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Blaufränkisch »Moric« Reserve 
2009

Blaufränkisch »Moric« Reserve

Roland Velich ist Blaufränkisch. Ein Winzer im Burgenland, der der Rebsorte  neues Gesicht zu geben verstand. Er tat und tut dies selbstbwußt abseits üblicher Rotweinklischees, die in der Regel auf dem Cabernet Sauvignon-Geschmacksbild basieren. Sein Blaufränkisch kann mehr. Sein vielfältiges Stil- und Geschmacks-Spektrum läßt sich je nach Herkunft und Machart zwischen Pinot Noir und hochwertiger Nordrhône-Syrah verorten: Zartheit mit Substanz, Transparenz mit Kraft und Farbe, sensible Finesse in kraftvoll zupackender Seide, kühle Eleganz.

Mit seiner »Moric«-Reserve des wunderbaren Jahrgangs 2009 argumentiert Roland Velich überzeugend. Kühl und frisch wirkt sie auf den ersten Schluck, nicht breit und fett, sondern lang  auf der Zunge, mineralisch pikant gewürzt. Das Wort »tiefgründig« kommt in den Sinn. Der Wein ist tief, mehrdimensional im Duft, zart und fragil im Mundgefühl, aber auch mächtig druckvoll in Gerbstoffen raffiniert seidiger Präsenz. Der Wein wirkt sinnlich, sensibel, zerbrechlich, legt aber auf der anderen Seite mächtig los, dicht in der Konzentration, kühl im Charakter und mundfüllend in Konsistenz und Wirkung. Unweigerlich kommt mir doch wieder Bordeaux in den Sinn, Bordeaux vergangener Zeiten allerdings, in denen er noch Leichtigkeit und Delikatesse besaß, die dieser Wein auf ganz eigene Weise mit der aromatischen Intensität von Syrah und der fragilen Wucht von Pinot Noir zu vereinen scheint. Blaufränkisch als faszinierend selbstbewußte Rebsorte im Konzert der großen Weine der Welt. Die Quintessence großen Blaufränkisch. Hier zu erleben.

Roland Velich vereint in seiner Reserve Trauben seiner Lagen in Neckenmarkt und Lutzmannsburg. Die Schiefer- und Kalklagen Neckenmarkts sorgen für Eleganz und samtige Würze, die sandigen, tonigen Böden des auf Kalkuntergrund liegenden Lutzmannsburger Plateaus sind für das männlich erdige, duftig blaue Lorbeer- und Wacholderprofil verantwortlich. Struktur und Finesse, Samt und Seide, Dichte und Feinheit in druckvoll intensiver Reserve-Qualität. Spontan vergoren, offene Maischegärung über 3 Wochen, anschließend 20 Monate auf der Feinhefe in 500- und 1000-Liternfässern gereift, ohne Schönung oder Filtration gefüllt. Großes Blaufränkisch-Erlebnis unverwechselbaren Profils. Großer Wein.

Moric (Roland Velich)

In Österreichs Weinszene ist längst nicht alles Gold was glänzt. Je ‚bedeutender’ weil berühmter die Winzer werden, um so weniger interessant erscheinen uns ihre Weine. Es wird viel zu viel in den Kellern getrickst und gebastelt und auf ein bestimmtes Geschmacksbild hingetrimmt, weil viele österreichische Weintrinker noch immer viel zu sehr auf vinologische Silikonbusen abfahren, als die Kraft der Natur verstehen zu wollen. Österreichs Weinszene teilt sich in zwei divergierende Lager, die immer weniger miteinander zu tun haben. Es ist bedauerlich, daß der internationale wie auch der österreichische Weinhandel nicht das Rückgrat haben, für die Kunden zwischen dem Kunst- und dem Naturprodukt Wein zu unterscheiden, stattdessen huldigt er dem vinologischen Populismus und Infantilismus. Die bis vor wenigen Jahren kleinstrukturierte Weltweinszene erlebt durch globale Konzerne derzeit historischen Strukturwandel, dessen sich viele Verbraucher und Weinhändler nicht bewußt sind. Internationale Getränkekonzerne kaufen sich in bekannte Weingüter und Weinvertriebsfirmen ein, die mit der Macht globaler Vertriebsstrukturen alle Kanäle des Weltweinmarktes mit banalem Inhalt auf hohem technischem Niveau penetrieren.

