich

Ihre Familie März /Balduccio

www.balduccio.it

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Grandios: Champagne Fourny ‘Notre Dame’ 2000

Der Brüder Fournys Top-Champagner ‘Cuvée du Clos Notre Dame’ ist remarkabel. Das ist auch der Preis der Flasche (115.- €). Doch was man dafür bekommt, oder besser erlebt, bleibt nachhaltig im Gedächtnis.

Jahrgang 2000. Ausgereizter Extra Brut. Richtig knalletrocken, aber füllig und angenehm weinig wie wenige. Blanc de Blancs aus Vertus, also reine Côte des Blancs. Chardonnay vom Feinsten, unverkennbar, hier spontan vergoren und lange auf der Vollhefe gereift in neuen und gebrauchten Barriques, anschließend 10 Jahre auf der Hefe auf der Flasche gereift.

Rares Champagner-Erlebnis. Buchstäbliche Frische. Unglaublich persistente, vornehm feine Perlage. Begeisternd selbstbewußt steht der Wein im Vordergrund. Hefig, aber nicht aufdringlich, sondern reif und komplex in Duft und Geschmack, die verblüffend frisch und jung wirken. Saftig und mundfüllend geht der souverän unaufgeregte Champagner über die Zunge. Strohgelb seine Farbe, würzig und rassig sein Bukett, reif, edel und spielerisch fein, mit dem cremigen Hauch von Butterkaramell in dezent salziger Mineralität, die für Länge und Präzision am Gaumen sorgt. Erinnert irgendwie an ‘Dom Perignon’ 1996, schmeckt aber feiner und weiniger, irgendwie ‘persönlicher’ und individueller, vielleicht auch handgemachter.

Kalkige Mineralität wirkt in seidiger Hülle druckvoll und potent. Die Autolyse-Aromen des langen Hefekontaktes sind fein verwoben in mundfüllende Textur schwer zu beschreibender Frische und Struktur, geprägt von sanfter, trockener Dichte im Mundgefühl, die unheimlich lang am Gaumen nachklingt. Ein Champagner, der zum Nachdenken anregt, dem man unweigerlich zuhört. Persönlichkeit und Ausstrahlung. Eigenständige Machart.

Champagner als großer Wein, dem feinste Blasen besonderes Erleben verleihen. 2000, kürzlich degorgiert, verspricht potente Zukunft. Zur Nachahmung empfohlen, trotz des Preises. Lohnendes Sammlerstück für Liebhaber. Demnächst bei uns in homöopathischer Dosierung zu haben.

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Begeisternd, welch anspruchsvolles Spektrum an Stilistik und Qualität die Champagne inzwischen in der Spitze zu bieten hat. Individualität, wie man sie bislang von Champagner weder kannte noch erwartete. Bravo!

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Mode oder sinnvolles Werkzeug. Das Beton-Ei.

Unsere Branche strotzt vor Selbstbewußtsein. Nach Außen hin. Nach Innen steht es eher schlecht um selbiges wie selbige. Eigentlich weiß in der Branche niemand, was uns in Zukunft erwartet.

Längst ist die Weinbranche gespalten in zwei divergierende Märkte. Unten die Wirkungsgetränke aus der Industrie-Retorte, oben der handwerkliche Weingenuß, der noch nicht genau weiß, in welche Richtung sich sein Markt bewegt, eingequetscht dazwischen die vielen selbstvermarktenden Winzer ohne Lobby und ohne Plan.

Auch der Weinhandel weiß nicht wie ihm geschieht. Über 70 % der Weinverkäufe in der Bundesrepublik laufen bereits über das Selbstbedienungsregal und die Gerüchte, die dem Weinhandel ein baldiges Ende in der bisherigen Existenzform bescheinigen, wollen nicht verklingen.

Mehr oder weniger verzweifelt sucht der Handel mit Wein deshalb nach Profil. Die einen sehen Ihre Zukunft in totaler Spezialisierung, die anderen glauben, daß Menge im Angebot Kompetenz suggeriert, der nächste macht auf Bio, andere setzen auf ‚Biodynamik’, und wieder andere sehen in der Magie ungeschwefelter ‚Naturweine’, wie sie in progressiven Sommelier-Kreisen als ‚Orange Wines’ gefeiert werden, die Zukunft.

Diese Orientierungslosigkeit des Handels macht Druck auf die Winzer. Statt sich mit Chemie, Physik und Mikrobiologie zu beschäftigen und zu überlegen, wie man als Winzer stilistisch oder qualitativ z. B. durch veränderte Arbeit im Weinberg ein Alleinstellungsmerkmal erreichen kann, versuchen immer mehr ihr Heil in neuen Kellertrends.

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Einer dieser Trends ist das im obigen Bild zu sehende Beton-Ei, hier bei Ludwig Knoll in Würzburg. Sein Montonia-Silvaner aus diesem Beton-Ei gehört unbestritten zu den eindrücklichsten Wein-Solisten Frankens. Trotzdem überlegt Ludwig Knoll, ob er das Experiment so weiterführen soll wie bisher.

Beton-Eier findet man inzwischen in zahlreichen Kellern Europas. Sie sind neben der esoterisch verklärten Amphore der neueste Kellertrend. Ein relativ kleiner Tank aus speziellem Beton, der ohne Auskleidung in Form eines großen Eies geliefert wird, beschäftigt immer mehr Winzer in aller Welt. Das Wein-Ei wird als neueste Innovation im Keller beworben und seine Benutzer loben seine besonderen Eigenschaften. So soll der Eintrag von Luftsauerstoff die Reifung des Weines fördern ohne den störenden Holzfaßgeschmack wie beim Barrique, und weil das Ei keine Ecken hat, verspricht man sich einfache Reinigung sowie durch die große Oberfläche des Betonstruktur natürliche Klärung und guten Hefekontakt.

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Was ist dran an den Weineiern aus Beton?

Beton, ein komplexes System mineralischer Elemente, wird von organischen und anorganischen Säuren, wie sie im Wein vorhanden sind, angegriffen. Deshalb werden die üblichen großen Betongärtanks, wie sie in tausenden von Kellern auf der Welt stehen, mit einer Kunstharz- oder Glasplattenauskleidung versehen. Beim Beton-Ei dagegen soll der Benutzer einen Schutz aus Calciumtartrat-Kristallen durch entsprechende Nutzung selbst aufbauen. Fakt ist, daß der Kalkgehalt im Beton zu einer permanenten Entsäuerung des Weines führt, was sich in massiver Weinsteinausscheidung manifestiert. Die ist von zahlreichen Faktoren wie der chemischen Zusammensetzung und der Oberflächenstruktur des Betons abhängig und deshalb kaum abschätzbar. Deshalb streicht man die Innenfläche des Tanks mit einer Paste aus Weinsäure und Wasser mehrfach so lange ein und behandelt sie dann mit einer wässrigen Weinsäurelösung nach, bis man im Wein keine Änderung des pH-Werts und der Säurewerte mehr feststellt.

Dieses Verfahren setzt im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend stinkende Schwefelwasserstoffverbindungen frei und führt zudem zu einem meßbaren Abtrag von Sand und Schlick aus dem Beton. In dieser Weinsäurelösung hat man erhebliche Mengen an Metall-Ionen festgestellt, insbesondere Calcium, Eisen, Aluminium und Magnesium und, typisch für Beton, auch toxische Schwermetalle. Ein Behältnis zum Ausbau und zur Lagerung von Wein sollte durch den Kontakt mit Wein keine analytische Veränderung desselbigen hervorrufen.

Neben der abnehmenden Gesamt- und Weinsäure hat man auch mineralische Bestandteile des Betons wie Eisen-Ionen im Wein nachweisen können; sie sind önologisch bedenklich, weil sie mit Sauerstoffkontakt zu Trübungen des Weins führen und das Alterungs- und Reifeverhalten negativ beeinflussen können. Die Mechanismen sind hinlänglich untersucht.

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Das Thema ‚Beton-Ei’ läßt sich auf dem bisherigen Wissensstand wie folgt zusammenfassen:

- Beton bietet in hygienischer Sicht keine Vorteile gegenüber dem traditionellen Holzfaß, sein hygienisches Verhalten scheint eher schwieriger zu sein.

- Im Vergleich mit dem traditionellen Holzfaß konnte bislang kein verbessertes Klärverhalten festgestellt werden.

- Sauerstoffdiffusion findet, anders als erhofft umd behauptet, nachweislich nicht in für den Wein relevanter Größenordnung statt.

- Wein greift Beton an. Dabei gehen unerwünschte Fremdstoffe in den Wein über, wobei der pH-Wert des Weines die Abgabe dieser metallischen Fremd-Ionen steuert. Was die in Beton stets natürlich vorhandene Radioaktivität mit dem Wein macht, ist bislang wenig untersucht (vgl. Baubiologie und Strahlungsbelastung im Wohnungsbau, ein massives Problem!).

- Geschmacklich und chemisch verändert sich der Wein durch den Ausbau im Beton-Ei, wobei qualitativ wie chemisch-physikalisch und mikrobiologisch keine signifikanten Vorteile gegenüber dem traditionellen Ausbau zu erkennen sind. Der wesentliche Vorteil von Beton scheint in seinem thermischen Verhalten zu bestehen, das insbesondere bei kleinen Gärgebinden aus nicht oberflächenbehandeltem Beton (wie dem Betonei) für kühle, frisch und expressiv wirkende Fruchtkomponenten sorgt. Die thermische Leitfähigkeit von Beton schwankt, wie viele seiner physikalisch-chemischen Eigenschaften, stark mit der Zusammensetzung, sie ist aber gering, zwar höher als Holz, aber deutlich geringer als bei Edelstahl, und könnte insofern den thermischen (und damit chemischen) Verlauf der Gärung durchaus beeinflussen.

Ich denke, man darf unter Berücksichtigung aller vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um das Thema Beton auf jeden Fall die Frage stellen, ob man mit entsprechender Qualitätsarbeit im Weinberg und gekonnt praktiziertem traditionellem Holzfaßausbau im Keller nicht nachhaltigere, auf jeden Fall aber ‚sicherere’ Weinqualitäten erzielen kann.