Ein Winzer, der sich selbst sehr zurücknimmt, aber sensibel auf Markt und Kunden reagiert, ist Roland Velich. Er hat seine Nische erkannt und ist zur treibenden Kraft hinter dem wahren, dem ‚unplugged’ Blaufränkisch geworden, der sich anschickt, zur überzeugenden Größe aus dem Markt zu werden.

Roland Velich ist ein sensibler Winzer und ein feiner Mensch. Er muß sich den Markt für seine so anderen Blaufränkisch gerade bei sich vor der Haustür erst erobern und tut sich schwer damit. Seine Weine sind fragil aber dicht, sie sind zart aber mächtig, kraftvoll und schwebend, zupackend und vibrierend lebendig. Wie guter Pinot Noir. Nur anders. Auf die typischen Dicktrinker wirken sie sauer, mager und unverständlich, weil Frische, Finesse und Länge, wahre Größe im Wein, nicht ihr Ding sind. Noch immer sind vor allem laute Reize in Österreichs Weinszene gefragt, siehe Wachau, wo Alkohol und Kraft unbeirrt wichtiger zu sein scheinen, als Herkunft und Charakter. Das trifft Roland Velich, der noch immer weit vor dem Markt agiert und deshalb im Ausland mehr Ansehen genießt, als im eigenen Land.

Sein ‚Moric’, gesprochen wie der Name Moritz, ist ein so engagiertes wie wegweisendes Projekt in der österreichischen Weinszene, das sich Blaufränkisch verschrieben hat, die Herkunft wagen. Roland Velichs persönliche Weine stellen den populären, aber uniform langweiligen Weincharakteren aus Quasi-Industrieweinbau individuelle Persönlichkeit entgegen. Seine Moric-Blaufränkisch wagen Charakter und Identität, die von der Industrie nicht zu kopieren sind, weil sie unverkennbare Herkunftsprägung und eigenständiges Profil besitzen.

Roland Velichs ‚Moric’-Weine sind authentisch ungeschminkte Rotweine, produziert auf historischen wertvollen Lagen, die er für besonders hält: In Lutzmannsburg und Neckenmarkt fand der kompromißlose Qualitätsfanatiker, der es sich selbst nicht leicht macht, Winzer, die bereit waren, von alten Reben - in Lutzmannsburg 50 bis 100 , in Neckenmarkt 30 bis 70 Jahre alt - Trauben für das Projekt nach seinen Vorstellungen zu produzieren. Durch niedrige Erträge, spontane Vergärung auf wilden Hefen in offenen 1000l- und 2000l-Gärbottichen und langes Hefelager mit regelmäßigem Aufrühren in hauptsächlich gebrauchten Holzfässern entstehen so richtungsweisende, visionär puristische Blaufränkisch, die die Typizität ihrer Lagen expressiv widerspiegeln. ‚Moric’ konfrontiert mit neuen geschmacklichen Paradigmen und fordert heraus. Erleben Sie die faszinierende Welt neuer authentisch österreichischer Rotweinzukunft.

Interview von Christian Seiler mit Roland Velich.

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Die Rebe

Blaufränkisch

Blaufränkisch, große Rebsorte des Österreichischen Burgenlands. Auf dem Weg an die internationale Spitze. In Deutschland als Lemberger außer von Württembergern kaum verstanden und geschätzt. In Österreich aufgestiegen zur meist angebauten roten Rebsorte des Landes, wo sie grundsätzlich anders schmeckt als deutscher Lemberger, was auf die klonalen Unterschiede des Rebmaterials zurückzuführen ist. Im Friaul bekannt als Frankonia, in Ungarn Kekfrankos.

Blaufränkisch treibt früh aus, ist also spätfrostgefährdet. Er reift aber zugleich auch so spät, daß er nur in warmen Regionen qualitativ hochwertig gelingt. Und weil er zu Produktivität neigt, müssen seine Erträge durch weinbauliche Maßnahmen gezielt gezügelt werden. Wenn man ihn aber im Weinberg im Griff hat und auf die Manipulationen moderner Kellerwirtschaft verzichtet, bringt Blaufränkisch  herrlich charaktervolle Rotweine hervor. Dann kann er, stilistisch zwischen hochkarätiger Nordrhône-Syrah und gutem Burgunder Pinot Noir angesiedelt, bemerkenswert vielschichtige, aromatisch feine aber komplexe, mit pikant agierender Säure ausgestattete Rotweine bewundernswert eigenständiger Stilistik liefern, die in trinkfreudiger Frische und blauschwarzer Farbtiefe unverwechselbar geschmeidige Gerbstoffe von seidiger Dichte auf die Zuge bringen, und das mit einer Rasse und Klasse in Stil und Qualität, die weltweit ihresgleichen sucht.