Das Beton-Ei und das Material Roh-Beton sind sicher gut für interessante Experimente. Noch aber scheint nicht einmal im Ansatz geklärt, ob die Nachteile die Vorteile des Werkstoffs nicht überwiegen. Mit ambitionierter Arbeit in Weinberg und Keller dürfte man qualitativ und geschmacklich auf jeden Fall ein ähnliches Ergebnis erzielen wie mit dem Ausbau in Beton, ohne dessen (ungeklärte) Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Solange die Fragen zur Chemie des Roh-Betons nicht grundsätzlich geklärt sind, stehen wir jedenfalls seiner Nutzung im Wein skeptisch gegenüber. Betontanks sind seit Erfindung des Werkstoffs in der Weinwirtschaft im Einsatz, bislang aber immer mit einer Beschichtung aus Glasphase oder ähnlich schützender Oberfläche. Die esoterischen Aspekte bei Vermarktung und Nutzung der Roh-Beton-Eier, die gerade als neuester Trend die internationale Winzerszene begeistern, lassen bei uns eher die Alarmglocken schrillen.

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Unsere Branche braucht seriöse und vor allem nachhaltig orientierte Arbeit im Weinberg, sowie schonend ‚langsamen’ Ausbau im Keller. Sie braucht Kompetenz beim Winzer wie beim Händler, statt schnelle Moden für den Abverkauf. Vor dem Hintergrund scheint der seit Jahrtausenden praktizierte Ausbau in der Amphore für Stilistik und Weinchemie noch mehr Sinn zu machen, als das Beton-Ei. Als Werkstoff-Ingenieur stehe ich jedenfalls der Nutzung nicht oberflächenbehandelten Rohbetons für den Weinausbau aus chemischen, und damit gesundheitlichen, Gründen skeptisch gegenüber. Beton macht im Laufe seiner strukturellen Trocknung mehrere Phasenumwandlungen im Mikro- wie im Makrostrukturbereich durch und besitzt je nach Herkunft, Zusammensetzung und Herstellungsverfahren komplexe mineralische Struktur und Inhaltsstoffe. Deshalb sollte man vor seinem Einsatz die Frage klären, ob es auf Zusammensetzung und Radioaktivität zertifizierten bzw. deklarierten Beton als Werkstoff gibt. Es sind noch so viele Dinge im vermeintlich ‘natürlichen’ Wein zu klären, man denke nur an biogene Amine, die zunehmende Relevanz für die Bekömmlichkeit besitzen, und man kann an so vielen anderen Stellschrauben für Qualität in Weinberg und Keller noch so viel drehen, experimentieren und erfahren, daß man mit der (modischen) Nutzung unbehandelten Betons nicht noch eine Front der Ungewissheit eröffnen sollte, bevor nicht einwandfrei geklärt ist, welche Auswirkungen sein Einsatz auf das Lebensmittel Wein hat.

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Mehr zu alternativen Ausbaumethoden von Wein in kommenden Beiträgen.

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Franken 2011: Doch mehr Wein als erwartet

Das Winzerleben kann richtig hart sein.

In Franken z. B. zerstörte eine -6°C kalte Frostwelle an den Eisheiligen Anfang Mai 2011 zahlreiche Traubentriebe. Die Winzer waren entsetzt und es setzte sich zunächst die Losung durch, daß es aus vielen Teilen Frankens kaum Wein geben würde im Jahrgang 2011.

Heute leiden viele Winzer Frankens unter dem damals verbreiteten Jahrgangs-Image, denn die Kunden bleiben aus. Viele scheinen sich umzuorientieren, weil sie glauben, es gäbe bei den fränkischen Winzern kaum Wein zu kaufen.

Dabei ist das Gegenteil der Fall. Zumindest bei einigen. Im Steigerwald z. B. brachten die vom Frost verschonten Winzer ungewohnt große Mengen Trauben in die Kelter, manche sprechen von einer doppelten Traubenmenge, die sie ernten konnten. Auch in vielen anderen Teilen Weinfrankens ist mehr als genug Wein in den Kellern. So viel,  daß viele Weine, wie erste Verkostungen zeigen, aus ob der enormen Menge nicht ausgereiften Trauben geerntet wurden und deshalb unattraktiv grün und dünn schmecken.

In Franken ist in 2011 also Vorsicht geboten.

Erneut nämlich werden, allerdings aus ganz anderen Gründen als 2010, extrem ungleiche Qualitäten auf Flasche unterwegs sein: Zum einen unreif dünne und unattraktive Magertropfen für Trockenwein-Masochisten, zum anderen reif gelesene, nur in kleinen Mengen verfügbare, qualitativ aber ausgereizt hochwertige Spitzenqualitäten, die Staunen lassen.

Wer seinen enormen Behang ohne Vorlese mit dem Vollernter in die Kelter brachte, hat entsprechende Magertropfen im Keller. 100 und mehr Hektoliter pro Hektar sind bei vielen Winzern keine Seltenheit. Man hört aber auch von noch ganz anderen Mengen in einigen Kellern Frankens  . . .

Wer sich freilich die Mühe machte, die vom Frost verschonten Erst- und die bei den spätreifenden Sorten wie Silvaner überlebenden Zweittriebe zu pflegen und bei der Lese in diversen, aufeinanderfolgenden mühsamen Durchgängen reif zu lesen (das Bild oben zeigt Familie Luckert bei einem ihrer Lesedurchgänge im steilsten Teil des Cyriakusberg), der konnte perfekt reife Trauben ernten und zu entsprechend hochwertigen Weinen verarbeiten. Die Erntemengen lagen bei diesen Winzern aber oft unter 30 hl/ha, also sehr wenig Wein, aber mehr als nichts. Und das zum Teil von herausragender Qualität.

Wer sich also für Frankens Spitzenweine interessiert, der muß in diesem Jahr sehr umsichtig ans Werk gehen, sich gut informieren und sehr viel verkosten.

Das tun wir für Sie. Ab Mitte nächster Woche sind wir wieder in den Kellern unserer (und vieler anderer) Winzer in Deutschland unterwegs, um den Jahrgang und seine Weine auf Herz und Nieren zu prüfen. Ein ausführlicher Jahrgangsbericht folgt umgehend.

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Franken: Das Weingut Zehnthof der Familie Wolfgang und Uli Luckert.

Luckerts wurden vor allem in ihren besten Lagen vom Mai-Frost 2011 besonders hart getroffen. Das Bild hier zeigt, wie die Triebe genau zwei Tage vor dem historischen Frost aussahen. Da war ich für die Vorbereitung einer Weinbergsexkursion für unsere Kunden bei Luckerts. Zwei Tage später waren diese Triebe erfroren und der ganze Weinberg sah schwarz aus vor Frostschäden.

Wolfgang Luckert war damals total verzweifelt. Es sah zunächst so aus, als ob das Weingut gar keinen Wein haben würde. Doch die Natur macht manchmal was sie will und so entwickelten sich die spätreifenden Sorten unerwartet besser als gedacht. Immerhin können Luckerts heute, selbst staunend über die Natur, 30 % einer normalen Ernte im Keller vermelden. So sah es nach dem Frost aus:

Trotz dieses Schadens gibt es also Wein bei Luckerts, wenn auch nur sehr wenig. Der aber, Freunde dieses besonderen fränkischen Weingutes, hat es in sich. Noch gären die meisten Weine im Keller, weil Uli Luckert mit wilden natürlichen Gärhefen arbeitet und weder Most noch Wein im Gärverlauf manipuliert, einige fangen derzeit wieder zu gären an nach dem winterlichen Stillstand, wie ich heute erleben konnte, und so beweisen erste Verkostungen, daß aus den winzigen Erträgen des Jahres 2011 besonderer Saft zu entstehen verspricht. Die Mengen sind teilweise winzig; so gibt es z. B. von Luckerts legendärem Muskateller gerade mal 220 Liter. Sie wird es ausschließlich bei uns geben. Vom Silvaner aber, dem Weißburgunder ‚Terrassen’ von den alten Reben, dem Sauvignon Blanc und dem Riesling ‘Steinriegel’ wird es doch ein paar tausend Flaschen geben, knapp 30 % einer normalen Ernte. Von den einfacheren Qualitäten gibt es so gut wie nichts, dafür von den hochwertigeren mehr. Die Luckert-Fans dieser Welt werden also nicht ganz ohne Stoff aus diesem denkwürdigen Jahrgang bleiben. Es wird sogar die Drei-Sterne-Qualitäten in homöopathischer Dosierung geben. Baldige Reservierung ist angeraten.

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Wir haben unsere Jungweinprobe bei Luckerst auf den 27. Februar angesetzt; da dürften die meisten Weine durch die Gärung und somit ernsthaft verkost- und beurteilbar sein. Dann werden wir Ihnen eine erste Vorabofferte zukommen lassen, verbunden mit einer detaillierten Besprechung des Jahrgangs.

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Unsere Empfehlung vorab: Streichen Sie Luckerts nicht ganz von Ihrer Einkaufsliste dieses Jahr, lassen Sie Platz für ein paar Fläschchen. 2011 verspricht nicht nur exzellent zu werden, sondern auch exklusiv, weil einfach nicht genug für alle da ist. Doch für alle, die Luckert-Wein haben möchten und dies rechtzeitig kundtun, wird es Wein geben. Versprochen! Unerwartet freundliche Nachrichten aus Mainfranken.

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Gestorben: Giuseppe “Bepi” Quintarelli

Nun ist er nicht mehr unter uns, der große Mann des Valpolicella, Giuseppe Quintarelli. Er starb gestern, am 15. Januar 2012.

Als wir ihn 1983 kennenlernten, um seine wunderbaren Weine über Jahre hinweg zu importieren, waren wir zu unerfahren, um die Größe dieses bescheiden auftretenden Querdenkers und seiner schon damals eindrucksvoll ‘anderen’ Weine wirklich zu verstehen.