Im österreichischen Burgenland widmen sich ein paar ambitionierte Winzer der Rebsorte mit Können und besonderem Engagement. Sie verzichten bewußt auf die dort übliche Mostkonzentration und den kosmetischen Einsatz neuen Holzes, weil sie den Herkunftscharakter, die aromatische Feinheit und die strukturelle Komplexität des Blaufränkisch in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen, und nicht die künstliche Kraft der Konzentration oder den Populismus des Alkohols und seiner ermüdenden Süße suchen. Sie verarbeiten gesunde Trauben so schonend wie möglich; sie vergären spontan und bauen sensibel in größeren Holzfässern aus, sie behandeln den Wein so natürlich wie möglich und orientieren sich am pH-Wert als dem Schlüssel für Mikrobiologie und Bekömmlichkeit. Sie sorgen so für faszinierende regionale Identität, die jedem einzelnen ihrer Weine das unverwechselbare Profil seiner Herkunft verleiht. Sie meiden plakative Stilistik und überlassen ihre Weine mutig dem Spiel der Jahrgänge, die wie bei Pinot Noir sehr unterschiedlich ausfallen. Sie wagen ursprünglichen Charakter in jedem ihrer Weine und zelebrieren Blaufränkisch als eine der großen roten Rebsorten der Weinwelt.

Lange Zeit dachte man, Blaufränkisch wäre mit Gamay oder Mondeuse verwandt, vermutlich, weil die alte, eigenständige Rebsorte viel zu lange mit viel zu hohen Erträgen beaufschlagt und im Keller falsch behandelt wurde. Im Burgenland wird Blaufränkisch auf über 3000 ha rund um den Neusiedlersee angebaut. Sie wird dort überwiegend reinsortig gekeltert, doch gibt es auch Cuvées mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Zweigelt, Syrah, Pinot Noir und anderen Rebsorten, die es aber nur selten schaffen, aus der Monotonie dicker, mollig weicher, fetter, zwar eindrucksvoll dimensionierter, aber uniform und konturenlos wirkender Monsterweine plakativ internationaler Stilistik auszubrechen. Die stilistische Interpretation der Rebsorte Blaufränkisch ist im Burgenland zum Politikum und Streitobjekt ideologischer Stilistik-Lager geworden, die sich bipolar entgegenstehen: Auf der einen Seite stehen die überaus erfolgreichen dicken, alkoholisch fetten Rotweine internationaler Prägung mit Süße, opulenter Aromatik, weicher Säure und dichtem Gerbstoffgerüst; auf der anderen Seite die Puristen mit eleganten, von feiner Säure geprägten delikaten Weinen natürlicher Expressivität und ungekünstelter Regionalstilistik.

Wir beziehen kompromißlos unideologisch aber qualitativ eindeutig Stellung: Wir bieten Ihnen ausschließlich seriöse Blaufränkisch an, denen nicht mit dem Konzentrator und entsprechend notwendigen Korrekturen im Keller zu Geschmack verholfen wurde. Unsere Weine entstammen seriösem Weinbau und beweisen Herkunft mit Identität und Charakter im Glas. Nur sie stehen unserer Meinung nach für das Potential der spannend anspruchsvollen Rebsorte, das es in diesen bemerkenswert puren Weinen neu zu entdecken gilt. Sie fokussieren Weltklasseniveau in mutig eigenständigem Geschmacksparadigma, das populistisch bequeme Breite im Mundgefühl durch mineralisch frische Länge ersetzt.


 

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Vorübergehend nicht verfügbar.
je Flasche à 0.75l / 35,87 €/L
inkl. MwSt. / zzgl. Versand
Österreich - Burgenland
rotBlaufränkisch
Langsam
6er Karton
Art-Nr. OER09006
Inhalt 0.75l
Alkohol: 13,5 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2016+
Restzucker: < 1 g/l
Anbau: Naturnah
Ausbau: Holzfaß > 300 l
Boden: Schiefer
Besonderes: Unfiltriert
Dekantieren: Ja
Vergärung: Wilde Hefe (spontan)
Verschlussart: Naturkork
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