Es war mühsam, an seine Weine heranzukommen. Er füllte sie damals noch von Hand und jede Bestellung bei ihm war mit großem Aufwand verbunden. Seine Weine aber faszinierten uns. Sie waren anders als alle anderen im Veneto. Damals ahnten wir ihre Größe nur und doch scheinen sie den Grundstein für unser Verständnis ausgefallener Qualität und Stilistik gelegt zu haben, was mir beim Schreiben dieser Zeilen erst so richtig bewußt wurde.

Nachmittage voll staunender Weinlust verbrachten wir mit ihm in seinem Keller. Wir genossen seine legendäre Gastfreundschaft mit hausgemachter Salami, köstlichem Käse und Weinen, die uns nachhaltig beeindruckten. Er nahm sich viel Zeit für uns. Damals war der italienische Weinmarkt noch ganz anders als heute. Er erwachte gerade erst, Starkult gab es nicht und Begeisterung öffnete Türen, die wenige Jahre später hermetisch verschlossen waren. Damals waren italienische Weine hierzulande weitgehend unbekannt. Enthusiastisch begannen wir sie zu importieren und es war Giuseppe Quintarelli, der uns mit anderen Querdenkern wie Josko Gravner oder den Brüdern Bensa, mit Elisabetta Foradori und Robert Voerzio in Kontakt brachte, die wir damals erstmals nach Deutschland brachten.

So wurden wir zu Beginn der achtziger Jahre zu einem der ersten Importeure ausgefallener italienischer Weine. Jeden Monat waren wir in Italien unterwegs. Immer und immer wieder zog es uns in den Keller von Giuseppe Quintarelli, der uns mit wunderbaren Restaurant-Tips ebenso versorgte, wie mit Winzertips. Wir verdanken ihm viel. Sehr schade, daß wir uns nach unseren erfolgreichen gemeinsamen Jahren aus den Augen verloren. Der italienische Weinmarkt veränderte sich aber zu Beginn der Neunziger Jahre so grundlegend, daß wir keine Lust hatten, den aufkeimenden Starkult und die utopischen Preise arroganter Agenten mitzumachen. A più tardi, Bepi!

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Die Champagne in Nöten? Strukturwandel allenthalben!

Hallo und guten Tag!

Nach den Feiertagen frisch im Büro. Wir wünschen Ihnen einen guten Start in ein für Sie gutes, gesundes und hoffentlich auch friedliches Jahr.

Die Finanzkrise, ich kann das Wort nicht mehr hören, denn es ist keine Finanz- sondern eine grundsätzliche Systemkrise, wird uns 2012 nachhaltig beschäftigen (müssen). Ich hoffe sehr, daß Sie uns nicht in unseren Grundfesten erschüttern wird.

Sie betrifft uns wie jeden anderen auch. Zwar wird in Krisenzeiten immer getrunken, die Frage ist nur wie und was. Nach der letzten Krise, ausgelöst und eingeleitet durch den 11. September 2001, ging es mit unserer Branche und ihrem Anspruch und Selbstverständnis über sieben bis acht Jahre bergab. Das Ergebnis ist frustrierend: Der Weinmarkt ist noch viel anspruchsloser geworden als er es vorher schon war. Noch nie in der Geschichte des Weines ging es im Wein so um Geld, Umsatz und Rendite wie zur Zeit, nach Qualität fragen immer weniger. Kompetenz? Fehlanzeige! Wer nichts wird, wird nicht mehr Wirt, er wird Weinhändler!

Und so ist das, was früher ‘Qualität’ hieß im Wein verkommen zu völlig unqualifiziertem ‘schmeckt mir’ bzw. ‘schmeckt mir nicht’. Gefördert wird das Ganze durch eine Politik, der der Schutz der Verbraucher egal ist. Sie wird gesteuert und kontrolliert von einer allmächtigen Industrieallianz, deren Lobbyismus so brutal wie effizient geworden ist. Deshalb darf heute im Wein, ganz offiziell politisch abgesegnet, gepanscht werden wie in den letzten Viertausend Jahren des Weinbaus nicht. Alle Mittel, die nicht unmittelbar tödlich enden, sind recht, zumal nach der EU-Weinmarktsreform, die für 2015 endgültig ansteht. So schmeckt denn heute auch die globale Einheits-Brühe, genannt ‘Wein’.

Anspruch, Qualität, Nachhaltigkeit, Kenntnis von und Freude an Qualität im ursprünglichen Sinne spielen auf dem modernen Weinmarkt nur noch eine untergeordnete Rolle. Man nehme als Beispiel die vielen Internet-Weinhandlungen. Dort taucht jetzt allenthalben der so lange geschmähte ‘Biowein’ auf, weil er gefragt ist und sich verkauft. Deshalb, das freilich sagt keiner dieser Händler, ist das, was sich ‘Biowein’ nennt, heute meist gruselig verindustrialisiert, zumindest hat es mit ‘Bio’ im ursprünglichen Sinne nicht mehr viel zu tun, außer daß die Trauben aus biologischem Anbau stammen. Doch aus welchem Anbau, nach welchen Regeln, mit welchen Mittelchen in Szene gesetzt? Und vor allem: Wie wird im Keller gearbeitet? Fehlanzeige.

Die Sortimente der wie die Pilze aus dem Boden schießenden Weinhandlungen im Internet wirken so normiert wie langweilig. Parkers Punkte sollen verkaufen und wenn´s die nicht richten, greift man zum jubelnden Superlativ. Ungeniert wird kopiert und rücksichtslos übernommen, was erfolgreich scheint und Erfolg verspricht. Eigene Konzepte sind Mangelware, Profil die Ausnahme. Trauriges Business.

Deshalb haben wir uns schon vor Jahren aus der Pseudo-Dynamik des globalen Weinhandels ausgeklinkt. Wir widmen uns der eigenen Dynamik, unterstützt von einer neuen Generation Winzer weltweit, die sich wieder auf ihre Wurzeln besinnt. Sie verkleinern wieder ihre Betriebe, sie gehen zurück zum handwerklichen An- und Ausbau, sie verlangsamen ihre Produktion, widmen ihren Weinen mehr Zeit in Weinberg und Keller und ihre Weine dürfen sich vor allem im Keller wieder mehr Zeit nehmen um zu dem zu werden, was wir als ‘Qualität’ im Wein verstehen. Vielfalt im Geschmack, schmeckbarer Herkunftscharakter, Individualität und Mut zum Anderssein als der Wein von der Stange geben schon heute einen Ausblick auf das, was vor zehn Jahren, vom Verbraucher weitgehend unbemerkt, eingesetzt hat: Die totale Spaltung des Wein-Marktes in industriell hergestellten Kommerz und handwerklich nachhaltig produzierte Individualität.

Als seriöser Weinhändler kann man es nicht mehr jedem Kunden recht machen. Man muß sich entscheiden, auf welchem Markt man mitspielen will. Der kundige Blick in die Sortimente des internationalen Weinhandels gibt eindeutig Auskunft. Das gefährliche Spiel mit dem Kommerz wollen zu viele mit dem Blick auf Umsatz und schnelles Geld mitspielen – und werden verlieren, denn was sich in den großen Kellern der Weinindustrie seit ein paar Jahren abspielt, ist dramatisch. Sie bastelt billigste Kommerzweine einigermaßen wohlschmeckend zusammen. Den heute gültigen ‘Schmeckt mir’/'Schmeckt mir nicht’-Kriterien gehorchen sie allemal.

Wozu dann Qualitätswein in unserem Sinne?

Für die eigene Seele gewiß, für´s eigene Plaisir, aber natürlich auch für eine Kultur, die sich über Jahrtausende entwickelt hat und heute historischer Herausforderung gegenüber sieht, die aber zugleich neue große Chancen für die Zukunft bietet. Laßt sie uns ergreifen, die Chancen!

Das Motto kann nur heißen: Raus aus der banalen geschmäcklerischen Scheinwelt, rein in eine Welt des echten, kundigen Genusses, den auch der Geist bestimmt, weil für ihn das Wissen um Herkunft, Machart, Reinheit und Nachhaltigkeit mindestens so dazu gehört, wie Geschmack, Geruch und Mundgefühl.

Daß sich Verbraucher und Weinmarkt in Veränderung befinden beweist der Champagner-Markt. Er wurde und wird, wie kein anderer Markt der Weinwelt, von Marken geprägt. Ausgerechnet die weltweit so erfolgreichen Marken spüren jetzt den Wandel, um den es auch uns geht. Weg vom globalen Produkt hin zum regionalen Geschmack mit Identität. Das wird das große Problem der Champagner-Marken, übrigens stellvertretend für die gesamte Branche, die diesen Wandel noch vor sich hat. Australiens schwer leidende Weinwirtschaft hat diesen Wandel als erste vor rund zehn Jahren zu spüren bekommen. Damals hat aber noch kaum jemand verstanden, welche Mechanismen zum Absturz führten. Heute kann man am Beispiel der Champagne sehr wohl verstehen, welcher grundlegende Wandel auf unserem Markt eingesetzt hat und welche Kämpfe hier noch zu fechten sein werden. Ganz in unserem Sinne. Wir haben diesen Wandel schon vor gut zwanzig Jahren geahnt, vor 15 Jahren proklamiert, über zehn Jahre darunter gelitten und heute sind wir gerüstet für das, was kommt.

Im Handelsblatt erschien am 4. Januar 2012 ein interessanter Artikel zu dem Thema, der aber letztlich zu kurz greift, weil auch Interviewpartner Steven Charters zu kurz greift. Er will vermutlich nicht aussprechen, daß es eine Krise der großen Champagner-Marken ist, weil die ganzen großen Häuser und Marken nicht in der Lage sind, ihre regionale Eigenheit, ihre Identität, gegen die Konkurrenz Prosecco, Java und globale Sparklings zu verteidigen, weil sie kaum so etwas wie eine Identität der Herkunft besitzen. Sie sind technisch brillant umgesetzt, charakterlich aber zu wenig unterscheidbar. Der regionale Unterschied wird seit wenigen Jahren von kleinen Häusern und einigen wenigen Spitzen-Winzern in der Champagne definiert. Sie präsentieren unverwechselbar trockene, mineralisch stachlige Champagner, wie es sie vor wenigen Jahren noch gar nicht gab. Echte Champagner, unverwechselbar in einmaligem Charakter, der Region und Herkunft unmissverständlich ins Glas bringt. Es ist dieser Strukturwandel, der der Champagne ein neues Gesicht geben wird in Zukunft und die Marken, die bislang der Champagne Profil, Profit und Ruhm sicherten, zu einer neuen Definition ihrer selbst zwingen werden. Diese Dynamik des Marktes wird die Champagne verändern in den kommenden Jahren. Man darf gespannt sein, in welche Richtung es geht. Das Beispiel der Champagne ist dabei gültig für alle Bereiche des modernen Handels, es geht um Strukturwandel in historischer Dimension – zum Wohle des kundigen Verbrauchers, der sich im Zeitalter der Massenkommunikation aber gezielter informieren muß, um an die gewünschte Information zu kommen. Wir sehen diesen Wandel und stellen uns für Sie (und uns) darauf ein. Auf ein gutes und erfolgreiches Jahr 2012, in dem uns allen auch ein bißchen Glück zugestanden sein möge . . . .

Hier der Artikel von Olaf Storbeck aus der Wochenzeitung ‘Die Zeit’, der ursprünglich im ‘Handelsblatt’ erschien:

Forschen über die Champagner-Krise

In Reims lehrt der einzige Professor für Champagner-Management der Welt. Stephen Charters sucht nach Auswegen aus der Krise, in der die Branche seit drei Jahren steckt.

Erst die Praxis, dann die Theorie. Zwei Gläser Champagner bestellt Stephen Charters für seinen Besucher und sich selbst, bevor er irgendwelche Fragen beantwortet. Der Aperitif vor dem Mittagessen. Jacquesson Brut ist an diesem Mittwoch der Champagner des Tages im traditionsreichen Café du Palais im Herzen der Champagner-Hauptstadt Reims 150 Kilometer nordöstlich von Paris.

“Jacquesson, das ist ein kleines, außerhalb der Region wenig bekanntes Haus”, fängt Charters dann doch an zu dozieren, bevor die Gläser auf dem Tisch stehen. Die älteste, konzernunabhängige Champagner-Kellerei der Region – sie produziert in Dizy, 30 Autominuten südlich von Reims und gehört zwei Brüdern mit einem großen Faible für Qualität.

Stephen Charters, der 54-jährige Brite mit dem grauen Vollbart, hat einen Job, den es nur einmal gibt auf der Welt: Er ist Professor für Champagner-Management an der renommierten Reims Management School, einer Kaderschmiede für Manager. Wenige Menschen wissen so viel über die wirtschaftlichen Strukturen und Besonderheiten der Branche mit ihren 292 Champagner-Kellereien und ihren 15.000 Weinbauern, für die die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr die mit Abstand wichtigsten des Jahres sind. Kaum jemand kennt die Marketing-Strategien der Unternehmen und die Herausforderungen, vor denen sie stehen, so gut wie Charters. Gemeinsam mit den Kellereien geht es ihm derzeit vor allem um eins: Wie kann die Branche die Wirtschaftskrise hinter sich lassen und die wachsende Konkurrenz auf Abstand halten?

Vor vier Jahren hat die Reims Management School den Champagner-Lehrstuhl aufgebaut um Management-Konzepte für den wichtigsten Wirtschaftszweig der Region zu entwickeln und Führungskräfte auszubilden. “Ich beschäftige mich nicht mit Produktionstechniken”, sagt Charters, “die werden schon anderswo gründlich erforscht”. Das Marketing und das Management von Wein ist sein großes Thema. “Mir geht es nicht darum, besseren Wein zu produzieren, ich möchte den Markt und den Konsumenten besser verstehen.”

Das ist heute wichtiger denn je. Schließlich waren die vergangenen drei Jahre hart für die Branche. Mit dem Chaos auf den Finanzmärkten und in der Weltwirtschaft sind die Champagner-Hersteller in die tiefste Krise seit Jahrzehnten gerutscht. 2007, dem letzten Jahr des großen Booms, war der Champagner-Absatz auf 339 Millionen Flaschen gestiegen – so viel wie nie zuvor seit der Erfindung des Schaumweines vor mehr als 200 Jahren.

Dann kollabierte der Absatz. Die gesamte Region hat darunter gelitten, schließlich ist die Champagner-Industrie längst der wichtigste Wirtschaftszweig in Reims und Umgebung: 30.000 Arbeitsplätze hängen dort am Champagner. Der Luxus-Schaumwein hält die Grundstückspreise oben und lockt Scharen von Wein-Touristen in die Region.

“Bis zum Ausbruch der Krise hatte die ganze Branche jahrelang nur ein einziges Thema: Wo bekommen wir genug Trauben her?”, erzählt Charters. Schlagartig hat sich das 2008 gedreht: “Alle haben sich dann gefragt: Wie werden wir unseren Champagner los?” Um den Absatz anzukurbeln, hätten die Hersteller die Preise gesenkt – und zugleich ihre Produktion zurückgefahren. Britische Supermärkte zum Beispiel warfen Champagner vor Weihnachten für weniger als zehn Pfund (zwölf Euro) auf den Markt. Charters schüttelt den Kopf, wenn er davon erzählt.

Grundfalsch sei diese Reaktion. Die überschüssige Produktion zu verramschen, damit schade sich die Branche mittelfristig massiv. Denn dann leide das Image bei den Verbrauchern. “Der langfristige Erfolg von Champagner kann nur gesichert werden, wenn die Hersteller von Preissenkungen absehen”, ist er überzeugt. Zu Beginn einer Wirtschaftskrise die Produktion herunterzufahren, sei noch aus einem anderen Grunde unsinnig: Die Produktion kommt erst vier bis fünf Jahre später auf den Markt. ”Die Branche denkt zu kurzfristig”, ist der Professor überzeugt, “das ist eines ihrer zentralen Probleme.” Bessere Instrumente zur Vorhersage der Champagner-Nachfrage zu entwickeln, ist ein wichtiges Forschungsprojekt, das Charters vorantreibt. Jede Rezession seit dem zweiten Weltkrieg hat die Champagner-Industrie hart getroffen. Jedes Mal hat sie sich danach aber auch wieder schnell erholt und neue Produktions- und Absatzrekorde aufgestellt.

Wird sich dieses Muster auch diesmal wiederholen? Kurz- bis mittelfristig ist der Professor zwar optimistisch, langfristig sieht er die Marke und die Region aber vor einigen strukturellen Problemen. So sei die Zahl der Wettbewerber größer geworden. “Früher gab es für Champagner kaum Konkurrenz von außen.” Das sei heute anders: “Wir haben sehr gute Proseccos und Cavas auf dem Markt, auch australischer Schaumwein ist zunehmend im Kommen.”

Werden die üppigen Preisaufschläge, die Champagner-Hersteller seit Jahrzehnten durchsetzen können, auf Dauer haltbar sein? Was bedeutet der Klimawandel für die Branche? “Das alles macht mir ein bisschen Sorgen.”. Charters ist erst über Umwege zum Champagner-Professor geworden. Wein und Champagner, das war lange Zeit nur eine private Passion des studierten Historikers und Rechtsanwalts. Erst im Laufe der Jahre hat er sich zum professionellen Kenner weitergebildet, darf sich seit 1997 offiziell “Master of Wine” nennen – ein Titel, den gerade einmal 299 Menschen weltweit tragen, die eine anspruchsvolle Prüfung am britischen Institute of Masters of Wine bestanden haben. Charters kehrt 2004 zurück an die Uni. Er promoviert im australischen Perth über objektive und subjektive Qualitätsmerkmale von Wein, unterrichtet dort danach Wine Studies und wechselt drei Jahre später an die Reims Management School. Dort leitet der Brite heute auch das Forschungszentrum Wine, Place, Value .

Seine Denkfabrik erforscht vor allem regionalwissenschaftliche Fragen: Wie lässt sich der Wein-Tourismus fördern? Wie entsteht eine kollektive Identität einer Weinanbau-Region? Wie lässt sich diese pflegen und im weltweiten Wettbewerb behaupten? Wie kann man verhindern, dass die regionale Marke durch Überproduktion verramscht wird? Der Erfolg des Champagners bietet Charters dabei ein ideales Fallbeispiel. Denn seit Jahrzehnten wacht eine Art Champagner-Gilde strengt über alle Facetten des Produkts: das “Comité interprofessionel du vin de Champagne” (CIVC), dessen Entscheidungen in der Region quasi Gesetzeskraft haben.

Eisern verteidigt das CIVC die Namensrechte. Jedes Jahr strengt es weltweit bis zu 1.000 Gerichtsprozesse an gegen Unternehmen, die den Namen missbräuchlich verwenden. Das Champagner-Komitee legt die Anbau-Gebiete fest und bestimmt die jährlichen Ernte- und Produktionsmengen. Das CIVC sei de facto ein Manager der regionalen Marke, dessen strenge Regulierung Champagner zu einem Luxusprodukt gemacht habe . “Mit freier Marktwirtschaft”, räumt Charters ein, “hat das nicht viel zu tun.”

Erschienen im HandelsblattCOPYRIGHT: ZEIT ONLINE

ADRESSE dort: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-01/oekonomie-champagner

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Alles Gute zum neuen Jahr. Auf ein gutes 2012!

Auf ein friedliches und gesundes 2012!

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Italien und der endlose Olivenöl-Skandal

Was will man dazu noch sagen! Wir wissen und sagen es seit Jahren . . .

. . . wer immer noch glaubt, daß es das Schnäppchen-Olivenöl für wenig Geld gibt, der möchte sich diesen Artikel aus Spiegel Online vom 23.12.2011 antun:

Olivenölskandal Italien

Unsere seriösen Olivenöle finden Sie hier: Die K&U-Olivenöle

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